Im Schatten des Terrors: Eine Präsidentin Marine Le Pen für die Grande Nation?

A  l´ombre de la Terreur: Une  présidente Marine le Pen pour la Grande Nation?                                                                                                                                         In the Shadow of Terror: A President Marine le Pen for the Grande Nation?

Erst einmal: Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft. Und so mancher der zu früh gestartet war und vorwärts stürmte, wurde kurz vor dem Ziel von einem, der es langsamer anging,  überholt. Eine bittere Erfahrung für den Überholten, wie sie mit etwas Pech und flauer gewordener Kampagne auch Marine Le Pen ins Haus stehen könnte. Aber da selbst auch in der Politik ein Nuance  Glück dazu gehört, das  nicht selten aus dem „Unglück“ eines Mitbewerbers resultiert oder  einer „Bombenstimmung“ zu verdanken ist,  darf  Madame noch hoffen.

Da käme nun das Attentat von den Champs Elysées gerade recht. Doch einer, dem die Rolle des Überraschungssiegers  auch noch zuzutrauen wäre, ist für viele, neben dem angeschlagenen Francois Fillon, der linke Volkstribun und Millionär Jean-Luc Melenchon. Obzwar derzeit beinahe alles für den vom Establishment und von Brüssel bevorzugten Rothschild-Banker Emmanuel Macron spricht. Marine le Pen  nun also gegen mindestens drei Herren eines korrupten politischen „Establishments“.

Doch im Falle eines Scheiterns Marines könnte unter Umstaänden der harte Kern des Front National  wieder Auftrieb bekommen. Wahrscheinlich nicht mehr mit dem von seinen Anhängern so bezeichneten „Menhir“* als Galionsfigur, vielleicht aber mit dessen Enkeltochter, der intelligenten und charmanten Marion Marechal-Le Pen. Letztere sitzt  ihrer Tante bereits im Nacken. Sie steht ihrem Großvater, der von Marine arg „gemobbt“ wurde,  sehr nahe und wird von dessen Anhängern geschätzt.

Als ich vor etlichen Jahren wegen eines Interviews für ein Buchprojekt Jean Marie Le Pen in seiner Villa in Saint Cloud aufsuchte, war von Marine kaum die Rede, zumindest nicht im politischen Kontext, ja Machtstreben war der Jüngsten lange Zeit sogar fremd. Seither ist viel Wasser die Seine hinunter geflossen und es erfolgte ein Rollentausch: Jetzt  ist Marine viel beachtete  Parteipräsidentin, ihr Vater hingegen im verordneten Schmollwinkel. Denn Marine hat zwar nicht den Charme ihrer Nichte, so doch die Härte ihres Vaters verinnerlicht. Und, seit dem Attentat auf das Wohnhaus der Familie im Jahre 1976, die Erkenntnis: „Politik ist gleich Gewalt“.

Marine le Pen ist also gewiss keine Sanfte, vor allem, wenn die neue Parteilinie, das heißt, weg vom alten Front National-„Image“, nicht streng befolgt wird. Selbst eine Namensänderung wurde bereits angedacht. Vor allem geht es gegen Widerstandsnester in der Partei: Vergangenen Sommer sollen dutzende Funktionäre ihres Postens enthoben, hunderte Gemeinderäte  zurückgetreten oder ausgewechselt worden sein. Medien sprachen von einem „Blutbad“ im Funktionärskader.

Es rumort unterirdisch, aber man hält, den Sieg vor Augen, noch zur Partei. Kennt man ja aus anderen Parteien. Einen der Verantwortlichen für die neue Linie sieht die mit der alten Linie liebäugelnde Fraktion in dem „Gaullisten“ Florian Philipott (als Polit-Stratege auch einer der Vizepräsidenten)), der sich Ende 2016  als Schwuler geoutet hat, was  Marine jetzt Stimmen aus der Schwulenszene sichern dürfte, ihr aber von Gegnern innerhalb der Partei Häme einbringt.

Wie gesagt, es rumort. Einer der Mitbegründer des Front National, Jacques Bompard, Bürgermeister von Orange und jetzt Mitglied der  rechten Gruppierung „Ligue du sud“, wirft Marine Le Pen vor, sie sei gegenüber dem Islam zu kompromissbereit (wettert nur gegen den Islamismus, Anm.), wenn sie meine, es bestehe keine Gefahr für Frankreich und  es fände kein Bevölkerungsaustausch statt;  außerdem, so Bompard, stehe sie wirtschaftlich und sozial zu weit links. Ein Thema auch in Schwesterparteien des Front National  und bestimmt einer näheren Befassung wert.

Das rechte Journal „Rivarol“ unterstellte Marine gar einmal, sie sei Sklavin der zionistischen Lobby. Es wird dabei vergessen, das Jean Marie Le Pen bereits vor ihr Kontakte zu den Zionisten suchte, ehe er für diese mit seinem Sager vom „Detail der Geschichte“ (Gaskammern) den Bogen offensichtlich überspannt hatte. Aber Fakt ist, auch seine Tochter kann diese bestimmte Seite nicht ignorieren, wobei in der Sache ihr Lebensgefährte  Louis Aliot  sowie  ihr Sicherheitsberater, ein überzeugter Zionist,  aktiv tätig sind.

Ihres Vaters  Missgeschick wird Marine Le Pen nicht so schnell widerfahren, obwohl sie zuletzt für die offensichtlich auch in Richtung FN-Kernwähler gedachte Aussage, Frankreich sei für die Deportation der Juden nicht verantwortlich, harsche Kritik einstecken musste. Französischen Kindern werde beigebracht, sich nur an die „dunkelsten Aspekte“ der Geschichte des Landes zu erinnern, meint sie. Kommt uns irgendwie bekannt vor.

Die in den bürgerlichen Salons sich zu Hause fühlende Marine Le Pen ist natürlich keine Ausländerfeindin, zu der sie von unseren Medien gestempelt wird. Sie hat nie gesagt „Ausländer raus“, wie dieselbe Journaille glauben lassen möchte. Dass sie widersprüchliche Aussagen macht, kann aber gesagt werden.  Marine deshalb eine Rechtsextreme?  In manchen seiner Stellungnahmen ist ihr linkes Gegenüber, Melenchon, entschieden radikaler, und der wird doch auch nicht als Extremist gehandelt. Eher nähert sie sich wie Trump, dem sie etwas nacheifert, auch dem  „Establishment“ an.

