Der Aufstand der Schafe gegen das Todesurteil der dominierenden Finanz- und Handelspolitik ist geboten!

Les moutons doivent s´élever contre la condamnation à mort de la politique financière et commerciale dominante!  Contribution du Prof. Dr. Heinrich Wohlmeyer

The sheep must rise up against the death sentence of the dominant financial and trade policy! Contribution by Prof. Dr. Heinrich Wohlmeyer

 

 Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Heinrich Wohlmeyer

Warum ich als ‚alter Mann‘ (82 Jahre) diesen Aufruf schreibe? Weil ich von Zukunftsblindheit beziehungsweise Zukunftskriminalität der Entscheidungsträger und vom ‚Schweigen der Schafe‘[1] umgeben bin. Wer kein Schafhalter ist kann die Metapher der Bibel[2] kaum verstehen. Im Unterschied zu allen anderen Nutztierarten ergeben sich die Schafe ohne verzweifelt zu blöken (schreien), wenn sie zur Schlachtbank geführt werden.

Die vielfältig wirtschaftenden Kleinbauern werden derzeit rücksichtlos den großkapitalen Weltmarktbeherrschern geopfert, die kurzfristig ihre Gewinne maximieren und ihre wachsenden Finanzvermögen in Grund und Boden anlegen. Man spricht dabei immer vom unantastbaren, unveränderlichen und wohlstandsmehrenden ‚Weltmarkt‘, als ob dieser eine natürlich vorgegebene Form des ökonomischen Handels wäre.

Die jüngste dieser zukunftskriminellen Aktionen ist das Durchwinken des CETA-Abkommens mit Kanada durch die EU-Kommission und dessen zahnlose Behandlung durch das EU-Parlament sowie durch die nationalen Regierungen und Parlamente. Bei letzteren verwende ich bewusst nicht das Wort ‚Volksvertretung‘, weil eindeutig gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung den etablierten Großinteressen Rechnung getragen wird.
Derzeit geben im Durchschnitt in Österreich pro Tag sechs Kleinbauern auf. Dies wird als natürliche ‚Strukturbereinigung‘ dargestellt. In Wirklichkeit wird die Ernährungssicherung unserer Kinder und Kindeskinder verkauft.

Warum ich dies zu sagen wage: Alle Hochkulturen mit knappen Flächen haben gärtnerisch-vielfältige Produktionsmuster entwickelt und auch wir haben in der Situation gestörter Zufuhren auf diese Art die Ernährung sicher gestellt. Ich habe noch den Zweiten Weltkrieg und die Notzeit danach als Kind hautnahe und bewusst erlebt. Unsere vielfältig und autark produzierenden Bauern konnten die Notversorgung sicher stellen. Wir konnten die Kinder noch zum ‚Auffüttern auf‘s Land‘ schicken und die ‚Hamsterer‘ konnten, um ein wenig Brot, einige Eier sowie um etwas Fleisch und Gemüse bitten kommen. Die Kleinbauern konnten gärtnerisch intensivieren. Die ‚Hausäcker‘ meiner Gasteltern waren große arbeitsintensive Gärten mit höchster Produktivität. Nun sind die meisten ‚durchrationalisierten‘ Bauern im Krisenfall selbst notleidend.[3]
Wenn wir den Rückblick aus der Zukunft als Methode der Zielfindung wagen, dann stehen in der Gesamtpolitik und in der in diese eingebettete Agrarpolitik die Zeiten auf Sturm. Wir sinken demnächst unter 2000 m² bebaubaren Bodens je Einwohner der Erde, die fossilen

Hilfsmittel und die Phosphatvorräte, die das derzeitige Hochpeitschen der ‚modernen‘ Produktionssysteme ermöglichen gehen zu Ende, und die Handwerkskunst der Bewirtschaftung von schwierigem Gelände und kargen Böden geht durch das ‚Wegrationalisieren‘ der Kleinbauern verloren. Hand in Hand mit dem uns aufs Haupt gedrückten ökonomischen Weltgeschehen geht der Verlust an ökologischer Vielfalt (Biodiversität), die die Voraussetzung für Systemstabilität, standortangepasste Bewirtschaftung und von Intensivierung im Notfall ist. Gegenwärtig stammen rd. 75% der Nahrung von 12 Pflanzen- und fünf Tierarten. Von rd. 10.000 essbaren Pflanzenarten werden nur rd. 200 genutzt.

