Ende unserer Zivilisation?

Der Historiker David Engels, und nicht nur er, zählt die Invasion von Barbaren zu jenen Merkmalen, die zum Zusammenbruch des Römischen Reiches geführt haben. Steht Europa heute vor einer ähnlichen Situation und was kennzeichnet diese sonst noch? Antonin Campana befasst sich in nachstehendem Beitrag* mit den Überlegungen des Historikers, wobei die gegen Ende seines Beitrages im Besonderen für Frankreich geltenden hier nicht Berücksichtigung finden. Der ganze Beitrag ist auf http://www.autochtonisme.com zu finden.

 

DAS ENDE DER EUROPÄISCHEN ZIVILISATION IM WESTEN

LA FIN DE LA CIVILISATION EUROPÉENNE EN OCCIDENT

THE END OF THE EUROPEAN CIVILISATION IN THE WEST

von Antonin Campana

 

In der Geschichte der Zivilisationen gibt es immer wieder Marker für Niedergang, Verfall, Zusammenbruch oder, vielleicht besser gesagt, Entropie. In seinem Buch über den Fall der Römischen Republik vergleicht David Engels, Historiker und Inhaber des Lehrstuhls für Römische Geschichte an der Freien Universität Brüssel, die verschiedenen Erscheinungsformen dieses Zusammenbruchs in Rom mit denen, die derzeit in den Ländern der Europäischen Union beobachtet werden.** Die Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Welten, die jedoch alles, die Jahrhunderte, aber auch den Entwicklungsgrad trennen, sind sehr auffällig. Tatsächlich finden wir hier und dort die gleichen Indikatoren für einen Untergang. Hier seien die wichtigsten genannt:

Einwanderung

Bereits 167 v. Chr. trafen sich Menschen aus ganz Italien, die Steuern vermeiden und von der Verteilung von billigem Weizen profitieren wollten, in Rom. Sie wurden schnell von Sklaven unterstützt, die bald befreit und zu „Bürgern“ wurden, Kriegsgefangene und Einwanderer, darunter eine Vielzahl von „Griechen“ (eigentlich hellenisierte Orientalen). Rom wird danach als „Abstrakt des Universums“ bezeichnet. Für Juvenal lassen sich die Brände, Streitigkeiten und Raubüberfälle durch die Anwesenheit vieler Ausländer erklären. Die kulturelle Identität Roms scheint bedroht zu sein. David Engels beobachtet eine „radikale Rekonfiguration der ethnischen Zusammensetzung der täglichen Umgebung, die bei den Ureinwohnern ein Gefühl der Seltsamkeit hervorruft, angesichts der Transformation einer Umgebung, die von ihren Vorfahren geschaffen und zunehmend durch das Handeln von Menschen aus anderen Horizonten geprägt ist“. Er stellt fest, dass diese „Rekonfiguration“ nun die Länder der Europäischen Union betrifft.

Dekonstruktion der Familie und Vernachlässigung der Moral

Scheidungsfälle nehmen zu. Das Verfahren wird flexibler gestaltet, die Ehe wird zu einem einfachen Zusammenleben und die Trennung der Ehepartner auf Initiative des Mannes oder der Frau unterzeichnet ihre Auflösung. David Engels stellt fest, dass „Freiheit der Moral“ diese Entwicklung begleitet. Scheidungen und Ehebrüche werden alltäglich, während die Ehe als Institution an Bedeutung verliert. Die Ablehnung der Ehe wird zu einer sozial verankerten, ja sogar philosophisch legitimierten Lebensweise, meint Engels. Entscheidend sei das „persönliche Wohlbefinden“. Wir verlieren das Interesse an der Bildung von Kindern, die wir anderen anvertrauen. Das Kind wird als Last empfunden. Petron*: „Hier zieht niemand Kinder groß, denn jeder mit natürlichen Erben wird nicht zu Dinners oder Shows eingeladen. Er ist von allen Freuden ausgeschlossen und lebt dunkel unter den Schurken. Im Gegenteil, diejenigen, die nie eine Frau genommen haben und keine engen Verwandten haben, erreichen die höchsten Ehrungen.“   Es ist wie das Lesen einer aktuellen Beschreibung des Phänomens „kindfrei“!

Geburten- und demographischer Rückgang

Während in archaischen und klassischen Zeiten das Bevölkerungswachstum „massiv“ ist (Engels), bemerken römische Autoren ein phänomenales Defizit der Demographie. Dieses spiegelt das mangelnde Interesse an der Planung und Bildung von Kindern wider. Tacitus: „Ja, früher, wurde in jeder Familie, der Sohn einer keuschen Mutter nicht in dem engen Raum eines gekauften Kindermädchens aufgezogen, sondern an der Brust und in den Armen einer Mutter (…) Heute, im Gegenteil, unmittelbar nach der Geburt, wird das Kind irgendeinem griechischen Diener überlassen. Tacitus stellt fest, dass die Menge der Sklaven (die eingewanderte Bevölkerung) überproportional wächst und dass die freie Bevölkerung (die Einheimischen) jeden Tag abnimmt. Die massive Praxis der Empfängnisverhütung und Abtreibung, die in der späten Republik deutlich zugenommen hat, erklärt zum Teil die Denatalität: „….auf einem goldenen Bett gibt es kaum schwangere Frauen, so effizient sind Praktiken und Drogen, die Frauen steril machen und Kinder im Schoß ihrer Mütter töten“, schreibt Juvenal.

Der Niedergang der traditionellen Religion

Die angestammte Religion wird diskreditiert, während fremde Religionen und Philosophien in den sozialen Körper eindringen. Ursprüngliche Überzeugungen und Traditionen, Kulte, weltliche religiöse Institutionen gehen zurück und verschwinden. Der Atheismus breitet sich aus, alte Mythen werden verspottet. Es werden nicht genügend Priester rekrutiert, so dass die Bedeutung der Riten schnell vergessen wird. David Engels spricht von einer „realen Identitätskrise der römischen Religion“. Die Verbindungen zwischen der traditionellen Religion und der Römischen Republik lösen sich, und einige sehen darin den Grund für die Krisen; gerechte göttliche Strafen, die aus dem Schwinden der Frömmigkeit resultieren. Die Natur hasst die Leere: Während die traditionelle Religion verblasst, wuchern die Kulte an fremde Gottheiten.

Rückgang der „Aborigine“-Kultur

Rom wird zu einer kosmopolitischen Stadt, zu einer „Volks-Versammlung der Welt“, eine  Welt, die an einem einzigen Ort komprimiert ist (Plinius). Hier entwickelt sich eine globalisierte Kultur, die tief greifende Auswirkungen auf die Identitätserfahrung der einheimischen Römer haben wird, jener Römer, die in ihrer eigenen Stadt langsam zur Minderheit werden (Engels). Die römische Elite wurde hellenisiert und die Bevölkerung orientalisierte sich. Traditionalisten müssen kämpfen, um sicherzustellen, dass Latein seinen Platz als Amtssprache in Rom und dem Reich behält. Man versucht, das „lateinische Modell“ durchzusetzen, aber es ist endlich eine hybride griechisch-römische Kultur, die sich durchsetzen wird.

Uns wurde oft gesagt, dass die politischen, kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen, die wir in der westlichen Welt sehen, Folge von „Modernität“ und „Fortschritt“ sind, so als wären diese Veränderungen logischerTeil einer linear konzipierten Geschichte. Denatalität, demographischer Rückzug, die Dekonstruktion der Familie, die Auslöschung der Religion, kulturelle Veränderungen, Einwanderung, Individualismus…. wurden durch unseren Entwicklungsstand, die Globalisierung und die Revolutionen der Verkehrsmittel, der Produktionsmittel, der Kommunikationsmittel oder der Informationsmittel erklärt. Die Störungen, von denen wir sprechen, wären keine Störungen an sich, sondern vielmehr soziale Anpassungen an eine zunehmend technologische, vernetzte, offene, fließende und sich verändernde Welt. Diese Störungen wären daher die natürliche Folge einer Welt, die einen hohen Grad an Zivilisation erreicht hat. Aus diesem Grund seien die Störungen, die wir sehen, im 18. Und 19. Jahrhundert mangels Hochgeschwindigkeitszüge, Überschallflugzeuge, Mobiltelefone, Internet und Start-ups, nicht aufgetreten. David Engels‘ Buch erschüttert diesen untauglichen Mythos. Die Römer, noch ohne Flugzeuge oder Bildschirme, erlebten die gleichen Symptome der Dekadenz wie wir!

*Zuletzt erschienen bei: Ex. Newsletter de SYNERGIES EUROPEENNES – 11 octobre 2019 (euro-synergies.hautefort.com  oder robertsteuckers.blogspot.com )

**David Engels, „Le Déclin“, Edition du Toucan, 2013, erhältlich als Taschenbuch.

Ebenfalls zu zu dem Thema:

Douglas Murray:  Der Selbstmord Europas https://youtu.be/LvnAMCKF9h8

David Engels: Le Declin  https://youtu.be/aF5Yu8qiGzg

David Engels im Gespräch: https://youtu.be/rylio3-G_4w

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Nach den Wahlen: Ungemütlich wird es auf jeden Fall

Après les élections : Dans tous les cas, ce sera inconfortable.

After the elections: In any case it will be uncomfortable

 

Kurz, so ein ÖVP-„Insider“, soll am Tag nach der Wahl noch nicht gewusst haben, wie er die Sache denn richtig angehen solle. Das bezweifle ich, obwohl die Zurufe aus den Bundesländern und aus dem näheren und fernen Ausland doch einigermaßen irritierend sein müssen. Aber eines glaube ich schon, so komfortabel wie zuletzt würde es ohne die Blauen wohl nicht mehr werden. Im untergehenden Zeitalter des Narzissmus und des „anything goes“ warten Herausforderungen, die zu meistern, einem im wirklichen Leben wenig erprobten Politiker schon einiges  abverlangen könnten, wo doch selbst alte Polit-Füchse, siehe Füchsin Merkel, mit ihrem Latein zu Ende sind.

