Ich bin nicht Charlie Hebdo

Je ne suis pas Charlie Hebdo                                                                                                  I am not Charlie Hebdo

Ich bin nicht Charlie Hebdo, obwohl ich für Satire ausreichend Sympathien hege und Freiheit über alles liebe. Religiöse Gefühle anderer zu verletzen, ist aber nicht meine Sache. Soweit zur Klarstellung. Die von extremen Linken geleitete Pariser Zeitschrift war in der Vergangenheit ja nicht nur in  Sachen Islam unzweifelhaft so etwas wie ein „agent provocateur “. Das kryptokommunistische Flagschiff eines überbordenden Linksliberalismus hatte auch vor anderen Glaubensinhalten wenig Respekt. Vielleicht mit einer Ausnahme.

Das hat natürlich nichts mit Geschmacksache zu tun, aber sehr viel mit politisch-ideologischer Strategie unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung, die überall dann und dort erlaubt wird, wenn und wo damit die Säulen des Systems nicht in Gefahr gebracht werden können. Nicht nur in Frankreich. Deshalb sollte man auch des eher unerfahrenen österreichischen Außenministers Worte, der Angriff stelle „einen Angriff auf unsere Grundwerte dar, auf unsere Presse- und Meinungsfreiheit, die wir in Europa genießen“, nicht allzu ernst nehmen.

Die vorgeblichen Verteidiger der Freiheit in Staat und Gesellschaft, die jetzt mit Charlie Hebdo ihr politisches Kleingeld wechseln, hätten für dieses kostbare Gut schon wesentlich früher auf die Straße gehen können. Auch in den Globalisierungsopferstaaten Österreich und Bundesrepublik Deutschland.

Es klingt doch angesichts der allgemeinen Faktenlage wie ein Hohn, wenn der Kommentator eines in moralischer und qualitativer Hinsicht drittklassigen österreichischen Blattes erläutert, warum wir alle Charlie Hebdo sein müssen oder eine Journalistin einer einst vom CIA gegründeten österreichischen Tageszeitung sich erfreulicherweise ebenfalls übermäßig stark für die Meinungsfreiheit stark macht, die, wie sie meint, verteidigt werden müsse.

Haben die beiden denn jemals eine einzige bescheidene Zeile dem Schicksal politischer Häftlinge in deutschen Landen gewidmet, deren Inhaftierung wegen politisch unkorrekter Meinungsäußerung beklagt? Nicht aus Solidarität mit diesen, das verlangt niemand von ihnen, sondern, im Sinne Voltaires*, im Einklang mit der von ihnen hochgepriesenen Meinungsfreiheit dazu stehend. Dieselbe Freiheit sie ja ihren Kollegen von  Charlie Hebdo uneingeschränkt zugestehen.

Das nun inszenierte Staatsspektakel in Frankreich, wo politisch Andersdenkende ja auch verfolgt, an den Pranger gestellt und vor den Kadi gezerrt werden können, ist aus verschiedenen Gründen wenig überzeugend. Und Premier Manuel Valls` Appell an eine „dauerhafte nationale Einheit“ ist schon kurz darauf Makulatur, nachdem Marine Le Pens Front National vom nationalen Gedenkmarsch ausgeschlossen wurde.

Wer mein 1996 erschienenes Taschenbuch „Der Vormarsch des Islam“ (inzwischen vergriffen) damals zu Ende las, kann über das, was in der Folge bis heute geschah, kaum überrascht sein. Dennoch ist Vorsicht angebracht, nicht alles, was „im Namen des Propheten“ geschieht, muß deshalb schon einen islamischen Hintergrund haben. Wie bei allen derartigen Verbrechen darf auch bei dem jüngsten Anschlag in Paris zuerst die Frage gestellt werden „Wem nützt er?“

Gesamtstrategisch sehe ich für IS oder Al Kaida in dem brutalen Überfall auf eine Zeitungsredaktion keinen Sinn und auch keinen großen Gewinn, außer, daß er bei vielen Muslimen klammheimliche Freude und Zustimmung auslösen dürfte. Der Fall schadet aber vorerst eher dem Islam und den Muslimen und nützt höchstens: 1. den Hauptprotagonisten des Neue- Weltordnung-Projektes, die ihr Vorhaben voranbringen wollen, 2. dem Staat Israel, der auf verstärkten Zuzug aus Frankreich und weitere internationale Unterstützung hoffen darf.

So ein spektakulärer Anschlag könnte deshalb durchaus jener Täter-Allianz zurechnen sein, wie sie bereits im Falle des 11. September 2001 kolportiert wurde. Letztlich ist es zwar Vermutung, aber diese doch nicht so leicht von der Hand zu weisen.

