Sterben für Wall Street?

Mourir pour Wall Street?
Die for Wall Street?

An und für sich ist in den USA nicht alles schlecht. Aber immer mehr. Ausgesprochen verhängnisvoll ist die vom Finanzkapitalismus diktierte US-Außenpolitik, gerade für Europa auch. Nicht ganz unberechtigt fragen sich immer mehr Europäer: Was haben die US-Amerikaner eigentlich noch bei uns verloren? Ihre Jungfräulichkeit sicher nicht, denn die haben sie bereits vor ewiger Zeit bei Wounded Knee* und auf den Plantagen Louisianas abgelegt. Also: Wozu dienen US-Atomsprengköpfe in Deutschland und in Norditalien, wozu weitere US-Truppen auf europäischem Territorium? Um die US-Bundesverfassung zu schützen?

Natürlich nicht, obwohl naive US-Amerikaner, und die soll es ja in großer Anzahl geben, das annehmen könnten. Selbst die Anhänger des inzwischen verblichenen erzkonservativen „New American Century“ haben absolut nichts mit dem Schutz der Verfassung zu tun bzw. dem, was die Verfassungsväter einst im Sinne hatten: Freundschaft mit allen Nationen, Friede, Handel, das auch, aber keine Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten. Dieses schöne Bestreben hatte allerdings keine lange Lebensdauer, abgedreht von der Gier des großen Geldes nach mehr.

Washington, sobald an der Leine der Oligarchen der Hochfinanz, hatte bereits sehr früh begonnen die eigene Verfassung zu brechen. Ab dem Zeitpunkt, von dem an das „big business“ die Macht übernahm, wird – aus altruistischen Bestrebungen selbstverständlich – interveniert, bombadiert, geputscht, getötet und gefoltert. Was man im Namen von Freiheit und Demokratie nicht selbst erledigen kann, besorgen willige politische Handlanger, militärische Söldner oder vollenden mörderische Stellvertreterkriege.

Heute sind die USA in raubkapitalistischer Absicht in gut 150 Ländern der Erde militärisch aktiv oder passiv präsent, kein Winkel der Erde, der nicht abgehört wird und wo man nicht US-Interessen verletzt oder angegriffen sieht. Zwecks Desinformation und zur Rechtfertigung einer direkten oder indirekten Intervention bietet man ein Heer westlicher Lohnschreiber auf, die dann behaupten, die Nato-Osterweiterung sei „russische Propaganda“ und der Putsch in Kiew sei in Wirklichkeit eine „echte Revolution“ gewesen. So „His Masters Voice“ Hans Rauscher im Standard.

Diesem etwas drolligen Standard-Kommentator gewiß zur Freude, könnte bald schon Caracas ein Schicksal à la Kiew blühen, stehen doch für die USA schon wieder„nationale Sicherheitsinteressen“ auf dem Spiel. Wirklich beeindruckend, wo überall es das Böse zu besiegen gilt. Washington hat auf diese selten feine Art oft genug seine von ihm verkündeten hehren Werte um ein paar Dollar mehr ins Gegenteil zu verkehren gewußt. So viel Chuzpe hat die Welt noch nicht gesehen, und seit 1945 auch nicht so viel vergossenes Blut im Zeichen des Sternenbanners.

Dennoch will kein Strafgericht für himmelschreiende US-Gewalttaten zuständig sein. Und die selbsternannte EU-Wertegemeinschaft schweigt dazu. Dafür hört sie auf Ezzes neuer Kalter Krieger wie Zbigniew Brzezinski (Sicherheitsberater) oder George Soros (Spekulant). Letzterer tönt laut Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten.de so: „Alle verfügbaren Ressourcen (der EU) sollten eingesetzt werden in einer Kriegsanstrengung, auch wenn das zu Haushaltsdefiziten führt.“

Na prima! Daß Herr Soros für eine ganze Riege seiner Art spricht, ist anzunehmen. Folgerung: All das geschieht also um die Superreichen bei der Ausbeutung der weniger Vermögenden und Armen – und das auch in den USA! – zu unterstützen? Daß ein Prozent der Menschheit mehr besitzt als die 99 Prozent anderen, reicht den Finanzkannibalen anscheinend noch nicht.

