Wien hat gewählt – eine Nachlese

Vienne a choisi – un glanage
Vienna has chosen – a checking up
„Storyteller“ statt Visionäre, Exhibitionisten statt Staatsmänner, Leerfloskeln statt zukunftstaugliche Inhalte, reihenweise Versprechen, doch Verantwortungsethik kleingeschrieben. Kürzlich auch im Wiener Wahlkampf. Wer in dieser schwierigen Zeit nach großen, neuen Ideen und selbstlosen Verantwortungsträgern suchte, fand reichlich alte Kamellen und narzißtische Aufgeblähtheit. Aufmerksamkeit erregen ist alles, Politik als „Show“ ein Muß. So standen denn auch bei diesem Wahlgang nicht überragende inhaltliche Alternativen oder überzeugende Problemlösungsansätze, sondern, den Ernst der Lage verkennend, eitle Rollenträger und die eine oder andere gelegentlich von Hirngespinsten befeuerte Politikerdarstellerin im Vordergrund.

Was den Wiener Bürgermeister bisher besonders auszeichnete, ist ohne Zweifel sein Talent gut zwei Jahrzehnte am Sessel zu kleben, ohne daß dieser unter seiner Last zusammenbricht. Wenn man mehr auf die Hand bekommt als der Pariser Bürgermeister oder Präsident Obama, so mag das eine Erklärung dafür sein, nicht die einzige. Vielleicht liegt es auch daran, daß die Personaldecke seiner Partei so dünn ist. Dennoch war es wohl Häupls letztes Rennen, auch sein letztes Duell mit Strache, dem die Lust auf ein solches eigentlich vergangen sein sollte. Daß der Stadtchef in Siegerlaune beide Arme mit geballten Fäusten in die Höhe streckte, dürfte weniger für Erstaunen gesorgt haben, als die Tatsache, daß des Bürgermeisters Hände für einen kurzen Augenblick nichts in dessen Hosentaschen zu suchen hatten.

Wie die meisten alten Parteien hat auch die sozialdemokratische ihrer Stammklientel nicht mehr viel zu sagen. Und umgekehrt auch nicht. Das allein ist natürlich nicht der Grund, warum man sich jedem dahergelaufenen Migranten an die Brust wirft. Es bietet sich ja dabei wenigstens die Gelegenheit sein eingebildetes Monopol auf Mitmenschlichkeit in Erinnerung zu rufen. Daß diese Tugend sich normalerweise auf den Nächsten und nicht auf den Fernsten beziehen sollte, kommt eben bei den eigenen Leuten, die sich dadurch vernachlässigt fühlen, nicht so gut an.

Erwartungsgemäß fand denn auch die Tatsache, daß lange vor der aktuellen Illegalen-Invasion ein bereits existierendes Unbehagen an der Basis herrschte, kaum Beachtung in der Rathauspolitik. So wenig wie die Tatsache, daß dem eigenen „kleinen Mann“ immer weniger im Geldbörsel bleibt, indessen rote Parteifunktionäre den Rachen nicht voll bekommen können und exotische Zuwanderer auf besondere Häupl-Zuneigung hoffen dürfen. Daß die Integration in Wirklichkeit nicht stattfindet, nicht mehr stattfinden kann, wird geflissentlich ignoriert, doch immer mehr Wähler sind die Leidtragenden dieser Ignoranz.

Über das Abschneiden und den Zustand der einst staatstragenden Österreichischen Volkspartei hier ein Wort zu verlieren, wäre fast schon Luxus. Nur soviel: Jeder bekommt, was er verdient. Diese Erfahrung werden andere Parteien in Zukunft gewiß auch noch machen. Vorerst aber werden die beiden mit unterschiedlichem Minus davongekommenen mehr oder weniger programmatisch ausgelaugten Regierungsparteien versuchen, sich für die nächste Nationalratswahl neu zu positionieren. Angesichts nicht enden wollender Konflikte samt Flüchtlingswellen und eines Unheil versprechenden wirtschafts- und währungspoltischen Horizonts sowie zunehmender sicherheitspolitischer Gefahren wird von Rot und Schwarz außer Augenauswischerei nichts Rettendes mehr zu erwarten sein.