All dies wird damit gerechtfertigt, dass man die Arbeitsproduktivität und die Konsumentenrente maximieren müsse. Dass dieses Kurzzeitdenken auf Kosten der künftigen Ernährungssicherheit geht, wird ausgeklammert. Die ökonomisch-ökologische Zentralfrage <Wie erziele ich nachhaltig eine optimale Nettoernte an Sonnenenergie in für den Menschen nutzbarer Form> wird nicht gestellt.Im aktuellen finanzpolitischen Geschehen kommt noch hinzu, dass die staatlichen und überstaatlichen (EU) Budgets notleidend werden, so dass die überwirtschaftlichen Leistungen der Bauern und ihre Existenzsicherung mittels eines gegensteuernden Sockelbetrages nicht mehr finanzierbar sind.[4]

Dazu kommt eine Handelspolitik die die Landwirtschaft ‚wie jede andere Industrie‘ (like any other industry) behandelt – eine unzulässige Vorgangsweise, die schon von F. Graham 1923 aufgezeigt worden ist.[5] ‚Außerdem führt die Anhäufung von Kapital in den Händen einiger Weniger, die sich des Endes des Spieles auf den Finanzmärkten bewusst sind, dazu, dass diese in die Realitäten flüchten. Der internationale und lokale Aufkauf von Ländereien durch private Großkapitaleigner und durch Staatsfonds (insbesondere China; land-grabbing) läuft auf vollen Touren. Die Folge ist ein Agrar-Management aus der Ferne ohne den Kontakt zu Boden, Pflanze und Tier sowie mit kurzfristigen Gewinnmaximierungszielen.

Wie erkenntnisfremd die derzeitige Politik läuft, zeigt die Umbenennung des ‚Landwirtschaftsministeriums‘ in Österreich in ein Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus. Für den jungen Bundeskanzler und die junge Ministerin ist die Ernährungssouveränität keine zentrale Frage mehr. Die junge Generation betrachtet das reichliche Hereinströmen von Lebensmitteln als Selbstverständlichkeit. Sie kann sich den ‚Fall gestörter Zufuhren‘ nicht mehr vorstellen. Dasselbe gilt für den Zusammenbruch der IT-Systeme.

Die gegenwärtigen Versorgungssysteme sind aber höchst verletzlich. Dies kann durch Naturereignisse, durch Sabotage und Terrorismus sowie durch Kriege geschehen. Jede ‚moderne‘ Aggression beginnt parallel zum bewaffneten Angriff mit der Ausschaltung der IT-, Energie- und Verkehrssysteme. Dies bedeutet, dass wir auf die regionale Notversorgung zurückgeworfen werden. Die regionale Ernährungssouveränität sollte daher ein Top-Ziel der Gesamt- und der Agrarpolitik sein.