Zu diesem Zwecke ließ man mehr Kriege als irgendein anderer Staat auf der Erde führen. Und das ganz ohne Reue. Ja, warum auch? Immerhin ist man durch die „Macht des Gebets“ (G.W. Bush), legitimiert und damit auf dem richtigen wenn auch Holzweg. Alle Interventionen und kriegerischen Handlungen sind US-logischerweise „bedeutende Akte der Nächstenliebe“, wie sich ein  Chefredakteur von US News & World Report * einmal hinsichtlich des US-Vorgehens in Vietnam ausgedrückt hat. Bei den Sowjets sprach man übrigens in solchen Fällen ähnlich, „brüderliche Hilfsaktion“ hieß es da.

Ob die USA in Sachen Propaganda von ihren damaligen Lieblingsfeinden etwas abgeschaut haben? Jedenfalls arbeitet man auch im „goldenen“ Westen längst mit Angstparolen (der „gefährliche“ Putin) und mit den Mitteln der Nötigung (z. B.über EZB und IWF) um die Schutztruppe des US-Geldadels, bis an die russische Grenze vorrücken lassen zu können. Nicht ausschließlich nur um Putin einzuschüchtern oder zu beseitigen, nein, es dient gewiß auch dazu – bei gleichzeitigem Schüren von Krisen – dem US-Brückenkopf EU die Etablierung US-amerikanischer Staatsstrukturen unter Nato-Schutz zu erleichtern. Der „american way of Schlamassel“ soll also in Europa fortgesetzt werden. Kostenmäßig selbstverständlich mindestens Halbe-halbe.

Wenn man die wahre Natur der von Kapitalinteressen gesteuerten Politik des Weißen Hauses richtig verstehen will, dann lohnt es sich immer wieder auch den unbestechlichen Norman Mailer zu zitieren. Dieser schrieb: „Dieses Land wird längst von den Großkonzernen beherrscht. Die Vorstellung, daß wir über eine aktive Demokratie verfügen, die sich um unser Wohl und Wehe kümmert, ist falsch…..Amerika ist in einen Machtrausch geraten, bei dem nur ein kleiner Teil des Volkes dabei sein darf“. ** Das gilt auch überall dort, wo in diesem Sinne und unter US-Schutz dasselbe System implantiert ist.

Was aber, wenn es sich die machtberauschten USA einmal wirklich mit der ganzen Welt verderben? Da hilft eine der üblichen Behelfskrücke-Aussagen des George W. Bush weiter, der laut Mailer gemeint haben soll: “Es kann so weit kommen, daß nur mehr wir übrig sind…Mich stört das nicht. Wir sind Amerika“ . Damit hat Bush gewiß nicht das einer ungewißen Zukunft entgegengehende US-amerikanische Volk gemeint. Sicher aber werden die Wege der „High Financial Society“ mit feinem Golde gepflastert sein. Hallelujah!

Kommt denn in den Worten des Zynikers Bush nicht einer herrschenden Klasse Chauvinismus und deren Verachtung für den Rest der Welt zum Ausdruck? Dazu ein weiteres Beispiel moralischer Bodenlosigkeit: Als Madeleine Albright, damals US-Botschafterin bei der UNO, in einem CBS-Fernsehinterwiew gefragt wurde, ob eine halbe Million toter irakischer Kinder (durch das Embargo) den Preis wert gewesen sei, antwortete sie, „Wir glauben, es ist den Preis wert “. Hat man solche Opferzahlen auch beim Rußland- oder Iran-Embargo einkalkuliert? Und taugt nicht auch Europa als Schlachtfeld besser als teure US-Heimaterde. Gewiß, man muß nur eins und eins zusammen zählen können.