Der türkise  Schönwetter-Kanzler kann sich aber damit trösten, dass zumindest bis auf weiteres und besonders in einer Hinsicht, jener der Geschlossenheit einer Partei, er nicht ganz so schlecht dran ist, wie andere es derzeit sind. Was nämlich auf Rendi-Wagner (SPÖ) und Norbert Hofer (FPÖ) wartet, darum können die beiden kaum von einem politischen Gegner beneidet werden. Allein der in beiden Parteien erschollene Ruf nach Neuaufstellung gleicht eher einem verzweifelten, denn einem Hoffnung verheissenden. Wie soll das auch gehen?, bleiben doch in beiden Lagern die gewissen Seilschaften am Futtertrog und drängen vor allem bei den Roten zeitgeistig Verblendete zu demselben.

Aber sind die Grünen, die man ja auch schon zu den Altparteien rechnen kann, um so viel besser dran? Momentan ist ihnen die Euphorie ja kaum zu nehmen. Dank einer maroden SPÖ und kraft des ganzen Klima-Schwindels konnten sie sich in solche Höhen „schwindeln“. Aber eines haben sie mit den vorher erwähnten Parteien immerhin gemeinsam: Sie alle haben sich von ihren jeweiligen weltanschaulichen Urquellen längst entfernt und dienen, enfremdet auch von der Leitkultur ihrer Heimat, beinahe ausnahmslos und frei von schlechtem Gewissen und Schadenersatzansprüchen ihrer Wähler, nur mehr dem Mammon.

Und Strache? Mögen ihn auch viele bloß als Vertreter eines bestimmten Politiker-Typus, wie er in allen Parteien anzutreffen ist, sehen, so tritt eben gerade bei ihm dieses unmoralische Agieren und jedem Bildungsbürger verhasste Prolo-Verhalten besonders krass zu Tage. Und wie so oft gilt auch hier, dass ein relativierendes oder verharmlosendes Kommentieren eines verantwortungslosen und in bestimmter Hinsicht auch unglaubwürdigen Verhaltens schlimmer ist als dieses selbst. Der gefallene Blaue will jetzt ein Buch schreiben, möglicherweise mit Selbstmitleidstränen. Sollte er, wie viele Politiker, leicht vergesslich sein und sich an die eine oder andere „bsoffene Geschichte“ nicht mehr erinnern können, in meinem interessanten Archiv könnte er fündig werden.

Im Übrigen wird die Welt so schnell nicht untergehen und auch der CO2-Schwindel wird bald einmal noch offensichtlicher werden. Aber ungemütlich wird es auf jeden Fall. Vielleicht sollten sich auch Grüne und Rote noch rechtzeitig jenem Problem widmen, das alle anderen bald in den Schatten stellen könnte: die Abschaffung von Volk und Nation, schließlich die Zentralisierung Europas als Vorstufe zu einer Welt-Regierung wie sie nach vorliegenden Indizien und getätigten Aussagen von einer internationalen Elite angedacht wird. Mit Unterstützung einer verstärkten Migration, die entgegen verblendeter Auffassung vieler aber absolut kein Menschenrecht ist.

Zum Thema

Regierungsbildung https://youtu.be/L_fWcp4gXCU

Kein Recht auf Migration https://youtu.be/QN4URWLq2qE

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Wahlzeit ist „Showtime“! Und dann, mein Österreich?

Période des élections est „Showtime“! Et ensuite?

Voting time is Showtime ! And then ?

 

Ein Schauspiel für Götter wird es (wieder einmal) sein, wenn, natürlich erst eine geraume Zeit nach den Wahlen, die Wirklichkeit mit den vor dem Wahltag gebotenen Polit-Kasperliaden zu vergleichen sein wird. Ist es doch, würde Robert Musil sagen, vornehmliches Bestreben der Politiker, selbst zu leuchten und nicht im Lichte zu sehen. Weit zu sehen, womöglich. Doch von der Befriedigung des eigenen Ego einmal abgesehen, ist es ohne Zweifel vorteilhafter und vor allem beruhighender, nicht alles zur Kenntnis zu nehmen  um dann „reinen Gewissens“ dem immer noch blauäugigen Publikum die beste aller Welten versprechen zu können, die einträte, sofern man sie, die einzig  Wahr- und Wehrhaften, nur wählen würde.

Die Erkenntnis des wieder einmal gelackmeierten Untertans der Hintergrundherren wird aber  nach den Wahlen nicht anders sein wie sonst auch: Weiterhin wird er, ob bürgerlicher oder proletarischer  Lastenkuli, weil die schlechten Erfahrung der Vergangenheit ignorierend,  den Karren ziehen dürfen, auf dem die Politiker erneut ihr altes Theater spielen. Gelegentlich auch mit gezinkten Karten, fürwahr. An diesem Vorgang hat sich eben die letzten Jahrzehnte kaum etwas geändert. Nun werde ich jetzt nicht mit der Moralkeule herumfuchteln, sondern darlegen zu versuchen, woran sich der ernüchternde Lage-Befund einer offensichtlich fremd gesteuerten politischen  Machthaberei jetzt schon ablesen ließe.

Ich habe mir zunächst einmal dazu im Fernsehen, zumindest in der Anfangszeit des Wahlkampfes, die gut eingeübten Laienschauspiele unserer Politiker ohne eingeschalteten Ton angesehen. Es genügte mir, vom hemdsärmeligen Grünen bis zur spät pubertierenden Roten,  Gesten und Mimik der teilnehmenden Politiker genüßlich zu Gemüte zu führen. Lange vorher hatte ich ja  bereits an anderer Stelle deren eigenhändig geleistete Unterschriften studieren dürfen. Das allein hätte zur Typencharakterisierung eigentlich schon genügt.  Nicht zuletzt wollte ich dann aber doch auch wissen, was sie zu sagen haben oder, was ja viel wichtiger ist,  was sie unterschlagen, nicht gesagt oder nur am Rande gestreift  haben. Und komme, trotz des einen oder anderen Lichtblicks, und obwohl ich ein solches eigentlich immer scheue, zu einem unerfreulichen Pauschalurteil.

So scheint ihnen (eigentlich Brüssel) die wehrhafte Direkte Demokratie nach wie vor kein besonders wichtiges Anliegen zu sein, und, ganz aktuell!, nichts wollen sie anscheinend von einem immer offensichtlicher werdenden CO2-Schwindel gehört haben. Nicht beunruhigt scheinen sie auch ob der Tatsache, dass der Euro Europa zerstört, und kaum der Rede wert ist ihnen wohl auch die Präsenz einer unbekannten Anzahl (in Deutschland sollen es mehr als zehntausend sein) von illegal eingewanderten Gefährdern auf österreichischem Staatsgebiet. Ignoriert wird somit auch, dass Österreich kein Einwanderungsland ist und in diesem Zusammenhang nur ein EU-Austritt bei – gleichzeitiger Stärkung  unserer seit Generationen überlieferten und gelebten Leitkultur – uns davor bewahren könnte. Also kam logischerweise auch kein überzeugender Vorschlag, wie das land- und staatsgefährdente Geburtendefizit behoben werden könnte, was wohl nur bei Aufgabe eines  materialistisch-morbiden Welt- und Menschenbildes realisierbar wäre. Alles in allem wäre zu sagen, dass keiner der Spitzenkandidaten das höchste und umfassenste Ziel eines Staates, sich mit einer Religion oder Ideologie zu durchsetzen, zu nennen wußte oder wagte. So blieb alles an der Oberfläche und nach diesem Ebenbild wird auch ihre weitere Politik ausschauen.

Doch die ganze Polit-„Show“ könnte diesmal sogar alle bisherigen übertreffen, wenn eintreffen würde, was ein Gerücht dieser Tage besagen will: Danach soll es zu keiner Koalitionsregierung kommen, sondern die jetzige bloß durch einige, wahrscheinlich türkise Minister ergänzt werden. Somit wäre der Staatsstreich vom Juni dieses Jahres bereits im Rahmen einer längerfristigen Weichenstellung zu sehen. Diese,meint man, könnte in Richtung einer EU-Diktatur deuten. Kurz aber könnte dann später mit der Rolle eines Kommissars abgefunden werden. In diesem Zusammenhang wären auch die Kampagnen gegen den Brexit und die ÖXIT-Bestrebungen in Österreich zu sehen. So das Gerücht.

Nun sind Gerüchte zwar Gerüchte, aber so glaubwürdig wie ein Politikerversprechen sind sie allemal. Doch sieht es vorerst ohnehin eher danach aus, dass es zu einer wie immer gearteten Kurz-Regierung kommen wird. Wie weit dabei Norbert Hofers Andienen von Erfolg gekrönt sein wird oder am Ende gar das Ende dieser FPÖ bedeuten würden, läßt sich derzeit nicht voraussagen. Fakt ist, er, der Herr Hofer, bemüht sich und setzt systemergeben und staatsmännisch herausgeputzt alles daran, wenigstens Herrn Van der Bellen, mit dem er den Irrglauben an den menschengemachten Klimawandel gemeinsam hat, zu beerben. Ob ihm dabei die Rolle eines „Ehrenritters“ des dem Hause Habsburg nahen St.Georgs-Orden helfen wird, bleibe einmal dahin gestellt. Und auch, ob der Spaltpilz, den er jetzt durch panikartiges Durchgreifen weiter genährt hat, am Ende nicht doch noch weiter emporschießen könnte. Wie auch immer, es rächen sich die Versäumnisse, und zwar seit Haider, der freiheitlichen Partei ein Tradition und Moderne verbindendes, glaubwürdiges und revolutionäres  Profil zu verleihen. Dass einem solchen weder Luxusknabe Strache noch der nicht minder eitle „Habsburger“ Hofer entsprechen können, sollte eigentlich klar sein

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CO2-Lügenbarone in der Klemme

Les barons de CO2 dans le pétrin

CO2-lie barons in a tight sqeeze

 

Eine wahre Begebenheit: Die achtjährige Carmen wird an einem der heißen Sommertage von ihrer Großmutter von der Schule abgeholt. Die Hitze wird zum Thema. Ohne lange zu überlegen, meint die Kleine: „Es ist unsere Schuld“.  Dies hätte nicht nur dem Papst gefallen, der von reuigen Sündern gewiss einiges hält, von Ablasshandel gewiss schon gehört hat und dessen Firma dank schuldbeladener Schäfchen immerhin schon ein beachtliches Vermögen erwirtschaftet  hat. Dies hörten sicherlich auch Politiker gern, die sich längst über neue Einnahmequellen den Kopf zerbrechen.