Was erscheint daher geboten?:
1) Die lokale Ernährungssicherheit muss auf die Ebene eines unverzichtbaren Menschenrechtes gehoben werden. Gegenüber diesem sind alle anderen Interessen hintanzustellen. Dies gilt insbesondere für die Handelspolitik.
Das Prinzip des ‚National Treatment‘, das in allen WTO-Abkommen (GATT, GATS, TRIPS) enthalten ist, besagt, dass man einen Ausländer nicht ‚schlechter‘ behandeln darf als einen Inländer. Im Umkehrschluss muss man einen Ausländer nicht ‚besser‘ behandeln als einen Inländer. Abgabenfeier Zutritt sollte daher nur gewährt werden, wenn die Leistung (Ware oder Service) unter vergleichbaren ökologischen und sozialen Standards, wie sie im Bestimmungsland gelten und praktiziert werden, erstellt worden ist (Bestimmunglandprinzip).
Erst unter diesem grundsätzlichen Schutz können die Detailmaßnahmen mit denen die Agrarpolitik derzeit operiert, erfolgreich sein. Ohne den notwendenden handelspolitischen Schutz sind die diversen Förderungen nicht mehr als hinauszögernde ‚Sterbehilfen‘.

2) In der Finanzpolitik ist die einnahmenseitige Sanierung der Budgets eine Voraussetzung für das Gegensteuern, solange die Handelspolitik nicht entsprechend flankiert, und ebenso eine Voraussetzung für Abgeltung der überwirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft (insbesondere Wohlbefinden spendende Kulturlandschaften, Wasserschutz Erhaltung der ökologischen Vielfalt). Ich habe ein meinem schon in acht Sprachen übersetzten Manifest (im Internet unter  www.Wiener Wende.org  abrufbar) die Wege hierzu aufgezeigt (insbes. Kapitalumsatzsteuer und Internetabgabe).

3) Die Gesamtpolitik hat sich an den von der Natur vorgegebenen Systemprinzipien der Biosphäre zu orientieren. Dies heißt:
– Solare Orientierung der Energieversorgung (damit gibt es auch keine
unverwertbaren Agrarüberschüsse mehr).
– Kreislauforientierung der Stoffströme (der Landwirt als Kreislaufwirt)
– Kaskadische Nutzung von Energie und Materialien
(Vermeidung von unnötiger Entropie)
– Optimale ökologische Vielfalt (Biodiversität;
puffer- und anpassungsfähige Versorgungssysteme)
– Dezentralisierung und intelligente Vernetzung als ermöglichende
Basisstrategien, die auch sinnvolle Arbeitsplätze und Lebensräume schaffen

4) Die Bauern als Minorität müssen glaubwürdige und vertrauensvolle Allianzen mit allen anderen Gesellschaftsgruppen bilden – insbesondere mit den Arbeitnehmern, den Konsumenten im Allgemeinen und den Natur- und Umweltschützern.
Wenn wir den breitflächigen ‚Aufstand der Schafe‘ zugunsten dieser Umsteuerungen nicht schaffen, dann ist das langsame Dahinsterben der kleinräumig und standortorientiert wirtschaftenden Bauern besiegelt, und dadurch wird die Ernährungssicherheit im Krisenfall, sowie die Ernährungssicherheit unserer Kinder ‚wegrationalisiert‘.
Ich nenne letzteres Zukunftskriminalität.

Abschließend noch ein Vermerk zur Sicherung der Bewirtschaftung der Grenzertragsböden, die wir für die künftige lokale Ernährungssicherung brauchen werden. Dies kann durch Ausgleichszahlungen erreicht werden, die verkehrt proportional zur Bodenbonität und proportional zu den klimatischen und reliefbedingten Erschwernissen gewährt werden. Dieses Handicap für die Benachteiligten hätte auch einen doppelten Vorteil:
a) In Zeiten der Knappheit (und diese werden leider kommen) würde sich der Marktpreis nicht nach den höheren Kosten in den Grenzertragsregionen (Grenzkosten) richten. Dies ist ein langfristiger Kostenvorteil für die Konsumenten.
b) Die Landeigner in den Gunstlagen würden keine gesellschaftlich unerwünschte Differentialrente lukrieren – also mehr soziale Gerechtigkeit als Voraussetzung für eine friedvolle Entwicklung.