Gegen die erwähnten Unterstellungen sprechen auch Aussagen wie: sie ärgere sich zutiefst, wenn jemand den Holocaust relativiere, jeder wisse, was in den KZ geschah, es sei die Barbarei gewesen. Auch meint sie, es gäbe keinen Unterschied zwischen Franzosen mit Migrationshintergrund und Bio-Franzosen, und die Einwanderung sei unumkehrbar. Unumkehrbar würde damit aber mit einer Präsidentin Marine doch auch der „große Austausch“. Und der von ihr beschworene „Herr im eigenen Haus“  hätte  danach mit den Franzosen von heute außer der Sprache nur mehr wenig gemeinsam.

Könnte man sagen, Marine le Pen einmal gewählt, wäre dann trojanisches Pferd und Präsidentin von Frankreich zugleich? Eine Horrorvorstellung für viele ihrer Wähler, gewiss, und der 23.April daher ein Schicksalstag für die Grande Nation, so oder so. Interessant wird es jedenfalls. Ob dazu die von ihr und ihrem „Team“ eingeleitete Neuausrichtung des Front National für einen Erfolg beim ersten Durchgang der Präsidentenwahl reichen wird?  So weit hatte es übrigens ihr Vater (einst der „Mann ihres Lebens“) schon einmal geschafft, und zwar 2002.

Erschwerend für Marine Le Pen  könnte sich jedoch erweisen, dass der dynamischer und frischer wirkende Melenchon ihr mit seiner ablehnenden Einstellung zu EU und Euro bei linken Wählern, die deshalb den FN gewählt hätten, gehörig Wasser abgraben könnte. Allerdings wird  derselbe Populist mit linksradikalen Forderungen etwa zu Einkommensbegrenzung und Verstaatlichung und mit seinen Sympathien für weitere Einwanderung, wofür er zwar die Muslime gewinnen dürfte, nicht wenige Franzosen abschrecken.

Für beide, Marine le Pen  und Jean-Luc Melenchon, wie auch für die anderen Kandidaten, geht es jetzt darum, noch schnell die vielen Unentschlossenen zu gewinnen. Da alle Kandidaten  ziemlich nahe beieinander liegen, könnte man meinen, die Entscheidung an diesem Sonntag hänge an einem seidenen Faden. Mit Blick auf den zweiten Durchgang darf aber angenommen werden, dass sich bis dahin die  Mitbewerber  gegen Marine Le Pen verschworen haben werden. Sollte dennoch eine Frau in den Elysee-Palast einziehen, wäre das eine echte Sensation, doch niemand muss befürchten, Madame würde oder könnte  alle ihre 144 Wahl-Versprechungen wahr machen.

*Im Bretonischen: ein länglicher unbearbeiteter Einzelstein, der aufrecht gestellt wurde, umgangssprachlich also jemand, der gerade da steht und den nichts umwerfen kann.

Zum Thema

Marine le Pen im Interview: https://youtu.be/Lz6nDU0oo20

Jean Luc Melenchon per Hologramm: https://youtu.be/9hhDd3clPzo

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Zwischen Krieg und ewigem Frieden

 

Entre guerre et paix éternelle                                                                                         Between war and eternal peace

 

Im vergangenen Jahr träumte ich davon, wie hinter einer Gebirgskette am Horizont zwei oder drei Raketen einschlugen und sich darauf grellrote Feuerbälle entfalteten. Aha, dachte ich mir, Atomraketen. Obwohl das Geschehen offensichtlich in der Ferne ablief, war ich im Traum zutiefst beunruhigt. Und erneut bin ich es, dieses Mal aber dabei hellwach. Denn die Möglichkeit eines mit Atomwaffen geführten Krieges rückt Jahrzehnte nach der Kuba-Krise erneut in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Der Traum irritierte mich noch aus einem anderen Grund: Ich hatte  in der Vergangenheit gelegentlich mich verblüffende Träume, da sie sich nicht nur einmal bewahrheiteten. Hoffentlich ohne Belang dieses Mal.

Inzwischen haben wir uns an die vielen Kriege schon so gewöhnt, dass wir einen der womöglich letzten  wie schicksalshaft hinzunehmen scheinen. Die Lage erinnert an die Kuba-Krise. Aber anders als damals  haben wir es  heute an der Spitze zweier Staaten offenbar mit Narren*  zu tun. Zumindest wird es uns so vermittelt, wobei ich glaube, dass der mit einer Endzeit-Sekte im Rücken residierende Herr im Weißen Haus eine Spur unberechenbarer ist. Wir sollten uns bei der Gelegenheit auch die Frage stellen, inwieweit die US-Außenpolitik nicht doch auch für die brandgefährliche  Lage im Fernen Osten verantwortlich ist. Oder, um es mit dem Iren Gerry Adams zu sagen, ob sie nicht immer wieder  Brände löschen muss, die sie selbst gelegt hat.**

Man kann nur hoffen, dass die  demonstrative  Entschlossenheit der einen wie der anderen  Seite richtig eingeschätzt wird und jeder Seite für sich die Folgen eines unter Umständen nuklearen Schlagabtausches bewusst ist. Die drei Millionen zivilen Toten des einstigen Korea-Krieges und die totale Zerstörung des Landes damals sollten Mahnung genug sein. Wieder wäre es, käme es zu dem befürchteten Einsatz atomarer Waffen, die Masse des Volkes, die den größten Preis zu bezahlen hätte. Wobei ja, sollte Peking sich jetzt  in diesem Konflikt noch zurückhalten, eine Auseinandersetzung welcher Art auch immer mit China in Zukunft weiter möglich ist. Besorgniserregender Weise  scheint es so, als ob das Trump-Team außer der  militärischen keine  andere Karte zu ziehen imstande wäre.

