Man möchte Bundespräsident(in) werden…

On voudrait devenir Président(e) de la République                                                       One would like to become a Federal President

Man habe als Österreicher die Politiker, die man verdiene, heißt es. Dann gewiß auch den passenden Bundespräsidenten. Dennoch fragt man sich nach zwei Amtsperioden eines Heinz Fischer, ob man diesem Amt überhaupt noch eine Zeile widmen solle. Hätte man nicht Besseres zu tun? Aber irgendwie hat man ja doch noch die Hoffnung, es könnte einmal eine außergewöhnliche und wirklich parteiunabhängige Persönlichkeit an die Staatsspitze gelangen.

Eine gewiße Mittelmäßigkeit ist ja gerade in der Politik längst unerträglich geworden, und da sollte ein Präsident doch einmal über das wenig berauschende Parteiniveau hinaus wachsen. Hofft man. Ansonsten könnte man das Amt ja eigentlich abschaffen. Gilt wahrscheinlich in gewißer Hinsicht auch für die Bundesrepublik Deutschland.

Nun bewerben sich für dieses höchste Amt in der bald Multikulti-Republik Österreich, vormals Deutschösterreich, eine Reihe von Kandidaten, davon fünf glauben, zumindest in eine Stichwahl zu kommen. Inwieweit diese und alle anderen Kandidaten mit jenen Fähigkeiten und Vorteilen ausgestattet sind, die ihnen von ihren jeweiligen PR-Beratern oder Wahlkampfleitern zugeordnet werden, wird sich auch hier erst nach deren Amtseinführung als richtig oder falsch erweisen.

Vorsicht ist jedenfalls bei langdienenden Parteipolitikern geboten. Je mehr Parteijahre diese  auf dem Buckel haben, desto gekrümmter kommen sie daher. Daher kommt es äußerst selten vor, daß so einer nach seinem Ausscheiden aus der Politik vermißt wird. So scheint es doch angeraten, in Zweifel zu ziehen, ob einem Parteiapparatschik im Präsidentenamt wieder ein solcher folgen solle.

Der eine, Andreas Kohl (74), wird als schwarzer Erzreaktionär und neuerlicher Befürworter einer schwarz-blauen Koalition gehandelt, sein rotes Gegenüber, Rudolf Hundstorfer (64), als Gewerkschaftsbonze mit kleinen Wahrnehmungsschwächen* beschrieben. Beiden alten Schlachtrössern eilt in den Umfragen ein im Distanzierungsdilemma sich befindlicher Langweiler, Alexander Van der Bellen (72)**, auf und davon. Ja der Rote und der Schwarze müssen sogar einer „unabhängigen“ Kandidatin, Ex-Richterin Irmgard Griss (69), ebenfalls im Pensionsalter, erst einmal den Vortritt lassen.

Als letzter noch ernst zu nehmender Kandidat möchte ein Freiheitlicher, Norbert Hofer (44), die Szene wenigstens aufmischen, altersmäßig ist ihm dies zumindest einmal gelungen. Jedoch wird dem sympathischen, mit vorbildlichen Aussagen nicht geizenden Blauen ein gewißes Glaubwürdigkeitsdefizit nachgesagt.***
Im Übrigen wird in diesem Zusammenhang das Argument, es müsse ein Jüngerer her, wobei die „Alten“ damit nicht selten herab gemacht werden, gerade durch den Zuspruch, den in den USA ein Bernie Sanders (74) von der Jugend bekommt, stark entkräftet.

Das könnte sogar jenem bunten Vogel, Richard Lugner (83), zugute kommen, der im letzten Augenblick noch auf den Wahlkampfzug gesprungen ist und besonders dem blauen Kandidaten die eine oder andere Stimme „ablugnern“ könnte. Damit dieser Wahlkampf keine staubtrockene Angelegenheit wird, dafür wird der Hans Dampf in allen „Society“-Gassen schon sorgen.

Kurz und gut, es wird möglicherweise spannend, eine kostspielige Belustigung auf jeden Fall. Dennoch, wie immer es ausgeht, es wird innenpolitisch voraussichtlich so bleiben, wie es heute eben schon ist: lähmend und polarisierend. Und es wird wohl auch morgen oder übermorgen nicht einmal eine Abstraktion jenes Ideals, wie es Platon seinen Lehrer Sokrates im Dialog sagen läßt, in Sichtweite des Präsidentenamtes kommen. Nämlich, daß entweder Philosophen Könige oder Könige Philosophen werden sollten.