Ob die bisher die Gunst der Stunde nutzende freiheitliche Parteiführung dann besser zu Rande käme? Sollte deren Programm aber wieder nur Strache heißen, könnte es auch für die Blauen insgesamt enger werden. Derselbe Strache wie bisher wird es daher nicht mehr sein können, das ihm auferlegte Image aber zu wechseln, bedeutete andererseits eine große Gefahr. Es ist doch eine altbekannte Tatsache, daß es leichter ist ein Markenimage zu schaffen als es auszuwechseln. Schon die vor der Wahl inszenierte staatsmännische Pose war alles andere als glaubwürdig. Der Star fiel eindeutig aus seiner Rolle, in die er zwar bald wieder zurückfand. Immerhin lebt ja Strache schon – Haider nicht unähnlich, aber doch unter günstigeren Bedingungen als dieser – als Gefangener seines eigenen, wenn auch dürftigeren Mythos. Ein Dilemma.

Bei weiterem Verlust der Echtheit, Abwärtstendenz garantiert. Kein Größeres Verhängnis, als nicht zu wissen, was und wann genug ist, wußten schon die alten Chinesen. Und steht sogar in der vielleicht auch Strache bekannten Edda. Leicht vorstellbar, daß einmal eine freiheitliche Persönlichkeit wie der neue Bürgermeister von Wels eine Alternative an der Spitze der Partei wäre. Wenn auch die Rosen, die diesem von gegnerischer Seite bereits gestreut wurden, nämlich: beruflich erfolgreich, gebildet, umgänglich, aber prinzipientreu, diesem innerparteilich nicht unbedingt hilfreich sein könnten. Besitzstandwahrer spitzen sicher bereits die Ohren. Aber letztlich hängt es im gesamten gesehen doch davon ab, welche Rolle die Partei in Zukunft selbst spielen will, weiter eine systembewahrende oder eine dieses und damit auch die EU überwindende. Daß Parteien herkömmlichen Musters in Zukunft noch eine große Rolle spielen werden, ist längst fraglich geworden.

Nun ist dies aber eine Frage, die auch die ins Minus gerutschten „weltoffenen“ Grünen betrifft und diese ebenfalls in eine Zwickmühle bringen könnte. Wie bei den Freiheitlichen, wo einige Strache etwa in der Asylfrage zu wenig Härte vorwerfen, sind auch bei der rotgrünen Sekte nicht mehr alle mit einer „zu gemäßigten“ Führung zufrieden. Vom Altrecken Peter Pilz kommt jetzt der Ruf nach mehr Linkspopulismus, die Erfolge der Genossen in Griechenland wie auch die regen Aktivitäten der Linken in Spanien machen anscheinend Appetit auf wieder mehr originär linkes Gedankengut in Grün. Es ist ja sicher frustrierend, bloß weiter als sich selbst verleugnende Mehrheitsbeschaffer-Partei dahinzugrundeln und dabei den blauen Lieblingsfeind irgendwo in der Ferne entschwinden zu sehen. Womöglich in eine Regierungsverantwortung auf Bundesebene.

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6 Antworten zu Wien hat gewählt – eine Nachlese

  1. Waffenstudent schreibt:

    (Wahlbetrug) Geht eigentlich ganz einfach.

    Nach der Wahl gibt der Wahlbüroleiter, der alleine ist, falsche Zahlen an den Wahlleiter durch;
    vorher werden ein Entwurfsprotokoll und das endgültige Protokoll vom Büroleiter und den Helfern blanko unterzeichnet, alle wollen ja heim nach der Auszählung; das Entwurfsprotokoll wird ausgefüllt, dabei wird logischerweise rumgeschmiert usw, und wenn alle gegangen sind überträgt der Büroleiter die Zahlen in Reinschrift in das endgültige Protokoll und gibt die telefonisch durch; dann verschwindet alles versiegelt in der Urne und keiner fragt nach; es fällt nur auf, wenn einer den Entwurf mit dem Handy abfotografiert hat.

