Im Schatten des Terrors: Eine Präsidentin Marine Le Pen für die Grande Nation?

A  l´ombre de la Terreur: Une  présidente Marine le Pen pour la Grande Nation?                                                                                                                                         In the Shadow of Terror: A President Marine le Pen for the Grande Nation?

Erst einmal: Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft. Und so mancher der zu früh gestartet war und vorwärts stürmte, wurde kurz vor dem Ziel von einem, der es langsamer anging,  überholt. Eine bittere Erfahrung für den Überholten, wie sie mit etwas Pech und flauer gewordener Kampagne auch Marine Le Pen ins Haus stehen könnte. Aber da selbst auch in der Politik ein Nuance  Glück dazu gehört, das  nicht selten aus dem „Unglück“ eines Mitbewerbers resultiert oder  einer „Bombenstimmung“ zu verdanken ist,  darf  Madame noch hoffen.

Da käme nun das Attentat von den Champs Elysées gerade recht. Doch einer, dem die Rolle des Überraschungssiegers  auch noch zuzutrauen wäre, ist für viele, neben dem angeschlagenen Francois Fillon, der linke Volkstribun und Millionär Jean-Luc Melenchon. Obzwar derzeit beinahe alles für den vom Establishment und von Brüssel bevorzugten Rothschild-Banker Emmanuel Macron spricht. Marine le Pen  nun also gegen mindestens drei Herren eines korrupten politischen „Establishments“.

Doch im Falle eines Scheiterns Marines könnte unter Umstaänden der harte Kern des Front National  wieder Auftrieb bekommen. Wahrscheinlich nicht mehr mit dem von seinen Anhängern so bezeichneten „Menhir“* als Galionsfigur, vielleicht aber mit dessen Enkeltochter, der intelligenten und charmanten Marion Marechal-Le Pen. Letztere sitzt  ihrer Tante bereits im Nacken. Sie steht ihrem Großvater, der von Marine arg „gemobbt“ wurde,  sehr nahe und wird von dessen Anhängern geschätzt.

Als ich vor etlichen Jahren wegen eines Interviews für ein Buchprojekt Jean Marie Le Pen in seiner Villa in Saint Cloud aufsuchte, war von Marine kaum die Rede, zumindest nicht im politischen Kontext, ja Machtstreben war der Jüngsten lange Zeit sogar fremd. Seither ist viel Wasser die Seine hinunter geflossen und es erfolgte ein Rollentausch: Jetzt  ist Marine viel beachtete  Parteipräsidentin, ihr Vater hingegen im verordneten Schmollwinkel. Denn Marine hat zwar nicht den Charme ihrer Nichte, so doch die Härte ihres Vaters verinnerlicht. Und, seit dem Attentat auf das Wohnhaus der Familie im Jahre 1976, die Erkenntnis: „Politik ist gleich Gewalt“.

Marine le Pen ist also gewiss keine Sanfte, vor allem, wenn die neue Parteilinie, das heißt, weg vom alten Front National-„Image“, nicht streng befolgt wird. Selbst eine Namensänderung wurde bereits angedacht. Vor allem geht es gegen Widerstandsnester in der Partei: Vergangenen Sommer sollen dutzende Funktionäre ihres Postens enthoben, hunderte Gemeinderäte  zurückgetreten oder ausgewechselt worden sein. Medien sprachen von einem „Blutbad“ im Funktionärskader.

Es rumort unterirdisch, aber man hält, den Sieg vor Augen, noch zur Partei. Kennt man ja aus anderen Parteien. Einen der Verantwortlichen für die neue Linie sieht die mit der alten Linie liebäugelnde Fraktion in dem „Gaullisten“ Florian Philipott (als Polit-Stratege auch einer der Vizepräsidenten)), der sich Ende 2016  als Schwuler geoutet hat, was  Marine jetzt Stimmen aus der Schwulenszene sichern dürfte, ihr aber von Gegnern innerhalb der Partei Häme einbringt.

Wie gesagt, es rumort. Einer der Mitbegründer des Front National, Jacques Bompard, Bürgermeister von Orange und jetzt Mitglied der  rechten Gruppierung „Ligue du sud“, wirft Marine Le Pen vor, sie sei gegenüber dem Islam zu kompromissbereit (wettert nur gegen den Islamismus, Anm.), wenn sie meine, es bestehe keine Gefahr für Frankreich und  es fände kein Bevölkerungsaustausch statt;  außerdem, so Bompard, stehe sie wirtschaftlich und sozial zu weit links. Ein Thema auch in Schwesterparteien des Front National  und bestimmt einer näheren Befassung wert.

Das rechte Journal „Rivarol“ unterstellte Marine gar einmal, sie sei Sklavin der zionistischen Lobby. Es wird dabei vergessen, das Jean Marie Le Pen bereits vor ihr Kontakte zu den Zionisten suchte, ehe er für diese mit seinem Sager vom „Detail der Geschichte“ (Gaskammern) den Bogen offensichtlich überspannt hatte. Aber Fakt ist, auch seine Tochter kann diese bestimmte Seite nicht ignorieren, wobei in der Sache ihr Lebensgefährte  Louis Aliot  sowie  ihr Sicherheitsberater, ein überzeugter Zionist,  aktiv tätig sind.

