Wann ist ein Staat wirklich souverän?

Quand un État est-il vraiment souverain ?

When is a state truly sovereign?

Daniele Dell’Orco*

Die jüngste Debatte über die Lieferung von Leopard-Panzern an die ukrainische Armee hat einmal mehr die außerordentliche Schwäche der (ehemaligen?) Lokomotive Europas deutlich gemacht: Deutschland.
Was bis vor wenigen Monaten noch als Hegemonialmacht auf dem Alten Kontinent galt, wurde innerhalb weniger Monate in mehreren Bereichen buchstäblich entblößt: politisch (anhaltende Instabilität in der Ära nach Merkel), wirtschaftlich (Energieabhängigkeit, Industriekrise aufgrund von Sanktionen) und militärisch (Armee auf Nullniveau).

In dieser Zange gefangen, ist Deutschland gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die seinem nationalen Interesse zuwiderlaufen, indem es jahrelange politische Planungen in kürzester Zeit zunichte macht.
Dies ist eine gute Gelegenheit, das deutsche Beispiel als Fallstudie zu verwenden, um zu verstehen, was die ‚Souveränität‘ eines Landes wirklich ausmacht.

Die Makrobereiche, die einer Nation die Möglichkeit geben, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen (im Guten wie im Schlechten), sind drei:

– politische Stabilität;

– militärische Macht;

– finanzielle Stabilität.

Aus politischer Sicht sind -unabhängig von der Regierungsform in den einzelnen Ländern – eine starke Führung im Falle von Autokratien, massives Vertrauen in die Partei/Führung in illiberalen Demokratien oder ein breiter Wahlkonsens in liberalen Demokratien (oder ein bipolares System, hinter dem sich ein kohärenter tiefer Staat verbirgt, der Abstimmungen in vielen Fragen irrelevant macht) unabdingbar, um eine Regierung in die Lage zu versetzen, politische, wirtschaftliche (Energieversorgung, Sozialstaat, Steuern usw.) und militärische Entscheidungen zu treffen.

Letzteres trotz der Jahrzehnte, in denen in vielen europäischen Ländern (vor allem in denen, die als Verlierer aus dem Weltkrieg hervorgingen, wie bei uns in Italien oder eben in Deutschland) das Axiom galt, dass es klüger wäre, die Verteidigung auszulagern und die Militärausgaben auf ein Minimum zu reduzieren. Unter anderem: weil man mit dem Geld Kindergärten bauen könne. Doch die Armeen sind  ein unverzichtbares Instrument zur Behauptung der Souveränität.

Das sehen wir im aktuellen Krieg: Diejenigen, die über eine mächtige Armee verfügen (die Türkei, Israel, China, Frankreich, zusätzlich zu den direkt in den Konflikt verwickelten großen Akteuren) treffen die Entscheidungen, die anderen fügen sich.

Eine ‚mächtige‘ Armee bedeutet natürlich, dass sie nicht nur zahlenmäßig stark ist, sondern auch in Bezug auf Bereitschaft, Vielseitigkeit und vor allem die industrielle und technologische Überlegenheit betreffend.

Dieser Punkt ist von grundlegender Bedeutung: Wenn man sich Waffen anschafft oder sie in einer offiziell so genannten ‚Partnerschaft‘ herstellen läßt, die aber praktisch ein Unterauftrag ist, ist man nicht souverän, denn man hätte nicht die Möglichkeit, in Zeiten der Not frei über seine eigenen Waffen verfügen zu können. Das F-35 Programm ist ein gutes Beispiel dafür. Es wird von Lockheed Martin, BAE und Leonardo entwickelt, mit (anteilig) guten Arbeitsplätzen für alle. Aber die Technologien, die Unterstützung, die Kontrolle über ihre Nutzung ist das Vorrecht einer einzigen Macht (mit sehr seltenen Ausnahmen).

Das industrielle Potenzial sollte Hand in Hand gehen. Wenn man über eigene Technologien verfügt, seien sie nun bereits veraltet oder außerordentlich fortschrittlich, muss man auch über die praktische Fähigkeit verfügen, sie in Rüstungsgüter umzusetzen (also Industriepotenzial, Rohstoffe, Personal usw.) oder sie im Ausland mit ‚echten‘ Formen der Partnerschaft in Auftrag geben können.

Die finanzielle Stabilität ist das, was alles zusammenhält, denn in der globalisierten Welt ist sie sozusagen eine Waffe: Zu viele Staatsschulden in ausländischen Händen machen angreifbar. Ein zu hohes Defizit bindet den Regierungen die Hände und lässt kein BIP zu. Ein zu geringes BIP schafft Unzufriedenheit und Instabilität. Zu viel Instabilität macht die Volkswirtschaften zur Beute von Finanzattacken und bringt Regierungen zu Fall.Etc. Keine dieser Sphären hat Vorrang vor der anderen, aber alle sind selbsttragend und ihr substanzielles Gleichgewicht führt zum höchstmöglichen Ausdruck von Souveränität.

Aber selbst in Fällen von Ungleichgewicht kann es akzeptabel sein, wenn zwei von ihnen so stark betont werden, dass die Auswirkungen der anderen minimiert werden (das Beispiel der Türkei, die sich in einer ständigen Wirtschaftskrise befindet, ist sinnbildlich), solange daran gearbeitet wird, sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Ein Ungleichgewicht in zwei oder sogar allen drei dieser Bereiche kann ein Land keineswegs wirklich souverän machen, sondern an seiner Stelle nur das Gefühl vermitteln. Das ist es, was mit Deutschland geschah: In Friedenszeiten schien es unzerstörbar zu sein, mit dem Tapetenwechsel entdeckte es seine Schwächen.

Mit Hilfe dieses einfachen Spiegels ist es möglich, eine Art „Zeugnis“ für jede Fallstudie zu erstellen.
Aus meiner Sicht zeigen diese Konzepte, dass es in Europa (einschließlich des Vereinigten Königreichs) kein Land gibt, das von sich behaupten kann, wirklich souverän zu sein, mit Ausnahme von Frankreich. Das jedoch in den letzten Jahrzehnten einen fortschreitenden Niedergang erlebt hat, sowohl im politischen Bereich (zunehmend instabil, trotz eines Wahlgesetzes, das es vor systemfeindlichen Umstürzen so sicher wie möglich macht) als auch im Finanzbereich. Kurz gesagt, sein Gleichgewicht ist prekär. Aber zumindest ist es da.

Das ist der Grund, warum die Geschicke Europas bis heute nicht in Europa entschieden werden.

*Italienischer Journalist und Publizist

Daniele Dell’Orco & https://www.ariannaeditrice.it/articoli/quand-e-che-uno-stato-e-davvero-sovrano

Anmerkung von mir: Daniele Dell´ Orco hätte meines Erachtens zum Thema Souveränität eines Landes etwas hinzufügen müssen: eine eigene Währung !

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Wie der Westen den Krieg in die Ukraine brachte…

How the West Brought War to Ukraine

Comment l’Occident a amené la guerre en Ukraine

Ein weltumspannendes westliches Netzwerk von Desinformation und Propaganda macht es möglich, dass charakterschwache Spitzenpolitiker, feige Journalisten und ebenfalls die NATO-Narrative nachplappernde Halbgebildete nur eine einzige Meinung gelten lassen wollen. Nach Klima und Corona ist der Ukraine-Krieg ein weiteres geeignetes Thema, bei dem jede von der veröffentlichten Meinung abweichende Stellungnahme dazu von “bis zur Hüfte im Sumpf steckenden Regierungen und Medien“ (US-Historiker Benjamin Arbelow) als Ketzerei abgetan wird.

Beinahe sieht es ja schon so aus, als sollten die vielen jede Objektivität missende Kommentare zum Ukraine-Krieg wie ansteckende Krankheiten weiter vererbt werden. Das könnte sich, ähnlich wie bei den vorhin genannten beiden anderen Themen, bald einmal als das erweisen, was es in Wirklichkeit ist: Meinungsdiktatur. Doch schaffen es immer mehr Korrekturen zu den veröffentlichten Halbwahrheiten und Lügen, trotz verweigerter Hilfeleistung des „Mainstream“, in eine breitere Öffentlichkeit hinein zu wirken. Kurz und gut, den Schwaflern und Schwätzern des Meinungskartells wird immer weniger geglaubt werden.

Dass Bert Brechts „dümmste Kälber“ gestern noch als Friedensstifter und heute schon als Heuchler oder Kriegsbegeisterte durch die Lande ziehen, ist in gewisser Hinsicht ein Novum.  Und gehört die deutsche Außenministerin nicht auch dazu? Bei ihr weiß man allerdings nicht ganz recht, ist sie wirklich so dumm, wie manche ihrer Äußerungen vermuten ließen, oder ist sie nur das Lockvögelchen für etwas, das spätestens mit ihrer als Außenministerin getätigten völkerrechtlich verbindlichen Aussage zu Panzern und Ukraine-Krieg bereits Wirklichkeit ist: Deutschland befindet sich nämlich im Krieg mit Russland. Wieder einmal.

Und schon träumen sie – vom Baltikum bis zu den Alpen und weiter – wider besseres Wissen vom Endsieg der Ukraine. Wohl ignorierend, dass, wie immer, diplomatisch oder militärisch, der Krieg endet, sie bis dahin ihre jeweiligen  Heimatländer in eine nicht nur wirtschaftliche Katastrophe geführt haben werden. Wie das Zukünftige ignorieren sie heute bewusst auch die dem Krieg zugrunde liegenden Ursachen und Beförderungen desselben. Die nun in dankenswerter Weise ausgerechnet durch einen Amerikaner, den Historiker Benjamin Arbelow, in dessen Buch* und unter anderem in einem Beitrag in der Weltwoche beschrieben wurden.

Arbelow geht zurück bis zu den bekannten, in westlichen Dokumenten einsichtbaren US-Zusicherungen von 1990/91 hinsichtlich der Sicherheitsbedenken Russlands. Allerdings wurden bereits 1999 Polen, Tschechien und Ungarn in die NATO geholt. 2004 folgten drei weitere Staaten und 2008 erfolgte sogar ein Angebot an Georgien und die Ukraine. Darin sah der Kreml zu Recht eine Bedrohung seines Landes, und nicht nur dieser sah eine rote Linie überschritten. Ganz klar: „Russland wurde in die Irre geführt“ (Joshua R.Shifrinson, Boston Uni), dem Arbelow attestiert: „Der Westen versuchte Moskau zu täuschen“.