Der  Gefahr eines lokalen Atomkrieges mit unabsehbaren Folgen für den Rest der Welt sind sich in Europa aber doch einige bewusst. Zuletzt hat sich als einer der wenigen europäischen Politiker, der österreichische Außenminister, für eine atomwaffenfreie Welt ausgesprochen. Möglicherweise wird aber diese Initiative das Schicksal jener erleiden wie sie etwa 1955 vom damaligen britischen Außenminister, Anthony Eden, und später, 1957, von seinem polnischen Kollegen (Rapacki-Plan) ergriffen wurden. Die Initiativen wurden nicht weiter verfolgt. Das  zuletzt im März 2017 in der UNO-Versammlung sichtlich mangelnde Interesse maßgeblicher Staaten an einem Atomwaffenverbot  verhalf also zu einem déjà vu. Einem unerfreulichen allerdings.

Damals befürchtete Bonn, ganz Deutschland könnte neutralisiert werden, was der Sowjetunion angeblich einen militärisch-strategischen Vorteil gebracht, den Interessen der USA aber ganz sicher geschadet hätte. Aus denselben Interessen wurde,  wie im Falle Korea, ein Friedensvertrag vertagt, und wird deshalb das deutsche Volk weiter an der Nase herum geführt, wodurch man aber „geschäftlich“ im großen Spiel bleibt. Und so ist zu vermuten, dass Washington in letzter Konsequenz den  status quo auf der koreanischen Halbinsel  einem geeinten, aber neutralen Korea vorziehen würde. Dazu ein gefährliches Muskel-Spiel à la Trump, wie jenes gegen Russland auf Kosten Deutschlands und Europas.

Wie auch immer, wir  scheinen jedenfalls von einem dauerhaften Frieden in der Welt weiter entfernt denn je zu sein. Die großen Führer haben versagt oder versagen, die repräsentative Demokratie hat versagt und versagt weiter. Die einen erliegen der Machtgier, und  unsere „Demokratie“ wird nicht von jenen regiert, die sie repräsentieren. Viele Mitmenschen neigen daher zu der resignativen Einstellung, es liege in der Natur des Menschen, Krieg zu führen. Schluss,  Punkt?  Einer, der sich damit ausführlich beschäftigt hat,  Kant, kam schließlich zu dem Schluss, das Unheil könne nur durch es selbst und seine Folgen aufhören. Nun, Kant wusste noch nichts von der Atombombe und konnte sich die Folgen eines Atomkrieges auch nicht in seinen kühnsten Träumen ausmalen. Daher würde der ewige Friede, von dem er sprach, von ganz anderer Qualität sein.

Und doch!  Kant, einerseits „realpoltisch“ nüchtern, andererseits sich der Macht des guten Willens bewusst, hatte immerhin eine uns bereits geläufige, sympathische Vorstellung davon, wie ein Krieg verhindert werden könnte, als er unter anderem schrieb: „Was guter Wille hätte tun sollen, aber nicht tat,, muss endlich die Ohnmacht bewirken,: dass ein jeder Staat in seinem Inneren so organisiert werde, dass nicht das Staatsoberhaupt, dem der Krieg eigentlich nichts kostet, sondern das Volk die entscheidende Stimme habe, ob Krieg sein solle oder nicht“. Vorwegnahme einer direkten Demokratie also. Aber dazu müsste den derzeit Herrschenden die Macht aus deren Händen erst entrissen werden. Ob sich diese Einsicht noch rechtzeitig durchsetzen wird?

*„Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele.
Ich glaube wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende,
und ich glaube ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage.
Das ist das Wahnsinnige daran.“  (John Lennon)

**Der vorgesehene Friedensvertrag lag nicht im strategischen Interesse der USA

Zum Thema

Dritter Weltkrieg https://youtu.be/ajHud8NtA5I

Trumps Optionen (engl.)  https://youtu.be/XcRC6GLx_T8

Atomwaffenverbot https://youtu.be/I9jPPjudXoQ

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Ein Jahrhundert US-Imperialismus in Europa – Es reicht!

Un siècle US-Imperialisme américaine en europe –  il suffit!                                  A century US-Imperialism in europe –  it´s enough!

Wenn wir uns heute mehr denn je an politische und ökonomische Entscheidungen und Entwicklungen ausgeliefert sehen, dann möchten die meisten unter uns es anscheinend so hinnehmen wie es ist, da, wie sie vielleicht meinen, man darauf ohnehin keinen Einfluss habe. Und wie es so ist, scheinen die meisten dann auch gar nicht wissen zu wollen, was die Gründe für  unsere heutige wenig erfreuliche Lage sind. Denn das hieße ja, womöglich aktiv zu werden.

Die Tatsache, dass man an dieser  Lage sehr wohl etwas ändern könnte (schließlich stehen Menschen nicht nur hinter Entscheidungen, sondern wir Menschen können auch miteinander denken und handeln)  wird somit  nicht selten aus Bequemlichkeit, aber ebenso aus Feigheit ausgeblendet. Womit mit so einem Verhalten eine Ursachenerforschung logischerweise vom Tisch ist. Aber genau diese  sollte ja anstatt ständiger Symptom-Bekämpfung, die nur unsere bedrohte Lage als Europäer und unser nationales Elend  verlängeren, Priorität haben. Lehrt uns das nicht die Geschichte?

Aus dieser lernt man ja nur dann nichts, wenn man auf sie  nicht hört oder sie  nur selektiv wahrnimmt bzw. wahrnehmen will. Es lohnt sich aber doch zurück zu schauen.  Hermann Hesse  erwähnte es einmal, und ich hatte es hier schon einmal angeführt: Die alten Chinesen hatten die Gewohnheit, ein  bedeutendes öffentliches Ereignis, etwa eine militärische Niederlage oder eine schwere  ökonomische Krise, offiziell um 25 Jahre zurück zu datieren. Keineswegs aus Spaß natürlich.

Man war, um  es hier zu wiederholen, der Meinung, ein aktuelles Ereignis besser verstehen und seine Wurzeln erkennen zu können, wenn man ein Vierteljahrhundert zurückschaue. Denn ungefähr solange brauche es, bis gute oder böse Ursachen oder Sitten sich äußerlich widerspiegelten, hieß es damals. So weit, so gut, aber es  scheint mir einen weiterführenden Versuch wert. Will heißen, etappenweise immer wieder 25-Jahre zurück, bis zu einer der  primären Ursachen der heutigen Lage von Nation und Europa.

