Was hat sexuelle Belästigung mit Palästina zu tun?

 Qu´est ce que le harcèlement sexuel à faire avec Palestine?                                     What  has sexual harassment to do with Palestine?

 

 Zurzeit könnte man die Menschen in zwei Klasen unterteilen, je nachdem ob sie sich beim Vorwurf der sexuellen Belästigung betroffen fühlen oder nicht. Im Moment hat man ja beinahe schon den medial vermittelten Eindruck, dass die erste Gruppe überwiegt. Da nicht ganz klar zu sein scheint wo der „Spaß“ anfängt und wo er endet, dürfte abseits begründeter und berechtigter Anklagen noch eine wahre Belästigungs-Orgie ins Haus stehen. Andererseits wird aber die provokante und hemmungslose Sex-zur Schau-Stellung  in Medien  und Gesellschaft auch von den jetzt Empörten sehr wohl stillschweigend akzeptiert.

Aber was hat das alles mit Palästina zu tun? Beim ersten Hinsehen eigentlich nichts. Da aber im aktuellen Hochspielen eines Themas davon auszugehen ist, dass neben einigen berechtigten Anliegen oder Klagen hauptsächlich sichtbehindernder Nebel produziert wird, stellt sich doch die Frage, ob nicht eine fremde Absicht dahinter steckt, wir es also mit einer Kampagne zu tun haben. Lenken doch dieses Problem  und dessen mediale Ausschlachtung von weit bedeutenderen  Problemen  ab. Etwa von Entwicklungen  oder Vorhaben, die unsere Sicherheit, unsere Gesundheit oder ganz allgemein unsere Zukunft betreffen. Vortrefflich geeignet als ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückter Nebenschauplatz zur Ablenkung von, zum Beispiel, einer menschenverachtenden und völkerrechtswidrigen Politik wie sie von Israel in Palästina praktiziert wird. Und das bald seit sieben Jahrzehnten.

Faktum ist: Hundert Jahre nach der berüchtigten Balfour-Deklaration* rollen über palästinensisches Siedlungsgebiet und Völkerrecht weiterhin  israelische Panzer und Bulldozer hinweg. Immer mehr palästinensische Erde und kostbares Nass wird unter feigem Verharren der Weltöffentlichkeit geraubt, und bald  soll entgegen allen UNO-Beschlüssen hebräisch die einzige Amtssprache in Israel und dem von ihm annektierten Gebiet werden. Jetzt schon werden Araber anders behandelt als Juden und sie haben weniger Rechte als diese, wie der Generalsekretär der „Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“,  Fritz Edlinger , Herausgeber des Buches „Palästina – hundert Jahre leere Versprechen“**, in demselben schreibt.

 Wer die  die rassistische Eroberungspolitik der israelischen Führung kritisiert ist natürlich gleich ein Antisemit. Ein Vorwurf  als Herrschaftsinstrument, wie der profunde Kenner israelischer Politik Moshe Zuckermann auch sein Buch** nennt. Wer gegen die Vertreibungs- und Kriegspolitik Israels  Stellung bezieht, wie es auch der deutsch-jüdische Verleger Abraham Melzer und die Menschenrechtsaktivistin Felicia Langer tun, wird, ob Jude oder nicht, des Antisemitismus bezichtigt. Jeder Kritiker soll damit mundtot gemacht werden. Das geht bereits so weit, dass in manchen unserer Leitmedien und auch schon in einigen rechten Parteien jede Kritik an Israel untersagt wird. Man steckt sozusagen ungeniert mit Landräubern und Rassisten unter einer Decke.

 Es würde aber der Sache nicht dienen, wollte man übersehen, dass auch innerhalb der palästinensischen Führung nicht nur aufrechte und gerechte politische Funktionäre wirken. Korruption, ein im Orient ohnehin bekanntes Phänomen, ist auch dort beheimatet. Schon Arafat soll ein Vermögen angesammelt haben, und viele der Hilfsgüter die nach Gaza gingen, kamen nicht bei denen an, die ihrer am meisten bedurften. Aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass  man einem ganzen Volk sein  Land und seine Freiheit genommen hat und es, wie in Gaza auch,  im Elend verharren lässt. Nach Meinung von Fritz Edlinger könnte Gaza in wenigen Jahren nicht mehr bewohnbar sein.

Jetzt, wo sich die UNO als Papiertiger erwiesen hat, wäre eigentlich diese grandiose EU gefordert, Taten zu setzen.  Oder wenigstens das neutrale Österreich. Auch da können wir lange warten. Erstens ist man hierzulande gerade mit Empört-sein und Aufarbeitungen  in  Sachen sexueller Belästigung beschäftigt. Zweiten hat die Partei des zukünftigen Kanzlers schon bisher in der nahöstlichen Causa kläglich versagt, indessen der  angesagte Vizekanzler und dessen Partei in der nämlichen Frage  längst auf israelischem Kurs segeln. Drittens sind jene, die noch am ehesten im Sinne Kreiskys vermitteln könnten, nur mehr mit sich selbst beschäftigt. Und das noch eine Weile.

Der Apartheid-Staat Israel seinerseits möchte sich klarerweise  in einem vereinigten Europa verankert sehen, wie der ehemalige durchaus sympathische israelische Botschafter in der Bundesrepublik, Avi Primor, sich einmal ausdrückte. Dieser Wunsch ist verständlich, aber angesichts der Lage und der näheren Umstände wohl etwas realitätsfremd. Ein Staat dessen Politik an jene der alten Kolonialmächte oder des Faschismus erinnert, würde, wie die Türkei auch, jede Menge politischen Zündstoff und manch Unvereinbares mitbringen und wäre zweifellos ohne gerechte Lösung des Palästinenserproblems erst recht  ein nicht enden wollendes Verhängnis für Europa.