Vor allem erfolgte mit dem 2014 von westlichen Geheimdiensten und NGOs unterstützten Putsch am Maidan gegen einen russlandfreundlichen Präsidenten eine Verschärfung der Provokationen. Darauf gab es sehr bald den NATO-Standort Rumänien und 2017 (unter Trump) die Lieferung tödlicher Waffen an die Ukraine. Es folgten schließlich Militärmanöver an Russlands Grenze und 2021 fanden sogar gemeinsame Marinemanöver von USA und Ukraine statt. Nebenbei bemerkt, aber nicht ganz unwichtig: 2016 kündigte Washington den ABM-Vertrag zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen, wodurch Moskau mit Marschflugkörpern (geringe Vorwarnzeit!) erreichbar wäre. 2019 erfolgte dann noch der Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme.

Ist doch merkwürdig: Seit 200 Jahren verbieten sich die USA politische oder militärische Einflussnahme an ihren Grenzen, die, wie man weiß, inzwischen auf den halben Globus ausgedehnt wurden. Russland aber, dem von dem Politologen John Mearsheimer im Falle der Ukraine alles andere als imperiale Gelüste nachgesagt werden und der ebenfalls die Vereinigten Staaten als treibende Kraft in diesem militärischen Konflikt sieht, darf nicht einmal seine historischen Grenzen verteidigen? Dass der Einmarsch in die Ukraine keine grandiose politische und militärisch-strategische Leistung Putins war und einiges auf dem Schlachtfeld schief zu laufen scheint, ist natürlich offensichtlich.

Inzwischen wird Polen, das bereits vor dem Zweiten Weltkrieg eine brandbeschleunigende Rolle gespielt hat, zum Nachteil Europas zu einer wichtigen Operationsbasis des selbsternannten Weltpolizisten ausgebaut. Bald ein polnisches „Entsatzheer“ für US-Interessen? Der polnische König Johann III.Sobieski wußte noch auf welcher Seite sein Herz schlug. Unverständlich auch die Haltung der beiden ehemals neutralen Länder Schweden und Finnland, die ohne größere Not sich auf die Seite der de facto pausenlos Krieg führenden NATO schlugen und sich damit jetzt und in Zukunft tatsächlich gefährden. Auch der mit Wortspenden ohnehin verhaltensauffällige österreichische Bundespräsident scheint Washington einen Gefallen tun zu müssen. Putin führe einen „Kolonialkrieg“ meinte er. Dazu ein Sprichwort von Rochefoucauld: „Lächerlichkeit schändet mehr als Schande.

Fakt ist: Die Krieg führende US-Elite (unterstützt durch die angloamerikanische Finanz- und Rüstungsindustrie) wird aus verständlichen Gründen diesen Krieg so lange es geht fortsetzen wollen. Man möchte Russland – wie einst die Sowjetunion – mit Wettrüsten und Wirtschaftskrieg (Sanktionen) in den wirtschaftlichen Ruin treiben und ein geschwächtes Europa völlig der NATO unterwerfen. Dort macht man sich bereits in diesem Sinne stark und ist, nach den Worten eines niederländischen Offiziers, bereit für einen Krieg gegen Rußland. Derselbe Offizier, Präsident des NATO-Militärausschusses, rät denn auch schon ( nur europäischen?) Mitgliedern der Allianz, sie mögen ihre Wirtschaft rechtzeitig auf Kriegswirtschaft einstellen. Vielleicht auch nur ein Testballon eines möglichen weiteren US-Lakaien? Doch der Geist, der dahinter ist, ist besorgniserregend genug. So wollen die USA unter anderem eine brandneue Atomstreitmacht auf die Beine stellen. Es wird immer verrückter und findet wahrscheinlich im Weltraum seine Fortsetzung.

Nun aber ist erst einmal Feindbild Russland dran. Zu diesem Zwecke wird das unter US-Führung stehende Bündnis von europäischen Vasallen im Rahmen von „Air Defender 23“ im Juni schon einmal den Ernstfall proben. Auf die Nachfrage, warum gerade auf deutschem Boden, heißt es unmissverständlich: Die Besatzungen müssen dort üben, wo sie gegebenenfalls auch eingesetzt werden. Deutsche, hört, hört!

*Wie der Westen den Krieg in die Ukraine brachte: Die Rolle der USA und der NATO im Ukraine-Konflikt von Benjamin Abelow |

Weitere Buchempfehlung

Hannes Hofbauer: Feindbild Russland, Geschichte einer Dämonisierung, Promedia, 2016, www.mediashop.at

Und noch ein Hinweis: Hinsichtlich der Sanktionsfolgen (auch für Österreich) verweise ich auf die verdienstvolle parlamentarische Bürgerinitiative STOPPT DIE SANKTIONEN GEGEN RUSSLAND des Bündnisses Neutrales Freies Österreich (NFÖ)www.nfoe.at

Videos zu dem Thema:

.at, E-Mail: buendnis@nfoe.at

 
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Narren in einem wahnsinnigen Europa

Von Markku Sirra*

Haben Sie gehört, daß das schuldengeplagte Finnland gerade vierhundert Millionen Euro in das schwarze Loch der Ukraine wirft? Kein einziger finnischer Wirtschaftsexperte, geschweige denn Politiker, äußert sich in der Öffentlichkeit zu dieser verrückten Spende. Wieder einmal zeigen die Narren dem Rest der Welt ihre Dummheit, ohne auch nur den geringsten Anflug von Kritik an der sinnlosen Verteilung öffentlicher Gelder zu wagen.

Es braucht ein katalytisches Ereignis, um Dinge ans Licht zu bringen, die aus politischen oder anderen Gründen nicht gesehen werden sollten. Wie der amerikanische Blogger ›Z Man‹ schreibt, war die US-Hypothekenkrise von 2008 ein Beispiel für etwas, das “vor aller Augen verborgen” war. Als das System zu kollabieren begann, wurde auch die massive Korruption aufgedeckt und kommentiert.

In ähnlicher Weise hat der Konflikt in der Ukraine unangenehme Dinge an die Oberfläche gebracht, die bereits bekannt waren. Der hybride Krieg gegen Rußland und die Millionen, die in die Ukraine geflossen sind, haben gezeigt, daß Europa nicht in der Lage ist, unabhängig zu denken und zu handeln, sondern vielmehr “eine Ansammlung von Gebieten des globalen amerikanischen Imperiums ist, das von Provinznarren ohne wirkliche Macht geführt wird”.

Die Russen in einen Krieg zu verwickeln, lag nicht im Interesse Europas. Dieser Konflikt ist eindeutig schlecht für das Wirtschaftsleben und den Lebensstandard in Europa. Die europäischen Länder werden aufgrund der Hilfspakete und anderer Kosten, die in das bodenlose Loch der Ukraine geworfen wurden, nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Deutschland, der Wirtschaftsmotor Europas, rast in Richtung Deindustrialisierung.

Wenn die europäische politische Klasse aus seriösen und gebildeten Leuten bestünde, hätte sie nicht nach Washingtons Pfeife getanzt, sondern hätte schon mit Rußland verhandelt, bevor der Ukraine-Konflikt sein jetziges Stadium erreichte. Stattdessen haben die Europapolitiker ihre russischen Kollegen jahrelang belogen, um den USA und Großbritannien Zeit zu geben, die ukrainische Armee für einen Krieg gegen Rußland auszubilden und aufzurüsten.

Allein diese Tatsache sagt etwas Wesentliches über die Machtlosigkeit der europäischen politischen Klasse aus; alle früheren und gegenwärtigen Politiker sind nichts anderes als Lakaien des amerikanischen Imperiums. Deshalb macht sich die russische Führung auch nicht mehr die Mühe, mit den europäischen Staats- und Regierungschefs zu reden. Das macht keinen Sinn, denn die Europäer entscheiden nicht über ihre eigenen Angelegenheiten, sondern müssen die Vereinigten Staaten um Erlaubnis bitten.

Die realitätsfremden Politiker der EU stellen sich vor, daß Europa ein Hort der Demokratie und Zivilisation in einer von Barbaren bewohnten Welt ist. Der Traum der Brüsseler Föderalisten, die Europäische Union, hat sich als Albtraum entpuppt: Sie ist zu einem schrumpfenden Wirtschaftsraum geworden, zu einer Ghetto-Metropole voller Einwanderer, deren einheimische Bevölkerung gezwungen ist, auf ihren Lebensstandard und ihre Sicherheit zu verzichten. Die einstige europäische Hochkultur ist bereits zu einem Museum geworden, und in vielerlei Hinsicht ist der gegenwärtige Stand der Dinge so geschmacklos wie der der Vereinigten Staaten.

Gleichzeitig wird Rußland in einem Stellvertreterkrieg mit dem Westen als Nation neu definiert. Wie ›Z Man‹ in seinem Blog darlegt, haben die beiden großen Industriekriege des 20. Jahrhunderts die amerikanische Republik in ein globales Imperium verwandelt. Aber Kriege können auch Länder zerstören, und genau das ist mit dem alten Europa geschehen. Die beiden Weltkriege und der Kalte Krieg haben Europa das Herzblut abgesaugt und den ganzen Kontinent in eine amerikanische Zone verwandelt.

Für die Dummköpfe im verwestlichten Finnland scheint das Leben auf dem amerikanischen Schiff genau das Richtige zu sein. Die täglichen Mediennachrichten behandeln die Ukraine aus einer verzerrten Perspektive, wobei als Quelle die Ergebnisse eines amerikanischen ›Think Tanks‹ verwendet werden. Dann gibt es in der Regel weitere Nachrichten über die USA, und im Sportteil geht es hauptsächlich um NHL-Eishockeyspiele oder US-Basketball.

Wir haben auch den Hype, den die amerikanischen Zeitungen verbreiten, daß die “unvergleichlichen Leistungen des senilen Joe Biden” unübertroffen sind. Wie lange wird diese Lobhudelei auf Amerika noch anhalten, ganz zu schweigen von der wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung für die Ukraine? Einige Bürger warten auf die Ratifizierung des NATO-Beitritts und stellen sich vor, daß das Leben dadurch in irgendeiner Weise besser wird.

Wenn sich die Kosten und Realitäten des antirussischen Krieges nicht mehr verbergen lassen, wird es dann Politiker in der Eurozone geben, die versuchen werden, ihre Nation aus den Klauen Washingtons zu befreien? Oder ist es bereits zu spät? Es ist sinnlos zu erwarten, daß der Wandel in Finnland beginnt, so sehr herrscht dort die Dummheit.

*Finnischer Publizist

Quelle: https://markkusiira.com/2023/01/21/holmolaiset-hullussa-euroopassa/
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Wem die Stunde schlägt oder: Auch Kaiser sind schon gestorben

Pour qui sonne le glas ou: Même des Empereurs sont déjà morts

For whom the bell tolls or: Even Emperors have already died

Die Genesungszeit ist nicht selten auch eine Zeit der Prüfung und, insofern es Menschen und die Welt ganz allgemein betrifft, auch eine Zeit neuer oder Bestätigung alter Erkenntnisse. Die Frage, ob und wie sich diese auch in meinen nächsten Beiträgen niederschlagen werden, muss ich zum jetzigen Zeitpunkt vorerst wohl unbeantwortet lassen. Und so melde ich mich dennoch nach erzwungener größerer Pause mit nachstehendem persönlichen Beitrag wieder zurück, schließlich ist inzwischen die uns vertraute Welt nicht untergegangen, und nichts hat sich an den wesentlichen Fakten geändert.