Doch den Mega-Reibach werden wohl jene machen, die, wie die AKW-Industrie auch, hinter dem ganzen Klima-Hoax stehen und Investitionshöhenflüge anstreben. Nicht zuletzt der ganze von der Rockefeller Foundation angeführte Rattenschwanz von Spekulanten. Während der deutsche Michel, der sich für Eroberungspläne vielleicht wieder  fit genug glaubt, erneut auf eine falsche Fährte gelockt wird, wo er nur (wieder) verlieren kann. Hauptsache, der Esel hat seine Schuldigkeit getan.

Dafür werden demnächst wieder Kinder gegen ihre Eltern, Schüler gegen ihre Lehrer, die Jugend gegen die Erwachsenen aufgehetzt. Dafür werden Hypothesen als gesicherte Erkenntnisse, manipuliertes Datenmaterial als echt verkauft. Doch der durch Angst und Schrecken aufgemotzte „menschengemachten Klimawandel“ könnte sich  bald als das erweisen, was er von Anfang an war, ein Mythos, und er könnte endgültig das werden, was jetzt  bereits denkbar ist: ein Jahrhundertbetrug.

Doch immer mehr Wissenschaftler – wie Jyrki Kauppinen (Universität Turku) oder Patrick Frank (University of Stanford)  – stellen sich den Machenschaften des IPPC (Weltklimarat) und einigen Klima-Autoritäten entgegen und zerpflücken deren „wissenschaftliche Erkenntnisse“. Patrick Frank, zum Beispiel, kommt zu dem Schluß dass alle Berechnungen zur Temperaturentwicklung falsch seien und ein Effekt auf das Klima selbst dann nicht nachgewiesen werden könnte, wenn es ihn gäbe. Jyrki Kauppinen wiederum  wirft dem Weltklimarat, aus dem er sich verabschiedet hat,  vor, etwa beim Thema Erderwärmung, mit Taschenspielertricks zu arbeiten.

Geradezu entlarvend ist ja, was vor beinahe 20 Jahren begann und nun vor einem kanadischen Gericht zutage kam. Damals wollte der junge Wissenschaftler Michael E. Mann mit seiner einem Hockeyschläger ähnelnden Temperaturkurve den Beweis erbracht haben, dass der Mensch schuld am Klimawandel sei. Darüber gab es danach unter Wissenschaftlern keinesfalls wie von Medien behauptet einen Konsens. Und nun behauptete Tim Ball, Professor für Geographie, sogar, der „Hockeyschläger“ sei in der Sache künstlich zusammen gebastelt und Mann ein Schwindler.

Also trafen sich die beiden vor Gericht, wo Mann, der Ball geklagt hatte, den Beweis für die Richtigkeit seiner Arbeit vorlegen sollte. Genau das konnte der gute Mann aber nicht. So wie ja auch andere Wissenschaftler keine wasserdichten Beweise für ihre schrägen Annahmen, etwa jene, es gebe einen Treibhauseffekt, präsentieren können. Schlussfolgerung: Der ganze CO2-Alarmismus basiert vielfach auf in wissenschaftlicher Hinsicht zweifelhaften Angaben.

Nun brauchen wir nicht annehmen, damit sei die Geschichte gelaufen. Im Gegenteil, die Förderer und Profiteure des ganzen CO2-Hoax werden weiter von ihnen abhängige Medien für ihre Zwecke einspannen und auch sonst alle Anstrengungen unternehmen, damit ihr auf Wissenschaftler-Mauschelei, Hypothesen und falschen Daten aufgebautes Geschäftsmodell nicht baden geht. Denn damit schwämmen auch die fettesten Gewinne den Bach hinunter.

Und schon trommelt eine anscheinend ahnungslose Von der Leyen für eine große Offensive gegen CO2. Doch bald könnten wir andere, mit gutem Riechorgan ausgestattete Politiker bei ihren über die Jahre erprobten Wendigkeitsübungen bestaunen dürfen. Daher dürfte wohl die Vorstellung, kinderlosen Frauen bei Erreichen des 50. Lebensjahres eine Prämie als Belohnung zu zahlen, da ein Neugeborenes der größte CO2-Sünder sein soll, im Papierkorb landen.

Gewiss, das ganze Klimatheater mag auch den einen oder anderen positiven Nebeneffekt haben. Etwa indem  nun vorbeugend Investitionen in Infrastruktur und Land- und Forstwirtschaft getätigt werden. Sollte sich das Klima tatsächlich ändern, dann muss man eben entsprechend darauf sinnvoll reagieren, aber dazu bedarf es keiner CO2-Hysterie und neuen Belastungen für die kleinen Leute.

Zwecks Aufklärung und als nützliche Zusatzinformation bringe ich hier nachstehend für Interessierte und mit der Sache Vertraute eine aus deutscher Sicht kurz zusammengefasste Chronologie der sehr komplexen  CO2-Vorgeschichte mit ihrem weiten Kreisen unbekannten politischen und ökonomischen Hintergrund. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der sehr aufrechten deutschen Patriotin Hanna Thiele.

Was ist die CO2-Politik?

 Ein Deindustrialisierungsprogramm wie die AfD behauptet?  Oder ist es ein Umrüstungs-Programm von Industriekonzernen im Verein mit Atomlobby, Militärapparat und Rüstungswirtschaft?

Zur Erinnerung die Chronologie des Aufbaus: 

 1955 Genfer Atomkonferenz und Anfänge der Pugwash-Konferenzen als Brücke zwischen Ost und West

1957 wurde Richard von Weizsäcker vom Mannesmann-Vorstand eine neue wirtschaftspolitische Abteilung hingestellt, mit der er neue Zukunftsaufgaben und eine neue Öffentlichkeitsarbeit auf die Beine stellen sollte, um den vertikal gegliederten Montankonzern zu einem Technologiekonzern umzugestalten, der für seine Traditionsprodukte wie Stahlrohr und Blech neue Anwendungsgebiete eröffnen sollte.

 1958 Römische Verträge als Doppelpaar „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ EWG  und EURATOM.  Aus der Montan-Union wurde eine „Atom-Union“, wobei Energiefragen im Wirtschafts- und Wettbewerbsteil des EWG-Vertrages ausgeklammert wurden, sie fielen als Vorrecht (mit Ewigkeitsklausel) in die Kompetenz von  EURATOM, nicht nur  Energiefragen, auch Energieforschung.

1962 gründete Richard von Weizsäcker mit Robert Boehringer von Hoffmann-La Roche und weiteren Konzernen die „Stiftung Wissenschaft und Politik“ SWP, die sich einsetzte (und noch immer einsetzt), die Kompetenzen der UN auszuweiten auf den Bereich Umwelt.

 Parallel dazu arbeitete Prof. E. Pestel  am Haus Rissen (Hamburg) an einer Energie-Strategie für die Nachkriegswelt, woraus der Club of Rome hervorging, dessen Vorstellungen Pestel später mithilfe der VW-Stiftung (einer Gründung des Bundes und des Landes Niedersachsen) vorreitend umsetzte am Versuchsobjekt  Niedersachsen mit dem Messestandort Hannover als „Tor zur Welt“.

 1967 trafen sich die Sicherheitsexperten der damals führenden Weltmächte, McGeorg Bundy (Sicherheitsberater Präsident Johnsons) und Professor Jerman Gvishiani (stellvertr. Vors. des Staatskomitees für Wissenschaft und Technik beim Ministerrat der UdSSR), um ein wissenschaftliches Institut zu gründen zur Lösung von  gemeinsamen Problemen der Industrienationen. Es sollte eine Brücke zwischen Ost und West bilden. 

 Ergebnis war das 1972 gegründete „International Institute für Applied Systems Analysis“ IIASA, eingerichtet im Sommerschloß Laxenburg der Habsburger. Dessen Restauration lag in den Händen des Leiters der Bauabteilung der Max-Planck-Gesellschaft.
Zu den Gründervätern des IIASA gehörten neben Bundy, Gvishiani und Zuckermann der amerikanische Akademie-Präsident Philipp Handler, Aurelio Peccei vom Agnelli-Konzern, Pierre Aigrain aus Frankreich und Friedrich Schneider, Generalsekretär der Max-Planck-Gesellschaft.
(Aurelio Peccei gehörte gleichzeitig zu den Zentralfiguren des Club of Rome)

Erklärtes Ziel der Gründung  des IIASA war: 

direkte politische Auseinandersetzungen von Regierungen zu vermeiden, stattdessen sollten  „unabhängige und selbständige“ Forschungsorganisationen die Planung der Zukunft mit Methoden der Kybernetik und des System-Managements auf die Beine stellen.

Weizsäcker-Schüler Häfele wurde Leiter des Forschungsbereiches  „Energiesysteme“. Er arbeitete ein auf  CO2 zentriertes Energieprogramm aus, „damit die Welt gesund bleibt“, so die Parole.  Zur „Lösung von Ressourcen-Krisen“ beplante Häfele  nicht nur die Ressource Energie als solche, sondern auch den Einsatz solcher Ressourcen, die zu ihrer Gewinnung benötigt würden, also Wasser, Energie, Land, Materialien, menschliche Arbeitskraft. Das Programm wurde kurz WELMM genannt.

Dazu gehörte auch das Studium des menschlichen Beurteilungsvermögens, „soft science“, ein Spezialgebiet Viktor von Weizsäckers, das zum eigentlichen Schlachtfeld des Klima-Überrumpelungs-Feldzuges werden sollte und „CO2-Kriegshelden“ wie Dr. Penner hervorbrachte. Man braucht nur genauer hinzusehen, wer ihm die alternativen Kanonenkugeln zuschiebt, die Penner mit Kalaschnikow-Tempo abzufeuern versteht.