[1] 2006 habe ich den Bestseller Globales Schafe Scheren geschrieben und zum Aufstehen aufgefordert, aber die ‚Schafe‘ lassen sich weiterhin still leidend durch das ‚Establishment‘ zur Schlachtbank führen.
[2] Isaias 53,7 „Man misshandelte ihn, und er beugte sich; er tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schachtbank geführt wird, und gleich einem Schaf, das vor seinen Scherern verstummt, tat er seinen Mund nicht auf.“
[3] Josef Heringer hat daher den Satz geprägt: „Entweder wird die Welt ein Garten oder sie wird einSchlachtfeld.“
[4] Siehe hierzu R. Keller und N. Backhaus, Zentrale Landschaftsleistungen erkennen und in Politik und Praxis stärken – Erkenntnisse eines transdisziplinären Forschungsprojekts in der Schweiz, in Naturschutz und Landschaftsplanung 50 (3), 2018, 084 – 089, ISSN 0940 – 6808
[5] Sie hierzu auch mein Buch The WTO, Agriculture and Sustainable Development, Greenleaf Publishing 2002
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12 Antworten zu Der Aufstand der Schafe gegen das Todesurteil der dominierenden Finanz- und Handelspolitik ist geboten!

  1. HB schreibt:

    Was nicht an den Grenzen abgehalten wird, wird nachher in den Ländern erschossen. Bürgerkrieg endet mit 20 toten Einwanderern auf einen toten Einheimischen. Das ist die Erfahrung aus der Geschichte.

  2. Elbenfrau schreibt:

    Vereinzelt gibt es ihn, den “Schrei”der Schafe, aber eben nur vereinzelt und verstreut,
    Für Vereinzelung derer, die AUFSTANDEN wider die unnatürliche, neue Ordnung,
    wurde/wird gesorgt von diesem System, in allen Bereichen, seit Jahrzehnten.
    Durch gezielte Spaltung, statuieren von Exempeln, bringt man nicht fünf Leute an einen Tisch.
    Im Beitrag wird auf Bibelstellen verwiesen. NT: “An ihren Früchten werdet ihr SIE erkennen.”
    Die heutigen Zustände, viel menschl. Elend, sind die Früchte der Politik “gewisser” Kräfte.
    Deutschland/Ö waren einst blühende Lande, das deutsche Reich blühte nach 1871 auf,
    nach den Gesetzen gottgegebener Ordnung lebend. Man übernahm Verantwortung für d. Volk,
    der Bauernstand konnte die Versorgung sicherstellen. Die Früchte der “schönen Seele Germaniens”
    waren überall sichtbar, wirtschaftl. Aufschwung, die d/ö Lande aber immer noch ein “Garten”,
    den man später zum Schlachtfeld machte, in den letzten Jahren zum hochtechnisierten MORDOR.
    Das Modewort der letzten Jahre “NACHHALTIGKEIT” überall zu hören, = Kein Zurück zur
    abendländischen, alten Ordnung, die aber Garant für das leibliche/ seelische Wohl wäre.
    Wie sagte EU- Juncker: “Wir machen immer weiter, …bis es kein Zurück mehr gibt.” Nachdem
    die JUNGE Politik dies alles ”geil” findet, den “Herren” der NWO dienend, wird es durchgezogen.
    In sämtlichen Bereichen, Bildung, Kultur, etc.. wurden die Zeugen natürlicher Ordnung ausgetauscht.
    Hauptsache junge Politik, ohne Bezug zu Volk/Tradition, Landschaft durch “Highways”, etc… seziert.
    Bzgl. der Bibelverweise: Im NT heißt es, dass das, was aus dem Herzen kommt, den
    Menschen unrein mache, denn “aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Diebstahl, …..”
    und andere Verwüstung wie z. B. widernatürliche (abartige?) Landwirtschaft.
    Leider wird der Bibelsatz vom gewissen Leuten heute geschickt umgedreht, signalisierend,
    Missstände anzuprangern= böse Gedanken. “Aufständische” wollten immer schon verhindern,
    dass die “Herde” zur Schlachtbank geführt wird. Leider merkt die Herde den guten Willen nicht.
    Ev. braucht es eine Hungersnot, damit die Masse von “Schafen” erwacht.