Eigentlich nicht wirklich vorstellbar, daß Macht und Philosophie im Zeitalter von „Shareholder Value“ und “Showtime“ noch zusammenkommen. Unvorstellbar, daß der Geist überragender Genies auf dem Gebiet der Staatskunst vergangener Jahrhunderte oder Schriftsteller und Dichter wie sie Stefan Zweig in seinem Werk „Baumeister der Welt“ vorzustellen wußte, das Denken und Schaffen eines heutigen Politikers noch als Vorbild und Anregung dienen könnten. Die heutigen „Baumeister“ gleichen eher Stümpern. Wir werden es deshalb auch in nächster Zukunft nur mit Verwaltern des Stillstandes und des Chaos zu tun bekommen.

*Im Zuge der BAWAG-Affaire halste er, der Kandidat aus einfachen Verhältnissen, den ÖGB-Aktionären Verbindlichkeiten in Höhe von 1,53 Milliarden Euro der BAWAG-Bank auf. Seine Rechtfertigung: „Ich wusste nicht, was ich da unterschrieb“. Als Bundespräsident könnte das noch viel teurer kommen.
**Trotz opportunistischer Abgrenzungsbemühungen Kandidat der Partei Die Grünen. Würde als Präsident einen Kanzler Strache nicht angeloben. Vielleicht eine Spur zu viel rotgrünem Demokratieverständnisses. Ob das einem ehrlichen Makler zwischen den Parteien dienlich sein würde?
*** Kandidiert als Behinderter für das Amt des Bundespräsidenten, obwohl er, abzusehender Belastungen wegen, Bedenken gehabt haben soll. Auch hatte er ein Jahr zuvor gemeint, er strebe das Amt nicht an und sei außerdem zu jung dafür. Ein Wankelmütiger demnächst im höchsten Staatsamt? 2013 hatte er, zum Beispiel, das Verbotsgesetz noch kritisch gesehen und noch mutig gemeint, „das Gesetz spießt sich mit der Meinungsfreiheit“. 2015 dann die plötzliche 180-Grad-Wende: „Man solle daran nicht rütteln“. Ausführlicher in der Tiroler Tageszeitung: „…Das NS-Verbotsgesetz ist wichtiger denn je. Nicht zuletzt durch die Völkerwanderung wird auch der Antisemitismus zum Problem. Und hier müssen wir wachsam sein. Ich wurde als erster Freiheitlicher in die Knesset eingeladen. Ich setze mich für die Renovierung der Synagoge in Kobersdorf ein. Bei mir gibt es nicht einen Hauch von braunem Gedankengut“. Interessant auch des Kandidaten Meinung im ORF-Interview zu Straches Aussage, Bundespräsident Fischer sei ein Staats- und Österreichfeind: „Man sollte Aussagen nicht so sehr einschränken. Viel wichtiger sei es, was einer tut und nicht, was jemand sagt.“ Das aber hatte er zuvor im Fall des verdienstvollen blauen Abgeordneten Werner Königshofer, dem er dessen Parteiausschluß kund tat, noch anders gesehen und gehandhabt.

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10 Antworten zu Man möchte Bundespräsident(in) werden…

  1. Schon Ludwig schreibt:

    Ob das einen Herrn Fröhlich freuen wird? oder es könnt mal ein Wunder geschehen, aber so gelesen, wird eine Begnadigung in weiter Ferne liegen.