    Wesentlich sind zwei Funktionen bei der Bestellung des Wahlvorstands:
    Büroleiter und Schriftfüher müssen der gleichen Partei angehören, und schon läuft es bei großer krimineller Parteitreue!

    Mann so was von einfach, wenn man das macht.

    Wie man das kontrolliert? in jedes Wahlbüro darf jeder bis zum Scluß rein; aber nicht ins Büro der Wahlvorstands wo das Telefon steht. Also dort vorher die Blankoprotokolle mit den Unterschriften fotografieren und dann das Entwurfsprotokoll mit den Zahlen und den Unterschriften (Wahlvorstand und Schriftführer); und am nächsten Tag die Ergebnisse je Wahllokal kontrollieren anhand der Zeitungsausdrucke.

    Das als Hilfestellung auch für die Hartgeldler und die Blödiane der FPO, die ja alles anzweifeln, aber nichts wissen UND NICHTS MACHEN

    Und der Wahlbüroleiter ist sicher fast immer von der SPÖ.

    Quelle: Hartgeld.com: Leserkommentar-DE:

  2. Waltraut Kupf schreibt:

    Meine Bilanz der Wien-Wahl ist etwas optimistischer. Das Programm der FPÖ heißt keinesfalls nur Strache, sondern dieser ist die publikumswirksame Gallionsfigur für Bestrebungen, die jedenfalls dem rot-grünen Establishment zuwiderlaufen. Es wurde immerhin eine Sperrminorität erzielt, die Änderungen der Stadtverfassung (also z.B. das Ausländerwahlrecht) blockieren und Untersuchungsausschlüsse einleiten kann, weiters ein blauer Vizebürgermeister (wenn auch ohne Ressort), dem zwar blanke Häme entgegenschlägt, der aber dennoch indirekt einiges bewirken kann (Schwerpunkt unklare Rechtsverhältnisse zwischen Bund und Land) und bisher durch gute Kontakte mit Moskau aufgefallen ist. Ich traue ihm Redlichkeit und Charakterfestigkeit zu, wenn vielleicht auch seine Publikumswirksamkeit noch Spielraum nach oben hätte. Wenn seine Performance gut ist, so könnte ja er der nächste Bürgermeister werden, wenn es tatsächlich so sein sollte, daß Strache die Lust dazu vergangen ist, was nicht erwiesen ist.

    Eine Änderung der Situation wird sich wohl ergeben müssen. Häupl verdankt seinen Erfolg dem Umstand, daß er als der Ur-Weaner samt Reblaus, Schmäh, Grantlerei etc. herüberkommt, was allerdings in krassem Widerspruch zu seiner Ausländer-rein-Attitüde mit Bevölkerungsaustausch steht, sodaß seine Glaubwürdigkeit langsam aber sicher schwindet. Dazu kommt das Dilemma mit den Grünen, deren Verkehrspolitik und noch stärker ausgeprägte Willkommenskultur samt Notwendigkeit der Stadtverdichtung und des Hochhausbaues Häupl im Innersten vermutlich für hirnrissig hält, auch haben die Grünen ihr Gesicht durch den Rücktritt vom Rücktritt Vassilakous stark beschädigt. Noch dazu ruft Pilz zum Wechsel der Inhalte von von Bio und Öko auf beinharte linke Gesellschaftspolitik auf, was das Wählerpotential der Grün wählenden sentimentalen Hofratswitwen eher wegfallen ließe, nur werden die nicht so schnell kapieren, was hier eigentlich gespielt wird, obgleich es sich seit Jahren anbahnt, ja eigentlich schon lange offensichtlich ist. Was tun? spricht Häupl. Macht er weiter wie gehabt, so wird das spätestens bei der nächsten Wahl die Stadtregierung von den Sesseln kippen. Schwarz will sich nun aber neu positionieren. Dann wird es auch mit denen nicht funktionieren, weil einfach nicht kompatibel. Oder Schwarz fällt um und wirft sich unter Freudentränen neuerlich den Roten in die Arme. Dann wäre wieder Zeit geschunden, nur gibt´s dann die Schwarzen das nächste Mal nicht mehr Die Neos spucken große Töne, nur weiß man nicht, was sie wollen, es sei denn mitregieren. Ergo sind sie zu vernachlässigen.

