Was will eigentlich Kickl?

Que veut Kickl?

What does Kickl want?

Jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Vor mehr als zehn Jahren stellte ich mir in einem meiner Beiträge im Buch „Jörg Haider – Patriot im Zwielicht“* die  Frage, ob denn Haider, der einstige „Bungee“-Springer, wieder von einer Brücke springen werde, nur dann ohne Seil, wenn er nicht Kanzler werden sollte. Wann er sich der Aussichtslosigkeit, noch Kanzler zu werden,  bewusst geworden ist, weiß ich natürlich nicht. Vielleicht Kickl. „Entschieden“ hat er sich schließlich für einen Auto-Unfall. So von mir unter der Annahme gesehen, er habe Selbstmord verübt, was vielerorts vielleicht nicht ganz zu Unrecht bezweifelt wird. Von da nun ein weiter Sprung zur Ibiza-Trottelei seines erfolgreichen Nachahmers, dem mit gräflicher Unterstützung ein sagenhaft peinlicher Umfaller gelungen ist. Was mich überhaupt nicht überrascht hatte.

Ein weiterer Rückblick: Anlässlich einer Privatveranstaltung vor etlichen Jahren in einem Wiener Hotel, bei der auch die Mutter des Politikers Johann Gudenus anwesend war, meinte ich denn auch in Kenntnis der Person Straches zu derselben Dame, ihr Sohn solle sich nicht zu sehr an Strache anlehnen, sonst werde er eines Tages mit diesem umfallen. Wieder einmal hat sich erwiesen: auch schlecht Ding braucht Weile, und nun ist es passiert. Da aber der selbst ernannte „Ehrenmann“ Strache nicht daran zu denken scheint, wie Gudenus politisch die Segel zu streichen, könnte sich das politische Ende des offensichtlich Uneinsichtigen noch als ein äußerst dickes erweisen. Mit oder ohne Kickls Hilfe.

Wohl war auch der Ehrgeiz von Straches Wiener Statthalter Gudenus nicht zu unterschätzen, doch ohne Straches Geltungssucht und zuweilen sich äußerndem Größenwahn wäre es – wo war bloß Chefberater Kickl? – aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu diesem Ibiza-Skandal gekommen. Aber es stimmt schon, alle Altparteien sollten sich mit Häme etwas zurückhalten, haben doch alle ihren Dreck am Stecken und ihre schmutzigen Ränder. Was andererseits nicht dazu verleiten sollte, das Wesentliche aus dem Gesichtsfeld zu verdrängen: Die durch Ibiza-„Gate“ publik gewordene in Wirklichkeit allgemein herrschende Unmoral im politischen Tagesgeschäft und dem der Medien, die ein sich infantil gebärdender Strache auf plumpe und beschämende Weise verinnerlicht zu haben scheint.

Für Straches Emporkommen sind, außer Haiders Vorleistung und, auch hier, gegnerischem Wüten, mehrere andere Faktoren maßgeblich verantwortlich, aber auch Personen aus seinem persönlichen Umfeld. Eine davon stammt aus der Ära Haider.  Am 19. Juni 2011 schrieb ich an dieser Stelle: Haiders Erfolg hatte unzweifelhaft mehrere Namen, einer davon heißt Kickl. Derselbe nun einen etwas einfacher gewickelten Strache als besseren Haider verkauft, dessen zwar verblassender Mythos dabei immer noch behilflich sein mag. Es sollte aber dabei nicht übersehen werden, dass – in einem größeren Zusammenhang gesehen – auch Haiders Scheitern mit dem erwähnten Namen verknüpft ist. Ob das ein gutes Omen ist?“ Aus Straches heutiger Sicht möglicherweise nicht.

Mal sehen, ob es dem blauen, von vielen hoch geschätzten „Mastermind“ und ausgewiesenen „Law and Order“-Mann mit einem fein herausgeputzten notorischen Lächler an seiner Seite besser gelingt als mit dessen gelegentlich nicht nur im Ton rüden Vorgängern. Oder wollte der Stratege Kickl von Anfang an ganz etwas anderes, nämlich selbst an die Spitze? Dann allerdings müßte man einiges  neu bewerten.