Wenn wir die letzten 25 Jahre zurückschauen, dann finden wir in der Tat einen herausragenden Anknüpfungspunkt : 1992 war das Jahr als  der Sieg der vom Westen unterstützten Mudschaheddin in Afghanistan sehr schnell zum Aufstieg der anfänglich von den USA hofierten Taliban und in der  weiteren Folge zum 11. September 2001 führte. Der höchstwahrscheinliche „Inside-Job“ diente  dann als Vorwand für den bis heute andauernden Krieg gegen den Terror, der seinerseits noch mehr Terror und Kriege  und damit eine Flut an Flüchtlingen und Migranten, vor allem auch eine vermehrte globale Überwachung mit sich brachte. Aber gehen wir weiter zurück.

1967/68, also 25 Jahre vor den verrückten Taliban, begann das Wüten ebenso verrückt scheinender  Wertezerstörer und Denkmalstürmer, von denen viele, inzwischen angepasst und das  einstige Feindbild  lobend, sich wie die Maden im Speck  in Gesellschaft und staatlichen Institutionen bequem gemacht haben. Mit einst vom Osten unterstützten  kulturmarxistischen Vorstellungen und von der westlichen Elite  bevorzugten  linksliberalen Wahnideen,  können sie als unverzichtbare nützliche Idioten  eines weiter führenden Umerziehungs- und Gesellschaftsveränderungsunternehmens gesehen werden. Und damit werden wir heute von  politisch korrektem Gesinnungsterror und islamistischem Terror in die Zange genommen. Wem zum Vorteil?

Eine weitere gut 25-jährige Etappe zurück, hatte  Hitler die Schnapsidee, der USA den Krieg, zu erklären, was die  USA am selben Tag in gleicher Weise beantworteten. Ab 1942 begann sie denn auch an der Seite der  Anti-Hitler-Koalition zu kämpfen. Ab diesem Zeitpunkt nahmen die Nachkriegsabsichten der USA zumindest in groben Zügen Konturen an: politische Kontrolle Europas sowie Eroberung dessen Marktes, Kleinhaltung Deutschlands und, im Rahmen der Umerziehung, Ausschaltung des für Deutschlands Größe sehr  maßgeblich verantwortlichen  preußischen Ethos zu Gunsten einer Sklavenmentalität.

Nun liegt zwar, von Hitlers katastrophaler Politik einmal abgesehen,  die vielleicht alles entscheidende Ursache für Nachkriegsdeutschlands Elend und Europas Schwäche offen im Geschichtsbuch auf, doch wird sie der Öffentlichkeit bewusst erschwert zugänglich gemacht. Dabei brauchte man nur  weitere 25 Jahre zurück zu gehen: 1917 kam es nicht nur zur Februar-Revolution in Russland, die im selben Jahr zu der von anglo-amerikanischen Bankiers finanzierten Oktoberrevolution führte. Jedoch, und damit entscheidend für das weitere Schicksal Europas, traten  im April desselben Jahres die USA,  mit der anglo-amerikanischen Finanzelite im Rücken, in den Krieg gegen Deutschland, Österreich-Ungarn und ihre Verbündeten ein, womit diese eigentlich alle Hoffnungen auf einen Endsieg fahrenlassen konnten.

Ermöglicht wurde diese US-Intervention sehr maßgeblich durch  Englands opportunistisches Nachgeben gegenüber derselben  Geld-Elite, die einen zionistischen Staat, sprich: eine Quelle permanenter Konflikte,  im Nahen Osten forderte und Dokumenten zufolge dafür Waffen und den Kriegseintritt der USA zusagte.  Ein damals sich abzeichnender Waffenstillstand auf dem europäischen Schlachtfeld wurde dadurch verhindert, nicht aber zusätzliche Millionen Tote

Nach WK I-Kriegsende hatte es Washington dann geschehen lassen, dass das Deutsche Reich und Österreich in Versailles bzw. in St. Germain bei den Friedensverhandlungen schwer gedemütigt, entrechtet  und ausgeraubt werden konnten, was schließlich zum Aufstieg Hitlers und zu dem bereits 1917 angekündigten, allen Revanchisten willkommenen „Finis Germaniae“ führte. Spätestens da sollte klar sein, dass  nicht Zufall und Laune die Welt regieren und unsere heutige Situation mit jedem der hier erwähnten Ereignisse auf die eine oder andere Weise etwas zu tun hat, diese direkt und/oder indirekt auf unsere Gesellschaften einwirken.

Die USA, 1945 noch dazu begünstigt durch Tonnen deutscher Vermögenswerte (Patente usw.) und ein durch Krieg und Teilung geschwächtes Europa, stieg jedenfalls nicht zufällig zur Supermacht auf. „Uncle Sam“ konnte selbstbewusst und ungehindert  seinen Fuß  nachhaltiger und dauerhaft auf europäisches Territorium setzen, wo er, seines sowjetischen Gegenübers einmal entledigt, bis heute steht und für seine Verbrechen und Zerstörungen seither seine Vasallen zur Kasse bittet. Wobei diese auch noch in größere Kriegsabenteuer, gar einen Weltkrieg, hineingezogen werden könnten. Inzwischen ist ja  schließlich Donald Trump in der Washingtoner Realität angekommen und schießt erst einmal aus der Hüfte.

Wer sich spätestens jetzt vor dem US- Imperium fürchtet, der tut es einerseits zwar zu recht, hat aber andererseits damit demselben bereits zu viel  Macht über sich eingeräumt. Man bedenke dabei, dass man oft schwächer ist, wenn man sich auf einen anderen stützt, als wenn man sich auf sich selbst verlässt. So stellt sich die Frage: Muss dieses von Finanzoligarchen und Sozialdarwinisten geführte Imperium, das seit hundert Jahren in Europa interveniert, erst zusammenbrechen, damit  ein selbstbestimmtes, freies Europa freier Nationen, befreit auch von Geschichtsschlacken und US-Lakaien in Staat und Gesellschaft, in der Politik und in den Medien, auferstehen kann?