Nach wie vor sitzen moralisch defekte Narren an den Schalthebeln der Macht, und global gesehen sind weiter genügend Anreize für einen kleinen Weltenbrand gegeben. Dass die Erde nach einem solchen weiterbestehen würde, ist anzunehmen, aber wie sähe diese aus? Schon deshalb möchte ich den von mir (zu Beginn des russisch-ukrainischen Krieges) erwähnten Traum* über einen möglichen begrenzten atomaren Schlag allem Anschein zum Trotz (und wohl auch nicht ganz uneigennützig meinem eigenen Seelenheil zuliebe) heute eher als Warnung verstanden wissen.

Reicht es denn nicht so schon, haben wir denn nicht ohnehin bereits eine Menge an nicht atomaren Zeitbomben, sehen wir uns nicht unzähligen von Menschen erzeugten Gefahren gegenüber?  Zu diesen ich neben einer fehlgeleiteten Wirtschafts- und Währungspolitik unter anderem den „anthropogen induzierten Klimawandel“ und die durch Regierungs- und Konzernpolitik geförderte und durch sie verursachte Migration oder auch die Folgen des Impfwahnsinn der letzten Jahre zähle, bei deren Fortführung uns oder spätestens der nachfolgenden Generation ein Mix aus unterschiedlichen Komponenten wie ein nicht zu kleines Inferno um die Ohren fliegen könnte. Aber auch aus anderen Gründen könnte es noch gruselig genug werden.

Weder die von den antinational gestimmten global tätigen Brandstiftern angekündigten Neuordnungen, noch die prahlerisch-blumigen Ankündigungen aus dem Brüsseler Reich der Lügenbarone würden uns eine bessere Welt bescheren können. Daher auch keine bessere EU. Wie soll denn aus einem Steinbruch von fremden wie hauseigenen Partikularinteressen, ohne überzeugende Visionen und ohne gemeinsame Strategie, die für eine menschenwürdige und lebenswerte europäische Zukunft nötige Dynamik entstehen? Wer sollte das denn noch ernst nehmen?

Da würde ich einigen meiner Träume, seien sie nun im Sinne Freuds bloß „Wunscherfüller“ oder, wie viele meinen, einfache Abarbeitungen des Tagesgeschehens, mehr Glaubwürdigkeit bescheinigen. Wobei mein allerletzter Traum dieser Kategorie leider das Zeug in sich hätte, unseren ganzen Kontinent zutiefst zu beunruhigen, deckt er doch sowohl den materiellen wie auch den geistigen und geistlichen Bereich des einst so genannten Abendlandes ab.

Eigentlich war es ja kein Albtraum im üblichen Sinne, denn ich nahm als stiller Beobachter am Ort des Geschehens den unglaublichen, ungemein beeindruckenden und zerstörerischen Vorgang staunend und, anders als im Falle eben von Albträumen, ohne Ängste zur Kenntnis: den Untergang der „westlichen“, nicht der europäischen Zivilisation, wohlgemerkt. Vielleicht könnte man aus meiner unaufgeregten Hinnahme einer  (an sich beinahe schon erwarteten?) Katastrophe aber auch schon wieder Hoffnung schöpfen, denn Europa könnte doch aus eigener Kraft schöpfend dieses uns inzwischen existenziell gefährdente ideologische Ordnungskonstrukt „Westen“ selbst im ungünstigsten Falle ja durchaus überleben.

Also bleibt uns immerhin die Hoffnung auf ein rechtzeitig von unten nach oben strebendes die Pläne der globalen Verderber rechtzeitig durchkreuzendes Neues. Und am Ende vielleicht doch eine über die Zeiten mögliche Renaissance des europäischen Geistes aus den Ruinen finanzkapitalistischen Größenwahns. Wenn nur nicht zuvor die alle Grenzen der Moral und des Humanen sprengende Macht- und Gewinngier der Mächtigen (Finanz-plus Digitalindustrie) die Menschen mit noch mehr Dummheiten und Trugbildern infizierte. Dann, ja dann bestünde erst recht berechtigte Hoffnung im Sinne eines Hölderlin.   

Die Befreiung versklavter europäischer Seelen aus einer von einigen wenigen Plutokraten endgefertigten und kontrollierten transatlantischen Zwangsjacke, in der ein politisch-ökonomischer Arm, die EU und ein militärischer, die NATO stecken, wäre erst einmal ein vorrangiges Ziel. Doch bis zu deren Auflösung ist vielleicht noch ein weiter Weg. Denn es besteht ja zusätzlich die Gefahr, dass, dank geplanter verführerischer Neukostümierung à la Macron, eine mit nationalem Anstrich versehene „neue“ EU von den Gleichen weiter geführt werden könnte. Ein solches Gaunerstück möge unserer europäischen Heimat erspart bleiben.

Noch ist aber nicht aller Tage Abend und noch besteht die Chance, dass der längst auf totalitären Spuren wandelnde seelenlose Verein EU trotz aller Art Rettungsversuche dem von europäischen Patrioten ihm zugedachten Ende vorerst weiter zustrebt und damit den Weg für ein wirklich freies und autarkes Europa frei macht. Allerdings wird das heutige Vasallentum gewiss vorher noch versuchen, autoritär zuwege gebrachte vollendete Tatsachen zu schaffen. Müssen doch die üblichen Verdächtigen im Hintergrund angesichts wachsenden Widerstandes befürchten, die von ihren Sprechern angekündigten biometrischen Wunschprojekte zur Disziplinierung und Kontrolle der Menschen nicht mehr rechtzeitig unter Dach und Fach bringen zu können. Doch auch ihnen wird einmal die Stunde schlagen.

*17.April 2017 /“Zwischen Krieg und ewigem Frieden“

Videos zum Thema

The Great Reset https://youtu.be/haDaonD7n8I

Was haben sie vor? https://youtu.be/thKFhwPXD0w

Hochgradfreimaurer https://youtu.be/io0Zbc7K0I8

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Polen als US-Handlanger

La Pologne comme homme de main américain

Poland as US-Henchman

Die Vereinigten Staaten bereiten das polnische Territorium auf den Krieg vor

Kriegsherr und Landsknecht

Von Jack Tochman

Am 7. November 2022 wurden zwei neue Investitionen in Polen im Zusammenhang mit dem Bau einer US-Hubschrauberbasis angekündigt, die in Powidz errichtet werden soll. Derzeit ist dort eine US-Kampffliegerbrigade mit Apache-Hubschraubern stationiert.

„Wir investieren ständig in neue Einrichtungen für die Bedürfnisse der US-Truppen, damit wir im Falle einer möglichen Bedrohung die sofortige Verlegung einer großen Anzahl von Soldaten über den Ozean sicherstellen können“, sagte Mariusz Błaszczak und fügte hinzu, dass auch Hangars, Lagerhäuser und eine Treibstoffbasis vorbereitet werden, damit die Hubschrauber Kampfeinsätze zur Unterstützung der polnischen und NATO-Streitkräfte durchführen können. Er sagte, dies sei eine der Verpflichtungen der amerikanischen Seite, die im Abkommen über verstärkte Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich (EDCA), das am 15. August 2020 mit Washington unterzeichnet wurde, festgelegt wurde.

Das Abkommen beinhaltet die Möglichkeit, die Anzahl der US-Truppen in Polen weiter zu erhöhen. Darüber hinaus hat das Verteidigungsministerium unseres Landes angekündigt, dass es ihnen u.a. kostenlose Unterkunft, Verpflegung und Treibstoff zur Verfügung stellen wird. Die ungefähren Kosten all dieser Aktivitäten für die dauerhaft in Polen stationierten US-Truppen belaufen sich auf etwa 500 Millionen PLN pro Jahr, die aus unseren Steuergeldern bezahlt werden. Diese Kosten sind jetzt besonders dringlich, da wir mit einer tiefen Wirtschaftskrise und einer hohen Inflation konfrontiert sind. Aber wie dem auch sei, PiS investiert weiterhin aktiv in den Ausbau der militärischen Infrastruktur im Osten und in Einrichtungen für die US-Streitkräfte.

Man kann sicher annehmen, dass Washington Polen als eine zukünftige militärische Alternative zu Deutschland betrachtet, das der Hauptstandort der US-Truppen in Europa war. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Mitteilung des polnischen Ministeriums über 100 weitere Einrichtungen aufzählt, die in den nächsten 10 Jahren in unserem Land gebaut werden sollen, um die US-Militärpräsenz zu sichern. All dies passt perfekt zu der oben erwähnten Theorie der „militärischen Alternative“.

Zu den Gründen für die mögliche Neuausrichtung der USA auf Warschau gehören die wachsende Unzufriedenheit Deutschlands mit der Politik Washingtons, sein Widerwille, als Pulverfass zu fungieren, und Berlins Sicht auf das von Frankreich propagierte Konzept der „strategischen Autonomie Europas“.

Freuen sich auf den großen Krieg?


Die Nachricht, dass in Powidz ein neuer Stützpunkt für US-Hubschrauber gebaut werden soll, bestätigt nur, dass das Pentagon beschlossen hat, den ständigen Standort seiner Hubschrauberbrigade von Deutschland nach Polen zu verlegen. Dort befinden sich bereits die Panzerbrigade und das Hauptquartier des V Army Corps sowie etwa 20.000 US-Truppen.

Die Präsenz des US-Militärkontingents auf polnischem Territorium dient ausschließlich dazu, die eigenen Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeiten der USA zu gewährleisten. Daher sind alle Behauptungen unserer politischen und militärischen Führer, dass dieses Kontingent genutzt würde, um einen potentiellen Feind zu stoppen und eine Garantie für unsere Verteidigung zu sein, nur Worte, die die PiS uns zu glauben zwingt.

Polen wird nicht als NATO-Verbündeter gesehen, sondern als Brückenkopf, in dem die USA ihre Interessen verteidigen werden. Daher ist der Bau von mehr militärischen Einrichtungen in unserem Land nur die Umsetzung der Pläne Washingtons. Zunächst einmal im Hinblick auf die zukünftige Umstrukturierung der politischen und militärischen Beziehungen in Europa und die Vorbereitung des polnischen Territoriums als Schlachtfeld.

Quelle: https://euro-synergies-hautefort.com

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Die geopolitische Auflösung von Pangea*

La Dissolution geopolitique de la Pangée*

The Geopolitical Dissolution of Pangea*

Jean-François Geneste**schlägt uns vor, auf die Dekonstruktion des geopolitischen Systems aus dem Zweiten Weltkrieg zurückzukommen, dessen Auswüchse uns in die gegenwärtige Krise geführt haben, die im direkten Sinne des Wortes wesentlich ist und zur Infragestellung der Ideologie, die es unterstützt, führen muss.