Einfach weiter gedacht könnte man sogar PEGIDA als einen – wenn auch von der Mehrheit der Teilnehmer unerwünschten – Schachzug zu diesem von Samuel Huntington näher erläuterten Ziel eines „Clash of civilizations“** hin sehen. Eben ganz im Sinne jener von US-Neokonservativen beabsichtigten Errichtung einer neuen Weltordnung infolge eines Chaos, begünstigt durch entsprechende Bedingungen – wie massive Einwanderung plus Islamisierung.

Daß nun im jüngsten Fall schon wieder einmal kein einziger westlicher Geheimdienst im Vorfeld etwas bemerkt haben will, spricht im Falle Hebdo Charlie zwar nicht unbedingt gegen einen islamistischen Hintergrund, kann aber auch nicht ganz ausgeschlossen werden, so wenig wie, daß man Muslime dazu angeheuert und ausgebildet hätte. Merkwürdig jedenfalls, daß schon wieder  Personaldokumente wie auf dem Präsentierteller liegen gelassen wurden und die zwei Attentäter rein „zufällig“ nicht mehr aussagen können.

Die westlichen Medien bedienen sich ihrer Natur gemäß natürlich ausschließlich der islamistischen Fährte. Das ist ihr Auftrag. Würden sie ihrer wahren Aufgabe nachkommen und nach beiden Seiten recherchieren, müßten sie selbstverständlich die weitere Schuldfrage stellen, und da käme dabei heraus, daß Washington mit seiner Dauerintervention nicht nur im Nahen und Mittleren Osten sowie Israel mit seinem Größenwahn, für die heutige Sicherheits- und Menschenrechtslage dort wie in Europa hauptverantwortlich sind und mit ihrem Krieg gegen den Terror diesen erst befördert haben.

Das verstärkte Aufkommen des Islamismus und den ganzen Terror bald weltweit haben wir also den beiden genannten Ländern zu verdanken. Den Islam als das herauszustellen was er uns heute scheint, dient gewiß den Interessen Washingtons und Tel Avivs, ihre dominierende Stellung auf Kosten Europas und islamischer Länder zu festigen und weiter auszubauen.

Bei aller berechtigten Kritik am Islam und unserer Abscheu vor islamistischen Verbrechen, sollten wir eben diese Sicht nicht ganz außer acht lassen. Man hätte uns dies alles durch eine verantwortungsvolle Politik, die Menschen nicht wie Figuren am Schachbrett der Weltpolitik hin und herschiebt, ersparen können. Wir nehmen das hin, Islamisten anscheinend nicht.

Das westliche geistig-moralische Elend, dem eben immer mehr Muslime nichts abgewinnen können, hat der wichtigste Ideologe des modernen Islamismus, Saiyid Qutb, bereits 1966! so treffend skizziert: Die Welt taumle heute am Rande eines Abgrunds. Schuld daran sei der Westen mit seinem Abgleiten in einen seelenlosen Materialismus. Mit seinem Verrat an der christlichen Religion und seinem schrankenlosen Konsum sei er zum sicheren Untergang verurteilt, so Qutb, der, wie andere islamische Denker auch, eine neue Ordnung in ihren Heimatländern erstrebten, aber keineswegs einen Krieg gegen den Westen bzw. auf dessen Boden.

Diesen Krieg könnten wir bald im Großformat haben, wenn die Strategen im Westen – mit ihren der Dekadenz anheimgefallenen offenen Gesellschaften –  ihr Ziel mit allen Mitteln, auch jenen des Terrors, weiter verfolgen. Und Frankreich bekäme, in Vorwegnahme Michel Houellebecqs Roman-Vision einer „Soumission“ (Unterwerfung***), früher als gedacht einen muslimischen Präsidenten.

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß alle für unsere verheerende Lage verantwortlichen Politiker, und zwar rückwirkend, noch vor den hier tätigen islamistischen Gewalttätern auf die Anklagebank gehörten.

*“Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Sie sagen, aber ich würde bis zuletzt darum kämpfen, daß Sie es sagen dürfen“.
**Samuel P. Huntington: Kampf der Kulturen, 1998, Siedler
*** Erscheint demnächst auf deutsch.

Zum Thema und darüber hinaus:

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11 Antworten zu Ich bin nicht Charlie Hebdo

  1. Serge schreibt:

    Denis Robert und Olivier Cyran zwei ehemalige Mitarbeiter von Charlie Hebdo mußten vor einiger Zeit die Zeitschrift verlassen, weil ihre persönliche Meinung nicht gefragt war. Soviel zum Thema Meinungsfreiheit bei Charlie Hebdo.