Ein Jahrhundert der sichtbaren wie auch der verdeckten Besetzung großer Teile Europas, der  seit WK II-Ende laufenden Indoktrination und Umerziehung, der ökonomischen und währungspolitischen  Beherrschung, sollte eigentlich genug sein. Kurz gesagt: es reicht! Wenn von der Hegemonialmacht abhängige Politiker und Journalisten zwecks Ablenkung von der Realität  fordern, man solle, von speziellen Geschichts-Empfehlungen abgesehen,  nur nach vorne schauen, so ist das zwar politisch korrekt. Wer aber aus Opportunismus oder falscher Rücksichtnahme den klaren Blick zurück scheut, wem Auschwitz den nötigen Durchblick verwehrt und wer alles widerstandslos geschehen lässt, der ist von der Geschichte dazu verdammt, mit Krieg und Terror „Made in USA“ bis auf weiteres  leben zu müssen. Eben auch in Europa.

Eine Anmerkung aus aktuellem Anlass

Assad, sicher moralisch nicht schlechter und auch nicht besser als so mancher Verbündete der USA im Nahen und Mittleren Osten, wird derzeit wegen eines Giftgaseinsatzes durch alle gleichgeschalteten Medien geprügelt, obwohl kein Beweis präsentiert wurde. Daher lohnt es sich auch einmal nur fünf Jahre zurück zu schauen: Laut Recherchen des US-Journalisten und Pulitzer-Preisträgers Seymour Hersh ist die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verantwortlich für eine Geheimoperation im Jahr 2012, in welcher Sarin aus libyschen Giftgas-Beständen mit Hilfe der CIA nach Syrien geschmuggelt und dort von islamistischen Rebellen eingesetzt wurde. Der Giftgasanschlag wurde später der al Assad-Regierung in die Schuhe geschoben und sollte als Vorwand für eine Militär-Intervention der USA dienen. Also ziehen die USA und ihre Verbündeten immer wieder das ewig gleiche Spiel auf. Erst „false flag“  produzieren, dann los schlagen. Aber ich denke, die Welt durchschaut schön langsam dieses dreckige Spiel und auch die Auftragsschreiberei der  Journaille.

Zum Thema

Weltpolitik der USA https://youtu.be/06AyfUlWaXI

Krieg in Europa https://youtu.be/0wrx0RlIJPQ

Finanzfaschismus https://youtu.be/wpPadjBMjF4

Alphajournalisten https://youtu.be/OeJoo1F6vY8

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Rechtspopulisten: Ende der Fahnenstange?

Populistes de droite: Fin du mâte de drapeau?                                                        Right wing populists: End of the flagstaff?

 

Wenn die Welt noch zu retten sei, so werde  sie von den Amateuren gerettet werden, denn die Spezialisten seien mehr als alle anderen verantwortlich für die desolate Lage, in der wir uns befänden, meinte einst der Altösterreicher Erwin Chargaff. Schaut man sich heute das politische Personal rundum an, dann muss man ja unwillkürlich zu dem Schluss kommen, jetzt müssten Amateure ran. Ein Spatz im Dorf handelt jedenfalls verantwortungsvoller als Frau Merkel im Staate.

Aber kaum in den Startlöchern oder knapp vor dem Ziel, beginnen auch schon „Rechtspopulisten“ viele ihrer Anhänger zu enttäuschen. Und je weiter  manche dieser Hoffnungsträger  vorwärtsstürmen, desto ähnlicher werden sie den Etablierten, reden unter Ihresgleichen aneinander vorbei, ignorieren die Kunst des Disputierens und wissen die  Machtmechanismen hauptsächlich zum persönlichen Vorteil zu nützen. Vom vorausgeschriebenen Erfolg geblendet, geht bei einigen das Ego mächtig durch.

Aus diesem Grunde scheint vielen auch die Alternative für Deutschland  nicht mehr ganz im rechten Lot  zu sein. Was anderes als ihr Ego hat die bald fünffache Mutter Frauke Petry bloß dazu getrieben, einen Parteifreund vor aller Welt zu desavouieren? Und jetzt eine Rücktrittsdrohung, was wie eine Flucht aus der Verantwortung wirkt. Damit wäre eine kalte Dusche bei den nächsten Wahlen denkbar.  Auch wer die Fabeln Aesops nicht kennt, weiß, dass die Zunge nicht nur das Beste auf der Welt sein muß und ein gesprochenes Wort nicht zurück geholt werden kann.

Die unermesslich große Arbeit, die einer politischen Alternative zum etablierten System aufgetragen ist, verbietet jeden von Eitelkeiten oder parteifremden Interessen diktierten Kleinkrieg. Vertrauen ist oft schneller verspielt als errungen, und im Handumdrehen könnten immer mehr enttäuschte  Anhänger in das Lager des propagandistisch besser ausgestatteten Gegners überlaufen, der  – wie in Österreich – inzwischen eine Erfolgsformel der unliebsamen Konkurrenz mit Gewinn als seine eigene Erfindung auszugeben weiß.

Das mag aus Sicht des blauen „Originals“ bedauerlich, ja sogar desaströs  sein, wirkt aber nur dann nachhaltig schädigend, wenn man andere Schwächen der Herrschenden vernachlässigt oder ignoriert und keinen Plan B hat. Dazu kommt, dass HC Strache psychisch und auch sonst gesundheitlich schwer angeschlagen wirkt, vom Kanzleramt weiter denn je entfernt ist und sein interner Rivale Hofer  bereits schwerwiegende moralisch-politische Fehler begangen hat. Darüber helfen weder prahlerische Worte noch das Beschwören patriotischer Werte hinweg.

Der derzeitige Stand der Dinge ist aus Sicht all jener die in deutschen Landen  an eine „nationale“ Wende  glauben sicher betrüblich.  Und es könnte sich atmosphärisch sogar noch zum Schlechteren wenden, sollte Marine Le Pen, ähnlich wie Wilders in Holland, an ihrem Ehrgeiz und falschen Beratern scheitern. Nebenbei bemerkt hat auch Madam zuletzt einen schweren Fehler begangen, indem sie in einem Interview ihre von vielen Parteifreunden geschätzte Nichte, Marion Maréchal Le Pen, ein politisches Ausnahmetalent,  mit Eigenschaften wie „“starr“ (weil nicht genug biegsam?) und „unerfahren“ (aha, noch kein altes Polit-Schlachtross) abqualifizierte. Das ist ein „No-go“, menschlich wie politisch gesehen.