Doch was der ehemalige Notenbankchef Alan Greenspan preiszugeben hat, müßte selbst ein Analphabet verstehen: „Wir haben das Glück, dass die politischen Beschlüsse in den USA dank der Globalisierung größtenteils durch die weltweite Marktwirtschaft ersetzt wurden. Mit Ausnahme des Themas der nationalen Sicherheit spielt es kaum eine Rolle, wer der nächste Präsident wird.“ *** Der letzte Satz ist übrigens ident mit einer Aussage eines Vertreters der Rotschilds in einer österreichischen Tageszeitung hinsichtlich des französischen Präsidentenamtes. Und das gilt wohl auch für andere Regierungen. Das neue Evangelium heißt eben ganz schlicht und einfach: „Wer das Gold hat, der schafft an“ (Frank Stronach). Niemand hat die Botschaft besser verstanden als geld- und machtgierige EU-Politiker.

Denkt dabei unsereiner an das für die US-Konzerne maßgeschneidert scheinende TTIP- Abkommen, drängt sich doch die Frage auf: Haben wir es auf EU-Seite möglicherweise mit modernen Sklavenhändlern zu tun, die uns auf Dauer an das angloamerikanische Kapital verschachern wollen? Ohne Zweifel sieht es so aus, aber es gehört immer einer dazu, der es sich gefallen läßt. Daher: Was wir brauchen sind Politiker, die, im Sinne Kants, die Entschlossenheit und Mut aufbringen, sich ohne US-Leitung seines europäischen Verstandes zu bedienen. Dazu ist es höchste Eisenbahn.

Eingedenk US-Amerikas eigener, selbstverschuldeter Mega-Probleme und Defizite muß ja immerhin angenommen werden, daß bei deren Nichtbewältigung das Dollar-Imperium außer Kontrolle gerät. Und das von Zbigniew Brzezinski so genannte „Protektorat Europa“? Es bliebe davon gewiß nicht verschont, bekäme aber bei kluger Politik die Chance, sich aus einer jahrzehntelangen finanzkapitalistischen Umklammerung zu befreien und neu zu organisieren. „Ich sehe die größte Chance für ein Umdenken durch den Zwang der Natur“ schreibt einer im Internet. Er könnte recht haben.

* Am 29. Dezember 1890 töteten Soldaten des 7. US-Kavallerieregiments Männer, zwischen 150 und 350 Frauen und Kinder der Lacota-Sioux Indianer.
** William Blum: Schurkenstaat, Kai Homilius Verlag, 2008
***Norman Mailer: „Heiliger Krieg – Amerikas Kreuzzug“ , Rowohl, 2003

Zum Thema

Michael Moore über US-Geldelite                                                                        https://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=9Foo0wcC5K8#t=2   Friedensforscher Alfred Mechtersheimer: Weg vom US-Imperialismus! https://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=xBCBLM9bcEo#t=0
Ein Hauptziel des „big business“

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3 Antworten zu Sterben für Wall Street?

  1. Corinna schreibt:

    „Die USA haben null Interesse, daß Europa stärker wird.“ (Eduard Zehetner, Chef der österreichischen Immofinanz, in einem „Kurier“-Interview) Das wissen die EU-Politiker auch, nur sagen sie es uns nicht. Gekaufte Marionetten?

  2. Helmut Müller schreibt:

    Was ich hier angesprochen habe, deckt sich hinsichtlich des Finanzkapitalismus mit den Erkenntnissen von Joseph Vogel, Professor für Literatur- und Kulturwissenschaften/Medien der Berliner Humboldt Universität, der in einem Interview mit der Wirtschaftswoche diesbezüglich Klartext spricht: Die Demokratie habe sich selbst abgeschafft, es regiere jetzt die Finanzindustrie mittels des Schuldenkreislaufes der die Staaten knechte. Die Regierungen seien nicht mehr ihren Wählern, sondern mehr und mehr dem „Finanzpublikum“ verpflichtet. Die politische Agenda werde nicht mehr von Wahlergebnissen vorgegeben, sondern von den Fälligkeitsterminen der Finanzindustrie.-Griechenland lasse grüßen. Ein neuer Klassenkampf, dieses Mal zwischen altem und neuem Souverän zeichne sich ab, so der Wissenschaftler.

  3. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Weltpolitik rebloggt und kommentierte:
    Sterben für Wall Street?

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