  3. Da spricht ein Weiser Mann! Meine Hochachtung, „Namensvetter Heinrich“, und Dank für diesen exzellenten Beitrag. Er bestätigt, was ich mit meinem Buch „Mit Weisheit … gegen Politik …“ (ff.) auch bewirken will: „Die Schaffung von Original Direkter Demokratie, zum Erlangen „Individueller Wirtschaftswahrheit“ – der „Global Economic Correctness“ für Jeden – gegen die Machenschaften jener, die weder das „Ultimative Gebot noch das absolute Urgesetz (Rechts-Monopol!) beachten“.*
    Die „Politische Täuschung“ – ein Charakter-Mangel oder ein Krankheitsbild des „Homo politicus parasitii“? Parteiische Politik ist grundsätzlich unsoziales Verhalten und kriminelles Handeln, indem immer jemand beherrscht und irgendwie geschädigt wird (und zwar in der Mehrheit des ‚gemeinen‘ Volkes)! Raub (ursächlich Landraub!), Hehlerei, Erpressung, Züchtigung (Folter), Mord, alles mafiöse Praktiken, derer sich jene bedienen, die den ‚Polit-Staat‘ betreiben – den sie schlicht selbstlegalisiert haben – und mit abertausenden von Gesetzen und ihrem Machapparat beherrschen (alles vom Volk selber subventioniert – sogar die Schädigung und Schändung …).
    Setzen wir diese Politiker mit dem Hinweis: „Politik ist kein Menschenrecht – Neutralität ist Menschenpflicht“ global ins Unrecht, und entziehen wir ihnen die Mittel, von denen sie leben …!

    * „Ursprungs-& Natur-Philosophie der Stauffacher 1291“ – Heinrich Stauffacher (ab Sool)
    Prakt. Natur-Philosoph in Daseins-Forschung und Gesellschafts-Entwicklung: „Sooler Denk-Schule‘ – Weisheit ist leicht zu lernen und zu praktizieren“. „Ursprungs-Philosophie – Natur-Gesetzmässigkeiten in Staats- & Gesellschaftswesen“ / empfiehlt ein „Politik-Verbot – für den globalen Frieden“! (weil parteiische Politik, respektive die Torheiten ihrer Exponenten, die alleinige Ursache für sämtliche Konflikte, Krisen und Kriege in aller Welt sind; im kleinen wie im grossen! „Modellgesetz“ – Politische ‘Rechtsetzung’ ist gröbste Menschenpflicht-Verletzung)! „Grundlagen-Entwicklung in: http://www.swiss1291new.org ; http://www.neo-kultur.ch ; http://www.politik-verbot.org ; http://www.erb-eidgenossen.ch ; http://www.politik-roboter.org ; http://www.ur-philosophie.com“

  4. Gustav schreibt:

    Kontrolliert und planvoll kann dieses kreditzerrüttete System nicht mehr heruntergefahren werden. Es gibt nur die Möglichkeit, es vollständig zurückzusetzen, sei es durch eine praktisch weltweite Währungsreform oder auf dem Umweg über eine geldpolitisch von der Leine gelassene (oder von ihr sich losreißende) Hyperinflation. Ansonsten: Irgendwann ein Über-Nacht-Kollaps, der die Realwirtschaft auf einen Schlag verwüstet: stockender Zahlungsverkehr, reißende Versorgungsketten, wirtschaftliche Desintegration – und am Ende kehrt jeder vor der eigenen Tür, wobei die Frage offen bleibt, wer dabei den Besenschrank verwaltet: ein Staat, lokale Autoritäten oder mafiöse Banden.
    Aber selbst das beschreibt noch nicht den Umfang des bevorstehenden Desasters, denn absehbar ist auch der nächste Stoß: eine schnelle Verknappung des Erdöls als Brenn-, Kraft- und Chemierohstoff, mit einem nachfolgend heftigen Schrecken darüber, wie grundlegend, bis in die einfachsten Lebensvollzüge hinein wir ölabhängig geworden sind.

