Rechtspopulisten: Ende der Fahnenstange?

Populistes de droite: Fin du mâte de drapeau?                                                        Right wing populists: End of the flagstaff?

 

Wenn die Welt noch zu retten sei, so werde  sie von den Amateuren gerettet werden, denn die Spezialisten seien mehr als alle anderen verantwortlich für die desolate Lage, in der wir uns befänden, meinte einst der Altösterreicher Erwin Chargaff. Schaut man sich heute das politische Personal rundum an, dann muss man ja unwillkürlich zu dem Schluss kommen, jetzt müssten Amateure ran. Ein Spatz im Dorf handelt jedenfalls verantwortungsvoller als Frau Merkel im Staate.

Aber kaum in den Startlöchern oder knapp vor dem Ziel, beginnen auch schon „Rechtspopulisten“ viele ihrer Anhänger zu enttäuschen. Und je weiter  manche dieser Hoffnungsträger  vorwärtsstürmen, desto ähnlicher werden sie den Etablierten, reden unter Ihresgleichen aneinander vorbei, ignorieren die Kunst des Disputierens und wissen die  Machtmechanismen hauptsächlich zum persönlichen Vorteil zu nützen. Vom vorausgeschriebenen Erfolg geblendet, geht bei einigen das Ego mächtig durch.

Aus diesem Grunde scheint vielen auch die Alternative für Deutschland  nicht mehr ganz im rechten Lot  zu sein. Was anderes als ihr Ego hat die bald fünffache Mutter Frauke Petry bloß dazu getrieben, einen Parteifreund vor aller Welt zu desavouieren? Und jetzt eine Rücktrittsdrohung, was wie eine Flucht aus der Verantwortung wirkt. Damit wäre eine kalte Dusche bei den nächsten Wahlen denkbar.  Auch wer die Fabeln Aesops nicht kennt, weiß, dass die Zunge nicht nur das Beste auf der Welt sein muß und ein gesprochenes Wort nicht zurück geholt werden kann.

Die unermesslich große Arbeit, die einer politischen Alternative zum etablierten System aufgetragen ist, verbietet jeden von Eitelkeiten oder parteifremden Interessen diktierten Kleinkrieg. Vertrauen ist oft schneller verspielt als errungen, und im Handumdrehen könnten immer mehr enttäuschte  Anhänger in das Lager des propagandistisch besser ausgestatteten Gegners überlaufen, der  – wie in Österreich – inzwischen eine Erfolgsformel der unliebsamen Konkurrenz mit Gewinn als seine eigene Erfindung auszugeben weiß.

Das mag aus Sicht des blauen „Originals“ bedauerlich, ja sogar desaströs  sein, wirkt aber nur dann nachhaltig schädigend, wenn man andere Schwächen der Herrschenden vernachlässigt oder ignoriert und keinen Plan B hat. Dazu kommt, dass HC Strache psychisch und auch sonst gesundheitlich schwer angeschlagen wirkt, vom Kanzleramt weiter denn je entfernt ist und sein interner Rivale Hofer  bereits schwerwiegende moralisch-politische Fehler begangen hat. Darüber helfen weder prahlerische Worte noch das Beschwören patriotischer Werte hinweg.

Der derzeitige Stand der Dinge ist aus Sicht all jener die in deutschen Landen  an eine „nationale“ Wende  glauben sicher betrüblich.  Und es könnte sich atmosphärisch sogar noch zum Schlechteren wenden, sollte Marine Le Pen, ähnlich wie Wilders in Holland, an ihrem Ehrgeiz und falschen Beratern scheitern. Nebenbei bemerkt hat auch Madam zuletzt einen schweren Fehler begangen, indem sie in einem Interview ihre von vielen Parteifreunden geschätzte Nichte, Marion Maréchal Le Pen, ein politisches Ausnahmetalent,  mit Eigenschaften wie „“starr“ (weil nicht genug biegsam?) und „unerfahren“ (aha, noch kein altes Polit-Schlachtross) abqualifizierte. Das ist ein „No-go“, menschlich wie politisch gesehen.