Jean-Francois Geneste

Seit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus hat sich die Globalisierung zu einer Art geopolitischem Pangea beschleunigt, das seinen Höhepunkt wahrscheinlich in den frühen 2000er Jahren erreichte, als Wladimir Putin selbst vorschlug, dass Russland der NATO beitreten könnte. Seitdem haben sich die Dinge stark verändert und die „Kontinentaldrift“ wurde wahrscheinlich 2004 ausgelöst, als Julia Tymoschenko Premierministerin der Ukraine wurde und dem Land eine sehr pro-westliche Politik aufzwang. Von da an überschlugen sich die Ereignisse und führten zu der gegenwärtigen Situation, auf die wir im Folgenden näher eingehen werden.

Beginnen wir mit einem kürzlich veröffentlichten Interview mit Oscar Lafontaine, einem deutschen Politiker. Er sagte unter anderem Folgendes.

„Die Explosion der beiden Gaspipelines ist eine Kriegserklärung an Deutschland und es ist sowohl erbärmlich als auch feige, dass die Bundesregierung den Vorfall unter den Teppich kehren will. Deutschland sagt, dass es etwas weiß, es aber aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht sagen kann. Die Spatzen pfeifen es jedoch schon lange von den Dächern: Die USA haben den Angriff entweder direkt durchgeführt oder zumindest grünes Licht gegeben. Ohne das Wissen und die Zustimmung Washingtons wäre die Zerstörung der Gaspipelines, die ein Angriff auf unser Land ist, unsere Wirtschaft lähmt und unseren strategischen Interessen zuwiderläuft, nicht möglich gewesen…
Es war nicht nur ein feindlicher Akt gegen die Bundesrepublik, sondern auch eine erneute Demonstration, „dass wir uns von der amerikanischen Bevormundung befreien müssen“.

Er sprach dann über die Möglichkeit eines Ausbruchs Europas aus dem amerikanischen Joch und erklärte, dass dies lang und schwierig sein werde. Er denke, dass Deutschland sich auf Frankreich stützen sollte. Das Problem sei, dass Frankreich jahrzehntelang versucht habe, dem Schicksal des Vasallen zu entkommen. Leider habe die Europäische Union schließlich seinen Willen gebrochen, ebenso wie der amerikanische Entrismus, der es geschafft habe, Handlanger an die Spitze des Staates zu setzen, die er seit mindestens Nicolas Sarkozy weitgehend kontrolliere. Darüber hinaus zeigt es, dass es die Kleinmütigkeit des Charakters. Seit de Gaulle „US Go Home“ beschloss, dauerte es nicht sehr lange bis zur Kapitulation. Man müßte nur Mut haben! Doch die korrupten und erniedrigten Europäer haben nicht viel davon, wenn sie überhaupt noch Mut haben!

Stellen wir uns außerdem die Frage, die anscheinend bis heute nicht gestellt wurde. Erinnern wir uns an das ebenfalls kürzlich erfolgte Interview mit Angela Merkel. Es ist doch sehr erstaunlich, dass ein ehemaliger Politiker seinen Ruf gewissermaßen „sabotiert“, indem er erklärt, dass er gelogen hat. Die Bundeskanzlerin hatte eine fast makellose Amtszeit hinter sich und mit ein paar Worten hat sie ihren Ruf schwer beschädigt. Warum ist das so? Wenn man sich auf Oscar Lafontaine beruft und tatsächlich davon ausgeht, dass die USA Deutschland den Krieg erklärt haben, könnte der erste Schritt der Vergeltung darin bestehen, die Position der USA vor den internationalen Rechtsinstanzen zu torpedieren. Denn wer könnte angesichts der nunmehr offenkundigen Vasallisierung Europas auf das amerikanische Pferd aufspringen, das für eine Invasion der friedlichen Ukraine plädiert, während die Ukraine gleichzeitig ihren Beitritt zur NATO und die Konfrontation mit Russland vorbereitet hat? Die Merkel-Bombe ist also genau das: die offizielle westliche und in Wirklichkeit amerikanische Haltung vor der Weltjustiz zu delegitimieren. Man kann davon ausgehen, dass dies nur ein erster Schritt ist und dass Deutschland zu seiner Zeit Uncle Sam den Preis für seinen Verrat zahlen lassen wird.

Wird dies ausreichen, um eine echte Allianz mit Frankreich zu erreichen? Hier liegt der Ball noch im deutschen Lager. Die Interviews der letzten Wochen mit den ehemaligen Chefs von EDF (Électricité de France) haben deutlich gezeigt, dass das so genannte deutsch-französische Paar weitgehend in getrennten Zimmern schläft und dass Ressentiments Deutschland dazu gebracht haben, unsere französische Nation absichtlich zu seinem eigenen Vorteil schwächen zu wollen. Dass das Heimatland von De Gaulle sich das gefallen ließ, ist eine Geschichte, die eines Tages politisch geregelt werden muss. Wenn diese Ereignisse jedoch diejenigen, die die europäischen Länder regieren, zum Nachdenken bringen (was schwierig sein wird!) und sie verstehen lassen, wo die Interessen der Völker liegen, haben wir vielleicht eine Chance. Aber, wie bereits erwähnt, wird auch Mut erforderlich sein!

Kehren wir also zu unserem geopolitischen Bild von Pangea zurück. Das Auseinanderdriften einiger Kontinente schafft die Bedingungen für das Auseinanderdriften anderer Kontinente. Es ist ein Faktum in dem jeder mit einem globalen Phänomen verbunden ist. Die Entfremdung zwischen Russland und dem Westen hat bereits die Entfremdung Chinas ausgelöst, obwohl China den Westen massiv mit Fertigwaren beliefert. Aber wir sehen die Grenzen der Abkopplung durch die jüngste Entscheidung der USA, fast alle Telekommunikationsgeräte aus diesem Land im eigenen Land zu verbieten. Saudi-Arabien und der Nahe Osten im Allgemeinen sind dabei, sich von den westlichen Ländern zu lösen oder zumindest unabhängiger von ihnen zu werden. Afrika wird in den kommenden Jahren im Mittelpunkt des „Großen Spiels“ stehen und es wird interessant sein zu beobachten, ob eine afrikanische Macht entstehen kann, die zumindest eine teilweise Freiheit für diesen Kontinent in Betracht zieht.

In dem Maße, wie die geopolitischen Kontinente sich voneinander entfernen, werden sie ihre eigenen Kulturen entwickeln. Dieses Jahrhundert hat eine außergewöhnliche Multikulturalität in unserem Universum erlebt, die durch die vereinheitlichende Globalisierung unterdrückt wurde. Ironischerweise wird auch die Geographie zu Annäherungen beitragen. Europa grenzt an Russland und hat eine identische Zivilisation. Auch wenn die amerikanische Kontamination seit 1945 erheblich war, so bleibt doch eine tiefe Kultur bei den indigenen Völkern, die auf lange Sicht Recht behalten wird, und dies umso mehr, als Russland stark in der Verteidigung seiner Wurzeln war. Ansonsten gibt es keinen Grund, warum Europa nicht friedlich mit anderen Kulturen zusammenleben sollte, auch wenn die anderen Kulturen radikal anders sind. Dazu muss die Welt jedoch vor allem von einer zerstörerischen Ideologie befreit werden, die letztendlich schlechter als der Kommunismus war.

*Jean-François Geneste, ehemaliger wissenschaftlicher Direktor der EADS/Airbus Group, CEO von WARPA.

**Vor 230 Millionen Jahren gab es einen großen Kontinent, der Pangea hieß. Er zerbrach innerhalb der nächsten 50 Millionen Jahre in zwei große Kontinente: Laurasia auf der Nordhalbkugel und Gondwana auf der Südhalbkugel.

Quelle: https://russiepolitics.com/la-dislocation-de-la-pangee-geopolitique/ und http://euro-synergies.hautetfort.com/SYNERGON-Info – 08/01/2023

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Ukraine: Warten auf den Frieden

Ukraine attends la paix

Ukraine waiting for peace

Infolge eines Unfalls in meiner Tätigkeit etwas beeinträchtigt, bringe ich an diesen nicht nur Christen hohen Tagen der Wintersonnenwende, anstelle eines eigenen Kommentars, ein Interview das „Zeitgeschehen im Fokus“ * mit der Schweizer Nationalrätin Yvette Estermann geführt hat. Nicht aber ohne vorher allen Blog-Besuchern und Freunden, meine besten Weihnachts- und Neujahrswünsche übrmittelt zu haben.

«Nur wenn wir zur konsequenten Neutralität zurückkehren, können wir vermittelnd in den Konflikt eingreifen und tatsächlich Menschenleben retten»

Interview mit Nationalrätin Yvette Estermann (SVP)

Zeitgeschehen im Fokus Was braucht es, damit der Frieden in der Ukraine eine Chance bekommt? 

Nationalrätin Yvette Estermann Man muss den Frieden als ein zartes Pflänzchen betrachten, das gehegt und gepflegt werden muss. So wie wir dies im Moment erkennen, kann man dieses Pflänzchen nicht mit Panzern, Raketen und Munition zum Gedeihen bringen. Es macht den Eindruck, als ob man in Europa an einem Frieden nicht interessiert sei. Man spricht von «Vernichtungsschlägen». Der Feind ist Russland. Die Ukraine liegt und steht dazwischen und wird benutzt für die westlichen Mächte, «um Russland», wie die deutsche Aussenministerin Baerbock verlauten liess, «zu ruinieren». Diese Haltung bereitet keinen Boden, auf dem man Friedensgespräche beginnen könnte.

Was wären die ersten Schritte?

Das einzig Richtige wäre, alle Waffenlieferungen einzustellen, die Kriegstreiberei zu stoppen und alle an einen Tisch zu laden, um miteinander zu sprechen: Was ist mit der neutralen Zone, die immer wieder verlangt wurde und absolut sinnvoll wäre? Wie könnte man diese realisieren zum Wohle aller Beteiligten? Die Bevölkerung will keinen Krieg. Die überwiegende Mehrheit der Menschen wünscht sich Frieden. Es braucht Politiker, die sich an den Wünschen der Bevölkerung orientieren, dabei eine klare Position einnehmen und dem Kriegstreiben ein Ende bereiten. Es darf nicht sein, dass durch die Waffenlieferungen andere Länder in Mitleidenschaft gezogen werden und Waffen, die angeblich für die Ukraine bestimmt waren, bei irgendwelchen Rebellen in Afrika oder Asien auftauchen und in völlig unbeteiligten Staaten Leid und Schrecken verbreiten. Der (illegale) Waffenhandel blüht. Milliarden werden dafür ausgegeben. Für ungefähr 19 Milliarden Dollar hat die USA Waffen für den Krieg in der Ukraine geliefert. Dazu kommen die Lieferungen aus anderen Nato-Staaten. Es ist ein Irrsinn. Wieviel sinnvoller könnte man das Geld einsetzen, um bedürftigen Ländern zu helfen und für die Jugend in die Bildung zu investieren, damit sie wieder auf die Beine kommen; Ländern, denen es gelungen ist, ihre Konflikte beizulegen, unter die Arme zu greifen. 