 Parallel dazu  wurde Häfele zum Beauftragten der Bundesregierung bei den beginnenden Abrüstungsverhandlungen, sodaß nukleare Abrüstung und CO2-Aufrüstung zu zwei Seiten der gleichen Medaille wurden.

 Gleichzeitig mit der Gründung des IIASA hatte 1972  die Max-Planck-Gesellschaft mit Finanzierung der Münchner Rück ein ganz spezielles Institut für Carl Friedrich von Weizsäcker geschaffen, an dem er mit Habermas (und Kissinger im Hintergrund) der CO2-Meßlatte ein pseudo-philosophisches Weltbild  maßschneiderte, das Marx und Kapitalismus zu etwas völlig Neuem zusammenschusterte. Seine   jungen Philosphen, die er von seinem Hamburger Institut an den Starnberger See mitgenommen hatte, verbreiteten die neue Heilslehre unter Federführung von Klaus Meyer-Abich und mit Unterstützung der Kirchen als Konzept einer „Welt-Innenpolitik“ für eine Welt ohne Kriege.

 1980 preschte dann H. Flohn unter Berufung auf K. Meyer-Abich vor mit der These, die „CO2-induzierte Warmzeit sei gefährlicher als Kernenergie“.   Die DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft) zog nach, entdeckte ebenfalls das CO2 als „Problem von höherrangiger Bedeutung“.

 Die European Nuclear-Society ENS war es dann, die Nuklearwirtschaft mit Ernst & Young verkuppelte, um nicht nur als Stromerzeuger, sondern auch als Gelderzeuger „nützlich“ zu sein beim Bau einer „better world“ als CO2-Ei des Kolumbus.

 Schon 1970  hatte die FDP auf der Basis Weizsäcker/Picht/Häfele Nägel mit  Köpfen gemacht, hatte eine totale Datenerfassung der UN in der ersten Umweltgesetzgebung verankert, hatte  „System-Forschung“ zum Zentrum der Politik-Beratung gemacht, den „Sachverständigenrat für Umweltfragen“ SRU gegründet, den Finanzökonomen Hansmeyer (sic!) zum Umweltspezialisten und SRU-Vorsitzenden gemacht, 1974 das UBA in Berlin (!) gegründet, obwohl die Siegermächte Bundesämter in Berlin ausgeschlossen hatten, obendrein den dicken Pferdefuß in die Umweltgesetzgebung eingebaut, dass es die Verbraucher sind, nicht die Hersteller, denen die Schuld für die Folgen angelastet wird.

 Und punktgenau wurde zur Deutschen Einheit  Okt. 1990  in Frankfurt auf dem 7. Internationalen Sonnenforum die runderneuerte  Nuklear-Armee vorgestellt  zur „Abwehr der Klimabedrohung durch rationelle Energieverwendung und Nutzung erneuerbarer Energien im regionalen und kommunalen Bereich

 Schon im einführenden Vortrag sprach der Fritz Möller-Schüler Hans-Jürgen Bolle die Menschen CO2-schuldig, also BEVOR das IPCC (Weltklimarat)  seinen ersten Bericht vorgelegt hatte, das  PIK (Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung) noch nicht einmal gegründet war.

Fritz Möller/LMU sorgte in Zusammenarbeit mit Franz-Josef Strauß dafür, daß der Kuhhirte Graß zum Klimapapst aufstieg, um nicht nur Kühe, sondern auch Menschen zu hüten. Zu Dritt besorgten sie die „nötigen“ Stromrebellen aus Schönau, in Person der Sladeks.

 Die Wirtschaftsverbände unter Führung von Mannesmann/Thyssen flankierten im gleichen Jahr das Treiben mit ihrer „Freiwilligen Selbstverpflichtung zur CO2-Reduktion“.

 Das RWI, das seit 1990 mit dem Monitoring der sog. „Energiewende“ beauftragt war, ließ das Ergebnis verschwinden, lenkte um von (nichtvorhandener) „demokratischer Legitimation“ zu „Akzeptanz bei den Bürgern “ –  was man getrost als „Friß Vogel oder  stirb“ lesen kann.

 Das alte Kartell-System, das Erhard beenden wollte, ist in noch schlimmerer Form zurückgekehrt. Konzerne bestellen sich Bürokratiemonster, nun auch noch den  Lieferkettennachweis bis zur letzten Mine!  Sie scheuen sich nicht,  NGOs und nun auch noch Kinder vorzuschieben, um sich Monopole zu erschleichen,

 Auf dem Kongreß der niedersächsischen Arbeitgeberverbände  „ co2ncept plus – Nachhaltige Unternehmensführung: Return on Investment“  November 2010  stellte der  VW-Konzernbeauftragte für Nachhhaltigkeit die damit verbundene Berichterstattung vor, mit der er schon damals eine ganze Abteilung mit 80 qualifizierten Leuten dauerhaft beschäftigte. VW ist stolz darauf, weltweit als erster Automobilhersteller Trends gesetzt zu haben für CSR-Reportingstandards.  Angesichts der eigenen  Mauscheleien ein Treppenwitz.

 Der Reinfall  reicht den deutschen econsense-Konzernen offensichtlich noch nicht, sie wollen  KlimaschutzWirtschaft & Menschenrechte, Plastikmüll, Sustainable Finance, Transparenz in Liefernetzwerken und vieles mehr ,

https://econsense.de/veranstaltung/ecolution-2019/

passenderweise  im „Café Moskau“, dem Prestigebau der DDR an der Karl-Marx-Straße.

https://www.typografie.info/3/Schriften/fonts.html/moskau-grotesk-r596/

https://econsense.de/mitglieder/

 Was bedeutet der „Begriff“ Deindustrialisierung, wenn es die Industrie selber ist, die diese Öko-Bürokratur will, und die einen O.Edenhofer (PIK) und „Germanwatch“ vorschiebt, um CO2 zu bepreisen?

Edenhofer hat  des Pudels Kern gelüftet mit dem alles klärenden  Satz

„Ohne CO2-Preis wüssten wir gar nicht, das klimafreundliche Projekte rentabler sind als andere“

ach – so einfach geht „Wettbewerb“ im Zeitalter der  ECOLUTION, Hauptsache man verblendet die Opfer mit falschen Flötentöne, damit sie nicht begreifen, was gespielt wird.

https://www.youtube.com/watch?v=bve8Vta34yM&feature=youtu.be

 Der Ökonom Prof. Carl-Christian von Weizsäcker lobt Edenhofer, er sei der Richtige, „das Klimaproblem“ zu lösen, dieses Phantom-Problem, das sein Vater selber aus dem Hut gezaubert hatte. Und gleichzeitig spottet er im Verein mit Weltbank-Nordhaus über die „crazy Deutschen“, die es nicht schaffen, sich zu einigen, WIE sie  das CO2-Phantom demaskieren könnten  (dank seines Bruders Ernst-Ulrich, der angesehene Wissenschaftler als „Clowns“ rausschoß,  von Penner & Co. verstärkt) 

 Bundespräsident Theodor Heuß hatte nach Kriegsende diesen Schachzug mit dem Präsidenten der Weltbank Mc Cloy ausgehandelt, Ernst  von Weizsäcker wurde im Gegenzug aus der (alliierten) Haft entlassen.  Vorsorglich hatte Heuß verhindert, daß der demokratie-entscheidene Satz

„Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des  Staates willen.“

1948  ins Grundgesetz kam, so wie Mitverfasser es wollten.

 

Alles sehr kompliziert, hätte ein ehemaliger österreichischer Bundeskanzler gesagt. Und komplex, meine ich. Aber eines ist Otto Normalverbraucher seither klar geworden: Jetzt sind er und sein Staat um einer vom Volk abgekoppelten Wirtschaft willen da. Das ist sogar noch steigerungsfähig, bis zu einer allmächtigen Weltregierung.

Zum Thema

Klimawandellüge https://youtu.be/uhz9XGU2D-4

Fakten vs. Klimahysterie https://youtu.be/zzdtuW9B-tg

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Der biedere Deutsche wird zur Kasse gebeten

L´honnête allemand est invité à payer

The honest German is asked to pay

 

Der biedere Deutsche will um jeden Preis die Wahrheit, koste es was es wolle, sagt uns Egon Friedell an einer Stelle.  Doch den biederen Deutschen scheint es nicht mehr zu geben, begnügt sich doch der heutige deutsche „Michl“ mit aufgetischten Lügen und Halbwahrheiten ohne diese als Herrschaftsinstrumente zu erkennen. Und so verwundert es auch nicht, dass anlässlich des „Überfalls“ Nazideutschlands auf Polen, in den von den Siegerinteressen abhängigen Medien die üblichen Schwarz-weiß-Erzählungen wieder einmal ihren Niederschlag fanden. Dass das so ist und nicht anders, hat uns schon George Orwell erklärt: Denn wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert eben auch die Vergangenheit. In dem er die Geschicht des Unterlegenen schreibt, dieselbe aber, so scheint es mir, in einer sich wandelnden Welt einer längst fälligen Revision nicht mehr allzu lange stand halten dürfte.

In diesem Sinne von mir mehr als ein Wort zu  jenem 1.September 1939, der dieser Tage deutschen Politikern, Zeitgeschichtlern und Journalisten erhabener Anlass war, wieder einmal in Sack und Asche zu wandeln. Der biedere Deutsche, nicht nur auf Merkls Hoheitsgebiet, hat mehrheitlich zwar bereits genug  von Schuldkult und Zwangsgedenken, folgt aber sonst der bekannten Devise, wenn schon nicht aufmucken, dann wenigstens kuschen. Natürlich nicht selten in Unkenntnis der ganzen Wahrheit, sowohl was die eigene als auch die Geschichte des einstigen Gegners betrifft.