Wahrscheinlich müssen wir auf eine Lösung des Palästina-Problems so lange warten bis, wie Moshe Zuckermann in seinem Buch „Israels Schicksal“  meint, der Zionismus seinen Untergang selbst herbeigeführt hat. Größenwahn hat noch niemandem gut getan, was, nebenbei bemerkt, auch die Vereinigten Staaten von Amerika einmal zur Kenntnis nehmen werden müssen.

*Im Jahre 1917 hat der britische Außenminister Arthur James Balfour in einem Schreiben an Baron Rothschild  namens der englischen Regierung den Anspruch des „jüdischen Volkes“, in Palästina eine jüdische Heimstätte zu errichten, völkerrechtswidrig anerkannt.

** Fritz Edlinger: Palästina – Hundert Jahre leere Versprechen, Geschichte eines Weltkonfliktes, Promedia (promedia@mediashop.at ), 2017, 203 Seiten, mit Karten, Euro 19,90

***Moshe Zuckermann: „Antisemit“ – Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument, Promedia, 208 Seiten, 2015, Euro 15,9o                                                                                                       „Israels Schicksal“ – Wie der Zionismus seinen Untergang betreibt, ebenfalls Promedia, 2014, 208 Seiten, Euro 17,90

 Zum Thema

Landraub und Völkermord https://youtu.be/fjWGUpnfDmQ                                                       Die Katastrophe https://youtu.be/86RCwQE5jNw                                                                Aktuelle Palästina-Doku (englisch) https://youtu.be/L12Navo-v9g

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5 Antworten zu Was hat sexuelle Belästigung mit Palästina zu tun?

  1. Elbenfrau schreibt:

    Was sexuelle Belästigung mit einer das Völkerrecht verachtenden Politik zu tun hat?
    Sie haben etwas gemeinsam:
    Es geht um “Macht über jemand”, Unterwerfung, Abwertung.
    Diese Politik geht von Menschen mit geringem Selbstwert aus.
    Politik wird nun mal von Menschen gemacht.
    Einerseits gibt es (tausende!!!) Menschen, die sexuell übergriffig werden,
    andererseits eine menschenverachtende Politik. (Und nicht nur dort!)
    Aber immer geht es dabei um Verletzung und Missachtung.
    Menschen zu verletzen, aber im Gegenzug keine Kritik zu ertragen,
    dies passt zum Bild des Narziss, und gilt im Großen wie im Kleinen.
    Ein deutscher Psychoanalythiker meinte, dass heute sehr viele Menschen,
    vor allem sog. “Machtmenschen”, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung haben.
    Für solche Leute bedeutet jede Kritik eine Bedrohung. Fall für den Psychiater?
    (Es soll ja sogar Staaten geben, die keine Kritik dulden.)
    Selbstherrlichkeit, Anmaßung, mangelnde Empathie, Größenwahn
    und Destruktivität sind Symptome dieses narzisstischen Krankheitsbildes.
    All diese “Phänomene”sind auch in Politik und am Wirtschaftssektor erkennbar.
    Signifikant für die heutige Politik: kapitalistische und globale Machtfantasien.
    Expansion, Wachstumswahn, Macht und Größe auf Kosten anderer.
    (Vielleicht hätte auch Dr. Freud eine Erklärung dafür.)
    Ein selbstbewusster Mensch wurzelt in seinem Innersten, kann mit Kritik gut umgehen.
    Die Unfähigkeit, Kritik zu ertragen, aber wurzelt in einem sehr schwachen Selbst.
    Die wahre Bedrohung der Weltsicherheit liegt in narzisstischen Veranlagungen.

  2. Karl Malden schreibt:

    Wenn eine Frau durch ihr Auftreten und ihr Verhalten den Mann dazu reizt oder verführt sie mit schlüpriger Bemerkung oder Anfassen zu belästigen, gehört dann nicht auch die Frau bestraft? So wie die Zionisten, die die Palästinenser bis aufs Blut reizen und sie dadurch zu Angriffen ermuntern, ebenso angeklagt gehören wie der einzelne Attentäter.

  3. Gertraud schreibt:

    Wie die Palästinenser wirklich behandelt werden, dazu gibt es ein gutes Buch, das von einem Palästinenser (aus eigener leidvoller Erfahrung) geschrieben wurde:
    „Schrei, Palästina! – Alltag auf der Westbank“ von Said K. Aburish
    Man kann es fast nicht lesen, so schrecklich ist es! Man glaubt es einfach nicht, daß so etwas möglich ist! Ich habe es auch nur geschafft, einige Kapitel daraus zu lesen, mehr nicht. Es ist so furchtbar, daß Menschen so etwas angetan wird!! Das Mißtrauen und der Haß gegen Palästinenser sind grenzenlos!
    Ich habe auch eine CD von einem palästinensischen Musiker, der seine eigenen Folter- und Gefängniserlebnisse und die Ermordung seines Vaters in Liedern verarbeitet hat.

  4. KW schreibt:

    Ich finde es gut, daß die Juden einen eigenen Staat haben, er hätte nur woanders gegründet werden müssen, ohne Landraub und Vertreibung.

  5. Gertraud schreibt:

    Es gibt ein „Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung e.V.“ in München, siehe
    http://bib-jetzt.de/bib-blog.html#blog (= BIB-Postverteiler)

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