Warum ist die Stimmung gegen Russland so scharf? Was steckt hinter der massiven antirussischen Stimmung auch in der Schweiz? Mit Bundesrat Cassis ist die Neutralität der Schweiz immer weiter zurückgestutzt worden und diesen Trumpf können wir nun nicht mehr ausspielen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges hat man den Feind verloren. Ich frage mich schon, ob wir auf unserer Welt immer so etwas wie Feindfiguren brauchen. Regierungen, die man negativ bewertet wie zum Beispiel Erdogan, Putin, Orban etc. Das sind Persönlichkeiten, die zumindest in der eigenen Bevölkerung eine hohe Zustimmung geniessen. Über ihren Stil und ihr Verhalten kann man sicher streiten, aber von der Bevölkerung werden sie unterstützt. Mir ist oft aufgefallen, dass von gewissen Politikern gegen diese Personen Neid und Missgunst verbreitet wurde, insbesondere von westlichen Politikern, die kaum glauben können, dass man als Staatsmann eine so breite Zustimmung erhalten und die Verankerung in der Bevölkerung so gross sein kann. Und endlich hat man den Beweis, dass Putin zu den «Bösen» gehört und dass man doch schon immer Recht hatte, gegenüber diesem Menschen misstrauisch zu sein. Und diese Stimmung wird immer schärfer. Dass vielleicht die Politik des Westens die Hauptursache für den Konflikt darstellt, wird natürlich kaschiert und überdeckt. In dieser Stimmung kommt man zu keiner konstruktiven Lösung. 

Was wäre jetzt zu tun?

Man müsste sich die eigenen Fehler eingestehen und über den eigenen Schatten springen. Wie man es im täglichen Leben auch tun muss, wenn man mit anderen Menschen im Konflikt ist. Weihnachten, das in unserer christlichen Tradition eine zentrale Bedeutung besitzt, hat die Botschaft des Friedens und der Versöhnung. Diesen Weg müssen wir gehen, wenn wir das friedliche Zusammenleben der Menschen gewährleisten wollen. Fehler passieren auf beiden Seiten, aber man muss die Grösse haben, über die Fehler der anderen hinwegzusehen. Nur so kommen wir zu einem friedlichen Zusammenleben. Für die Ukraine heisst das, sich mit ­Russland an einen Tisch zu setzen und eine Lösung auszuhandeln. Aber solange die Waffen sprechen und der Westen ständig für Nachschub sorgt, wird das nicht möglich sein. 

Der Ansatz, vom Schlachtfeld an den Verhandlungstisch zu kommen, ist das einzig Richtige. Die Schweiz hätte das als neutrales Land vorschlagen und in die Wege leiten können. Die Schweiz hat aber in der Person von Bundesrat Cassis diese Möglichkeit zerstört, als er auf dem Bundesplatz ­Selenskij huldigte. Damit ist die Neutralität gefallen. Was muss getan werden, damit wir wieder zur konsquenten Neutralität zurückkehren?

Es wäre sicher möglich, wieder auf diesen Weg zurückzufinden. Grundsätzlich hat die Schweiz ihre wichtigste «Waffe» aus der Hand gegeben. Friedensverhandlungen zu initiieren, das hat sie verspielt. Die Neutralität als Erfolgsgeheimnis der Schweiz haben wir in dem Moment leichtfertig aus der Hand gegeben, als wir Stellung bezogen und eingeteilt haben in Gut und Böse. Die Schweiz hat offenbar vergessen, dass Sanktionen gegen ein Land zu ergreifen, pures Gift für die Neutralität ist. Denn Sanktionen sind letztlich eine kriegerische Waffe, die ein Land in die Knie zwingen soll, ohne dass ein Schuss gefallen ist. Sich daran zu beteiligen, ist der Tod eines neutralen Landes. 

Die Schweiz hat doch in viel schwierigeren Situationen die Neutralität nicht verraten.

Ja, sogar während des Zweiten Weltkriegs, als die Schweiz von den Achsenmächten umzingelt war, hat der Bundesrat an der Neutralität festgehalten, obwohl die Lage der Schweiz viel bedrohlicher war als heute. Es ist die logische Konsequenz, dass die Schweiz nach ihrer Stellungnahme gegen Russland nicht mehr als Vermittler in Frage kommt. Tatsächlich gibt es auch von führenden Persönlichkeiten wie Präsident Marcon oder dem Papst Initiativen, um Friedensverhandlungen in die Wege zu leiten. Hier müsste unser Land einhängen und jede Friedens­initiative unterstützen und vor allem sich einer Positionierung zu enthalten und nicht schon im Vorfeld festzulegen, wer der Böse und wer der Gute ist. Man muss jetzt von vorne anfangen, ohne irgendwelche Schuldzuweisungen, sonst wird es nicht gehen. Es muss ehrlich verhandelt werden! Nur wenn wir zur konsequenten Neutralität zurückkehren, können wir vermittelnd in den Konflikt eingreifen und so tatsächlich Menschenleben retten und nicht mit Waffenlieferungen, wie uns manche Politiker weismachen wollen. 

Was können wir aus den Erfahrungen der letzten Monate für Schlüsse ziehen?

Die Methoden des Westens, mit Gewalt, Drohungen, Sanktionen und zuletzt Krieg mehr Macht zu erlangen, zeigen deutlich, worum es im 21. Jahrhundert geht, und leider unterscheidet sich das nicht von dem Verhalten vor etwas mehr als 100 Jahren. Kann der Mensch nicht aus seinen Fehlern lernen? Doch, die Bemühungen um ein friedliches und prosperierendes Zusammenleben in Europa sind keine Illusion, – Frieden ist möglich! Es gilt deshalb – gerade für die Schweiz –, alle diplomatischen Kanäle offen zu halten und vorwärtszuschauen, um eine friedliche Lösung zu ermöglichen. Denn letztlich gibt es in diesem kriegerischen Konflikt nur Verlierer, je länger er andauert, um so grösser wird die Zahl.

Frau Nationalrätin Estermann, ich danke für das Gespräch.

Interview Thomas Kaiser

*https://zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-22-vom-2-dezember-2022.html

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Globalisten, die wahren Putschisten

Les mondialistes, les vrais putschistes

Globalists, the real putschists

Nach der Natur nähert sich nun auch die österreichischer Politik dem Gefrierpunkt, nichts geht mehr, zumindest nichts der allgmeinen Lage angemessen Vernünftiges. Das könnte anders sein, hätten die zwischen Innen und Außen hin und her schwankenden Politiker das bisschen Verstand den man ihnen bisher noch zugestand, für Wesentlicheres zu nutzen gewußt, als sich mit dem Gemeinwohl und der Zukunft des Landes wenig nützlichen und kleinlichen Angelegenheiten herumzubalgen und das Wichtige und Dringende liegen zu lassen. Anscheinend ohne sich bewußt zu sein, sich damit in den Augen eigenständig denkender Bürger zu erniedrigen.

Nun muss sogar angenommen werden, dass die Zuckerln (Bonbons) ihrer soeben selbst genehmigten urtypisch österreichischen Gehaltserhöhung sie dazu befleißigen werden, ihren weiter zunehmenden Ansehensverlust erwartungsgemäß zu ignorieren. Was nicht ohne weitere Konsequenzen für Staat und Gesellschaft bleiben und die bekannten von außen geförderten libanesischen Zustände eines Tages noch übertreffen und irgendwann für weitere Staaten Europas schlagend werden könnte: Multiorganversagen des Staates und eine kriesengebeutelte, in demographischer Hinsicht von Zukunftssorgen heimgesuchte Rückzugsgesellschaft am Rande des Abgrundes. 

Aber ist es am Ende nicht eben das auch, was einer von Ideologen und Superreichen erdachten und von „nationalen“ Politikern widerstandslos akzeptierten neuen Weltordnung als ideales Sprungbrett dienen könnte? Sind Inflation, Migrantentsunami, Energiekrise, „Lockdowns“ oder „False flag“-Unternehmen mit Reichsbürgern* dazu geeeignete Hilfsmittel, und wenn, wozu plötzlich die verdächtige Eile? Weil es danach aussieht, dass nicht nur das deutsche Parteiensystem, sondern auch das von einer Weltmehrheit längst in Frage gestellte westliche Herrschaftssystem „Made in USA“ insgesamt am Ende seines Laufs angekommen ist. Also daher höchste Eisenbahn. Und daher auch der verzweifelter Versuch der Globalisten, das ihnen zu entgleiten drohende Ruder noch einmal herumzureißen. Auch auf die Gefahr einer atomaren Auseinandersetzung hin.

Es wäre angesichts eines medial als westliche Stärke und Einigkeit verkauften Niedergangs des über Europa gestülpten Herrschaftssystems, will heißen EU ist NATO ist USA, (und dessen Versuche in und mit autoritären Systemstrukturen zu überleben) grenzübergreifender Widerstand daher mehr als an der Zeit. Um so mehr als die Europäer Gefahr laufen, die Hauptlast der Gewalt der globalistischen Ideologie tragen zu müssen. Doch woher soll ein Anstoß für ein anderes Europa kommen, und wenn, wird die dazu nötige Energie und der Wille zur Einheit noch rechtzeitig vorhanden sein? Der marode Hegemon wird selbstverständlich alles dran setzen, dies zu verhindern, nicht nur auf militärischem Wege, zu diesem Zwece gerade erst die neuesten Atomwaffen auf deutschen Boden eingelangt sein sollen. Ein möglicherweise todbringendes Weihnachtsgeschenk sozusagen.

Eine Reorganisation oder Renaissance Europas (Wiederaufbau und Gesundung der nationalen Gesellschaften und die Wiederkunft des europäischen Menschen) würde allerdings angesichts der derzeitgen Machtverhältnisse nicht allzu leicht und nur unter großen Opfern zu erreichen sein. Aber selbst eine deutsche Erholung ist trotz der schier aussichtslos scheinenden Lage derzeit immer noch vorstellbar und, auch weltpolitisch gesehen, durchaus wünschenswert. Doch um den deutschen wie den europäischen Menschen insgesamt aus US-kapitalistischer beinahe Leibeigenschaft zu befreien und ihm die Kontrolle über seine Zukunft wieder in die Hand geben zu können, dazu wird die Beschwörung der Heroen der Geschichte allein keineswegs ausreichen. Und schon gar nicht ein „Rentner-„Putsch“.