  2. Waltraut Kupf schreibt:

    Ich halte es nicht für zweckmäßig, an dem einzigen Kandidaten herumzumäkeln, der ein Kontrastprogramm zu den vorübergehend als Patrioten getarnten linksliberalen EU-Freunden und Internationalisten vertritt. Es ehrt Hofer eher, daß er das Amt nicht angestrebt hatte, es ehrt ihn aber auch, daß er dann zu der Überzeugung kam, mit dieser Kandidatur dem Land dienen zu können. Es ist ein Unterschied, ob jemand infolge eines Nachdenkprozesses im Laufe der Zeit seine Ansicht zu gewissen Themen modifiziert oder ob man (wie van der Bellen) bewußt etwas vortäuscht, was den Tatsachen nicht entspricht. Was Köngishofer betrifft, so sympathisiere ich durchaus mit ihm, andererseits geht es auch darum, in einer Partei dem politischen Gegner keine Angriffsflächen zu bieten und allzu deftige Sprüche zu unterlassen. Das jedenfalls hat Hofer geschafft. In Anbetracht der anstehenden Probleme sollte man andere Sorgen haben, als Fragen eines Steinzeitantisemitismus aufzukochen. Natürlich kann man tiefschürfende historische, philosophische und sonstige Überlegungen anstellen, jetzt geht es aber darum, pragmatisch zu sein. Und wenn ich mir die Invasion der Leute ansehe, die Ben Carson mit tollwütigen Hunden verglichen hat (etwas über das Ziel geschossen), so geht es vorerst einmal darum, hier (etwa durch Aufwertung des Bundesheeres) entgegenzuwirken. Hofers Behinderung als Hindernis für die Amtsausübung zu sehen halte ich für völlig unberechtigt. Roosevelt saß im Rollstuhl, Schäuble tut das noch. Und Obama springt zwar elastisch die Treppen hinauf und hinunter, gilt aber politisch als „lame duck“. Ich wünsche Hofer viel Erfolg.

    • Helmut Müller schreibt:

      Wer als Kontrapunkt zu allen anderen auftritt, muß es sich gefallen lassen, daß er gerade deshalb genauer unter die Lupe genommen wird. Und da kommt Wesentliches zum Vorschein, so daß sich sagen ließe, zumindest die vier Herren unterschieden sich in letzter Konsequenz nur in den Farben. Dazu bedürfte es keiner besonderen Tiefenschürfung,.
      Im Übrigen finde ich es unfair, daß Strache deftig sein darf, so viel und so oft er will, während ein anderer deshalb die Partei verlassen muß. Doch hat Letzterer immerhin das Privileg, nicht sagen zu müssen: „Ohne Partei bin ich nichts!“.

      • Waltraut Kupf schreibt:

        Es gilt jetzt, sich mehr mit der Gegenwart zu beschäftigen als mit der Vergangenheit. Die Behauptung, die Kandidaten würden sich nur in den Farben unterscheiden, finde ich etwas kühn. Beschränkt man die Funktion des Bundespräsidenten nur auf die eines Grüßaugust, so mag es gleichgültig sein, wer in das Amt kommt. Denkt man aber an die Ausschöpfung aller Möglichkeiten des Amtes, so liegen da Welten dazwischen. Der hoffentlich gewürdigte Unterschied zwischen einer nationalstaatlichen Gesinnung und der Liebedienerei gegenüber Berlin, Brüssel und Washington ist hier ausschlaggebend. Die Nennung eines vielversprechenderen Kandidaten würde der Argumentation mehr Überzeugungskraft verleihen, in Ermangelung eines solchen wird das Fehlerfinden mehr oder weniger obsolet. Auch an Strache gab es Verschiedenes zu kritisieren, dennoch gibt es jetzt eine Rechtsfraktion in Brüssel, und Strache wird neben Marine Le Pen (zu der mir auch Nachteiliges einfällt), als am erfolgreichsten betrachtet und wird wohl auch in anderen Ländern als beispielgebend betrachtet werden. Das könnte letztlich der Europäischen Union den Todesstoß verpassen. Ansonsten: niemand ist vollkommen..

      • helmut mueller schreibt:

        Ich schrieb, in letzter Konsequenz. Will heißen, daß die Absichten und Handlungen der gemeinten Herren Kandidaten ausschließlich für ihre Partei und natürlich für sie selbst uneingeschränkt nützlich oder befriedigend sein sollen. Da können Werte und Tugenden der Vergangenheit, wie Ehre, Haltung, Charakter schon einmal stören und gerade noch über die Lippen kommen. So weit, so pragmatisch. Das ist Gegenwart, wer damit widerspruchslos leben kann, es sei ihm vergönnt, er wird aber dann auch in Zukunft mit Politik „as usual“ vorlieb nehmen und auch den Gemeinsinn, ja, schon wieder etwas Vergangenes, vergessen müssen. Es ist schon klar, daß keine Partei dieses Systems gerne Kritik hört, aber zu den Wiederkäuern und Duckmäusern habe ich nie gehört, und da sind Drohungen und Verleumdungen oder Druck auf Dritte aus einer bestimmten Ecke kein geeignetes Mittel mich nachsichtiger zu stimmen.
        P.S. A propos „Liebdienerei“, hatten Sie da nicht etwas bzw. jemanden übersehen?