Eine Partei sollte nicht nach  ihrer messbaren Größe, sondern nach dem Charakter ihrer Führung beurteilt werden. Könnte  also der  rechtspopulistische Aufbruch  am Ende nicht nur aus politisch-strategischen Gründen sondern auch aus Mangel an Klugheit der Führenden  in einer Sachgasse enden? Nicht unbedingt,  wenn charakterstarke Kräfte an die Spitze gelangen, die ganz selbstverständlich die großartige Aufgabe in ihrer ganzheitlichen Bedeutung erkennen und verinnerlichen. Sie könnten  jenseits alter Schablonen und gegen den globalistischen Zeitgeist der nationalen Idee wieder zum Durchbruch verhelfen. Wenn sie aber dazu nicht in der Lage sind, wird es sich gegen sie vollziehen und eine nationale Renaissance erschweren.

Zum Thema

Petry-Rückzug: https://youtu.be/i5WYfaP8Lyk

Marion Maréchal Le Pen (frz.) https://youtu.be/dj8sS0G1TWw

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10 Antworten zu Rechtspopulisten: Ende der Fahnenstange?

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Ein Politiker, an dem es nichts auszusetzen gibt, existiert nicht. Man sollte auf dem aufbauen, was vorhanden ist und pragmatisch denken, statt irgendwelchen utopischen Idealvorstellungen nachzuhängen. Für mich ist derzeit das Wichtigste, die Umvolkung und den allgemeinen Niedergang dadurch einzubremsen, daß die vorhandenen korrupten Netzwerke erst einmal wegkommen. Die Sache mit der Angelobung wird so heiß nicht gegessen werden, wenn man daran arbeitet, daß die FPÖ 34% erreicht, zugegebenermaßen etwas ambitioniert. Ich kann natürlich die Partei der charakterlich makellosen Edelmenschen gründen und bewerben, werde damit aber voraussichtlich keinen Erfolg haben.

    • Bernie schreibt:

      Wenn es einen egal ist, wer nach vorne kommt, dann ist das Resignation pur. Zu glauben, mit den Rechtspopulisten verschwänden die korrupten Netzwerke ist grenzenlos naiv.

      • Waltraut Kupf schreibt:

        Ich habe nicht gesagt, daß es mir egal ist, wer nach vorne kommt. Wenn es nur den einäugigen unter Blinden gibt, so ist der immer noch das kleinste Übel. Auch kehren neue Besen erst einmal gut. Wahrscheinlich werden sich andere Netzwerke bilden, aber zwischendurch würde es zu einer Verbesserung kommen. Das Nahziel ist die Abwahl der bestehenden Regierung. Man kann nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen.

  2. sudason schreibt:

    Dazu gibt es nichts zu schreiben ,aber der Weg ist steinig und wenn nicht ein “ König “ der völkischen Gemeinschaft auftaucht ,wird sich nichts ändern .Mit den derzeitigen Zustand der Demokratie ein Ding der Unmöglichkeit !

  3. Politiker sind schlicht Mafiose Buchhalter in ‚selbstlegalisierten‘ Staatswesen!

    Politiker spielen bewusst und vorsätzlich „ungleiches Spiel“ mit andern Menschen – und zwar mit Methode! Ihr Regime ist von Grund auf aus ‚Vorteilbeschaffung‘ getrimmt – also müssen für alle andern lauter Benachteiligungen resultieren (denn sie beanspruchen ja die Vorteile ihres Tuns für sich). Sie sind die alleinigen Problemverursacher in Zivil-Gesellschaften, und geben sich dann irreführend als „Problemlöser“ aus (für die Probleme, die sie erst selber verursacht haben). Dafür lassen sie sich dann aber gut bezahlen, wohlwissend, dass die Problem-Situationen im Grunde erhalten werden müssen, weil sonst ihr Geschäfts-Modell Schiffbruch erleiden würde …
    So sind die permanenten Änderungen von Spielregeln (Zigtausende Gesetze, Bestimmungen, Vorschriften, Verbote, usw.,) der Beweis für ihr mafioses Spiel. Denn der Zivil-Staat käme mit dem für alle allein geltenden Ur-Gesetz (aus Naturgesetz) vollkommen aus …! Wenn auch nur ein einziger Mensch durch eine Aktion eines andern benachteiligt oder gar geschädigt wird, dann ist das Problem nicht richtig gelöst – nicht ganzheitlich, neutral – denn es zeitigt ja negative Nebenwirkungen (wie ein Medikament auch nicht richtig entwickelt ist, wenn es Nebenwirkungen erzeugt).
    „Politik und Korruption sind Schwestern – und die Lobbyisten ihre Brüder“ – wer Korruption bekämpfen will, muss Politik generell verbieten. Es darf sich Jederman ‚verbitten‘, von Politik tangiert, bzw. von Politikern belästigt zu werden, denn „Politik ist kein natürliches Menschenrecht“ (und auch kein Wunschkonzert – geschweige denn ein legitimiertes Verhalten – von wem denn auch legitimiert ..?)!