*In diesem Zusammenhang verdient ein Sachverhalt unsere Aufmerksamkeit, nämlich, dass sich – laut dem Journalisten Jürgen Elsässer („Compact“) – unter den Festgenommenen eine ehemalige AfD- Abgeordnete und zwei oder drei wichtige Corona-„Querdenker“ (die sich noch nicht, wie einige andere Promis der Szene, als politische Flüchtlinge ins Ausland absetzen konnten oder wollten) befinden sollen. Also darf stark angenommen werden, dass es bei dieser Putsch-Inszenierung vorrangig nicht um die Reichsbürger ging. Darauf könnte auch eine frühere Bemerkung des österrechischen Leiters des Staatsschutzes (DNS), Omar Haijawi-Pirchner, hindeuten, der meinte meinte, die Szene der Corona-Leugner sei „die größte Bedrohung für die Sicherheit“.

Auf Österreich und die Bundersrepublik Deutschland bezogen, hieße dies ja nichts anderes als das geschätzte Zehntausende bewaffnete Menschen mit Migrationshintergrund (schwer kriminelle Araber-Clans, türkische Extremisten, Mafiosi aus Ost- und Südeuropa, Drogenhändler aus Afrika usw.) weniger gefährlich sind als eine dazu vergleichsweise kleine Schar an deutschen Polit-Dilettanten oder eben auch unbescholtene Corona-Kritiker, die man jetzt aus leicht durchschaubaren Gründen zu ernst zu nehmenden gefährlichen „Putschisten“ aufgeblasen hat.

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Wie und mit wem können wir die Gesellschaft umgestalten?

Comment transformer la société?

How to transform the society?

Der Standpunkt der humanistischen Psychologie ist relativ neu, noch nicht gründlich erarbeitet, schwer vermittelbar und nicht im Interesse der Herrschenden

Ein Meinungsbeitrag von Dr. Rudolf L. Hänsel.

Die Welt ist in einem Zustand, der wenig Hoffnung aufkommen lässt. Während für weltweite Kriege und Waffen, die die Menschen jenseits der Grenzen erschlagen, unerschöpfliche finanzielle Mittel bereitgestellt werden, sind mehrere Millionen Kinder und Jugendliche in einem der wohlhabendsten Länder der Welt armutsgefährdet. Deshalb müssen die Menschen aufgeklärt werden; man muss ihnen die Wahrheit sagen.

Doch Aufklärung allein wird die Gesellschaft nicht umgestalten. Auch soll der Zustand der Welt nicht nur beschrieben, sondern vor allem verändert werden. Doch wie und mit wem soll das geschehen? Die Forschungsergebnisse der Tiefenpsychologie verweisen auf die Erziehung des jungen Menschen. Sie sei wichtiger als Aufklärung. Aber der Standpunkt der humanistischen Psychologie ist relativ neu, noch nicht gründlich erarbeitet, schwer vermittelbar und vor allem nicht im Interesse der Herrschenden, des Staates und der Kirche.

Ungeachtet dessen ist es für eine friedliche und humane Zukunft von großer Bedeutung, den Menschen durch Erziehung und Aufklärung das psychologische Wissen über sich selbst und die Mitmenschen zu vermitteln, damit sie sowohl ihre persönlichen Probleme lösen als auch damit beginnen können, die Welt in friedliche Bahnen zu lenken.

Der Jugend als Vorposten einer neuen Gesellschaft, des Fortschritts und einer humaneren Welt soll dabei unsere besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden.

Zur Bedeutung der Aufklärung

Da die Politik in den Köpfen und Herzen der Menschen vorbereitet wird, handeln die Menschen morgen so, wie sie heute denken. Deshalb kann die Bedeutung der Aufklärung nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Sinn aufklärerischer Bemühungen ist die Reinigung des menschlichen Bewusstseins von individuellen und kollektiven Vorurteilen.

Die Zerstörung von Vorurteilen bedeutet mehr als ein bloßes intellektuelles Unterfangen; der „aufgeklärte Verstand” ist fähig, gesunde Lebensziele ins Auge zu fassen. Die Zukunft unserer Kultur wird wesentlich davon abhängen, ob es genug „Aufklärer” geben wird, die imstande sein werden, den breiten Volksmassen jene Vorurteile zu nehmen, die der ideologische Hintergrund der Menschheitskatastrophen sind. Intellektuelle haben dabei eine große Verantwortung, denn ihre Pflicht wäre es, für die anderen Menschen zu denken und mit der Freiheit des Denkens die Freiheit überhaupt zu proklamieren.

In einer Zeit, in der die Bedrohung durch die Atombombe die Selbstvernichtung der Menschheit als möglich erscheinen lässt, bedürfen wir mehr denn je der „freien Geister”, die uns lehren, was Wahrheit und was Lüge ist.

Der französische Aufklärer Baron Paul-Henri Thiry d’Holbach schrieb dazu bereits vor 250 Jahren in der Einleitung seines Buches „Der gesunde Menschenverstand des Pfarrers Meslier”:

„Es ist vergebene Mühe, die Menschen von ihren Lastern heilen zu wollen, wenn man nicht mit der Heilung ihrer Vorurtheile beginnt. Man muss ihnen die Wahrheit sagen, damit sie ihre theuersten Interessen kennen lernen, und die wahren Motive, welche sie der Tugend und ihrem wahren Glück zuführen.

 Die Volkslehrer haben lange genug ihre Augen zu dem Himmel erhoben; möchten sie endlich sie der Erde zuwenden! (…). Sagen wir den Menschen, dass sie gerecht sein wollen, wohltätig, mässig und gesellig, nicht weil es ihre Götter verlangen, sondern weil man seinen Nebenmenschen zu gefallen suchen muss; (…).

Die Wahrheit ist einfach, der Irrtum ist compliziert, unsicher in seinem Gange und von Abwegen umgeben. Die Stimme der Natur ist verständlich; die der Lüge ist zweideutig, räthselhaft, mysteriös. Der Weg der Wahrheit ist gerade, jener des Betrugs ist krumm und finster. Diese Wahrheit ist allen Menschen nothwendig, und wird von allen Gerechten gefühlt. Die Lehren der Vernunft sind für alle Jene, die redlichen Gemütes sind. Die Menschen sind unglücklich, weil sie unwissend sind; sie sind unwissend, weil sich alles gegen ihre Aufklärung verschwört, und bloss darum schlecht, weil ihre Denkkräfte nicht hinreichend entwickelt.” (1)

Eine Wahrheit der Gegenwart ist zum Beispiel, dass die Ungleichheit unter den Menschen in Deutschland – einem der weltweit wohlhabendsten Staaten – stärker wächst als während der Pandemie, dass mehr als zehn Millionen Menschen, darunter mehrere Millionen Kinder und Jugendliche armutsgefährdet sind und dass immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze fallen, was laut Warnung des Wirtschaftsexperten und DIW-Chefs Marcel Fratzscher „fatale Folgen für die Gesellschaft” (das heißt, für die Grundfesten des demokratischen Miteinanders) haben würde (2).

Doch Aufklärung allein reicht nicht aus, die gegenwärtige Gesellschaft umzugestalten. Auch soll der Zustand der heutigen Welt nicht nur beschrieben, sondern vor allem verändert werden.

Wichtiger noch als Aufklärung ist denn auch das Problem der Erziehung. Die Forschungsergebnisse der Psychologie – speziell der Tiefenpsychologie – haben die Erziehung in ihrer ungeheuren Tragweite deutlich gemacht.

 Die Psychologie in der Tradition des Humanismus

Das humanistische Denken, das die Menschheitsgeschichte seit ihren Anfängen durchzieht, gewann seit dem Ausgang des Mittelalters und dem Anbruch der Frühen Neuzeit im europäischen Geistesleben immer mehr an Bedeutung. Gemeint ist jenes Denken, das sich allmählich befreit von mystischen Spekulationen, von Obskurantismus sowie von Autoritätsgläubigkeit und das sich zur Aufgabe macht, vorurteilslos, realistisch und tolerant die Dinge der Welt zu erforschen. Unter „Obskurantismus” wird das Bestreben verstanden, die Menschen bewusst in Unwissenheit zu halten, ihr selbständiges Denken zu verhindern und sie an Übernatürliches glauben zu lassen.

Das Aufkommen des wissenschaftlichen Denkens der Frühen Neuzeit hatte auch eine realistische Betrachtung des Menschen zur Folge: die menschliche Individualität, die Lern- und Entwicklungsfähigkeit sowie die Güte des Menschen und die Bedeutung der Erziehung wurden zu zentralen Themen der Philosophie.

Der historisch bedeutungsvolle Kampf gegen jegliche Bevormundung, für die Freiheit des Geistes und die Toleranz unter den Menschen begann. Die Aufklärung brachte zudem den Gedanken der Freiheit, Gleichheit und Mitmenschlichkeit als Grundvoraussetzung eines würdigen menschlichen Lebens ein.

Doch noch heute leben wir in einer Welt, in der sich der Mensch nicht erkannt hat. Alles hat er erkannt und erforscht; aber sich selbst, seine Natur, seine seelische Verfassung, seine Reaktionsweisen hat er nicht erkannt.

Vor dem Zeitalter er Psychologie herrschte im Gegensatz zur auf Kausalität beruhenden Wissenschaft die magische Weltanschauung des Mittelalters und der Religion, die die Menschen fest im Griff hatte. Man war der Meinung, dass die Seele des Menschen hier auf dieser Welt nur eine Prüfung durchmacht und dass der Mensch in den Himmel gehört; dort sei das ewige Leben.

Tatsache ist, dass wir in gewissem Sinne noch immer im Mittelalter leben. Wir haben das mittelalterliche Denken und Fühlen nicht hinter uns gelassen. Die Mehrheit der Menschen lebt noch in diesem Zustand.

Zwar haben die Erfolge in den Naturwissenschaften das Problem etwas erhellt, aber die Menschen denken noch wie im Mittelalter, beten zu Göttern, zum Teufel und zu Engeln. Ohne Psychologie wird die Menschheit nicht weiterkommen: Dass wir Kriege führen, das ist zurückzuführen auf den Mangel an psychologischer Erkenntnis. Auch die Tatsache, dass die Menschen unglücklich sind, dass sie Schwierigkeiten haben im Leben, dass unsere Gesellschaftsordnung nicht richtig funktioniert, ist zurückzuführen auf die Unkenntnis der Psychologie.

Von allen Institutionen werden die Menschen programmiert – angefangen von der Erziehung zuhause bis hinauf zur Rekrutenschule und das „Feld der Ehre”. Das ist Programm, das ist bewusst. Und in dieser Stimmung werden die Menschen ein Leben lang gehalten.

Die Psychologie ist eine Wissenschaft über den Menschen, über die menschliche Natur: wie er wird, wie er heranwächst und wie er sich in seinem Leben zurechtfindet.