Eine Partei sollte nicht nach  ihrer messbaren Größe, sondern nach dem Charakter ihrer Führung beurteilt werden. Könnte  also der  rechtspopulistische Aufbruch  am Ende nicht nur aus politisch-strategischen Gründen sondern auch aus Mangel an Klugheit der Führenden  in einer Sachgasse enden? Nicht unbedingt,  wenn charakterstarke Kräfte an die Spitze gelangen, die ganz selbstverständlich die großartige Aufgabe in ihrer ganzheitlichen Bedeutung erkennen und verinnerlichen. Sie könnten  jenseits alter Schablonen und gegen den globalistischen Zeitgeist der nationalen Idee wieder zum Durchbruch verhelfen. Wenn sie aber dazu nicht in der Lage sind, wird es sich gegen sie vollziehen und eine nationale Renaissance erschweren.

Zum Thema

Petry-Rückzug: https://youtu.be/i5WYfaP8Lyk

Marion Maréchal Le Pen (frz.) https://youtu.be/dj8sS0G1TWw

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Dirk Müller hat die Schnauze voll. Nicht nur er.

 

Dirk Müller a un museau plein. Non seulement celui-ci                                      Dirk Müller has a muzzle full. Not just him.

 

Gibt es heute noch einen normal empfindenden und bestens  informierten Menschen, dem nicht schon beim bloßen Gedanken an die Zustände in Staat und Gesellschaft und in der Welt überhaupt, an die dreisten Lügen und Betrügereien und die in sämtlichen Bereichen verursachten brandgefährlichen Verwerfungen die Galle hochkäme? Den einen oder anderen fällt es gewiss bereits schwer, nicht die Hoffnung aufzugeben, dass bei den dafür Verantwortlichen, gerade trafen sie sich bei Champagner und Kaviar in Rom, Weisheit und wahre Kultur noch obsiegen.

Dirk Müller, Börsenmakler, gehört zu jenen, die des  Unzumutbaren wegen gehörig empört sind. Es reicht ihm, ja, er hat regelrecht die Schnauze voll, aber er gibt deshalb noch  nicht auf, hoffentlich. Wenn heute vor aller Welt Dinge geschehen, die früher hinter den Kulissen gut aufgehoben waren, wenn mit der Migration ausufernde Kriminalität einzieht und die Justiz dabei oft auf einem Auge blind ist oder wenn Lügen rund um den Syrien-Krieg ausgebreitet werden und am Ende auch noch ein Dritter Weltkrieg droht, dann kann man Dirk Müllers Unmut nur zu gut verstehen.

https://youtu.be/gTzg929zRGc

Auch  Andreas Popp, Gründer der Wissensmanufaktur, gehört zu den zu recht Empörten. Er nimmt die im Hintergrund auf dem Geldsystem, den Medien und dem uneingeschränkten Eigentumsrecht  sich stützenden Machtzirkeln aufs Korn und warnt vor der  Entladung  einer real existierenden Spannung. Aber wie den alltäglichen Wahnsinn stoppen? Das Alte muss Neu werden, will heißen, Umänderung des Alten,  heißt sein Rezept dazu. In letzter Konsequenz sollten wir, wie er meint, wieder zu uns finden. Wahrscheinlich der steinigste Weg von allen.

http://www.wissensmanufaktur.net/nichtwaehlen

Dem neoliberalen Herrschaftssystem wie auch der Links-Rechts-Demagogie widmet sich Professor Rainer Mausfeld, der sich ebenfalls bereits einer getreuen Anhängerschar erfreuen darf. Einleuchtend  ist seine Feststellung, dass jede Veränderung erst einmal im Kopf beginnt. Wissen ist zwar der Schlüssel, das aber wissen die Herrschenden auch. Deshalb sind von deren Seite  Desinformation und Manipulation angesagt. Dem gilt es gegenzusteuern, das heißt, die Empörten sollten am Drücker bleiben, sprich: umfassend und faktengetreu weiter  informieren und aufklären. Wenn sie damit den Eliten Angst einjagen, so ist es ganz recht.

https://youtu.be/Rk6I9gXwack

Besonders  linksliberale Intellektuelle, die dem Wahn verfallen sind, nur sie verstünden die Demokratie oder die Relativität der Wahrheit, haben allen Grund sich zu ängstigen. Noch glauben sie, in einem Meer des auch von ihnen verschuldeten Chaos eine Insel der Toleranz zu sein. Diese Gewissheit verteidigen sie mit unnachgiebiger Strenge und einem Übermaß an Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit. So denken sie, die einzigen zu sein, die rassistische Vorurteile überwunden haben, tragen aber gerade durch ihren Toleranzübermut dazu bei, dass eben dieser „Rassismus“ eines Tages populär werden könnte.

Die Fiktion, alle Menschen seien gleich, ist ja einer der wesentlichen Gründe, warum die zielgerichtete Invasion außereuropäischer Ethnien und der Glaube, Gleichheit verleihe das Recht auf Staatsbürgertum, so gut vorankommen. Der demonstrative, nicht ganz uneigennützige  Einsatz bestimmter Politiker, Parteien und NGOs  für Asylanten aller Art führt irgendwann zu dem bitteren Ergebnis, daß zu viel Humanität dieselbe am Ende tötet und damit einem neuen Faschismus die Brücke baut. Das ist ein weiterer Grund um gegen den organisierten Wahnsinn dieser Tage aufzustehen.

Letzte Anmerkung:  Der klarsichtige englische Schriftsteller und Historiker H. G. Wells meinte 1902 in einem Vortrag in London:“Wir stehen am Anfang der größten Veränderung, welche Europa jemals erfahren hat.“ Da war es erst der Anfang, heute stehen wir mitten drinnen. Noch hätten wir die Möglichkeit, das Schlimmste zu verhindern. Wenn jedoch der politische Wille dazu fehlt, dann bleibt nur noch eines: umfassender Austausch der  politischen Eliten, bevor wir von ihnen gegen Fremde ausgetauscht und in ein erbärmliches Elend  gestoßen werden.