  3. Waltraut Kupf schreibt:

    Ehrlich gesagt, ich stehe jetzt auf der Leitung und kapiere nicht ganz, worauf Sie anspielen. Ich habe anscheinend gewisse Informationen nicht, die Sie wahrscheinlich haben. Zusammenfassend möchte ich sagen, daß es eine für mich maßgeschneiderte Partei derzeit nicht gibt. Das waren für mich seinerzeit die VGÖ, denen es aber wegen eines ungeeigneten Frontmannes nicht gelang, ins Parlament zu kommen. Das Programm von Stadler gefiel mir ebenfalls gut (ebenso wie es mir nicht gefiel, daß Hofer dem Vernehmen nach die christlichen Werte aus dem Programm genommen hat), aber was hilft der schönste Idealismus, wenn man damit auf der praktischen Ebene nichts bewirken kann. Es wird auch nichts bewirken, wenn ich z.B. den Kandidaten der EU-Austrittspartei wähle (was meiner Überzeugung entsprechen würde). Ich habe auch CPÖ nicht gewählt (obgleich das grundsätzlich richtig gewesen wäre), weil abzusehen war, daß nichts dabei herauskommen würde. Hofer ist für mich jedenfalls unter den gegebenen Umständen die beste Wahl. Wenn nur – um Gottes Willen – kein van der Bellen kommt.

  4. Siegfr. Eder schreibt:

    B’präsident ? – Ja, aber nur im Nebenamt – und nur für 1 Jahr. Dann Neuwahl durch National- und Bundesrat. (Ohne Möglichkeit einer sofortigen Wiederwahl.) – Wir brauchen keinen hauptberuflichen Händeschüttler mit 80 Angestellten in der kaiserlichen Hofburg der Häuplstadt.

  5. Jaro Ruanza schreibt:

    Nimmt man diese Wahl ernst,so könnte diese durchaus Hofer heißen.Allerdings ist es unter den gegebenen Umständen nicht leicht diese Bundespräsidentenwahl wirklich ernst zu nehmen.Schließlich nehmen die Politiker die Bevölkerung ja auch nur ernst wenn es um Wahlen geht!
    Die Verlockung einen „Kasperl“ zu küren ist demnach bei manchen Zeitgenossen nicht gering,wiewohl man getrost annehmen kann,daß es dieser nicht schaffen wird. Jedenfalls würde ein solcher Kandidat endlich zum Ausdruck bringen was heutzutage von diesem Amt noch zu halten ist!

  6. Karl Malden schreibt:

    Möchte man wissen, vom wem man beherrscht wird, schaue man bloß, wen man nicht kritisieren darf, soll Voltaire gemeint haben. In diesem Fall auch nicht deren politische Vasallen.

  7. F.M.Palla schreibt:

    Zum Thema BP-Wahl und geeignete Personen habe auch ich schon vor
    einiger Zeit Überlegungen angestellt, die ich in der Beilage, in gereimter
    Form, zu Papier gebracht habe. Diese Zeilen habe ich schon im Vorjahr
    beginnend versucht als Leserbrief in sämtlichen „besseren“ Tageszeitungen
    des Landes und anderen „Schnittstellen“ unterzubringen“, was trotz einiger
    Belobigungen leider nicht gelang, vermutlich weil man es sich nicht mit den
    dahinterstehenden Promotoren verscherzen wollte.

    Gerne stelle ich auch Ihnen den gereimten Leserbrief für eine „Appetit anregende“
    Veröffentlichung zur Verfügung; auch wenn Franz Voves von der SPÖ kommt,
    hat er immerhin Format bewiesen, es sich auch mit der Zentrale in Wien in
    der „Flüchtlingsfrage“ angelegt und vor drei Jahren mit Kollegen Schützenhöfer
    der Neuverschuldung des Bundeslandes ein zumindest vorläufiges Ende bereitet.

    Bundespräsidentenwahl 2016

    Gerätselt schon die längste Zeit
    wer kandidiert, geeignet noch,
    bezweifelt ob der Fähigkeit,
    Persönlichkeit zu schmal? – und doch!

    Da gab’s doch kürzlich einen Mann
    aus Politik, sein Wort gehalten,
    Ziel knapp verfehlt, trat nicht mehr an
    – der Franz –
    „ein andrer Steirer mög‘ nun walten“.

    Hätt’s da nicht auch an Dringbedarf
    für_an Franz den d’Leut a_gleich verstehn,
    erfahren, worttreu, Auge scharf –
    und das für d’Jahr ab zwanzigsechzehn?

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