*Jörg Haider – Patriot im Zwielicht“, DS-Verlag, 1997

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13 Antworten zu Was will eigentlich Kickl?

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Ich habe bis jetzt in diesem Blog fast nur negative Bewertungen von Politikern gelesen, was wahrscheinlich auch seine Berechtigung hat, uns aber nicht weiterbringen wird. Es beibt nichts anderes übrig, als mit den Leuten, die zur Verfügung stehen, sein Auslangen zu finden. Daß Kickl, den ich mit Abstand für den intelligentesten, aufrechtesten und effizientesten Mann halte der auf der Szene präsent ist, vielleicht wirklich eines Tages an die Spitze will, würde ich ihm nicht nur nicht verargen, sondern es sogar begrüßen. Leider glaube ich aber auch, daß es zu viele dumme Leute gibt, welche eine maßgerechte Schaufensterpuppe einem weniger telegenen Menschen vorziehen und nicht erkennen, daß es hier ja um eine Sache von großer Tragweite geht. Gewisse Hoffnungen würde ich auch in den bislang im Hintergrund stehenden Dominik Nepp setzen, der dezidierte und beherzte Aussagen trifft, ohne zurückzuschrecken, wenn ein linker Journalist die Stirne runzelt. Jetzt muß man pragmatisch und strategisch denken und nicht den soundsovielten Schritt vor dem ersten tun.

    • Helmut Müller schreibt:

      Es dürfte Ihnen entgangen sein, dass die Politiker ganz allgemein keinen guten Ruf mehr haben, und das nicht ohne Grund. Sie haben aber recht, der Kickl wirkt aufrecht und authentisch, und intelligent ist er noch dazu. Aber mich gleich zu seinen oder eines anderen Füssen werfen? Ja, pragmatisch und strategisch denken, aber bitte ohne Scheuklappen, gerade auch als Wähler. Damit uns der nächste Schock erspart bleibt.

      • Waltraut Kupf schreibt:

        ich möchte festhalten, daß ich mich zu niemandes Füßen werfe. Aber unterstützen kann und muß man, jene Leute, die man achtet und von denen man sich zumindest Teilerfolge erwarten kann. Daß man fallweise enttäuscht wird, muß man halt riskieren.

    • Helmut Müller schreibt:

      Selbstverständlich habe ich damit nicht Sie persönlich gemeint, sondern ich habe, ganz allgemein gesprochen, lediglich auf eine bestimmte Haltung verwiesen, die gerade unter Haider und Strache von vielen „Fans“ der beiden gewissermaßen blind an den Tag gelegt wurde. Und insofern, meine ich, ist man dann in gewisser Weise auch mitverantwortlich. Ich hoffe damit ein Mißverständnis ausgeräumt zu haben.

  2. Gertraud schreibt:

    Die. FPÖ-„Skandale“ im letzten Jahr waren so zahlreich und absurd, daß sie nur eingefädelt gewesen sein konnten! Auch unter Haider gab es ja Parteimitglieder, die später zugaben, daß sie nur im Auftrag eines Geheimdienstes der FPÖ beigetreten waren.
    Ich habe mir vom Ibiza-Video nichts angeschaut (eine illegale Aufnahme ohne Wissen der Opfer), aber die paar Sekunden, die automatisch auf Netzseiten gelaufen sind, ist mir aufgefallen, daß Strache ganz anders ausgesehen hat als sonst: Er lallte nicht nur, auch der komische Blick und die nach hinten hängende Körperhaltung, die komischen derben Ausdrücke und Beschimpfungen… Ein Mann wie Strache hätte sich nie so gehen lassen, auch nicht im Urlaub. Sieben Stunden lang ununterbrochen zu reden, noch dazu am selben Platz, das schaffen nur Leute, denen etwas ins Essen oder Getränk gegeben wurde…

    • Karlo schreibt:

      Verschwörungstheoretikern, oder?

