Donald Trump – auch nur eine Marionette

Donald Trump –  même une marionnette                                                                              Donald Trump –  even juste a marionette

 

Mein Bauchgefühl hatte mir wieder einmal recht gegeben: The Donald hat es geschafft. Er wußte die Aufmerksamkeit der Medien wie auch der Wähler auf sich zu lenken und einen erheblichen Teil an sich zu fesseln. Die Selbstglorifizierung ist ihm gelungen. Zugegeben, mit sehr fragwürdigen Methoden. Aber, wie in der Geschäftswelt, in der es nicht minder brutal und unsittlich zugeht, zählt auch hier allein der Erfolg. Die Marke Trump wurde zum Äquivalent des Markenzeichens in der Industrie und im Handel. Auch wenn einige Populisten in Europa, auch schon linke, sich als Nachahmer betätigen, US-Amerika ist in dieser Disziplin  kaum zu schlagen. Politisches Affentheater als „business as usual“.

Aber was jetzt? Das Land der längst begrenzten Möglichkeiten befindet sich in  einigen wesentlichen Gebieten im Niedergang, wodurch ja die Stunde eines Populisten eingeläutet wurde. Populäre Sager gegen die „political correctness“, gegen TTIP* und das Clinton-„Establishment“ werden da aber nicht genügen. Nur damit wird Trump katastrophale soziale Umstände, ächzende Infrastruktur und eine 20 Billionen Dollar-Verschuldung nicht bewältigen können. Er hat zwar eine aus unterschiedlichen Globalisierungsverlierern zusammengewürfelte  Bewegung (noch) hinter sich, aber schon machen sich die mächtigen Puppenspieler bemerkbar, treten vor den Vorhang. Ein Intimus von Wallstreet und Soros, ein Goldman Sachs-Mann, soll Finanzminister werden, und Konzerne mit guten Kontakten zu Geheimdiensten  tun schon mal ihre Wünsche kund. Nebenbei auch schon Händchenhalten mit Exponenten des von ihm kritisierten „Establishments“.

Es ist gewiß nur eine Frage der Zeit, bis die US-Wutbürger wieder zu US-Frustbürgern werden. Oder gar zu Aufständischen?  Aber da hat  das System bereits vorgesorgt, genügend Särge stehen angeblich bereit. Könnte sich denn nicht das durch Trump repräsentierte System  eines Tages durch besondere Umstände genötigt sehen, eine Art Zwangsordnung einzuführen? Vielleicht sogar von der Mehrheit geduldet, denn immerhin besteht bei der Masse das Bedürfnis nach einer Autorität. Der Präsident könnte also als „Vater der Nation“ aufkommende Aggressivität und kritische Geister zu besänftigen versuchen. Eine gewisse Zeit ginge das wohl, aber dann käme die Rebellion anzunehmender Weise auch gegen den „Vater“.

So weit sind wir noch nicht. Derzeit hat Trump alle Hände voll zu tun, seine Kritiker nicht weiter zu reizen und der auf dem Fuße folgenden Ernüchterung seiner Anhänger durch populäre Maßnahmen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das kann er angesichts „der schrecklichen Gewalt der Tatsachen “ (Adalbert.Stifter) nur in dem er sich mit jenen verständigt oder, je nach dem,  verbündet, die zuvor Ziel seiner heftigsten Angriffe waren. Nicht daß inmitten des illusionistischen Polittheater-Spektakels dem Immobilienspekulanten Trump nicht auch das eine oder andere gelingen sollte, aber jene, die jetzt dessen Theatergewässer auf ihre Mühlen leiten möchten, sollten achtgeben, daß da nicht auch gefährliche Illusionen mitschwimmen.

