Weit unten in Ägypten

Wohl  nur wenige hatten damit gerechnet, daß der tunesische Funke so schnell auf Ägypten überspringen würde.  So wie der Niedergang des Westens nicht geradlinig erfolgt und sich dramatisch beschleunigen könnte, so scheint das Erwachen der  arabischen Massen in sich abwechselnden Phasen unterschiedlicher Intensität zu verlaufen, heißer Kulminationspunkt nicht ausgeschlossen.  Vorerst heißt es abwarten, vieles ist möglich, selbst zwischenzeitliche Stagnation und Chaos.                                                                       Was  noch fehlt ist ein neues  von charismatischen Persönlichkeiten repräsentiertes Machtzentrum, das  die nötige Autorität hat, die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen eines Landes zu dessen Wohle  zusammenzuschweißen  und  das über genügend Ressourcen verfügt, um die Massen zufriedenzustellen.  Der Knackpunkt für jede Regierung wird  die Lösung der ökonomischen und sozialen Probleme sein.  Ob das ohne Hilfe von außen  möglich sein wird, bleibt fraglich.

Die Erwartung,  in Ägypten (oder Tunesien) könnte eine Demokratie streng nach westlichem Vorbild funktionieren, ist wahrscheinlich zu hoch angesetzt, aber, unter bestimmten günstigen Voraussetzungen nicht auf alle Ewigkeit ausgeschlossen.  Als heißeste  Anwärter auf eine Machtübernahme können derzeit , zumindest in  Kairo, Militärs und  Islamisten gesehen werden, sofern sich nicht  Persönlichkeiten  aus der  so genannten Zivilgesellschaft als fähig  und stark genug erweisen., das Heft in die Hand zu nehmen.  Das müßte aber bald geschehen.                                                                           Allerdings würde eine stärkere  Anlehnung an den Westen, sprich Amerika, ohne spürbare Verbesserungen im Lande, endgültig die Islamisten an die Macht bringen. Dann aber könnten wir entscheidend  betroffen sein, wenn Millionen Kopten zu flüchten versuchten.   Also ginge das verschlafene Brüssel, das wohl auf ein Stichwort aus Washington wartet, die Entwicklung da unten verdammt mehr an als es bisher zu erkennen gegeben hat.

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5 Antworten zu Weit unten in Ägypten

  1. Paul Fischer schreibt:

    Es wäre sensationell, wenn eine neue politische Struktur ohne charismatischer Persönlichkeit zustande käme. Mubaraks neues Kabinett ist ein Kriegskabinett. Das Handlungsmuster wie 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens. So viel zum Pessimismus. Positiv fällt auf, dass die neuen demokratischen Phänomene – vorerst – ganz ohne Islamisten auskommen. Vielleicht hat George Bush seinen Krieg bereits gewonnen, ohne dass er es weiß. Ein dünner Faden der Ereignisse lässt sich auch bis zu Obamas Rede auf der Universität von Kairo Frühjahr 2009 spinnen. Und es scheint sich zu zeigen, dass „der Geist der Wahrheit“ nicht nur den Kommunismus zertrümmert hat, sondern auch den totalitären Islam zu sprengen beginnt. Es lebe Al Jazzeeras, es lebe das Handy, es Lebe das Internet – und,mit Abstrichen, Wiki Leaks.

    • Helmut Müller schreibt:

      Die arabische Welt ohne charismatische Persönlichkeit? Schwer vorstellbar. Die Islamisten sind auch noch da, sie mischen mit, aber im Hintergrund. So wie CIA, Mossad usw.
      Den Krieg gegen den Terror kann man nur gewinnen, wenn man ihn nicht gleichzeitig durch Interventionspolitik und/oder Unterstützung korrupter Regime fördert. Wenn man selbst immer wieder das Übel nährt, hilft die beste Therapie nichts.

  2. Pingback: Weit unten in Ägypten « Sache des Volkes

  3. DI Gerhoch Reisegger schreibt:

    Das Gefasel über charismatische Persönlichkeiten und Demokratie ist lächerlich. Die plötzlichen Aufstände in Nordafrika sind – wie die Rosen, Tulpen, grünen oder orangen, etc. „Revolutionen“ – Inszenierungen der US-Geheimdienste, „NGOs“, „Think-Tanks“ und des Geldes von ‚“Philantriopen“, die ein paar lokale Anführer in den USA ausbilden und ihnen die Logistik zur Verfügung stellen. Das Ziel ist nicht „Demokratie“ – lächerlich das in islamischen Ländern überhaupt in Erwägung zu ziehen -, sondern das Chaos. Wenn dann die arabische Welt und die Anreiner (EU-Europa) damit beschäftigt (= paralysiert) sind, kann der längst geplante Angriff auf den Iran stattfinden. – Ein Raubkrieg, bei dem es u. a. ums Öl geht.

    • anonymus schreibt:

      @DI Gerhoch Reisegger
      Lieber Hr. DI!
      Ihre schlechte Laune im Forum nimmt allmählich notorische Formen an. Bei all verschiedenen Meinungen und Standpunkten ist doch eines klar: wir alle wollen hier gerne über die neuesten Diskurse und Entwicklungen nachdenken und dabei die Regeln der allgemeinen Höflichkeit beachten, unbeschadet aller Gegensätzlichkeit. Nicht alle hier von Müller beschriebenen Szenarien laufen nach US-amerikanischem Drehbuch ab, Verschwörungstheorien sind oft recht kurzgreifende Mittel, komplexe Zusammenhänge auf ein Minimum herunterzubrechen, an dieser Stelle aber versagt die Brechstange. Politik ist immer ein Kampf von Interessen, und wer mag abstreiten, dass die Araber nun für die ihrigen einzutreten gewillt sind? Natürlich sind die Amis einer von mehreren wichtigen Akteuren, sicher sind Demokratie und Islam nicht kompatibel, selbstverständlich muss die iranische Ebene immer mitgedacht werden. Aber dennoch ist das US-amerikanische Imperium nicht allmächtig, im Gegenteil, der Zenit seiner Ausdehnung scheint bereits überschritten.

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