Nein, der neue Deutsche hat weder bewusstseinsverändernde Substanzen genommen, noch leidet er an kollektiver Demenz. Aber dass er in seiner Mehrheit sowohl die Zerstörung seiner Leitkultur und seiner Heimat wie auch die Unterdrückung der geschichtlichen Wahrheit so apathisch und eigentlich ehrlos noch immer hin nimmt, kann nicht geleugnet werden.Gerade im Zeitalter des Internets wird aber später niemand sagen können, er oder sie habe nichts gewusst. Nichts gewusst von dem, was damals sonst noch geschah und nichts von dem, was heute alles schon möglich ist (und schon wieder) geschieht.

Und so möchte ich im Hinblick auf diesen 1.September 1939 einige wenige der eher unbekannten Details den einen zur Kenntnisnahme bringen, den anderen in Erinnerung rufen: Bereits 1929, lange bevor der erste deutsche Schuss Richtung Polen abgefeuert wurde, hieß es in einer großen polnischen Tageszeitung: „Weg mit den Deutschen“ (aus den von Polen besetzten deutschen Gebieten), wurden in den zwanziger und dreißiger Jahren Volksdeutsche in Polen von polnischen Milizen und Banden verfolgt und gedemütigt, auch ermordet, haben polnische Freischärler und Militärs zwischen 1918 und 1938 immer wieder nichtpolnische Gebiete überfallen und auch die deutsche Grenze verletzt. Und kaum bekannt: erheblich früher als im deutschen Reich baute man in Polen Konzentrationslager für Minderheiten und wurde hasserfüllter Chauvinismus von oben gefördert. Und von wegen Überfall: Noch am 31.8.1939 konnte man im Rahmen einer polnischen Teilmobilmachung im polnischen Rundfunk sogar das hören: „Wir sind auf dem siegreichen Vormarsch und werden gegen Wochenende in Berlin sein.“

Hier und auch sonst soll absolut nicht das polnische Volk deshalb pauschal verurteilt werden, wie es von anderer Seite bezüglich der Deutschen geschah und geschieht. Aber wäre es nicht an der Zeit, das offizielle Polen würde eine Historikerkommission zu den eigenen Verbrechen einrichten? In diesem Zusammenhang sei auch die Zusatzfrage erlaubt: sollte denn nicht überhaupt allen Linken in einem sehr speziellen Falle eine Historikerkommission ein Anliegen sein? Und zwar hinsichtlich des Antifaschismus, der sich, was Verbrechen betrifft, durchaus mit dem Nationalsozialismus messen kann.

Fest steht: Der nach dem Osten und dem Westen ausgerichtete polnische Größenwahn stand dem Hitlers, der immerhin zuvor vergeblich etliche Friedensangebote an Warschau gemacht hatte, die England torpedierte, in nichts nach. So, und nun wollen polnische Chauvinisten sieben Jahrzehnte danach eine 800 Milliarden- Reparationsforderung, die der polnische Historiker W.Borodziej für unbegründet hält, an Berlin stellen. Bescheidenheit scheint wohl keine antifaschistische Zier zu sein, auch was die genannte Opferzahl betrifft: denn wurde nicht für annähernd  die Hälfte davon schon eine deutsche Wiedergutmachung geleistet? Wenn wir nun in Betracht ziehen, dass Polen in der Vergangenheit schon auf Zahlungen verzichtet hat, Berlin den Beitritt Polens zur EU erleichterte und auch sonst immer eine sehr Polen freundliche und ihm nützliche Politik betrieb, wäre es doch an der Zeit für ein endgültiges Nein.

Außerdem, ginge es hart auf hart,  könnte man doch die aus völkerrechtlicher Sicht geraubten ökonomisch wertvollen deutschen Ost-Gebiete, vor allem das einst an Bodenschätzen und Industrieanlagen reiche Oberschlesien und den aus strategischer und wirtschaftlicher Hinsicht wichtigen Hafen Danzig, auch die vielen deutschen Kulturgüter und die volksdeutschen Opfer der Vertreibung in  eine gesalzene Gegenrechnung einbringen. Daran denkt wohl keine deutsche Kanzlerin, kein deutscher Präsident, denen immer wieder bei solchen Gedenkveranstaltungen die polnisch-chauvinistischen Gelüsten entgegen kommende notorische deutsche Bitte um Vergebung* (die es nach Meinung von gewisser polnischer Seite nicht geben könne) nur so aus ihrem lockeren Politikermaul heraussprudelt. Wie oft noch, wie lange noch?

A Propos:  Auch die Griechen haben die Lust auf mehr entdeckt. Und bald könnten noch andere folgen. Sie alle könnten ihren Appetit aber noch bereuen, wenn Deutschland immer wieder nachgeben sollte und aus diesen und anderen Gründen in moralischer und wirtschftlicher Hinsicht einmal endgültig und auf ewig in die Knie gehen sollte.

Zum Thema

Brutalität gegen Deutsche https://youtu.be/JX3ScgOoZBE

Die Hölle von Lamsdorf https://youtu.be/iS2_SJpRFRY

Reparationszahlungen https://youtu.be/3t8PJ9Dm8oM

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Was will eigentlich Kickl?

Que veut Kickl?

What does Kickl want?

Jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Vor mehr als zehn Jahren stellte ich mir in einem meiner Beiträge im Buch „Jörg Haider – Patriot im Zwielicht“* die  Frage, ob denn Haider, der einstige „Bungee“-Springer, wieder von einer Brücke springen werde, nur dann ohne Seil, wenn er nicht Kanzler werden sollte. Wann er sich der Aussichtslosigkeit, noch Kanzler zu werden,  bewusst geworden ist, weiß ich natürlich nicht. Vielleicht Kickl. „Entschieden“ hat er sich schließlich für einen Auto-Unfall. So von mir unter der Annahme gesehen, er habe Selbstmord verübt, was vielerorts vielleicht nicht ganz zu Unrecht bezweifelt wird. Von da nun ein weiter Sprung zur Ibiza-Trottelei seines erfolgreichen Nachahmers, dem mit gräflicher Unterstützung ein sagenhaft peinlicher Umfaller gelungen ist. Was mich überhaupt nicht überrascht hatte.

Ein weiterer Rückblick: Anlässlich einer Privatveranstaltung vor etlichen Jahren in einem Wiener Hotel, bei der auch die Mutter des Politikers Johann Gudenus anwesend war, meinte ich denn auch in Kenntnis der Person Straches zu derselben Dame, ihr Sohn solle sich nicht zu sehr an Strache anlehnen, sonst werde er eines Tages mit diesem umfallen. Wieder einmal hat sich erwiesen: auch schlecht Ding braucht Weile, und nun ist es passiert. Da aber der selbst ernannte „Ehrenmann“ Strache nicht daran zu denken scheint, wie Gudenus politisch die Segel zu streichen, könnte sich das politische Ende des offensichtlich Uneinsichtigen noch als ein äußerst dickes erweisen. Mit oder ohne Kickls Hilfe.

Wohl war auch der Ehrgeiz von Straches Wiener Statthalter Gudenus nicht zu unterschätzen, doch ohne Straches Geltungssucht und zuweilen sich äußerndem Größenwahn wäre es – wo war bloß Chefberater Kickl? – aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu diesem Ibiza-Skandal gekommen. Aber es stimmt schon, alle Altparteien sollten sich mit Häme etwas zurückhalten, haben doch alle ihren Dreck am Stecken und ihre schmutzigen Ränder. Was andererseits nicht dazu verleiten sollte, das Wesentliche aus dem Gesichtsfeld zu verdrängen: Die durch Ibiza-„Gate“ publik gewordene in Wirklichkeit allgemein herrschende Unmoral im politischen Tagesgeschäft und dem der Medien, die ein sich infantil gebärdender Strache auf plumpe und beschämende Weise verinnerlicht zu haben scheint.

Für Straches Emporkommen sind, außer Haiders Vorleistung und, auch hier, gegnerischem Wüten, mehrere andere Faktoren maßgeblich verantwortlich, aber auch Personen aus seinem persönlichen Umfeld. Eine davon stammt aus der Ära Haider.  Am 19. Juni 2011 schrieb ich an dieser Stelle: Haiders Erfolg hatte unzweifelhaft mehrere Namen, einer davon heißt Kickl. Derselbe nun einen etwas einfacher gewickelten Strache als besseren Haider verkauft, dessen zwar verblassender Mythos dabei immer noch behilflich sein mag. Es sollte aber dabei nicht übersehen werden, dass – in einem größeren Zusammenhang gesehen – auch Haiders Scheitern mit dem erwähnten Namen verknüpft ist. Ob das ein gutes Omen ist?“ Aus Straches heutiger Sicht möglicherweise nicht.

Mal sehen, ob es dem blauen, von vielen hoch geschätzten „Mastermind“ und ausgewiesenen „Law and Order“-Mann mit einem fein herausgeputzten notorischen Lächler an seiner Seite besser gelingt als mit dessen gelegentlich nicht nur im Ton rüden Vorgängern. Oder wollte der Stratege Kickl von Anfang an ganz etwas anderes, nämlich selbst an die Spitze? Dann allerdings müßte man einiges  neu bewerten.

*Jörg Haider – Patriot im Zwielicht“, DS-Verlag, 1997

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St.Germain en Laye 1919 – Das Friedensdiktat

St.Germain en Laye 1919 – Le dictat de paix

St.Germain en Laye 1919 – The peace dictat

Am 10. September 1919 wurde in St. Germain en Laye das Friedensdiktat von der Delegation aus Wien und von den Alliierten unterschrieben. Jenes Diktat, das Hitlers Aufstieg ermöglichte und den Nährboden für den Zweiten Weltkrieg aufbereitete und dessen westliche Sieger kraft der von ihnen erfundenen „Alleinschuld“ Deutschlands, dieses seit 1945 politisch am Boden halten und jetzt, noch ohne Weltkrieg, ökonomisch in die Schranken weisen können.  Mit freundlicher Genehmigung des Autors, Wolfgang Schimank, bringe ich hier nachstehend seinen Beitrag zum Thema Friedensdiktat, der im Debatten-Magazin www.theeuropean.de  veröffentlicht wurde.

 

Der Weg bis zur Unterzeichnung des Vertrages von St. Germain en Laye

von Wolfgang Schimank*

Nachdem 1918 die Staaten der Mittelmächte Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien und das Osmanische Reich gegenüber der Entente militärisch kapitu-lieren mussten, wurden von den Siegermächten sich die einzelnen Staaten vor-geknöpft, um ihnen die Friedensbedingungen zu diktieren.