    Der Bundespräsident wirkt im Fernsehen vergrämt. Allein das (soferne es sich auf die Lage der Nation bezieht) würde ich als gutes Zeichen werten.

  3. Waffenstudent schreibt:

    Auf Rechtskurs 12.10.2015

    WIEN/BERLIN (Eigener Bericht) – Mit dem Wahlerfolg der ultrarechten FPÖ am gestrigen Sonntag in Wien schreitet der Aufstieg der äußersten Rechten in der deutsch dominierten EU voran. Die FPÖ hat mit 31 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis in der österreichischen Hauptstadt erzielt und setzt damit ihre Erfolgsserie aus anderen Bundesländern fort. Rechtsaußen-Parteien erstarken in einer ganzen Reihe weiterer EU-Staaten. In Ungarn liegt die faschistische Jobbik bei 26 Prozent. In Frankreich würde Marine Le Pen (Front National), die einem aktuellen Gerichtsurteil zufolge Faschistin genannt werden darf, bei Präsidentenwahlen zur Zeit die erste Runde gewinnen. In Dänemark toleriert die ultrarechte Dansk Folkeparti die Regierung; die Parteigründerin, der das Oberste Gericht des Landes schon vor Jahren eine rassistische Haltung bescheinigt hat, amtiert als Parlamentspräsidentin. In Finnland entstammt der Außenminister, der gemeinsam mit seinen EU-Amtskollegen die Brüsseler Außenpolitik gestaltet, einer Rechtspartei, zu deren Abgeordneten ein Politiker mit engen Beziehungen zu einer Organisation gewalttätiger Neonazis zählt. Schritt für Schritt gewinnt die äußerste Rechte auch in der Bundesrepublik an Stärke. Die Alternative für Deutschland (AfD), deren nationalliberaler Flügel die Partei inzwischen wegen ihrer Rechtslastigkeit verlassen hat, käme bei Wahlen heute auf sieben Prozent. Ein Führungsfunktionär ruft öffentlich mit Blick auf einreisende Flüchtlinge dazu auf, „das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin (zu) nehmen“.
    Bundesweit stärkste Partei
    Die ultrarechte Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) hat bei den Wahlen in Wien am gestrigen Sonntag einen neuen Höchststand erreicht und ist mit 31 Prozent zweitstärkste Kraft in der österreichischen Hauptstadt geworden. Damit setzt sie die Serie ihrer jüngsten Wahlerfolge fort. Bereits am 31. Mai hatte die FPÖ bei den Landtagswahlen im Burgenland ihren Stimmenanteil von 9 auf 15 Prozent steigern können; seitdem regiert sie dort in einer Koalition mit der SPÖ (german-foreign-policy.com berichtete [1]). Am selben Tag hatte die Partei bei den Landtagswahlen in der Steiermark von 10,7 auf 26,8 Prozent zugewinnen können. Am 27. September hatte sie ihre Erfolgsserie fortgesetzt und ihr Ergebnis bei den Landtagswahlen in Oberösterreich auf 30,4 Prozent annähernd verdoppelt. In Wels, der zweitgrößten Stadt Oberösterreichs, stellt sie künftig den Oberbürgermeister. Umfragen sahen die FPÖ schon im Sommer bundesweit auf Platz eins; 39 Prozent der Österreicher befürworteten damals eine Regierungsbeteiligung der Partei auf Bundesebene.[2] Experten sehen die FPÖ weiter im Aufwind. Er rechne auch für die Zukunft mit neuen Zuwächsen und könne „keinen Dämpfer“ erkennen, teilt der Politikwissenschaftler Peter Hajek mit.[3]
    Bei jungen Menschen die Nummer eins
