Vom Zauber eines Neubeginns in Österreich und in Europa

De la magie d´un nouveau départ en Autriche et en Europe.                           About the magic of a new beginning  in Austria and in Europe

 

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“ heißt es bei Hermann Hesse. Es war vom österreichischen Vizekanzler wohl nur so hingesagt  und sein Herz im Sinne des Dichters nicht wirklich bereit für einen Neubeginn, als er anläßlich der  Präsentation des neuen Kanzlers im Parlament diese Worte* von Hermann Hesse ins Spiel brachte. Der angesagte Zauber dauerte  nämlich, und das nicht überraschend, nur wenige Wochen. Und schon droht wieder ein rot-schwarzes Erschlaffen, ja gar ein Ende der Zusammenarbeit der beiden alten Parteien. Die Flucht in Neuwahlen ist greifbar.

Aber immerhin locken zumindest den einen Koalitionspartner  bereits neue Bindungen  am blauen Horizont.  Aber auch da könnte einmal das Neue bald wieder entzaubert werden, denn es ist nicht „des Lebens“ (Hesse), sondern des Geldes Ruf  der für die mit Steuergeldern verwöhnte  Politikerklasse insgesamt nicht zu enden scheint. Und das seit langem, bemerkte doch schon T. E. Lawrence (Lawrence von Arabien) einmal, die Kunst des Regierens erfordere mehr Charakter als Verstand.  Das sollte  eigentlich nicht nur für österreichische Politiker endlich einmal Geltung haben, oder?

Letztere  Bemerkung ist durchaus angebracht, zumal ein erschlaffter, von diversen Lobby-Interessen besetzter parlamentarischer Geist auch in anderen europäischen Regionen jene sittlichen Grundsätze, die ein gerechtes und unbestechliches Regieren ermöglichen sollen, nicht mehr aufrecht zu erhalten vermag. Dringlicher denn je erschiene daher, daß in der  europäischen Politik Gesinnungsethik und Verantwortungsethik endlich ein Ganzes bildeten und in der Folge, das Vergeltungsprinzip, quasi als historische Last, aus der europäischen  Politik entsorgt würde. Und das, ehe die „Entdemokratisierungsversuche“** nicht gewählter Kommissare und Funktionäre in einem für lange Zeit gefestigten autoritären Regime enden.

Damit stehen wir aber vor einer der grundsätzlichen Fragen, von deren Beantwortung ein gelungener europäischer Neubeginn abhängen könnte. Werden sich noch rechtzeitig nationaler und europäischer Verantwortung bewußte Persönlichkeiten finden lassen, die, höheren ethisch-moralischen Anforderungen  gerecht werdend und  auf solidem europäischem Geistesgrund  stehend, sich von objektiven Erwägungen und nicht von Angst und Vorurteilen oder auch persönlichen Vorteilen leiten lassen würden?

Wenn ja, dann wäre alles Weitere an der Seite eines erwachenden Volkes schon erheblich leichter. Die Schlafwandler in Brüssel und sonst wo sind ja noch immer der Meinung, die Befriedigung der materiellen Bedürfnisse  lasse alle anderen dadurch zur Nebensächlichkeit werden und Volkes Zorn nicht aufkommen. Nun aber, angesichts hausgemachter Probleme und einer Vielzahl hereinbrechender Fährnisse, kommen Unterdrücktes und Verdrängtes  an die Oberfläche und melden sich erst einmal via „Populisten“ tagespolitisch zu Wort. Allerdings kommt von dieser Seite noch nicht wirklich großartig Visionäres, auch nicht Revolutionäres, aber immerhin neben Runderneuertem auch Erfrischendes da und dort.

Erfrischend genug, um nicht schon kurz nach einem Regierungseinzug zu verwelken? Die Erwartungen sind groß, zu groß vielleicht und Zweifel sind angebracht. Die Frage sei daher erlaubt: Sind denn diese Populisten, ob linke oder rechte, wirklich schon diejenigen mit genügend Begabung, Erfahrung, Charakter  und Strandfestigkeit die die hohe Kunst des Regierens auch in äußerst schwierigen Zeiten verstünden und damit aber auch neue Wege zur Verständigung in Europa ermöglichten? Hat diese nur zum Teil neue Politikerklasse im Sinne des vorher Gesagten erkannt, worauf es  in Zeiten wie diesen vor allem ankommt?

Nun sieht es zur Stunde  tatsächlich ganz danach aus, daß  Links- oder Rechtspopulisten unter für sie weiterhin günstigen Umständen die Macht, wenn auch nicht die absolute, erringen könnten. Sie würden dieselbe aber nur dann länger  innehaben können, wenn sie Gutes und nachhaltig Positives für ihr Land und unser Europa zu stiften vermöchten. Das setzt aber angesichts der  vielfachen Erschwernisse und Bedrohungen wie auch einer gesellschaftlichen Desorientierung insgesamt eben voraus, daß sie  die Autorität einer geistigen und sittlichen Kraft besitzen. Im kleinen Österreich wie im großen Europa, wo in manchen Regionen noch immer der Schatten eines unerledigten „Schlußstriches“ über allen Zukunftsaussichten liegt.

*Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“.

**Der Chefredakteur der Basler Zeitung, Markus Somm: „Bei der EU handelt es sich vermutlich um einen der gefährlichsten Entdemokratisierungsversuche seit dem Ancien Régime; eine Refeudalisierung war in Brüssel im Gang, wo ungewählte Kommissare und Funktionäre sich anschickten, unser Leben zu prägen und unsere Wirtschaft und Politik umzuformen…“

Zum Thema

Österreich: Kanzlerrede  ab Min. 1.16): https://youtu.be/33_3WmaIU-A

Nigel Farage nach dem Brexit im EU-Parlament: https://youtu.be/X7le5GPJpbE

Großer Austausch: Befund eines EU-Rechten:  https://youtu.be/J05Yoo4ad98

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4 Antworten zu Vom Zauber eines Neubeginns in Österreich und in Europa

  1. Isolde schreibt:

    In Brüssel sitzen sicher keine „Schlafwandler“. Das ist alles Täuschung! Es wird in der „hohen Politik“ schon seit langem nichts dem Zufall überlassen! Schon vor Jahrzehnten gab es Schriften, in denen darauf hingewiesen wurde, daß die Menschheit in drei Schritten unterdrückt wird: Die erste Unterwerfung geschah durch das Priesterkönigtum, die zweite durch das säkulare (weltliche) Kaiser-/Königtum (mit Christentum und anderen materialistischen „Religionen“ als Stütze; das christliche Kreuz bedeutet angeblich: „Wende dich hin zum Materialismus!“). Napoleon wird von Freimaurern als der letzte „echte“ Kaiser angesehen. Die dritte (und härteste) Form der Unterdrückung ist der sogenannte „Wirtschaftsimperialismus“. Wir erleben jetzt also das Ende einer langen Entwicklung.

    Das „Volk“ hat zu den „Populisten“ eine ganz andere „Beziehung“ als zu den abgehobenen „Altparteien“. Das „Volk“ weiß, daß Politiker auch nur Menschen sind, und gerade die „Populisten“ zeigen auch ihre menschlichen Seiten. Deshalb werden sie gewählt und sind beliebt. Das „Volk“ steht hinter ihnen und stützt sie, so gut es geht. So sollte „Politik“ in Wahrheit ja auch sein: ein Gemeinschaftswerk aller Beteiligten, wo jeder seinen freiwilligen und individuellen Beitrag leisten kann! (Die Vertreter der „Altparteien“ wirkten immer schon wie ferngesteuerte Marionetten mit maskenartigen Gesichtern.)

    Zu den Hintergründen des „Brexit“:
    Brexit: Das British-Empire schlägt zurück!
    https://lupocattivoblog.com/2016/06/30/brexit-das-british-empire-schlaegt-zurueck/
    Im Gegensatz zu dem, was die europäische Presse schreibt, ist die City of London von dem Brexit nicht unmittelbar betroffen. Ihrem ungewöhnlichen Status als unabhängiger Staat unter der Autorität der Krone zufolge, war sie nie ein Teil der Europäischen Union. Natürlich wird sie nicht länger Firmensitze bestimmter Unternehmen beherbergen können, die sich in die Union zurückziehen werden, aber sie wird die Souveränität von London verwenden können, um den Markt für den Yuan zu entwickeln. Bereits im April erhielt sie die erforderlichen Berechtigungen durch die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit der Zentral-Bank von China. Darüber hinaus sollte sie ihre Aktivitäten als Steueroase für Europäer entwickeln.

    • Corinna schreibt:

      Die menschliche Seite der Populisten ist, daß sie ihre vorgeblichen Ideale bloß im Munde führen um materielle Vorteile zu ergattern, die sie im normalen leben nie genießen könnten. Was sie vielfach auszeichnet sind Eitelkeit, Heuchelei und ein großes Mundwerk. Von Uneigennützigkeuit weit und breit keine Spur.

  2. Karamba schreibt:

    Geben wir uns keinen Illusionen hin, die Zeit der großen Politiker-Persönlichkeiten ist vorbei. Helmut Schmidt war einer der letzten, und jetzt kommt lange nichts. Was wir heute sehen ist ein müder Abklatsch einer vergangenen Epoche. Selbstdarsteller und Marionetten, mehr kann von diesem System heute nicht mehr aufgeboten werden.Es sei denn, Flaschen werden von ihm absichtlich nach vorne gebracht.

  3. Karlo schreibt:

    Die „Entdemokratisierungdsversuche“der EU fallen nur Dorfdeppen und System-Spitzenpolitikern nicht auf.

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