Aufgrund seiner Erfahrungen, die ihm vor allem die Eltern und Lehrer vermitteln, ist er dann das Produkt seiner Erlebnisse, seiner Eindrücke in der Kindheit. Bereits in den ersten fünf bis sechs Lebensjahren – wenn das Kind in den Kindergarten kommt – hat es schon seinen Kompass. Es weiß dann schon, wie es sich verhalten soll und hat eine Meinung über das andere Kind, über Vater, Mutter, Geschwister. Es hat schon seinen Weg, seine Charaktereigenschaften, seine Stellung in der Welt.

Tiefenpsychologische Menschenkenntnis und die Lehren des Individualpsychologen Alfred Adler als ein Grundpfeiler der Tiefenpsychologie

Die Forschungsergebnisseder Tiefenpsychologie,die den unbewussten seelischen Vorgängen einen hohen Stellenwert für die Erklärung menschlichen Verhaltens und Erlebens beimessen (Freund, Jung, Adler), können dazu verhelfen, dass psychisch irritierte Menschen in die Lage kommen, ihre Probleme in der Ehe, mit den Kindern und im gesellschaftlichen und staatlichen Leben zu lösen. Die Jugend kann das psychologische Rüstzeug bekommen, die Welt einmal in eine andere Bahn zu lenken.

Grundlegende Annahmen der Tiefenpsychologie sind vor allem die Annahme eines dynamischen Unbewussten als wesentlicher und hochwirksamer Teil unseres psychischen Lebens sowie der psychische Mechanismus der Verdrängung, der Übertragung und der Gegenübertragung und die Bedeutung der frühen Kindheit für die spätere Persönlichkeit.

Die Lehre Alfred Adlers ist zu einem Grundpfeiler der Tiefenpsychologie geworden und aus der psychologischen Forschung nicht mehr wegzudenken. Die Entwicklung der Tiefenpsychologie hat Adler in vielen Punkten Recht gegeben. Zu nennen ist zum Beispiel die Erkenntnis, dass der Mensch nicht einfach durch Triebe bestimmt wird, dass der Charakter des Menschen sich nicht aufgrund eines Vererbungsprozesses entwickelt und dass die Gemeinschaft im Leben des Menschen von zentraler Bedeutung ist.

Für Adler ist der Charakter ein schöpferisches Produkt des Kindes, entstanden aus der Auseinandersetzung mit den frühkindlichen Lebensumständen, insbesondere den Erziehungseinflüssen, die für die Charakterbildung am maßgeblichsten sind.

Auch die Medizin ist nach anfänglichem Widerstand der Kirche nur weitergekommen, indem sie die Funktion des Körpers erkannt hat. Ebenso will die Tiefenpsychologie das geistige und seelische Leben des Menschen erforschen. Dann können wir auch die Frage beantworten, wer Krieg führt, wer ihn jeweils heraufbeschwört. Sind das Menschen wie wir oder sind das andere Menschen?

 Die Tiefenpsychologie – ein Kind der Naturwissenschaft

Einige reife Menschen, die einen gedeckten Tisch und die Gelegenheit gehabt haben, sich zu bilden und zu forschen, haben erahnt, dass das gesellschaftliche System, wie es ist, nicht richtig ist. Drei von ihnen seien kurz erwähnt: Feuerbach, Marx und Kropotkin.

Der Erkenntnisstandpunkt des deutschen Philosophen, Anthropologen und Religionskritikers Ludwig Feuerbach (1804-1872) ist für die modernen Humanwissenschaften wie Psychologie und Ethnologie grundlegend geworden. Er forderte, dass der Mensch endlich damit aufhören müsse, ein Spielball der menschenfeindlichen Mächte zu sein, die sich der Religion zur Unterdrückung bedienen:

„Wir sehen den Menschen gebeugt unter der Last von Geschöpfen, welche nur Erzeugnisse ihres eigenen unfreien und furchtsamen Gemütes, unwissenden und ungebildeten Verstandes sind. Setzen wir an die Stelle der Gottesliebe die Menschenliebe, an die Stelle des Gottesglaubens den Glauben des Menschen an sich, an seine Kraft, werden wir aus Gläubigen zu Denkern, aus Betern zu Arbeitern, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits, und wir werden endlich ganze Menschen werden können.” (3)

Der deutsche Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker des Kapitalismus und der Religion Karl Marx (1818-1883)

hat sich auf Feuerbach abgestützt. Marx und andere – zum Beispiel die Anarchisten – haben angefangen, den Menschen richtig zu sehen. Wenn der Kampf gegen diese Gedanken nicht geführt worden wäre, wäre die Menschheit viel weiter, könnten sich die Menschen heute das Leben in jeder Beziehung besser einrichten.

Marx hat die übernatürliche Tendenz abgelehnt und den Menschen als Wesen der Natur gesehen, dessen Haltung geändert werden kann. Er meinte, dass die Verhältnisse den Menschen ändern. Wenn der Mensch die Sicherheit seines Lebens hat, denkt er anders; er hat andere Gedanken, andere Gefühle, eine andere Beziehung zum Mitmenschen. Marx vertrat die Auffassung, dass das Bewusstsein des Menschen durch die Verhältnisse geprägt wird. Seine Größe bestand darin, dass er den Menschen zurückgeholt hat auf die Erde. Er glaubte, dass der Mensch sich ändern kann. Und die Tiefenpsychologie bestätigt das. Wenn man den Menschen die Freiheit gibt, dann werden sie gesund.

Solange im Diesseits nicht jeder menschenwürdig und ohne Furcht leben könne, meinte Marx, werde es den Glauben an ein besseres Jenseits, an eine ausgleichende Gerechtigkeit geben:

„Die Religion ist das Streben nach illusorischem Glück des Volkes, das einem Zustand der Gesellschaft entspringt, welcher der Illusion bedarf.” (4)

Der russische Anarchist, Sozialist, Historiker, Geograph, Wissenschaftler sowie Philosoph und Schriftsteller Fürst Pjotr Alexejewitsch Kropotkin (1842-1921) kämpfte für eine gewalt- und herrschaftsfreie Gesellschaft und gilt als einer der einflussreichsten Theoretiker des kommunistischen Anarchismus. Sein wissenschaftliches Werk lautete: „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt”.

Kropotkin vollbrachte eine große Leistung, indem er die Natur beobachtete sowie die Naturwesen und seine Beobachtungen auf den Menschen bezog. Die heutige Meinung über den Menschen, die durch die wissenschaftliche Tiefenpsychologie bestätigt wird, hat Peter Kropotkin vorausgeahnt. Mit ihm fing die Neuzeit an. In der Neuzeit hat man damit begonnen, den Menschen richtig zu erkennen. Hierzu ein bewegendes, zutiefst psychologisches Zitat Kropotkins:

„Der Mensch dem die Fähigkeit sich mit seiner Umgebung zu identifizieren anerzogen ist, ein Mensch der sich der Macht seines Herzens, seines Willens bewusst ist, stellt seine Fähigkeiten frei in den Dienst der Anderen, ohne in dieser oder in einer anderen Welt dafür eine Belohnung zu erwarten. Vor allem besitzt er die Fähigkeit die Gefühle anderer zu begreifen, sie mitzuerleben. Dies genügt. Er teilt mit den anderen Freud und Leid. Er hilft ihnen, die schweren Zeiten ihres Lebens zu ertragen. Er fühlt seine Kräfte und verbraucht großmütig seine Fähigkeiten, andere zu lieben, andere zu begeistern, in ihnen den Glauben an eine bessere Zukunft zu wecken und sie zum Kampf für diese Zukunft hinzureißen. Welches Schicksal ihn auch erreicht, er nimmt es nicht als Leid, sondern als Erfüllung seines Lebens, das er nicht gegen ein pflichtloses Vegetieren eintauschen möchte, er zieht eventuell Gefahren einem kampf- und inhaltslosen Leben vor.” (5)

Zusammen mit der materialistischen Geschichtsauffassung und indem er den Faktor der gegenseitigen Hilfe für die Evolution forderte, hat Kropotkin entscheidende Einsichten der Tiefenpsychologie vorausgeahnt.

Die materialistische Geschichtsauffassung war ein enormer Einbruch in die Gefühlswelt des Menschen: der Glaube an Götter und übernatürliche Wesen hörte auf. Davor war der Mensch noch im Mittelalter in seinem Denken. Erst durch die materialistische Geschichtsauffassung hat der Mensch angefangen, sich mit sich selbst zu befassen, sich selbst zu erkennen, zu deuten und sich zu erklären, warum er sich so verhält.

Vor der materialistischen Geschichtsauffassung hat die Meinung vorgeherrscht, dass die Seele des Menschen hier auf dieser Welt bloß eine Prüfung durchmacht und das ewige Leben erst im Himmel beginnt.

Zur Bedeutung der Erziehung

Wie im Abschnitt „Zur Bedeutung der Aufklärung” bereits angedeutet, ist das Problem der Erziehung wichtiger noch als die Aufklärung, Die Ergebnisse der tiefenpsychologischen Forschung haben die Erziehung in ihrer ungeheuren Tragweite deutlich gemacht.

Die Erziehungsmethoden der Vergangenheit schufen den Menschentypus, der die Tragödie der Geschichte verursachen konnte; das autoritäre Prinzip, jahrhundertelang als fraglos-gültige Grundlage des erzieherischen Verhaltens angesehen, drosselte bereits in den Kindheitsjahren das Gemeinschaftsgefühl der Menschen und stattete sie mit jener Aggressionsbereitschaft aus, durch die eine gewalttätige Welt im Zustande der Gewalttätigkeit verharren konnte.

Heute weiß man, dass der Mensch in einem derartigen Maße das Produkt seiner Erziehung ist, dass man die Hoffnung hegen darf, durch bessere, das heißt, psychologische Erziehungsmethoden Menschen heranbilden zu können, die gegen die Verstrickungen des Machtwahns gefeit sein werden.

Indem die Pädagogik in Elternhaus und Schule auf ausschließliche Autorität und auf Gewaltanwendung verzichtet und sich mit wahrem Verständnis dem kindlichen Seelenleben anpasst, wird sie einen Menschentypus hervorbringen, der keine „Untertanen-Mentalität” besitzt und darum für die Machthaber in unserer Welt kein gefügiges Werkzeug mehr sein wird.

Die Demokratisierung der Erziehung, aufgefasst als Achtung vor der kindlichen Persönlichkeit und als freundschaftliche Zuwendung des Erziehers zu seinem Zögling auf der Basis konsequenter Antiautorität ist dazu berufen, einen der wertvollsten Beiträge zum Aufbau einer humanen Gesellschaftsordnung zu leisten.