Ihres Vaters  Missgeschick wird Marine Le Pen nicht so schnell widerfahren, obwohl sie zuletzt für die offensichtlich auch in Richtung FN-Kernwähler gedachte Aussage, Frankreich sei für die Deportation der Juden nicht verantwortlich, harsche Kritik einstecken musste. Französischen Kindern werde beigebracht, sich nur an die „dunkelsten Aspekte“ der Geschichte des Landes zu erinnern, meint sie. Kommt uns irgendwie bekannt vor.

Die in den bürgerlichen Salons sich zu Hause fühlende Marine Le Pen ist natürlich keine Ausländerfeindin, zu der sie von unseren Medien gestempelt wird. Sie hat nie gesagt „Ausländer raus“, wie dieselbe Journaille glauben lassen möchte. Dass sie widersprüchliche Aussagen macht, kann aber gesagt werden.  Marine deshalb eine Rechtsextreme?  In manchen seiner Stellungnahmen ist ihr linkes Gegenüber, Melenchon, entschieden radikaler, und der wird doch auch nicht als Extremist gehandelt. Eher nähert sie sich wie Trump, dem sie etwas nacheifert, auch dem  „Establishment“ an.

Gegen die erwähnten Unterstellungen sprechen auch Aussagen wie: sie ärgere sich zutiefst, wenn jemand den Holocaust relativiere, jeder wisse, was in den KZ geschah, es sei die Barbarei gewesen. Auch meint sie, es gäbe keinen Unterschied zwischen Franzosen mit Migrationshintergrund und Bio-Franzosen, und die Einwanderung sei unumkehrbar. Unumkehrbar würde damit aber mit einer Präsidentin Marine doch auch der „große Austausch“. Und der von ihr beschworene „Herr im eigenen Haus“  hätte  danach mit den Franzosen von heute außer der Sprache nur mehr wenig gemeinsam.

Könnte man sagen, Marine le Pen einmal gewählt, wäre dann trojanisches Pferd und Präsidentin von Frankreich zugleich? Eine Horrorvorstellung für viele ihrer Wähler, gewiss, und der 23.April daher ein Schicksalstag für die Grande Nation, so oder so. Interessant wird es jedenfalls. Ob dazu die von ihr und ihrem „Team“ eingeleitete Neuausrichtung des Front National für einen Erfolg beim ersten Durchgang der Präsidentenwahl reichen wird?  So weit hatte es übrigens ihr Vater (einst der „Mann ihres Lebens“) schon einmal geschafft, und zwar 2002.

Erschwerend für Marine Le Pen  könnte sich jedoch erweisen, dass der dynamischer und frischer wirkende Melenchon ihr mit seiner ablehnenden Einstellung zu EU und Euro bei linken Wählern, die deshalb den FN gewählt hätten, gehörig Wasser abgraben könnte. Allerdings wird  derselbe Populist mit linksradikalen Forderungen etwa zu Einkommensbegrenzung und Verstaatlichung und mit seinen Sympathien für weitere Einwanderung, wofür er zwar die Muslime gewinnen dürfte, nicht wenige Franzosen abschrecken.

Für beide, Marine le Pen  und Jean-Luc Melenchon, wie auch für die anderen Kandidaten, geht es jetzt darum, noch schnell die vielen Unentschlossenen zu gewinnen. Da alle Kandidaten  ziemlich nahe beieinander liegen, könnte man meinen, die Entscheidung an diesem Sonntag hänge an einem seidenen Faden. Mit Blick auf den zweiten Durchgang darf aber angenommen werden, dass sich bis dahin die  Mitbewerber  gegen Marine Le Pen verschworen haben werden. Sollte dennoch eine Frau in den Elysee-Palast einziehen, wäre das eine echte Sensation, doch niemand muss befürchten, Madame würde oder könnte  alle ihre 144 Wahl-Versprechungen wahr machen.

*Im Bretonischen: ein länglicher unbearbeiteter Einzelstein, der aufrecht gestellt wurde, umgangssprachlich also jemand, der gerade da steht und den nichts umwerfen kann.

Zum Thema

Marine le Pen im Interview: https://youtu.be/Lz6nDU0oo20

Jean Luc Melenchon per Hologramm: https://youtu.be/9hhDd3clPzo

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3 Antworten zu Im Schatten des Terrors: Eine Präsidentin Marine Le Pen für die Grande Nation?

  1. Uwe Ullrich schreibt:

    Interessanter und fundierter Beitrag, warten wir ab wie sich der parteinunabhaengige Waehler entscheiden wird, es ist die Zeit der Veraenderung.

  2. Jaro Ruanza schreibt:

    Man kann langsam zu der Überzeugung kommen,daß es besser sei
    seine Zeit mit Schwammerlsuchen im Wald zu verbringen,als sich mit tagespolitischen Themen herumzuärgern!

  3. Pingback: Marine Le Pen das trojanische Pferd für die Grande Nation | BildReservat der DenkmalnachBilder

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