  2. Sozrev schreibt:

    Nur mal so nebenbei. Die TV-Aufnahmen stammten von einem israelischen TV-Journalisten. Will damit nichts andeuten. Ist nur ein Hinweis.

    Es hab im Vorfeld konkrete Hinweise: „More reports from various sources that the French authorities had been warned about Said and Cherif Kouachi ahead of this Wednesday’s initial attack on Charlie Hebdo, including a specific tip-off from the Algerian intelligence Services“. (Aus dem Newsticker des Telegraph)

    Ebenfalls in jenem Newsticker war zu lesen das an der Erstürmung des jüdischen Ladens in dem sich die Jihadisten aufhielten aus Israel eingeflogene Sondereinheiten beteiligt waren. Angesichts der Bewaffung von Al Kaida in Syrien durch ISRAEL hat dies dann schon ein ironisches Geschmäckle.

    http://www.infowars.com/israel-lobby-supports-jabhat-al-nusra-insurgents-in-aleppo-surrounded/

    Vielleicht auch nicht ganz unwichtig. Einen Tag vor dem Anschlag wollte Hollande die Sanktionen gegen Russland aufheben lassen.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/06/frankreich-hollande-fordert-sofortiges-ende-der-sanktionen-gegen-russland/

    Und: Keine „Verschwörungstheorie“ – hinter diesem Anschlag auf Franzosen stand ganz offiziell nicht wie zunächst behauptet Al Kaida sondern der pakistanische Geheimdienst, damals einer der besten Verbündeten des Westens in der islamischen Welt.

    http://iran-now.net/forum/viewtopic.php?p=2324944

    Damals ging es nicht um die große Weltpolitik, sondern um Schmiergeld. Also man sieht das gewisse „False Flag Operation“ schon aus relativ nichtigen Gründen stattfinden können. So etwas wie Skrupel scheint man also nicht unbedingt zu besitzen. Ich sage nun nicht das es eine solche Operation war, da es derzeit keine Beweiswe gibt, ausschließen kann man es aber nicht.

  3. alphachamber schreibt:

    Interessante Analyse. Kann zu vielem zustimmen.
    Grüße

  4. Caramba schreibt:

    Wird jetzt der Anschlag in Paris so instrumentalisiert und zum Geschäft gemacht wie andere Verbrechen in der Vergangenheit?

  5. Corinna schreibt:

    Ist es nicht ergreifend, wie jene, die die Voraussetzungen für den Islam-Terror geschaffen und/oder sie für gut befunden haben, jetzt seiner Opfer gedenken. Der Himmel wird so viel Heuchelei aushalten, die Hölle darf sich freuen.

    • Bertie schreibt:

      Das ist leicht zu verstehen. Solche Augenblicke lassen das gemeine Volk Arbeitslosigkeit, TTIP, Werteverfall , Korruption usw. vergessen. Und auf die Vertreter des Systems fällt das milde Licht des Vergessens.

      • H.Franz schreibt:

        Man sollte dringendst dafür sorgen, Knastluxushotels abzuschaffen, Lager aus kaputten Militärzelten zu errichten und die Polit-UNtäter jeden Tag der Woche Scheiße von rechts nach links, am Folgetag von links nach rechts schaufeln zu lassen. Nach ein paar Wochen Akkordarbeit a 12 Stunden sind die geheilt.

  6. Jaro Ruanza schreibt:

    Es ist ja ganz natürlich daß mordende Islamisten einen Personalausweis mit sich führen,den würden sie ja brauchen wenn sie auf der Flucht wegen Schnellfahrens aufgehalten werden!

  7. xyz schreibt:

    Bei dieser Geschichte sollte man nicht vergessen, wie gefährlich die französische Comic- Propaganda schon während der beiden Weltkriege im 20. Jh. gewesen ist. Es waren gerade französische Zeichner, die sich da besonders hervorgetan hatten. Diese erfundenen Phantasiezeichnungen wurden dann von der Öffentlichkeit so ernst genommen, daß sie für die „Realität“ gehalten wurden, mit katastrophalen politischen Auswirkungen für Mitteleuropa! Schon damals haben von Frankreich abhängige „Vasallenstaaten“ wie Belgien, Niederlande, Schweiz oder Dänemark diese Propaganda-Zeichnungen unkritisch übernommen und weiterverbreitet!

    Nachdem Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera vom französischen Geheimdienst in Mayerling hingerichtet worden waren, musste Kaiser Franz Joseph seinen einzigen Sohn als „Mörder“ und „psychisch Gestörten“ hinstellen, nur damit er Frankreich keinen Krieg erklären mußte. Auch als Drahtzieher hinter dem Attentat in Sarajewo fungierten die Franzosen. Schon in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg gab es ständig Attentate auf österreichische Politiker. Es wimmelte gegen Ende des 19. Jhs. und zu Beginn des 20. Jhs. nur so von französischen Agenten in Wien und Umgebung.