 Eine aufgeklärte, vernunftbegabte und mitmenschlich eingestellte Jugend kann die Welt einmal in eine andere Bahn lenken

Bereits vor der Pandemie-Welle und lange vor dem weltweiten Kriegs-Geschrei berichteten Jugendliche aus einem wohlhabenden europäischen Land:

„Die Dichter frohlocken: ‚Schön ist die Jugend’. Doch wie sieht es tatsächlich aus?  Bei genauerer Betrachtung zeichnet sich eine andere Realität ab. Die seelische Not ist groß; in allen Lebensbereichen sind wir entweder sehr gefordert oder überfordert. Was wir über die Welt und den Menschen erfahren, ist geprägt von Unwissenheit und Unaufgeklärtheit. Unsere Eltern sind trotz größter Bemühungen nicht in der Lage, uns eine realistische Einführung ins Leben zu geben. In unseren Kinderstuben herrscht das Prinzip von Religion und Mystik, von Verwöhnung und Strenge. Die Anerkennung ist immer an Bedingungen geknüpft; nur die Leistung zählt.

Ganz irritiert kommen wir in die Schule, wo die vorgefassten Meinungen bestärkt und zementiert werden: dumm und gescheit, arm und reich. Was zählt, ist die gute Note und nicht die gegenseitige Hilfe. Die Lehrkräfte haben nicht das Einfühlungsvermögen, unsere seelische Not zu empfinden und zu beheben.

So stehen wir da: ohne Aufklärung über den Menschen und die Welt, orientierungslos sowie unfähig, uns das eigene Leben und eine schöne Liebe einzurichten. Nachdem wir diese Erziehung durchlaufen haben, sind wir Karikaturen dessen, was wir sein könnten. Auf diesem Boden der mystischen Erziehung, konfrontiert mit Schulversagen und Liebesproblemen, ist jeder junge Mensch vorbereitet für die Drogen. Junge Menschen, die die Zukunft sein sollten, gehen zu Tausenden unter unsäglichen Qualen am Rauschgift zugrunde.”

Seit Anfang Jahr 2020 dürfte sich die allgemeine Situation weiter verschärft haben.

Warum der Jugend nicht die Erkenntnisse der Psychologie, eine psychologische Bildung vermitteln? Damit könnte man ihr ein Werkzeug in die Hand geben, womit sie ihre Lebens- und Liebesprobleme lösen und sich mit den Eltern versöhnen kann und womit sie Persönlichkeiten werden können.

Warum der Jugend nicht sagen, dass sie nicht in den Krieg ziehen soll? Mütter, Väter, Philosophen und Psychologen, Professoren und Persönlichkeiten aus allen Fakultäten.

Wenn das möglich ist und wenn es gelingt, dass sich die Jugendlichen einig sind – einig im Zusammenleben und Zusammenwirken –, dann werden sie ein Loch in diese Welt schlagen können. Sie sind doch die Vorposten einer neuen Gesellschaft, des Fortschritts. Vor allem die Jugendlichen können eine Umwälzung, eine Umgestaltung der Gesellschaft bewirken; eine schönere und humanere Welt schaffen.

Ich glaube an die Jugend, an ihre Lernfähigkeit, ihre Kreativität, ihre Einfühlsamkeit, ihr Verantwortungsgefühl, ihre Einsichtsfähigkeit und Bereitschaft zur Veränderung. Meistens fehlt jungen Menschen nur etwas Besonnenheit und Ausdauer, damit sie in kleinen Schritten ihre Kompetenzen entwickeln können.

Fußnoten:

(1) D’Holbach, P.-H. T. (1976). Der gesunde Menschenverstand des Pfarrers Meslier. Kritische Gedanken über die Religion und ihre Auswirkung auf die kulturelle Entwicklung. Zürich, S. 4ff.

(2) https://de.rt.com/inland/155345-experten-warnen-soziale-schere-klafft/

(3) De.wikipedia.org. Stichwort „Ludwig Feuerbach”

(4) De.wikipedia.org. Stichwort „Die deutsche Ideologie”

(5) Aus: Grasenack, Moritz (Hrsg.). Die libertäre Psychotherapie von Friedrich Liebling. Lich / Hessen, S. 45

Rudolf L.Haensel,  Dr.paed. Dipl.-Psych. Rudolf. In seinen Büchern und pädagogisch-psychologischen Fachartikeln fordert er eine bewusste ethisch-moralische Werteerziehung sowie eine Erziehung zum Gemeinsinn und zum Frieden.

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Leben wir denn nicht unter der Regentschaft von Narren?

Ne vivons-nous pas sous un règne des fous?

D´ont we live under a reign of fools?

Dass in der Politik, aber auch in Wirtschaft und Medien, zu viele narzisstische und psychopathische Persönlichkeiten ohne Verantwortungsgefühl, Empathie und Reue herumschwirren, dazu ich mich ja schon einmal geäußert habe*,  ist auch weiter nicht zu übersehen. Es muß nicht Ignoranz oder Realitätsverweigerung allein die Ursache sein, wenn Verantwortungsträger in ihrer Tätigkeit versagen oder unangenehme Tatsachen nicht zur Kenntnis nehmen wollen (oder können) und dagegen ihre vermeintlich richtigen „Fakten“ unbeirrbar gebetsmühlenartig ins Treffen führen. In vielen Fällen steckt da schon mehr dahinter, unter anderem auch ein geradezu krankhaftes Streben nach Geld und Macht als eines der bestimmenden Elemente im Abgleiten auf moralische oder politische Irrwege.

Jedenfalls scheint ab einem gewissen Zeitpunkt für viele Politiker, auch Journalisten, ohne Zuflucht zu Lüge und Halbwahrheiten kein Weiterkommen mehr zu sein. Dann geht es offensichtlich nur mehr darum, der großen Masse alles was man will, glaubhaft zu machen, nur nicht die Wahrheit. Nichts leichter als das! Wir erleben es ja Tag für Tag: Mit Hartnäckigkeit werden, zum Beispiel, die westlichen Hauptschuldigen der Ukraine-Krise, außen vor gelassen.  Oder: Ohne einen glaubwürdigen naturwissenschaftlichen Beweis dafür vorlegen zu können, dass das CO2 der Hauptverursacher einer angeblichen Klimaänderung sei, werden der Physik widersprechende Schreckensmärchen erzählt und die Jugend verhetzt, dabei letztendlich wieder die gleichen Gewinner wie bei der Corona-Panikmache oder dem Ukraine-Krieg hervorgehen werden. Und die gleichen Verlierer. Aus anderem Anlass fragt man sich ja auch, was bezweckt die EU-Kommission mit dem Vorschlag, gerade jetzt die Schengengrenzen zu erweitern, und was zum Teufel reitet sie, die anscheinend korruptionsanfällige Institution, weltweit die Moralkeule zu schwingen? Größenwahn?

In Österreich, wo das närrische Treiben der Politik sich bis in die Justiz hinein fortsetzt,  haben Schänder von Minderjährigen und sozial oder kulturell lizenzierte Totschläger nachweislich weniger zu befürchten als jemand der die Meinungsfreiheit für sich in Anspruch nimmt. Und jetzt sollen sogar schon Kleinkinder gegen Covid geimpft werden, obwohl, wie in anderen Ländern mit hoher Impfquote auch, schwere Nebenwirkungen und Übersterblichkeit enorm zunehmen sollen. Nicht zuletzt gehört Österreich zu den Ländern, wo das demographische Defizit nicht durch kluge Gesellschafts- und Familienpolitik, sondern, auf Wunsch interessierter Kreise, durch Aufnahme von großteils ungebildeten und unqualifizierten, nicht integrierbaren Sozialhilfeempfängern wett gemacht werden soll.

Dass der vor Jahrzehnten eingeleitete europäische Selbstzerstörungsprozess auf bisherige Weise gar nicht mehr zu stoppen sein wird, sollte eigentlich allen einleuchten. Was aber derzeit, anscheinend auf Zuruf von außen, vielfach ignoriert wird. Im Gegenteil, Fanatiker oder vielleicht doch Narren, macht ja kaum einen Unterschied, wollen den verhängnisvollen Weg weiter fortsetzen. Geht es noch verrückter? Nicht leicht, aber höchst unmenschlich und grausam auf einem anderen Schauplatz, das geht schon: In der Ukraine werden, ignoriert von westlichen Selensky-„Fans“,  russische Kriegsgefangene von Ukrainern gefoltert und ermordet und Zivilisten als „Kollaborateure“ an Pfähle gefesselt öffentlich zur Schau gestellt, verhöhnt, bespuckt und mit Steinen beworfen. Gehört wahrscheinlich zu den in der Ukraine angeblich verteidigten westlichen Werten.

Indessen berichten die in manchen Medien offenbar von der NATO angeheuerten  Kommentatoren weiter wie bisher einseitig und des Öfteren an den Haaren Herbeigezogenes. Schon bei Clausewitz heißt es: „Die meisten Nachrichten (in Zeiten eines Krieges) sind falsch, und die Furchtsamkeit der Menschen vermehrt die Kraft der Lüge und Unwahrheit“. Nichts Neues also im verblassenden einst Glanz und Gloria reichen Westen, wo eine angeblich für unsere Ehre und Würde  kämpfende Presse-Kommentatorin fabuliert, in der Ukraine werde „um den Frieden des gesamten Westens“ gekämpft. „Wow!“ Toller geht es eigentlich nicht mehr.

In diesem Zusammenhang geradezu auch erheiternd und zugleich seltsam die Aussage des  EU-Außenbeauftragten Joseph Borell, der angesichts einer zwar abgewirtschafteten Pax Americana und des Machtanspruches von Islam und Peking meint, die Idee von Einflusssphären habe keinen Platz im 21.Jahrhundert. Hurra! Jetzt wird diese tapfere „Friedensunion“ den Amerikanern, Chinesen und Muslimen gewiss die Leviten lesen. Und dann braucht, wie bisher via Ukraine, nur noch dafür gesorgt zu werden, dass in Russland nach einem gescheiterten Putin ein regelrechtes Chaos entsteht, damit eine Militärdiktatur oder etwas Ähnliches ermöglicht wird. Mein Gott, leben wir denn nicht in einer Zeit allgemeingefährlicher Narren am Hofe des Dollar-Imperiums?

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass in dieser Zeit eines Asylwahnsinns mit seiner ausufernden Kriminalität und sozialen Überlastung eine „Festung Österreich“ eine durchaus gute Idee des freiheitlichen Herbert Kickl ist, der, neben dem Sozialdemokraten Hans Peter Doskozil, in der Asylfrage noch am glaubwürdigsten von allen österreichischen Spitzenpolitikern ist

* Psychopathen und Geistesschwache in der Politik?

Empfehlenswerte Videos zum politischen Zeitgeschehen:

Alice Weidel zu Corona-Skandal: https://youtu.be/LafqNjEdjow

Sahra Wagenknecht zu Sanktionen  https://www.youtube.com/watch?v=RUeIfw3s84k

Gloria von Thurn und Taxis über Grüne https://youtu.be/o01POZx0r5o

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