    • Waltraut Kupf schreibt:

      Politik ist ja nichts anderes als die Regelung des Gemeinwesens, und ohne die wird man wohl nicht auskommen. Daß vor allem profilierungssüchtige Leute in diese Berufe drängen und ihren Eigennutz suchen, wird man nicht ändern können. In seltenen Fällen könnte es vielleicht doch einmal ein integerer Mensch sein. In der Praxis kann man schon froh sein, wenn der Schaden begrenzt bleibt.

      • Da verkennen Sie die Funktionen und beabsichtigten Wirkungen der Politisch definierten Lenkung von Gemeinwesen und ganzen Staaten – der Mensch braucht nur „Wirtschaft“ in der Gesellschaft, und zwar neutrale, keine politisch-parteiisch gelenkte Wirtschaft.
        Das „Sozio-physikalische Modell des Menschseins“ (und seiner Gesellschaften) ist einfach an der ganzheitlichen Funktion, Ordnung und Organisation von .“OASEN“ einzusehen, da regeln die Menschen ihr Leben und Dasein ganz natürlich und neutral (Politik wäre da verheerend – wie überall – indem sie die Ursache aller Streitereien, Konflikte, Krisen und gar Kriege in der Welt ist – das gibt es so nur bei der menschlichen Spezies). Übrigens, die Schweizerischen Ur-Eidgenossen haben das Modell praktisch gelebt – bis dann wieder ein „Politisches Regime“ aufgesetzt wurde und somit ein Rückfall in Feudalherrschaftliche Zeiten stattfand (mit Politikern als Feudalherren und Vögte).
        Volksvertreter müssen als „Gutsverwalter der Güter ihrer Wähler und Bürger“ amten, und das kann organisatorisch neutral bewerkstelligt und rein kaufmännisch betrieben werden!

  4. Waltraut Kupf schreibt:

    Zu Herrn Stauffacher: zwar ist „Wilhelm Tell“ mein Lieblingsdrama, man kann aber die Situation der Ur-Eidgenossen nicht mit der heutigen vergleichen. Alles nur mit Wirtschaft regeln zu wollen scheint mir doch etwas realitätsfern. Wie sieht es z.B. mit der Gesetzgebung aus und mit der Rechtsprechung etc.? Wie der angewandte Teil dieser Utopie beschaffen sein soll, scheint nicht ganz klar zu sein.

    • Wenn Sie ‚Ur-Gesetz‘ (aus Naturgesetz) als Utopie bezeichnen, dann haben Sie leider nicht verstanden, „wie Natur funktioniert – die weltliche und die menschliche Natur“ (funktionieren sollte). Die Situation der globalen Gesellschaften ist das Resultat von grundlegenden, allein durch Politik verursachten Fehlentwicklungen! Ursprünglich haben kirchliche, später auch weltliche Sekten/Parteien von der ‚Erde‘ Besitz ergriffen, und den leichtgläubigen Menschen alles Mögliche eingeredet, um von ihnen – einschliesslich der übrigen natürlichen Ressourcen – Vorteile zu erheischen, und kommerzielle Gewinne aus den natürlichsten, menschlichen Funktionen zu schöpfen …
      Würden Sie – sagen wir: „mit Ihrem Allgenerationen-Haushalt allein auf der Welt“ – erst mal ein „Politisches System etablieren“, um dann fremdbestimmt ‚Wirtschaften‘ zu müssen (Politiker machen schliesslich auch nichts anderes als Wirtschaften – aber in ihrem Interesse, zu ihrem Vorteil. Das mach das Leben unnötig teuer, und ist ebenso verantwortlich für die extremen Ungleichgewichte zwischen „Arm und Reich“ – d.h., für die zunehmende Instabilität politischer Systeme rund um den Globus?!
      Ich habe seit Jahren das Politische Prinzip zutiefst hinterfragt – machen Sie es ebenso …(und Sie werden am Ende zum selben Ergebnis kommen: http://www.neo-kultur.ch)

  5. Peter schreibt:

    Richtig und wichtig wie immer !

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