Der Reigen begann mit dem Deutschen Reich. Deutschland musste äußerst harte Bedingungen hinnehmen. Entgegen europäischer Gepflogenheiten wurde dem ehemaligen Kriegsgegner kein Verständigungsfrieden angeboten. Persönliche Rachegelüste der französischen Politiker Raymond Poincaré und Georges Clemenceau sowie finanzielle Begehrlichkeiten der angloamerikanischen Finanzelite (Bezahlung der Interalliierten Kriegsschulden), alles verbrämt mit moralischen Floskeln und einseitigen Schuldzuweisungen, prägten die Verhandlungen zum Versailler Vertrag.

Frankreich war an einer Schrumpfung Deutschlands interessiert, damit es ihm militärisch nicht mehr gefährlich werden konnte. Großbritannien ging es mit der territorialen Verkleinerung vornehmlich darum, einen wirtschaftlichen Konkurrenten empfindlich zu schwächen. Deutschland verlor ein Territorium von ungefähr 75.000 km², was ungefähr der Fläche des heutigen Österreichs entsprach, und durfte nur ein stehendes Heer von 100.000 Mann haben. Dieses Friedensdiktat unterschrieben dann die deutschen Vertreter am 28. Juni 1919 in Versailles.

Es mussten am 27. November 1919 in Neuilly sur Seine die Bulgaren, am 11. Mai 1920 in Sevres die Türken und am 4. Juni 1920 in Trianon die Ungarn ebenso harte Friedensbedingungen akzeptieren. In Wien war die Regierung über den Inhalt des Versailler Vertrages mehr oder weniger informiert. Ihr war bewusst, dass auch an den Deutsch-Österreichern der Kelch nicht vorbeigehen würde. Fraglich war nur, in welchem Ausmaß.

Am 21. Oktober 1918 bildete sich als Reaktion auf die Proklamation des Völkermanifestes durch Kaiser Karl aus den deutschen-österreichischen Abgeordneten des Reichsrates die Provisorische Regierung. Am 11. November 1918 dankte Kaiser Karl I. ab. Da nun eine konstitutionelle Monarchie als Regierungsform nicht mehr möglich war, wurde die Republik Deutsch-Österreich ausgerufen. Nach den Wahlen vom 16. Februar 1919 konstituierte sich der neue Nationalrat, der dann Dr. Karl Renner erneut zum Staatskanzler wählte. Im deutsch-österreichischen Parlament waren einerseits Politiker von Gebieten vertreten, die die anderen Völker der ehemaligen k.u.k. Monarchie nicht wollten und worauf das junge Deutsch-Österreich Gebietsansprüche stellte. Hierzu zählten Südtirol, Sudetendeutschland, Teile von Schlesien, deutsche Sprachinseln in Mähren und das Burgenland, welches einst zur ungarischen Reichshälfte gehörte.

Die tschechoslowakische Regierung intervenierte massiv bei den Alliierten, weil sie die „Zerreißung“ ihres beanspruchten Territoriums verhindern wollte… Im Süden Deutsch-Österreichs stellte das frisch gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen Gebietsansprüche auf Kärnten und die Steiermark. Es ging zuweilen auch militärisch vor, um vor Abschluss des Diktats von St. Germain Tatsachen zu schaffen. Deutsch-Österreich war zu diesem Zeitpunkt ein Staat mit einem undefinierten Staatsgebiet.

Am 2. Mai 1919 erhielt die deutsch-österreichische Regierung vom „Obersten Rat der Entente“ eine Vorladung. Sie solle sich unverzüglich nach St. Germain en Laye, einem Vorort von Paris, begeben. Am 14. Mai 1919 fand sich die nach zähen Diskussionen zusammengestellte Delegation dort ein. Sie wurde in der Villa Reinach und in zwei naheliegende Gebäude einquartiert. Ihre Unterkunft wurde hermetisch abgeriegelt. Die Deutsch-Österreicher durften, wenn sie ins Freie wollten, sich lediglich auf dem Hof aufhalten. Ansonsten herrschte eine absolute Nachrichtensperre. Selbst die Kommunikation nach Wien funktionierte nur stockend. Während die Delegationsmitglieder der Völker der ehemaligen k.u.k. Monarchie, außer die Ungarn, mit den Alliierten und den Medien auf verschiedenste Weise in Kontakt treten durften, war es der deutsch-österreichischen Delegation untersagt.

Wie sich später herausstellte, wurden die Deutsch-Österreicher viel zu früh eingeladen. Die Alliierten waren sich über einige Details der Friedensbedingungen noch nicht einig. Für die Delegation hatte es die mentale Auswirkung, als sei es eine absichtliche Taktik der Demoralisierung der Unterlegenen. Und so vergingen quälende Wochen des Abwartens, bis am 2. Juni 1919 um 12:15 Uhr mittags der französische Kriegsminister und Ministerpräsident Georges Clemenceau als Vorsitzender der Friedenskonferenz der deutsch-österreichischen Delegation den noch unfertigen Entwurf des Friedensdiktats übergab. Es fehlten noch Aussagen zu den Themen Finanzen, Armee und Reparationen und über den Status von Welsch- und Südtirol.

Die Delegation unter Staatskanzler Renner lehnte den ersten Entwurf ab, mit der Begründung, dass nicht die Republik Deutsch-Österreich für den Krieg zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Sie sei wie die anderen neu entstandenen Staaten aus Österreich-Ungarn hervorgegangen. Die Alliierten und Clemenceau ließen dieses Argument nicht gelten. Zudem wurde den Deutsch-Österreichern eine direkte Teilnahme an der Friedenskonferenz untersagt. Ihnen wurde lediglich die Möglichkeit eines schriftlichen Gedankenaustauschs mit Clemenceau gestattet. Als Staatskanzler Renner den noch unfertigen Entwurf des Friedensvertrages las, war er zutiefst entsetzt. Erschüttert schrieb er an die in Wien verbliebenen Regierungsmitglieder und Parlamentarier:

“Der Friedensvertrag vollendet die Verstümmelung, welche die militärische Besetzung deutschen Landes durch die Nationalstaaten begonnen hat. Nahezu alle Länder, selbst Niederösterreich, werden verstümmelt. Das letztere, indem künftige Wasserstraßen an der March ihm einfach weggenommen wird. Alle Bahnlinien, alle Straßen, Flußläufe werden verstümmelt. Fast nirgends ist die Paßhöhe die Grenze, sondern überall eine Linie unter den Paßhöhen. Wo eine blühende Stadt reinen deutschen Charakters sich dem fremden Sprachgebiet nähert, wird sie einfach annektiert, so Klagenfurt, Marburg [an der Drau] und Feldsberg. Die Westmächte haben, durch die sechs Monate, einseitig durch unsere beutegierigen Nachbarn beraten, diesen einfach ein weißes Papier hingelegt. Die älteren völkerrechtlichen Grundsätze, so daß ein Grenzfluß jedem Nachbarn bis zur Mitte gehört, daß eine Stadt nicht von ihren Gemüsegärten und ein Bauer nicht von seinem Flurstück getrennt werden dürfte, sind unbeachtet geblieben. Straßen, die nur einen Sinn haben, wenn sie einheitlich verwaltet werden, sind zerrissen.

Nun sind die Engländer und Amerikaner praktische Leute und würden sich meines Erachtens nie dazu entschlossen haben, solche Unsinnigkeiten zu unterschreiben, wenn sie eben Zeit und Gelegenheit genommen hätten, uns zu hören. Ich glaube nicht, daß sie eine sadistische Zerstörung aller Verkehrsadern und damit eines lebendigen Wirtschaftskörpers billigen werden, wenn sie erfahren, was da in ihrem Namen gesündigt wird.

Es wird so rasch wie möglich den Führern der Entente klar gemacht werden, daß sie, wenn sie Deutsch-Österreich zur Fertigung dieses Friedensvertrages zwingen, ihren Triumph gefährden, indem sie eine Leiche auf ihren Triumphwagen laden.”

Der Schriftverkehr mit den Mächten der Entente hatte wenig bewirkt. Der tschechische Außenminister Edvard Beneš, der nach dem Zweiten Weltkrieg einmal eine unrühmliche Rolle spielen sollte, beschwor die Alliierten, an die deutsch-österreichische Delegation keine Zugeständnisse zu machen. Die endgültige Fassung des Vertrages von Saint Germain-en-Laye lag am 2. September 1919 vor. Das Ergebnis war niederschmetternd:

Das österreichische Schlesien, das Sudetendeutschland, die deutschen Sprachinseln in Mähren wurden der Tschechoslowakei zugeschlagen. Damit wurden mehr als 3 Millionen Deutschen die Inanspruchnahme des Selbstbestimmungsrechts verweigert. Welsch- und Südtirol gingen an Italien. Die Zerreißung Tirols war und ist schmerzhaft, besonders aber der Verlust von Südtirol. Denn Südtirol war seit mehr als 1000 Jahren kulturell mit dem nördlichen deutschen Sprachraum verbunden. Aus dieser Gegend kam auch der berühmte Minnesänger Walther von der Vogelweide.

Deutsch-Österreich wurde neben Ungarn als einziger Staat, der aus Österreich-Ungarn hervorgegangen war, zu Reparationen herangezogen. Es durfte eine Berufsarmee von 30.000 Mann halten, wobei auch ihre Ausrüstung von den Alliierten vorgeschrieben wurde. Obwohl in Deutsch-Österreich eine Hungersnot herrschte, wurde es genötigt, an Italien, an das Reich der Serben, Kroaten und Slowenen und an Rumänien ungefähr 19.000 Stück Vieh zu liefern. Die Fischfangflotte, die Handels- und Kriegsschiffe sowie alle Flugzeuge gingen in das Eigentum der Alliierten über. Sämtliches staatliches Eigentum im Ausland galt als verfallen.