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Wir sollten uns neu erfinden

Nous devons nous réinventer                                                                                                   We should reinvent ourselves

 

Es  mag vielen wie ein Treppenwitz der Geschichte erscheinen, daß linke Spitzenpolitiker in Österreich und Restdeutschland den rechten holländischen „Wahlsiegern“ gratulieren. Beinahe wie Ertrinkende scheinen sie und andere sich an die „Niederlage“ Wilders, dessen politische Ansichten man nicht teilen muss,  zu klammern. Neben einer gewissen allgemeinen Ratlosigkeit – „der Geist ist aus der Flasche“ (Wilders) –  verweist deren Vorgehen in letzter Konsequenz auch auf gemeinsame Interessen. Und man könnte in deren überschäumenden Reaktionen auf die Wahlergebnisse durchaus auch eine  beginnende Wagenburgmentalität von Systemverteidigern erkennen wollen.

Die von der politischen und gesellschaftlichen Crème de la Crème eingenommene Haltung entspricht in etwa jener eines österreichischen Nachrichtenmagazins, dessen Chefredakteur unlängst dieselbe und das System selbst „bei aller Kritik“ für sinnvoll erachtet. Gemeint sind:  „europäische Integration, Internationalisierung, Offenheit gegenüber fremden Kulturen, Regeln des politischen Zusammenlebens“. An sich könnte man dem zustimmen, wüsste man nicht, was damit in Wirklichkeit gemeint ist: europäischer Bundesstaat, Herrschaft der Banken und Konzerne, Multikulturalismus und Politische Korrektheit.

Eigentlich stellte sich damit für oppositionelle Rechtspopulisten die Systemfrage, aber gerade diese scheint weder  in den Niederlanden  noch sonst wo konsequent und unmissverständlich gestellt zu werden. Was da tönt, klingt eher lauwarm-reformorientiert und nicht wirklich entschlossen nach gesellschaftspolitischer Generalüberholung. Liegt es vielleicht auch daran, daß man noch keine einheitliche, dem nationalen wie auch europäischen Anspruch gerecht werdende  Weltanschauung,  die  das Gute der Dauer und den Sinn für den Wechsel zugleich zulässt, sich erworben hat?

Sollte es denn nicht darum gehen, sich eine für viele grundlegend neue Sicht der Dinge anzueignen, welche die  abendländische Krise des Geistes und des Glaubens zu beenden vermöchte und die  im Stande wäre, der Markt- und Konsumkultur eine ethisch-moralische Infrastruktur eines neuen sozialen Miteinanders von Individuen, Volksgruppen und Völkern in und für Europa gegenüberzustellen? Ein linke und rechte Dogmen und historische Gräben überwindendes Konzept sozusagen.

Die Zeit drängt. Bis jetzt nehmen die rechtspopulistischen Parteien zwar eine nützliche Funktion ein, haben aber systembedingt ein Ablaufdatum als System-Alternative. Ja einige hindern sogar das Entstehen einer revolutionären nationalen Speerspitze, die den opportunistischen  Populismus-Vorstoß der Etablierten ins Leere laufen ließe. Ich wiederhole: Wilders und Co.  haben ihre Nützlichkeit, etwa  indem auch sie den Boden für eine Wiederkehr des Nationalen aufbereiten, aber durch Unterwerfungen verschiedenster Art  könnten  sie als vermeintliche nationale Alternative bald  überflüssig werden. Denn sehr schnell wird man, und einige sind schon kurz vor dem Ziel, zu einer ganz normalen Systempartei. Wenn man bei Pfründen und Privilegien einmal angekommen ist.

Wie es ja anders auch nicht sein könnte, wird doch in vielen Fällen mit der Bevorzugung politisch zwar ehrgeiziger, aber knetbarer oder erpressbarer rechter Galionsfiguren und nützlicher „Hiwis“ im Kleinformat ein Schritt in diese Richtung gesetzt. Nicht überraschenderweise sieht sich das System durch neue Köpfe und die  jüngsten Abwehrerfolge bei gleichzeitiger Annäherung seiner politischen Hilfstruppen an rechtspopulistische Forderungen vorübergehend wieder gestärkt und zuversichtlich. Was nun, also?  Wir sollten uns neu erfinden, meint die sympathische Kabarettistin Lisa Fitz. Da ist was dran. Aber, wie gesagt, die Zeit drängt.

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Eunuchen und Haremsdamen für Erdogan?

Eunuques et dames de harem pour Erdogan?                                                            Eunuchs an harem ladies for Erdogan?

 

Es sieht nach schlechtem Kabarett aus, ist es aber nicht: Das in Sachen Menschenrechte und Meinungsfreiheit sich selbst überschätzende Brüssel-Europa  liest Erdogan in eben diesen Angelegenheiten die Leviten. Dabei ist der  selbstherrliche Autokrat in Ankara ja bloß der Spiegel in dem Europas erbärmlicher geistig-moralischer  Zustand zum Ausdruck kommt. Europas Elend eben, und das ist mehr als nur der Zerfall gültiger Normen.

Das ganze Gezeter und Drohen Richtung Bosporus gehört daher nur zum auf öffentlicher Bühne  zelebrierten Polit-Spektakel (Wahlen vor der Tür), wohl wissend, daß man als lakaienhafter EU-Politiker beim mit zahlreichen Trümpfen (unter anderem:  Flüchtlings“business“ und strategische Partnerschaft mit Putin und Netanjahu) ausgestatteten  Türkenführer bestenfalls als  Eunuch oder Haremsdame reüssieren könnte.

Es mag ja viele Naive beeindrucken, wie da ein nicht wenig eitler Islamist von lendenschwachen „Ungläubigen“ an seine Pflichten gegenüber seinen Untertanen erinnert wird. Das Gelächter im Palast des neuen Sultans müßte eigentlich bis Berlin zu hören sein. Wäre es für EU-Verantwortliche und den Rest der gesellschaftlichen Elite nicht ein Anlaß, erst einmal über die wie  in Granit gemeißelten Pflichten Europas gegenüber sich selbst nachzudenken?