    Damit geht – so oder so oder noch katastrophischer – ein Wirtschafts- und Lebensmodus zu Bruch, der allein auf die Illusion baute, daß Leistungen der Zukunft folgenlos und auf ewig zum Gegenstand heutigen Konsums gemacht werden könnten. Am Beginn dieser letzten wirtschaftlichen Hochfieberphase der »Emanzipationsmoderne« stand die Heilsbotschaft, daß von nun an der Brunnen zum Kruge kommen und, festgemauert, auch nimmermehr zerbrechen werde. Der ökonomische Hausverstand nahm das zwar mit Skepsis, ließ sich aber mit schwindendem Widerstreben einschenken. Er wird in Kürze, unter allerdings eher ungemütlichen Umständen, die Genugtuung erfahren, daß seine Skepsis hoch berechtigt war.
    Es war die Fiktion eines ewigen Plus Ultra, der eigentlich seltsame, weil völlig erfahrungsfremde Gedanke, daß es Expansion ohne Kompression, ein Auf ohne ein Ab geben könnte. Die wirkliche Welt verläuft oszillativ, und diese Erfahrung ist tief geerdet, weil sie von den physiologischen Rhythmen und allem Naturerleben täglich beglaubigt wird. Daß der gegenteilige, nämlich kumulative Prozeßtyp der ständigen Steigerung materiell wirksam werden könne, ist eine Idee, die (nach Kenneth Boulding) nur Verrückten oder Ökonomen kommen kann – und den wenigen geschichtlichen »people of plenty«, Völkern, die plötzlich einen ganzen, fruchtbaren, rohstoffreichen, fast menschenleeren Kontinent (ersatzweise ein koloniales Weltreich) zu ihrer Lebensfristung zur Verfügung haben und deshalb meinen, die lex parsimoniae sei für sie auf Dauer außer Kraft gesetzt. Aber auch denen hilft eines Tages die Wirklichkeit über diesen Irrtum hinweg.

  5. Gustav schreibt:

    „Die schlimmsten Feinde der Freiheit sind deshalb nicht ihre erklärten Gegner, sondern die vielen Lauen und Laschen unter ihren angeblichen Freunden, die Gleichgültigen und Bequemen, die Gutmütigen und Gutgläubigen sowie die Vulgärpoeten mit ihren Parolen, dass es, ´sooo schlimm ja nicht sei´ oder dass man nicht ´immer alles so negativ sehen´ sollte. Diese nützlichen Idioten der Knechtschaft würden auch einem Menschen, der von Kannibalen gekocht werden soll, erklären, er möge sich beruhigen, weil ´nichts so heiß gegessen wie gekocht´ werde.“ – Roland Baader, Belogene Generation, S. 42 f. „Weil Du träge bist, Bürger, verantwortungslos und sicherheitsgeil; weil Du ängstlich bist, staatsgläubig und obrigkeitshörig; und weil Du neidbehaftet bist, missgünstig und habgierig; weil Du, Mann es verlernt hast, ein Mann zu sein, und weil Du Frau, es verlernt hast, eine Frau zu sein, denn Mann und Frau sind füreinander und für ihre Kinder da und nicht für das Kollektiv. (…) Freund, Bürger, Nachbar: Wach auf!“ – Roland Baader, Fauler Zauber, S. 81. „Die Zungen der Freiheitsdenker müssen zu Flammenwerfern werden, damit sie Hunderttausende jener Menschenherzen mit entzünden können, die in der kalten Lügenatmosphäre des Sozialstaats starr und gleichgültig geworden sind.“ – Roland Baader, Fauler Zauber, Seite 275.