Trump ist zwar kein Mann des Clinton-„Establishment“, aber er ist einer des Systems, und dessen Gralshüter achten darauf, daß die politische Mischpoche bei ihren unappetitlichen, aber dem Fortbestand des Systems nützlichen Rangeleien, nicht nur in Wahlzeiten,  die Interessen der Herren der Welt nicht gefährdet. The Donald mag unter dem Motto „great again“ sicher das eine oder andere gelingen, möglicherweise sogar eine Ausweitung des militärischen Engagements. Denn die zu erwartende Verschlechterung der ökonomischen und finanziellen Lage könnte auch eine bewußte weitere Destabilisierung im Ausland nach sich ziehen. An einen militärischen Rückzug der US-Amerikaner glaube ich derzeit nicht, ist aber auch nicht ganz auszuschließen.

Was bedeutete das alles für Europa, und erst recht, wenn The Donald mit Putin gut auskommen sollte? Würde man dann Peking als neuen Schutzherrn herbei bitten? Oder die Atommacht Israel? A propos: Netanjahu hat Trump nicht nur gratuliert, sondern auch davon gesprochen, daß er gemeinsam mit seinem „treuen Freund“ Donald die Freundschaft zwischen beiden Ländern zu neuen Höhen führen werde. Zu Netanjahus Israel Glanz und Gloria wollen ja auch jene europäischen Rechtspopulisten beitragen, die schon bisher die israelische Aggressionspolitik unterstützt haben. Die  kürzlich erfolgte  Ostküste-Mission freiheitlicher Spitzenfunktionäre muß natürlich nichts mit Netanjahus Erwartungen und freiheitlichem Trump-Fieber zu tun haben.

*Gegen Freihandelsabkommen wird er nicht wirklich sein, er möchte aber gewiß mehr für sein Land herausholen als es Obama vermochte.

Zum Thema

Oliver Janich: Trump und Logen  https://youtu.be/VYARedXZ6t4

 

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3 Antworten zu Donald Trump – auch nur eine Marionette

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Für eine Marionette halte ich Trump nicht. Ich würde einmal abwarten, was passiert. Wenn er sich als sogenannte Schutzmacht der EU zurückzieht. so kann das theoretisch die Gefahr in sich bergen, daß das Schreckgespenst der gemeinsamen EU-Armee einer Realisierung entgegenstrebt. Dagegen spricht, daß glücklicherweise die Mitglieder der EU nicht mit einer Stimme sprechen und ein Konsens kaum zu erzielen wäre. Das festere Anziehen der Daumenschrauben würde, so hoffe ich jedenfalls, für die EU kontraproduktiv sein. Diverse so bezeichnete Rechtspopulisten in Europa dürften intelligent genug sein, Trump nicht nachzuäffen, denn es ist ja das jeweils eigenständige Charisma, das Erfolg bewirken kann, alles andere funktioniert nicht,

  2. hjweber schreibt:

    Die Marionetten in Deutschland werden mit den Fäden aus Washington geführt und Washington hängt an den Fäden, die von den Eliten in den USA gezogen werden.
    Trump ist, wie alle Präsidenten der USA, nur ein Verschleißteil zwischen der Mechanik; wenn er nicht „mitzieht“ wird er zerquetscht.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  3. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Mögen auch die Spekulationen des Autors bezüglich der bereit gestellten Särge und der „Zwangsverwaltung“ sehr gewagt klingen: Im Grundsatz halte ich eine skeptische Reflektion des Trump-Wahlsieges für realistischer als die teilweise hysterischen Hymnen und Vorschußlorbeeren deutscher Globalisierungsgegner. Nicht nur das Finanzkapital (deren eindeutige Kandidatin verloren hat) zieht die Fäden an US-Politiker-Marionetten, sondern auch andere Globalisierungsfraktionen wie Rüstungsindustrie, Private Military Companies (schlag nach bei der nun opportunerweise umbenannten „Blackwater“-PMC und ihren unvorstellbaren Gewinnen im Irak) oder, oder, oder…

    Aus der Wahlniederlage von Frau Clinton zu schließen, dass das sorgfältig von sehr langer Hand geplante Mega-Projekt der Globalisierung verzögert oder gar gestoppt würde, halte ich ebenfalls für kühn.

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