    Das Erstarken der FPÖ ist in der deutsch dominierten EU keine Ausnahme. Tatsächlich haben in jüngster Zeit Kräfte der äußersten Rechten in einer ganzen Reihe von EU-Staaten weiter an Stärke gewonnen. Dies trifft unter anderem auf Ungarn zu. Während Ministerpräsident Viktor Orbán, dessen Fidesz-Partei gegenwärtig bei Wahlen auf rund 41 Prozent der Stimmen hoffen könnte, mit dem Bau von „Grenzzäunen“ und dem brutalen Vorgehen der ungarischen Repressionsbehörden gegen Flüchtlinge bis hin zum Einsatz von Pfefferspray von sich reden macht, käme die faschistische Partei Jobbik zur Zeit laut Umfragen auf 26 Prozent. Jobbik konnte im April bei Nachwahlen für das ungarische Parlament in Tapolca unweit des Plattensees erstmals ein Direktmandat gewinnen. Der Partei ist es bereits im Oktober des vergangenen Jahres gelungen, bei den Kommunalwahlen in 17 der insgesamt 19 ungarischen Komitate zur zweitstärksten Kraft zu werden; zudem stellt sie in 13 Gemeinden den Bürgermeister. Umfragen identifizieren Jobbik immer wieder als die bei Unter-30-Jährigen beliebteste politische Formation. Die Partei führt jedes Jahr am 16. November öffentliche Gedenkfeiern zur Erinnerung an den Einzug von Miklós Horthy in Budapest durch. Nach seinem Einzug in die Hauptstadt transformierte Horthy Ungarn in einen faschistischen Staat.
    In der ersten Runde vorn
    Ungebrochen steigende Popularität genießen auch der französische Front National (FN) und insbesondere seine Vorsitzende Marine Le Pen. Fänden in diesen Tagen in Frankreich Präsidentenwahlen statt, würde Le Pen Umfragen zufolge die erste Wahlrunde gewinnen und mit einem Vorsprung in die Stichwahl einziehen. Bei den Regionalwahlen im Dezember sehen Meinungsforscher Le Pen, die für den FN in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie kandidiert, sogar in der Stichwahl vorn – mit 39 Prozent vor dem Konservativen Xavier Bertrand (32 Prozent) und vor dem Kandidaten der Sozialistischen Partei (29 Prozent).[4] Einen Sieg für den FN bei den Regionalwahlen könnte laut Umfragen auch Marion Maréchal-Le Pen in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur erzielen. Marine Le Pen, die gefordert hat, Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Nordafrika zu deportieren, darf einem aktuellen Gerichtsurteil zufolge als Faschistin bezeichnet werden.[5]
    „Unsere Zivilisation“
    In zwei Staaten der nördlichen EU haben Rechtsaußen-Parteien bereits jetzt unmittelbaren Einfluss auf die Regierung. In Dänemark stützt sich eine Minderheitsregierung der rechtsliberalen Venstre auf die Dansk Folkeparti, die bei den Parlamentswahlen am 18. Juni mit 21,1 Prozent zur zweitstärksten Kraft geworden ist. Pia Kjærsgaard, Gründerin und langjährige Vorsitzende der Dansk Folkeparti, ist Anfang Juli zur Parlamentspräsidentin gewählt worden. Kjærsgaard hat vor einigen Jahren verlangt, die Nachfahren von Migranten müssten, sofern sie straffällig würden, „bis in die dritte Generation“ abgeschoben werden.[6] Über den Islam erklärte sie: „Es gibt nur eine Zivilisation – unsere.“ Bereits im Jahr 2003 hatte das Oberste Gericht Dänemarks ihr ausdrücklich eine rassistische Haltung bescheinigt. Beobachter sind der Auffassung, die Dansk Folkeparti gebe mittlerweile auf einigen Politikfeldern die Richtung der Regierungspolitik vor, insbesondere beim Asylrecht. Dieses ist von der neuen Regierung bereits Anfang Juli verschärft worden und sieht eine drastische Kürzung der Leistungen für Flüchtlinge vor. Die Neuregelung werde Asylsuchende lediglich in die Armut treiben, warnt das Rote Kreuz.[7]
    „Albtraum Multikulturalismus“