    • Dem ist nichts hinzuzufügen – nur, die verpolitisierte, globale Gesellschaft muss dringend zivilisiert und genossenschaftlich ‚privatisiert‘ werden, damit die neutrale „Original Direkte Demokratie“ herrschen kann, statt parteiische Polit-Regimes! „NATURGESETZ regiert die Welt – kein Mensch und keine Politische Institution hat ein solches Recht! Denn der Ur-Gesetzgeber‘ hat das ausschliessliche Rechts-Monopol (Politisch definierte Gesetze sind zum vornherein ungültig – „Unwirksamkeit ex tunc“). In der Natur schafft ein EINZIGES Gesetz maximale Ordnung – aber die Politik schafft mit abertausenden von ‚Gesetzen‘ maximale Unordnung im Dasein der Menschen“ (Konflikte, Krisen und Kriege. Parteiische Polit-Regimes und ihre Systeme können jetzt durch ein neutrales „Individual Politik-Roboter System“ abgelöst werden, die „Global Economic Correctness“ ist technisch leicht herzustellen … Politik ist ja letztlich nichts anderes als ein reines Kommerz-Geschäft, das eine eigene, von der Zivilgesellschaft voll finanzierte, bzw., zwangssubventionierte (Parallel)Wirtschaft betreibt. Mit entsprechenden Programmen, Algorithmen und der Blockchain-Technologie kann „die Welt Digitalisiert und die Menschheit Demokratisiert“ werden: Das ist die noble Pflicht und Aufgabe loyaler ‚Volksvertreter‘ – anstatt mafiöse Politik zu betreiben – und das muss jedem Politiker offen ins Gesicht gesagt werden …!

    • Morgenrot schreibt:

      Gustav:
      Es ist sicherlich jedem, der hier mitmacht, schon so ergangen, man versucht den Schleier vor dem Verstand seiner verständnislosen Mitmenschen, meist im kleinen Kreise, zu zerreißen. Un dann: „Uns geht es doch gut. So schlimm wird es doch nicht kommen. Du machst dir zuviele Gedanken. So viele Fremde gibt es doch gar nicht“, usw.
      Dann geht man wieder zu den Wahlen und kreuzt bei der CDU, den Grünen oder Roten oder Halbseidenen an, oder den analogen Parteinen in anderen Landen, nur nicht bei den Nationalisten. Die sind nicht gut. das haben die schon wieder im Fernseher gebracht.
      Roland Baader spricht es wohl aus, aber was er sagt, versteht nur der Verständige, die Schafe, Faulen, Trägen, Sicherheitsbedürftigen, Blinden, Furcht- und Angstbeladenen, die sich stets allem Anschmiegenden bewahren sich lieber die Aussicht auf einen auch noch in zwei Wochen nach Wunsch gefüllten Eisschrank, das Auto, die Reise, die Kumpanei mit ihren anderen Wohlzufriedenen als geistig, gesellschaftlich oder gar politisch aus der Reihe zu tanzen. In diesen reihen ist man dadurch anders, indem man sich die Haare knallgelb färbt oder dgl. erlaubtem gaaanz Anderssein.
      Ich setze alle Karten auf einen chaotischen Untergang dieses Systems, bei dem freilich so ziemlich alles Porzellan zerschlagen werden wird. Ein anderes Ende dieses Umtriebs der gutmenschlichen Verblödung und Vernachlässigung selbst elementarer Denkprozesse kann ich mir nicht mehr vorstellen.

      • Gustav schreibt:

        @ Morgenrot

        „Ich setze alle Karten auf einen chaotischen Untergang dieses Systems….“

        Sehe ich leider auch so.