Für die Deutsch-Österreicher gab es 3 Gründe, warum sie zu fast 100% dafür waren, sich Deutschland anzuschließen:

  1. Seit mehr als 1000 Jahren gab es mit dem nördlichen deutschen Sprachraum bei aller Verschiedenheit eine kulturelle Bande.
  2. Weil die Landesteile des jetzigen Deutsch-Österreich im ehemaligen Österreich-Ungarn die Bodenschätze vor allem aus Böhmen und Obst, Gemüse und Getreide aus Mähren und aus der ungarischen Tiefebene bezogen und diese Landesteile nun verloren hatten, sahen die Menschen den jungen Staat nicht als wirtschaftlich überlebensfähig an.
  3. Die meisten deutschen Sprachinseln waren nur über Deutschland erreichbar.

Für die Sozialdemokraten gab es noch einen weiteren Grund. Hierzu möchte ich das „Historische Lexikon Bayerns“ bemühen. Dort ist zu lesen: „Ihr Ziel war die Bildung einer Einheitsfront mit den deutschen Sozialdemokraten, wie es in einem Wahlaufruf vom 4. Februar 1919 hieß: „Wir wollen uns mit dem roten Deutschland vereinen. Vereinigung mit Deutschland bedeutet jetzt Vereinigung mit dem Sozialismus.““

Die Durchsetzung des Willens der Deutsch-Österreicher, sich dem Deutschen Reich anzuschließen, wurde durch Artikel 88 des sogenannten Friedensvertrages vereitelt. Sie durften ihren Staat auch nicht „Deutsch-Österreich“ nennen. Die deutschfeindliche Handschrift Clemenceaus zog sich durch den ganzen Vertragstext. Der einzige Lichtblick im Vertrag war, dass das Burgenland Österreich zugeschlagen wurde. In den südlichen Gebieten Kärntens und der Steiermark durften Volksabstimmungen über den Verbleib bei Österreich oder den Abgang an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen abgehalten werden. Aus einem Riesenreich mit ungefähr 50 Millionen Menschen wurde ein kleiner Rumpfstaat mit 6,5 Millionen Bewohnern, wobei um die 2 Millionen in Wien lebten. Die Fläche schrumpfte von einst 340.000 km² auf nur 84.000 km².

Die Alliierten widersprachen mit diesen Friedensbedingungen ihren eigenen Prinzipien, für die sie angeblich in den Krieg eingetreten waren.

Am 6. September 1919 tagte in Wien ein letztes Mal das Parlament in der Zusammensetzung, in der es nicht mehr zusammentreten wird, mit den Abgeordneten der Ländereien, die laut den Vertrag von St. Germain anderen Staaten zugeschlagen wurden. Es wurde über diesen Vertrag, an dem es kein Vorbei gab, heftig diskutiert und abgestimmt. Letztendlich wurde unter Protest zugestimmt, wobei das Land Tirol wegen der nun feststehenden Zerreißung seines Landes sich der Stimme enthielt. Ein letztes Mal durften die Abgeordneten der verloren gegangenen deutschsprachigen Gebiete vor dem Parlament eine Rede halten. Es waren sehr emotionale Momente, gepaart mit dem Gefühl einer unendlichen Trauer und der Ohnmacht. Am bekanntesten waren die Reden von Rudolf Ritter Lodgman von Auen, Abgeordneter von Mähren und Österreichisch-Schlesien, und von Eduard Reut-Nicolussi, Abgeordneter von Südtirol. Hier ein Auszug der Rede von Reut-Nicolussi:

„Jedes Pathos ist heute zwecklos. Es ist unmöglich, jene Gefühle zu schildern, welche einen Mann beseelen, der in den Reihen der Tiroler Jäger [Tiroler Kaiserjäger] gegen Italien gekämpft und sein Blut vergossen hat und nunmehr mit seinen Brüdern in die Knechtschaft wandert.

Gegenüber diesem Vertrage haben wir mit jeder Fiber unseres Herzens, in Zorn und Schmerz nur ein Nein! Ein ewiges und unwiderrufliches Nein!“ „Es wird jetzt in Südtirol ein Verzweiflungskampf beginnen um jeden Bauernhof, um jedes Stadthaus, um jeden Weingarten. Es wird ein Kampf sein mit allen Waffen des Geistes und mit allen Mitteln der Politik. Es wird ein Verzweiflungskampf deshalb, weil wir – eine Viertelmillion Deutscher – gegen vierzig Millionen Italiener stehen, wahrhaft ein ungleicher Kampf. Sowohl aus den Worten des Staatskanzlers Dr. Renner als auch aus denjenigen des Präsidenten Hauser hat das Versprechen geklungen, daß Sie die Solidarität der Sprache, der Kultur und der Geschichte, die Deutsch-Südtirol bisher mit den Deutschen Österreichs verbunden hat, wahren wollen, und daß Sie nicht auf uns vergessen werden. („Nie! Nie!“ von allen Seiten des Hauses.) Wir nehmen Sie bei Worte! (Stürmischer Beifall und Rufe: „Wir werden unser Wort halten!“) Wenn wir jetzt in die finstere Zukunft hineingehen, so soll das unser einziger Trost sein, daß wir Landsleute und Volksgenossen besitzen, die uns in der Stunde der Not nicht vergessen, die uns in diesem entsetzlichen Ringen ihre Hilfe leihen werden. Ich erinnere daran, daß Jakob Grimm vor 71 Jahren in der Frankfurter Nationalversammlung als 1. Artikel der Deutschen Verfassung die Worte vorgeschlagen hat: Alle Deutschen sind frei und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Und selbst der Fremde und Unfreie, der ihn betritt, ist frei.“

Eduard Reut-Nicolussi sollte mit seinen düsteren Prophezeiungen Recht behalten. Am 10. Oktober 1920 gliederte Italien unter Missachtung „historischer Grenzen“, wie im 14-Punkte-Programm des US-Präsidenten Woodrow Wilson gefordert wurde, Südtirol unter dem Namen „Alto Adige“ ein. Mindestens seit dem Bozner Blutsonntag am 24. April 1921, aber spätestens seit Ettore Tolomei einen Maßnahmekatalog zur Italianisierung Südtirols im Bozner Stadttheater im Juli 1923 vorstellte, begann eine Unterdrückung und Bevölkerungsumschichtung, die seinesgleichen sucht. 1928 wurde das Buch „Tirol unterm Beil“, welches Reut-Nicolussi verfasste, veröffentlicht. Zwei Jahre später wurde es ins Englische übersetzt. Das Buch beschreibt die Entnationalisierungspolitik der italienischen Faschisten. Sein Werk löste in der Welt großes Aufsehen und Entsetzen aus. Allerdings wurde in Italien diese Politik unbeirrt fortgesetzt, bis Ende der 1960-er Jahre…

Am 10. September 1919 wurde in St. Germain en Laye das Friedensdiktat von der Delegation aus Wien und von den Alliierten unterschrieben. Am 16. Juli 1920 erfolgte in Paris die Ratifizierung des Vertrages. Die Vertreter der USA verweigerte die Ratifizierung. Sie schlossen mit Österreich am 24. August 1921 einen separaten Vertrag ab (StF: BGBl. Nr. 643/1921). Auf die Beweggründe der Nichtratifizierung des Vertrages von St. Germain durch die USA möchte ich näher eingehen: In den Mainstreammedien und in der meisten Literatur wird diese Verweigerung damit begründet, dass die Vertreter der USA die Art und Weise, wie mit den Verlierern des Ersten Weltkrieges umgegangen wurde, missbilligten. Das mag zum Teil stimmen.

Meine These ist, dass die USA den Vertrag deshalb nicht ratifiziert hatten, weil einerseits große Vertragstextteile Bezug nehmen auf die Kontrolle der Einhaltung des Friedensdiktates durch den Völkerbund und andererseits die USA auf keinen Fall in den Völkerbund eintreten wollten. Die Sowjetunion war übrigens auch nicht Mitglied des Völkerbundes. Die USA wurden sich anscheinend immer bewusster, dass sie die Rolle als Weltmacht von Großbritannien übernommen hatten und sich deshalb von niemanden etwas vorschreiben lassen wollte.

Der Vertrag von St. Germain und das Heimatrecht (pertinenza)

Da Österreich-Ungarn ein Vielvölkerstaat war, ergab sich automatisch nach dem Zerfall des riesigen Reiches das Problem der Staatsbürgerschaft. Der Vertrag von St. Germain ging darauf ein in den Artikeln 70 bis 82. Alle Personen, die auf dem Gebiet des ehemaligen Österreich-Ungarn gewohnt hatten, erhielten das Recht, die Staatsbürgerschaft von dem jeweiligen Staat anzunehmen, der sich an dieser Stelle herausgebildet hatte. Die entscheidungsberechtigte Person muss über 18 Jahre alt sein. Bei der Ehe / Familie war der Ehemann / der Familienvater mit seiner Entscheidung ausschlaggebend, welche Staatsbürgerschaft die Ehefrau / die Kinder bekamen. Artikel 78 gab die Möglichkeit, sich innerhalb eines Jahres für eine andere Staatsbürgerschaft zu entscheiden.

Der Vertrag von St. Germain und das Anschlussverbot

Artikel 88 verbietet sinngemäß den Anschluss Österreichs an Deutschland oder an anderen Staaten. Auch wenn die Verfasser in diesem Artikel bei der Formulierung sehr allgemein blieben und den Anschluss nicht wörtlich nannten, hatten sie wohl die Vereinigung beider deutscher Staaten im Hinterkopf. Nur mit Zustimmung des Rates des Völkerbundes wäre diese möglich. Vielmehr wurde dort die Unabänderlichkeit der Unabhängigkeit Österreichs betont.

In der damaligen politischen und wirtschaftlichen Konstellation in Europa schränkte dieser Artikel des Friedensdiktats die Handlungsfähigkeit Österreichs in einer gewissen Weise ein. Österreich kam in den 1920-er Jahren wirtschaftlich gesehen auf keinen grünen Zweig. Es gab in dieser Zeit viele internationale humanitäre Hilfsaktionen für Österreich und auch Kinderverschickungen. Der ständige Argwohn der Nachbarstaaten trieb Österreich Ende der 1920-er Jahre in die Hände des faschistischen Italiens. Mussolini gewährte Österreich großzügige Kredite und hielt möglicherweise so dieses Land am Leben.