    In Finnland wiederum ist die Rechtspartei „Die Finnen“ Teil der Regierungskoalition. „Die Finnen“ erzielten bei den Parlamentswahlen am 19. April 17,7 Prozent der Stimmen. Sie stellen vier Minister – für Justiz und Arbeit, für Soziales und Gesundheit, für Verteidigung und für Äußeres. Mehrere ihrer Parlamentsabgeordneten sind fest in andere Organisationen der äußersten Rechten eingebunden. Zumindest einer von ihnen kooperiert mit gewalttätigen Neonazis: Olli Immonen, der 2011 zum ersten Mal ins Parlament gewählt wurde, hat im Juni ein Foto publiziert, auf dem er gemeinsam mit Aktivisten der „Finnischen Widerstandsbewegung“ vor dem Denkmal eines finnischen Nationalisten posiert. Die Finnische Widerstandsbewegung ist unter anderem für Messerattacken auf ihre Kritiker und für Reizgasangriffe auf Lesben und Schwule berüchtigt. Im Juli schlug ein Facebook-Posting Wellen, in dem Immonen unverhohlen äußerte: „Ich träume von einer starken, mutigen Nation, die diesen Albtraum mit Namen Multikulturalismus besiegt. Diese hässliche Blase, in der unsere Feinde leben, wird schon bald in eine Million von Einzelteilen zerplatzen.“[8] Parteichef Timo Soini ist finnischer Außenminister und arbeitet im Kreis seiner EU-Amtskollegen an einer gemeinsamen EU-Flüchtlingsabwehr.
    „Unzerstörbare Vaterlandsliebe“
    Auch in Deutschland erstarkt inzwischen mit der Alternative für Deutschland (AfD) eine Rechtsaußenpartei. Die AfD kommt jetzt erstmals, seit sich der nationalliberale Flügel um Ex-AfD-Chef Bernd Lucke abgespalten hat, in Umfragen auf sieben Prozent. Meinungsforscher sehen die Ursache dafür in der Agitation gegen Flüchtlinge insbesondere in der CSU: „Die Attacken des Ministerpräsidenten Horst Seehofer gegen die Kanzlerin treiben Wähler am rechten Rand der CSU in hohem Maße der AfD zu“, erklärt der Leiter des Umfrageinstituts Forsa, Manfred Güllner.[9] Die Zahl der Teilnehmer an den regelmäßigen AfD-Demonstrationen in Erfurt ist zuletzt auf 8.000 gestiegen. In seiner Rede auf der jüngsten Erfurter Demonstration erklärte der stellvertretende AfD-Bundessprecher Alexander Gauland: „Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen“.[10] Der Organisator der Demonstrationen, Björn Höcke – AfD-Fraktionsvorsitzender im thüringischen Landtag -, will mit den Veranstaltungen eine „Massendynamik“ auslösen, die spätestens im Frühjahr zu einer Großdemonstration vor dem Bundeskanzleramt führen soll. „Diese durchgeknallte, Deutschland abschaffende Kanzlerin muss weg“, wird Höcke zitiert; Deutschland benötige nun eine neue politische Elite mit „preußischem Dienstethos“, die „eine unzerstörbare, ehrliche, reine Vaterlandsliebe in sich tragen“ solle.[11] Die AfD findet mit ihren Positionen einen fruchtbaren Nährboden in der zunehmenden Agitation gegen Flüchtlinge (german-foreign-policy.com berichtete [12]).
    [1] S. dazu Tabubrüche.
    [2] FPÖ liegt im Bund laut Umfrage klar vor SPÖ und ÖVP. http://www.salzburg.com 06.06.2015.
    [3] Experten sehen FPÖ „noch nicht am Limit“. derstandard.at 12.10.2015.
    [4] Régionales 2015: un sondage donne Marine Le Pen favorite en Nord-Pas-de-Calais-Picardie. http://www.rtl.fr 20.09.2015.
    [5] Marine Le Pen darf Faschistin genannt werden. derstandard.at 07.10.2015.
    [6] Kjærsgaard: Dänemarks „rassistische“ Parlamentspräsidentin. diepresse.com 02.07.2015.
    [7] Albrecht Breitschuh: Verschärfung des Asylrechts tritt in Kraft. http://www.deutschlandfunk.de 01.09.2015.
    [8] Multikulturalismus: 15.000 auf Demo gegen „Wahre Finnen“-Sager. derstandard.at 29.07.2015.
    [9] AfD steigt, Union sinkt. http://www.faz.net 07.10.2015.
    [10] Andreas Speit: Toleranz für Rechtsextreme. http://www.taz.de 11.10.2015.
    [11] Severin Weiland: Der Angstmacher von Erfurt. http://www.spiegel.de 07.10.2015.
    [12] S. dazu Von Analphabeten und Flutungen.
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    Quelle: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59222