In diesem Zusammenhang sollte auch der Umstand nicht ganz außer acht gelassen werden, daß europäisches Bewußtsein sich einst, so zwischen 7. und 9. Jahrhundert, als Folge der islamischen Bedrohung und nicht durch ein gutmenschliches Zauberwort ausbildete. Die an  identitärer Schwindsucht leidende EU-Willkommensfraktion glaubt ja genau Letzteres.

Doch  nicht nur in der Türkei haben Emporkömmlinge längst  mitbekommen wie Millionen lebende Zeitbomben  beinahe  widerstandslos in ein kinderloses Europa  eingeschleust werden können. Verantwortungsbewußte Politik, mutige, ernst zu nehmende  Abwehr, Glaubensbegeisterung, Bejahung des Lebens als Gegenentwurf –  all das sucht man in Kerneuropa vergeblich. Zeitgenossen vermeinen deshalb bereits das Röcheln der westlichen  offenen Gesellschaft zu vernehmen.

Dem Ansturm der Hungrigen und Lebensbejahenden, den  Eroberungsgelüsten des Islam begegnet Brüssel und das Heer der entkernten Zeitgeistjünger in Staat und Gesellschaft mit der täglichen Proklamation ihrer leergedroschenen europäischen Werte. Gemeint sind jene Worthülsen die weder auf ein  angestammtes Glaubensfundament noch auf den Sinn für das Ganze hinweisen. Sehr wohl aber auf den Geisteszustand ihrer Vertreter, und diese scheinen zwar intelligent, aber gleichzeitig auch bescheuert.

Pharisäerhaftes Geteue und ein verantwortungsloses Sich-gehen-lassen in staatspolitischen und nationalen Belangen ist aber nichts anderes als der gewöhnliche Ausdruck eines Nihilismus, wie er in Zeiten ohne gemeinschaftliches Selbstbewußtsein üblich ist. Nietzsches Skepsis vor dem Gang der Menschheit scheint  in dem des heutigen Europäers à la Brüssel ihre Bestätigung zu finden.

Ehe wir nun darüber sinnieren, ob der letzte Akt der europäischen Tragödie bereits begonnen hat oder nicht, sollten wir uns, als Volk und Gesellschaft, schleunigst verstärkt dessen bewußt werden, daß das uns überlieferte Europa nicht nur einen Körper, sondern auch eine Seele hat, deren Hauptsitz mit Gewißheit nicht in Brüssel ist. Und auch nicht in Jerusalem oder Washington. Die Aufgabe einer neuen Politik wäre es, diese Tatsache allen Europäern bewußt zu machen, was zur Gesundung der europäischen Seele auch beitragen könnte.

Die weitverbreitete Ignoranz dessen, was zu den Erschütterungen und Zerstörungen unseres gemeinschaftlichen Lebens beiträgt,  verstärkt das Nicht-Fühlen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur, nenne man sie europäisch oder abendländisch. Gefördert noch dadurch, daß diese Kultur, die einst auf andere Kontinente übergriff, andere begeisterte,  von den europäischen Eliten in niederträchtiger Art und Weise madig gemacht und mit fremden Elementen zersetzt wird.

Daher sind sich ja  heute vor allem jüngere Europäer darin nicht sicher, daß ihre europäische Kultur, die deutsche, die französische, italienische usw.,  noch Synonym für menschlichen Wohlstand und Fortschritt sein könne. So sehr haben politische Fehlleistungen einerseits und andererseits aber auch das Eindringen US-amerikanischer Denkkategorien und Verhaltensweisen  zu Bewußtseinsverlust und fehlender Selbstsicherheit beigetragen.

Selbstverständlich wollen wir nicht übersehen, daß dem  einstigen Glanz Europas im allgemeinen auch dunkle Flecken anhaften. Wir werden aber mit unseren heutigen Problemen wohl nie fertig werden, wenn wir uns einer Fehleinschätzung hingeben oder schlechten Gewissens wegen uns weiter täglich Asche auf das Haupt streuen. Gerade angesichts der Herausforderungen kann ein solches Verhalten nur als selbstmörderisch bezeichnet werden.

Kriege führen und einzigartige Verbrechen begehen konnten andere auch, und einige üben sich darin heute noch. Daher wäre  es  zur Hebung des europäischen Selbstbewußtseins hoch an der Zeit, fern jeder beschränkten oder geschwätzigen Schwärmerei, die Taten und Errungenschaften der Vergangenheit nicht weiter auszublenden,  sie aber im Gegenteil verstärkt zu würdigen. Übrigens: mindestens 80 Prozent der Erfindungen können dem europäischen Genius zugeschrieben werden. Darauf dürfen wir Europäer doch stolz sein, oder?

So könnte ein gründlicheres Eintauchen in Europas  historischen und kulturellen Reichtum und dessen Anerkennung – bei gleichzeitiger Wertschätzung zeitgenössischer europäischer Errungenschaften –  vielleicht doch noch eine Dynamisierung des europäischen Geistes- und Kulturlebens und damit auch eine Renaissance Europas bewirken. Natürlich unter Hinwendung zum elementaren Sinn des Lebens und im Rahmen eines Bundes europäischer Völker und nicht unter einer fremdgesteuerten  Zentralgewalt.

Das aber bedürfte zu allererst der Einigkeit jener, die lauter und sich darüber im Klaren sind, daß Niedergang oder gar Untergang keine Menschenpflicht ist. Ob die vielen Klarsichtigen auch den Mut zum opferreichen Vorwärtsschreiten  und den nötigen vorurteilsfreien Sinn für das Ganze haben, ist eine andere Frage. Wenn nicht, könnten Europäer womöglich von einem Sultan oder Kalifen dereinst als Eunuchen und Haremsdamen in Dienst genommen werden. Wer weiß? Denn, wie schon Octavio Paz bemerkt haben will, sei die Geschichte ein Sack voll Überraschungen. Vor allem, wenn man es geschehen läßt.

Zum Thema

Untergang Europas https://youtu.be/otUhq87Rvm4

Türkei wohin? https://youtu.be/cCuosrpZ5X4

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