Das Wort Politiker gilt in weiten Kreisen bereits als Schimpfwort. Da scheint es nur rätselhaft, warum immer noch so viele sich politisch betätigen wollen. Denn es ist doch längst bekannt, daß man nirgendwo sonst ohne besonderen Befähigungsnachweis die Stufen , sprichwörtlich gesagt, hinauf fällt. Und dabei eine Menge Geld verdient und Privilegien genießt. Besonders die österreichische Innenpolitik ist eine Spielwiese für Emporkömmlinge, Apparatschiks und Karrieristen aller Art. Daß sich letztere gerade auch unter Haider so entfalten konnten, stimmt nachdenklich genug, galt doch der blaue Strahlemann als ganz großer Hoffnungsträger. Doch nur wer sich nicht blenden ließ, ahnte bereits früh genug, daß das alles nicht gut gehen konnte und nur den maßgeblich Beteiligten erheblichen Nutzen bringen konnte. Und so war es denn auch. Je unverschämter und verantwortungsloser man vorging, desto erfolgreicher war man schließlich. Nun ist hoffentlich auch wirklich allen klar, daß in Haiders Umgebung nicht alles mit rechten Dingen zu ging. Dies nur als Beispiel unter vielen, denn gar so anders ist es derzeit, egal wo, ja auch nicht. Und trotzdem: Während in manch anderen zivilisierten Ländern bei persönlichen Verfehlungen längst von selbst ein Trennstrich gezogen oder unseriösen Politikern einfach das Handwerk gelegt wird, wird in Österreich, hier besonders in Wien, erst richtig aufgegeigt. Mit frechem Charme und rhetorischen Kniffen schwindelt man sich über die Runden, gelingt es einen sogar wiedergewählt zu werden und sorgt rechtzeitig vor, daß man, nach einem Abgang, alle seine Schäfchen im Trockenen hat.
Solche Beispiele machen natürlich Schule, und es gelingt erstaunlicherweise immer wieder die Öffentlichkeit diesbezüglich hinters Licht zu führen, das heißt, die alte Methode als neue und sich selbst als ganz anders zu verkaufen. Als solcher darf man dann seine Hände in Unschuld waschen und als Anständiger unter lauter Spitzbuben wandeln. Man muß sich dabei nur laut und vernehmlich von den anderen oder von seinem Vorgänger distanzieren. Meist reicht dies bis zu dem Zeitpunkt, wo man die erdenklich beste Position für sich einnehmen kann. Das weitere kennen wir schon. Und dann kommt wieder ein neuer Hoffnungsträger, und das Spiel fängt von vorne an. Alles läuft wie vorher, im Kreis sozusagen. Ehe nun aber nicht jemand kommt, der diesen Kreis durchbricht, wird weiter das Alte für das Neue gehalten werden. Von Narren wie wir, die das ganze Werk aufrecht erhalten. Durch Duldung eines Systems, das sich repräsentative Demokratie nennt und nichts anderes mehr ist als ein raffiniertes Instrument der Machtausübung zum Zwecke der Bereicherung einer Klasse, die in regelmäßigen Abständen durch Neuzugang aufgefrischt wird. Die Grassers und Meischbergers sind daher nur die Spitze eines Eisberges, und solange das System an sich nicht (wie in Ägypten) grundsätzlich in Frage gestellt wird, wird sich nichts ändern.
Der Meinung kann ich mich zu 100% anschließen. Entweder gibt es wirklich nur mehr sehr wenige Idealisten, oder die werden rechtzeitig ausgesiebt, vertröstet und einfach verprellt.
Dass unser System nicht – wie bspw. in Ägypten – in Frage gestellt wird, dafür wird und wurde vorgesorgt.
Beistandspflicht, European Gendarmerie Force und Söldnerheere. Erst haben wir es durch (vermeintlichen) Wohlstand „übersehen“ und jetzt folgen die Hiobsbotschaften Schlag auf Schlag.
Na dann gute Nacht!