  4. Waffenstudent schreibt:

    Verlief wirklich alles Rechten?

    Alle Urnen unverschlossen und unversiegelt und der dicke Häupl hat 2 Umschläge in der Hand?
    Und noch etwas lässt stutzig werden:

    Quelle: https://indexexpurgatorius.wordpress.com/2015/10/14/wiener-wahl-alles-rechtens/

  5. alexandrabader schreibt:

    Ich habe auf meinem Blog, den ich bei myblog.de hatte, kritisch über das Ergebnis der Wiener Wahlen berichtet; nämlich dass Wahlumfrage (die viel genauer ist als Umfragen in Zeitungen) und Hochrechnung 2010 passten, 2015 aber nur bei ÖVP, Grünen, NEOS zusammenpassten. während die SPÖ auf Kosten der FPÖ gewann Die SPÖ hat daraufhin wieder einmal einen Strohmann vorgeschickt, der mich auch wegen kritischer Berichte über die Zustände beim Bundesheer immer wieder diffamiert hat, damit der Blog gelöscht wird. Ich habe erst vor wenigen Tagen wegen kritischer Berichterstattung meine Wohnung verloren, auch das war traumatisch – man versucht wirklich alles, um mich zu vernichten. Da ich ein WordPress-Konto habe, werde ich auf WP bloggen; allerdings wäre es am besten, wenn meine eigentliche Seite http://www.ceiberweiber.at (die gehackt wurde und auf ein neues System umgestellt werden muss) wieder ins Netz gehen könnte. Bislang fanden alle anderen Journalisten, alle Medienorganisationen es ganz okay, dass ich vernichtet und politisch verfolgt werde….

  6. Waffenstudent schreibt:

    @ alexandrabader

    Nichts schweißt Menschen mehr zusammen, als gemeinsam begangene abartige Verbrechen, wie den Verzehr von Menschenfleisch, mit den Zähnen einem lebendigen Kind entnommen.

    Ab der 47-sten Minute: Zehn Jahre vor ihrem Mord werden Böhnhard und Mundlos in zwei Krimis mit voller Idendität als Verbrecher dargestellt. (Weil kein Einspruch erfolgte, läßt das darauf schließen, daß beide Uwes mit dem System kollaborierten.)

    Hier Kampusch, dort Marc Dutroux. Der von wenigen eingenommmene Zaubertrank lähmte ganz Europa

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