    Wer hätte sich etwas Vergleichbares wie diese französ. Comiczeichnungen bis zum 7.1.2015 in Österreich oder Deutschland getraut? Das zeigt, wie sehr die Franzosen glauben, sie könnten immer tun, was sie wollen. Der Größenwahn der „Grande Nation“ ist grenzenlos. In Paris war ich sehr verwundert darüber, daß Napoleon ein „Ehrengrab“ hat. Da ich ständig überwacht und terrorisiert werde, muß ich in Österreich täglich erleben, wie menschenfeindlich der Staatsapparat in Wirklichkeit ist. Da es nun schon seit mehr als 20 Jahren so geht, habe ich keine Aussicht, daß sich bis an mein Lebensende etwas ändern wird. Doch auch im europäischen Ausland erlebe ich ständig die Überwachungsmethoden. Am schlimmsten war es in Paris. Am Père-Lachaise-Friedhof ging ein durchtrainierter (die Muskeln an Oberarmen und Schulter konnte man sogar durch die Jacke sehen) Mann vom französischen Geheimdienst plötzlich direkt auf mich zu. Erst jetzt fiel mir auf, daß gerade jetzt weit und breit sonst kein Mensch zu sehen war. Doch er verschwand blitzschnell hinter Grabsteinen, als zwei Frauen an der nächsten Kreuzung auftauchten! Ich wunderte mich noch darüber, wie schnell er verschwunden war, versuchte aber, das Ganze nicht auf mich zu beziehen. Das 2. Mal geschah dasselbe ca. eine Stunde später ganz woanders auf demselben Friedhof, der ja fast so groß ist wie eine Stadt. Diesmal war es sehr knapp: es gab nämlich nirgends eine Kreuzung zu sehen, an der Menschen hätten auftauchen können. Es war eine sehr abgeschiedene Stelle. Erst jetzt kapierte ich, was gespielt wurde. Ich holte gerade tief Luft, um laut um Hilfe zu schreien. Da tauchten plötzlich hinter einem Gebüsch zwei Männer (Touristen) auf. Dort gab es also doch eine schmale, versteckte Kreuzung. Plötzlich war der Geheimagent, der schon wenige Meter von mir entfernt gewesen war, wieder hinter Grabsteinen verschwunden! Er war nirgends mehr zu sehen, schon gar nicht auf dem einzigen langen Weg, den es hier gab und auf dem er wieder mit starrem Blick auf mich zugegangen war! Es war ihm offensichtlich egal, von mir gesehen zu werden. Auf keinen Fall wollte er aber von jemand anderem gesehen werden! Schnell ging ich dann den beiden Touristen nach und raus aus dem Friedhof. Das war Anfang 2003. Mir graust, wenn ich mir denke, was gewesen wäre, wenn…

  8. Ruprecht schreibt:

    Wenn ich mir ansehe die Demonstrationen in Deutschland und Österreich und auf den Transparenten steht, kommt nur alle, kommt, kommt. dann ist die Schlussfolgerung, entweder verstehen die nicht worum es bei der ganzen Thematik geht oder die Gehirnwäsche hat voll und ganz funktioniert. Es ist zum verzweifeln und dann gibt es da einen, nämlich Orban Viktor, der dazu wohl eine richtige Betrachtung hat und sieht man sich dazu die Reaktionen auf einen Artikel im Standard an, wo da einer schreibt “ menschenfeindliche Sau“ – “ Ungarn raus aus der EU “ – “ zurück hinter den Ural, wo Ihr hergekommen seit“ und, und – wahrlich es ist zum kotzen !

  9. Paul R. schreibt:

    Richtig! Die Abdrucke der Karikaturen waren bislang alles Angriffe auf die Religion. Und es ist auch richtig: Die Religion des Genderwahnsinns und der Frauenbewegung alleine wurde bislang nicht karikiert.
    Aber wenn Frankreich als erste – und eventuell absehbare – Handlung nun einen Angriff seines Flugzeugträgers auf IS in Syrien und dem Irak ankündigt, vergessen wir bitte nicht zu fragen, wem dieser Anschlag nun wirklich nützt. Und vergessen wir auch nicht uns dafür zu interessieren, dass bei diesem so klar wirkenden Anschlag doch auch seltsame Dinge passieren, wie dass zB ein Ermittler sich selbst umbrachte: http://www.krone.at/Welt/Charlie_Hebdo-Ermittler_beging_Selbstmord-Kurz_nach_Anschlag-Story-434590.

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