      • Gertraud schreibt:

        Leider habe ich (durch meine Herkunft und „Freunde“) Drogenerfahrung. Ich vermute, daß die beiden gerade soviel bekommen haben, daß es stundenlang wirkte, aber sie nicht bemerkten, daß eine Substanz im Spiel war. Mit der richtigen Dosierung kennen die Hintermänner sich sicher aus. Bei einem Konzert in der Arena wurden Kuchenstücke verteilt. Ich habe eines gegessen. Es ging mir miserabel, viele viele Stunden lang. Die Dosis war ziemlich hoch, deshalb merkte ich, daß etwas dabei gewesen war, was später auf Nachfrage bestätigt wurde.
        Strache erkennt sich selbst auf dem Video nicht wieder. Er findet, das sei „ein fremder Mensch“.

  3. Gertraud schreibt:

    Durch das illegale Ibiza-Video habe ich jetzt noch deutlicher gesehen, von welchen Leuten ich seit Jahrzehnten – nur aus Neid! – überwacht und eingeschüchtert werde. Schon zu Beginn der 90er Jahre (halbes Jahr nach Beginn der Überwachung) erhielt ich einen anonymen Drohbrief mit folgender Briefmarke: „Franz Jägerstätter – Er folgte seinem Gewissen“.
    Es passierte fast jeden Tag und in allen Lebensbereichen etwas. Ich wußte damals nicht, wer dahinter stand, aber die Briefmarke zeigte, daß diese Leute nicht national / „rechts“ und auch nicht „links“ waren.

  4. Günther schreibt:

    Mir mißfällt, wie Sie Kickl geringschätzen hätten wir nur einige Dutzend Kickls in Ö.!!!

  5. Carolus schreibt:

    Ich fürchte, Kickl ist der geborene Zweite Mann, der gerne mit einem leicht stärkeren zusammenspielt und ihm die Bälle zum Versenken auflegt. Mit seinem jetzigen (weit schwächeren) Partner habe ich aber wenig Hoffnung, dass sich die Kommunikation weiter bewähren wird. Ich wünsche Kickl, dass er sich emanzipieren kann und unserem Land weiter Nutzen bringt.

  6. Gertraud schreibt:

    Kickl ist bei allem auf dem richtigen Weg! Die Bestätigung dafür und die GANZE Wahrheit über „Ibiza“ findet man auf: http://www.eu-infothek.com
    „Ibiza-Gate: Zwischenbilanz nach 90 Tagen EU-Infothek Recherchen“
    Der Serbe Julian H. und sein Partner von der Münchner Sicherheitsfirma erhielten direkte (!!!) Aufträge vom BVT und vom Innenministerium! (Deshalb der Freispruch vor Gericht und der angebliche „Krankenhausaufenthalt; Julian H. hat sogar eine Luxuswohnung direkt neben der UNO.)
    Die „Schwachstelle“ (die mir schon seit Jahren bei dem „Nationalen“ Gudenus als sehr widersprüchlich „aufgestoßen“ ist) war natürlich seine jugoslawische Freundin / spätere Ehefrau. Eine „Maklerin“ trat an diese Freundin heran und stellte ihr die „Oligarchennichte“ vor. Erst DANN kam der Anwalt Ramin M. ins Spiel…
    Es ist typisch für dieses Netzwerk, Frauen vorzuschicken (weiß ich leider aus eigener Erfahrung!). Auf Frauen fällt man leichter rein (das wissen die Hintermänner), aber gerade da sollte man doppelt vorsichtig sein!!

  7. Heinrich Stauffacher schreibt:

    Warum fragt eigentlich nie Jemand: „Was will eigentlich der Staats-Erb-Bürger – die Zivilgesellschaft – das Staats-Volk“? Vor lauter Parteien-Theater gehen die allein berechtigten Interessen der Zivil-Bürger völlig unter (und dafür bezahlen sie erst noch Steuern – was soll das eigentlich?)! Grüezi

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