        Schreckliche Angst fällt mir aufs Herz, wenn ich bedenke, wie es mit der allmächtigen Gewalt des Bösen in aller Geschichte gewesen ist. Sagt man, daß die Wahrheit endlich immer triumphiert, daß das Gute stärker ist als das Böse, so läutet man nur Phrasen und gibt sich Illusionen hin.

        Juan Francisco María de la Salud Donoso Cortés

  6. Hermann Szlezak schreibt:

    Die einzige Möglichkeit eine gesunde und nachhaltige Ernährung zu erhalten wäre die Bildung von Ernährungsgenossenschaften mit besonderen rechtlichen Schutz durch den Staat und ein vernünftiges Steuersystem! Ergänzt durch eine „NÄHRPFLICHT“ (neben der Wehrpflicht) um die Verbindung PRODUZENT zu KONSUMENT harmonisch zu gestalten! jeder EX Nährpflichtige wird ein Leben lang durch seine Genossenschaft direkt betreut! Den LAND-RÄUBERN müsste das Handwerk gelegt werden!! Keine Flüchtlingsströme um billig LAND aufzukaufen!!!.

    • Die einzig mögliche Antwort dazu findet sich in der „Sooler Denk-Schule“, die die längst überfällige „Proklamation von MenschenPFLICHTEN – als Pendant zu den (politischen) einseitigen ‚Menschenrechten“ fordert – nämlich: „Die Urgesetzlich definierte, elementare Menschenpflicht vor fundamentalem Menschenrecht „! (deshalb behaupte und beweise ich, dass „Parteiische Politik kein Menschenecht“ sei …)
      An der „Sooler Denk-Schule – Motto: Weisheit ist leicht zu lernen und zu praktizieren“, lehren Demokratie-Pädagogen das geniale ‚Globalschach‘ spielen – sie ist jene Lebens-Grundschule, die jeder Mensch obligatorisch von klein auf absolvieren müsste – und es ist das urgesetzlich definierte Spiel für rechtlich, ökologisch und ökonomisch optimales Handeln zwischen den Menschen: „Eine human-soziale Hoch-Kultur“! Grüezi

  7. mariettalucia schreibt:

    Hat dies auf Leuchtturm Netz rebloggt und kommentierte:
    Schon vor vielen Jahren konnte man ein Bauernsterben beobachten.
    Meist waren es Bauern, die sich nicht Massentierhaltung leisten konnten, die ja damals vom Staat protegiert wurde.

    In unserem Bundesland, da wo ich geboren wurde, waren steinige Böden vorhanden, die den Ackerbau stark erschwerten.
    Ich kann mich entsinnen, dass wir Kinder von der Schule aus auf die Äcker gingen um Steine aufzusammeln, die durch Bodenerosion jedes Jahr im Frühjahr neu hochkamen und den Bauern die Arbeit mit dem Abmähen im Herbst erschwerten, wenn der Mähdrescher über die Felder fuhr…….oft sind die Maschinen dann kaputt gegangen oder stumpf geworden, wenn zu viele Steine noch rumlagen.

    Viele Bauern haben ihren Hof aufgegeben und haben sich als Leihbauer bei anderen Bauernhöfen verdingt.

    Wenn ich jetzt zusätzlich sehen muss, dass gerade diejenigen, die ehemals grüne Landwirtschaft propagiert haben, alles tun dass diese nicht mehr unterstützt wird, obwohl so lebenswichtig für uns und unsere Natur, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln und mich fragen „Ja spinnen sie jetzt Alle !!!!! “

    Es wird nur rumgelabert, die eigenen grünen Pfründe verteidigt, mehr nicht !

    Ich kann nur jedem empfehlen sich rechtzeitig zu kleinen Verbünden zusammenzutun um für sich im Kleinen die Versorgung zu sichern.
    Das macht es dann nicht ganz so schlimm.

    Dennoch hoffe ich immer noch auf eine Kehrtwende……

    Bin halt ein positiv gestimmter Mensch, trotz Allem was an Mist läuft.

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