Am 6. Februar 1930 unterschrieben die politischen Vertreter Österreichs und Italiens einen Freundschafts-, Vergleichs- und Schiedsgerichtsvertrag. Hier wurde durch Wien erstmals eine schwerwiegende Abwägung getroffen zuungunsten des Selbstbestimmungsrechts der Südtiroler. Italien wurde gewissermaßen zur „diplomatischen Schutzmacht“ Österreichs, wie es Erika Kustatscher in ihrem Buch „“Berufsstand“ oder „Stand“?: Ein politischer Schlüsselbegriff im Österreich der Zwischenkriegszeit“ nannte.

Als es 1930 / 1931 mit Deutschland Verhandlungen für eine Deutsch-österreichische Zollunion gab, scheiterte das Projekt am erbitterten Widerstand Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei. Diese Staaten befürchteten eine Vorbereitung zum Anschluss an Deutschland und eine Zunahme der ökonomischen Vormachtstellung der Deutschen in Europa. Österreich fielen auch die „Genfer Protokolle“ vom 4. Oktober 1922 auf die Füße. Der Hintergrund: Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Deutsch-Österreich eine Hyperinflation. Um der Inflation der Krone und eine damit verbundene Verarmung breiter Bevölkerungsteile entgegenzutreten, sollte eine Währungsumstellung erfolgen. Hierzu sollte die Krone abgeschafft und der Schilling eingeführt werden. Da das wirtschaftlich schwache Österreich dieses Vorhaben finanziell allein nicht stemmen konnte, bekam es vom Völkerbund eine Anleihe in Höhe von 650 Millionen Goldkronen. Dafür musste Österreich seine immerwährende Unabhängigkeit zusichern. Das Kuriose ist, dass nicht über Artikel 88 des Vertrages von St. Germain die geplante Deutsch-österreichische Zollunion erfolgreich verhindert wurde, sondern über die „Genfer Protokolle“…

Der Vertrag von St. Germain und die Reparationsverpflichtungen

Im Vertrag von St. Germain wurde Österreich zur Zahlung von Reparationen verpflichtet. Dort sind aber keine konkreten Zahlen genannt. Eine Reparationskommission sollte diese so schnell wie möglich festlegen. Da das staatliche Eigentum Österreich-Ungarns an die einzelnen neu gebildeten Staaten fiel, gab es im „Rest“, den, um den bekannten Spruch Clemenceaus zu verwenden, keiner haben wollte, wenig Konkursmasse. 1921 sollte die Ratenzahlung beginnen und 1951 enden. Da sich Österreich jahrelang in einem desaströsen wirtschaftlichen Zustand befand, wurden die Zahlungsverpflichtungen Jahr um Jahr verschoben. 1929 hatte die Reparationskommission selbst die Stundungsversuche aufgegeben. Thomas Olechowski, ein österreichischer Rechtshistoriker, wies in einer Vorlesung an der Universität in Innsbruck auf eine in der Öffentlichkeit wenig bekannte Tatsache hin: Österreich hatte keine einzige Krone bzw. keinen einzigen Schilling als Reparation bezahlt!

War Österreich-Ungarn ein Völkergefängnis?

Die Tatsache, dass in Österreich-Ungarn zwölf Nationen lebten, wurde von den Entente-Mächten im Ersten Weltkrieg dazu genutzt, diesem vor der ganzen Welt als „Vielvölkergefängnis“ zu geißeln. Die Ausrufung des Selbstbestimmungsrechts der Völker im Januar 1918 durch US-Präsident Woodrow Wilson war ein Mittel, um in erster Linie Österreich-Ungarn zu destabilisieren. Beim Deutschen Kaiserreich konnte diese Botschaft wenig Wirkung entfalten, da seine Staatsbürger zu mehr als 90% Deutsche waren.

Ich möchte anhand von zwei Beispielen beweisen, dass in Österreich-Ungarn mit den Menschen unterschiedlicher Nationen relativ liberal umgegangen wurde:

Beispiel 1:

Österreich-Ungarn bestand aus zwei Reichshälften, aus der deutschen (Cisleithanien) und aus der ungarischen (Transleithanien). In beiden Reichshälften galten unterschiedliche Rechtssysteme. Während in Transleithanien die Menschen vor Gericht und in staatlichen Behörden nur ungarisch reden und schreiben mussten, war es in Cisleithanien anders: Nach Artikel 19 des „Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger“ waren alle Sprachen gleichberechtigt. Deshalb durfte ein Welschtiroler bis in die letzte Instanz in Wien seine Muttersprache benutzen. (In Welschtirol lebte eine vorwiegend italienisch sprechende Bevölkerung.) Der österreichische Rechtshistoriker Professor Olechowski teilte mir mit, dass es diesbezüglich immer wieder Versuche gab, die Gerichtsverfahren auf Deutsch zu führen…

Nun möchte ich einen Sprung in die Gegenwart machen und meinen Fokus auf das von Italien einverleibte Südtirol richten: Die Südtiroler dürfen beim Landes- und beim Oberlandesgericht, welche sich in Südtirol befinden, deutsch reden und schreiben. Findet der Gerichtsprozess in einer Region außerhalb von Südtirol oder gar in Rom statt, so wird der Prozess auf Italienisch abgehalten. In Südtirol wird das Gebot der Zweisprachigkeit in vielfacher Weise hintertrieben, sei es bei Formularen von Versicherungspolicen, bei Beipackzetteln von Medikamenten, im Gesundheitswesen, ohne dass der italienische Staat eingreift. Wie zu erkennen ist, war Österreich-Ungarn zumindest in der deutschen Reichshälfte im Vergleich zu vielen anderen Staaten zu dieser Zeit liberal zu seinen Völkern.

Beispiel 2:

Die Provinz Bukowina gehörte zur deutschen Reichshälfte (Cisleithanien). Dort lebten viele Juden friedlich mit Deutschen, Ukrainern (damals unter dem Sammelbegriff „Ruthener“ genannt) und Rumänen zusammen. In Tschernowitz, der Hauptstadt der damaligen Provinz Bukowina, befindet sich der größte jüdische Friedhof Mittel- und Osteuropas. Für mich ist das ein Indiz, dass Kaiser Franz Joseph I. eine liberale Nationalpolitik betrieb.

Der Vertrag von St. Germain besiegelte das Auseinanderbrechen von Österreich-Ungarn. Damit verschwand eine der fünf Großmächte Europas von der Bildfläche. Das Pikante an der Geschichte ist, dass an Stelle von Österreich-Ungarn mehrere Vielvölkerstaaten entstanden, in denen es den nationalen Minderheiten in unterschiedlichem Maße schlecht ging. Hierzu zählen Italien, Jugoslawien, Rumänien, die Tschechoslowakei und Polen. In Italien litten besonders die Südtiroler, in Rumänien die Juden, Ungaren und Ukrainer, in der Tschechoslowakei die Ungaren und Ukrainer und in Polen die Juden, Ukrainer und Weißrussen. Beim Völkerbund gingen diesbezüglich bittere Klagen ein.

Da der Völkerbund von Frankreich, Großbritannien und Italien dominiert wurde, kann sich jeder ausrechnen, dass von dort entweder keine Reaktion oder nur dürre unverbindliche Aussagen kamen. Insofern wäre die heutige Wissenschaft gefordert, Licht in die Geschichte bezüglich der nationalen Minderheiten in Europa in der Zeit zwischen 1919 und 1939 zu bringen… Die Verträge von Versailles, St. Germain und Trianon haben zwar einige Völker in die Unabhängigkeit geführt. Sie haben aber mehr Leid, Ungerechtigkeit und Unfrieden angerichtet, als vor dem Ersten Weltkrieg bestanden hat. Der Zweite Weltkrieg war zwar nicht eine zwingende Folge, die Lunte hierzu wurde aber allemal gelegt.

Der Zweck der Installation dieser Staaten war, dass sie Vasallenstaaten der Entente-Mächte waren. Wie die Geschichte später zeigte, konnte Frankreich insbesondere Rumänien, die Tschechoslowakei und Polen erfolgreich für seine geostrategischen Zwecke gegen Deutschland instrumentalisieren. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Deutschland wechselseitig von Frankreich und von Polen militärisch bedroht. Die Verhinderung einer Deutsch-Österreichischen Zollunion ist ein weiteres Beispiel. Die Zerstörung Österreich-Ungarns und die Eindämmung des deutschen Machtbereichs war auch ganz im Sinne der britischen Geopolitik und Geostrategie, der Heartland-Theorie von Halford Mackinder, und des britischen Finanzadels.

Hierzu fällt mir eine Episode ein, die die Sache auf den Punkt bringt: Im Sommer 2018 unternahm ich eine Urlaubsreise nach Cornwall. Ich besuchte auch London. Bei der Stadtrundfahrt ging es unter anderem durch das Finanzviertel, welche in der City of London liegt. Es ist das älteste Stadtteil Londons und grenzt nördlich an der Themse. Südlich führen Brücken über die Themse. Die City of London besitzt noch heute administrative Sonderrechte und einen eigenen Bürgermeister. Die Eingänge zur City sind mit kleinen silbern-roten gusseisernen Drachenstatuen versehen, die nach draußen schauen. Der Drachen ist das Wappentier der City of London, nicht explizit das des Finanzviertels. Nach den Worten des Reiseführers sollen die Drachen unter anderem das Finanzviertel vor bösen Geistern von draußen beschützen. Er fände es gut, die Drachen umzudrehen, um die Welt vor den bösen Geistern der Finanzelite zu schützen. Wie Recht er hat!

*Wolfgang Schimank wurde in Potsdam geboren. Er studierte in der Lutherstadt Eisleben „Industrielle Elektronik“ und arbeitet seitdem als Elektronik-Ingenieur derzeit an der Freien Universität Berlin.

https://www.theeuropean.de/wolfgang-schimank/der-vertrag-von-saint-germain-en-laye/

 

 

 

 

 

 

 

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