Und „unsere“ Toten: aus den Augen, aus dem Sinn?

Et „nos“ morts: loin des yeux, loin du coeur?                                                                And „our“ dead: Out of sight, out of mind

Kürzlich fand in der Augustinerkirche zu Wien ein Gottesdienst mit Totengedenken der volksdeutschen Heimatvertriebenen statt. Daß keine Vertreter der Politik es der Mühe wert fanden, daran teilzunehmen, kann man verschmerzen und sogar verstehen. Nichts anderes kann von ihnen erwartet werden. Was wirklich bedrückt ist etwas anderes: die Abwesenheit der Jugend bei solchen Anlässen, doch auch das kann man verstehen. Die Jugend hört heute, brav umerzogen, auf den „Mainstream“ und pilgert dem folgend in die Konsumtempel und Freizeitarenen. So will es der  stetes Wachstum und Dauerspaß versprechende Markt, und dessen Vorgaben folgt bekanntlich die von ihm bestochene Politik auf dem Fuß. Junge Helden von Heute haben ihr Leben auf zwei oder vier Rädern, am Skihang oder bei Drogenpartys  zu opfern.

Leben ist Vergnügen, Tod nur mehr ein zu ignorierender Unfall. Das allgegenwärtig Geistlose geht einher mit dem Verlust der Sprache und dem von überlieferten Wörtern und Begriffen, somit auch Werten. Doch wie kann sich der vermeintliche Ersatz als Gewinn sehen lassen, wenn, zum Beispiel, der Name eines Dings mit dem eigentlichen Gegenstand nicht mehr identisch ist? Ja, manchen Älteren mag es im Gespräch mit Vertretern der jüngeren Generation schon gelegentlich die Rede verschlagen. Besonders wenn einer glaubt, sich vor dem Jüngeren rechtfertigen zu müssen. Man kommuniziert dann eher aneinander vorbei. Nicht ganz so in bestimmten „nostalgischen“ Foren natürlich. Aber sonst zwitschern die Jungen längst nicht mehr so wie die Alten sangen. Was an und für sich noch kein Problem sein sollte, wäre eben seither  nicht auch eine Werteumkehr erfolgt.

Gespräche im klassischen Sinne finden in sprachlosen Parallelwelten nicht statt. Warum sollen denn auch junge Menschen noch einer Kultur huldigen, deren Werte einst in ein gemeinsames System eingebunden waren, das das Leben in seiner ganzen Tiefe und Breite erfasste, wo es doch einfacher auch geht? Eine gewisse neue Politik und neue Medien konforme Oberflächlichkeit ist daher nicht zu übersehen, auch nicht zu überhören, und sie gedeiht ganz im Sinne jener, denen jede Kontinuität eines tradierten Wertesystems oder eines Gefühls dafür, was sich gehört und was nicht, was anständig ist und was nicht, etwa für die Heimat Gefallener oder aus ihr Vertriebener zu gedenken, zuwider ist.

So schlägt sich eben eine gewisse neudeutsche Instinkt- wie auch Vernunftabstinenz nicht überraschend in der sträflichen Nichtbeachtung oder auch Geringschätzung der Opfer einer angeblich schuldbeladenen älteren Generation insgesamt nieder. Man errichtet dafür in Opposition zu dieser unterschiedslos Mahnmale für Deserteure, darunter Landesverräter und Kameradenmörder. Entsprechend einer auf den Kopf gestellten Werteleiter, auf der Seelenheil und Gewissen auf der untersten Sprosse zu finden sind. Und während sich so mancher Pilatus der Politik vermeintlich seine Hände in Unschuld wäscht, überläßt er für politisches Kleingeld jene, die für ihr Vaterland gelitten und die Grundlagen für den Wohlstand, in dem sich viele Gutmenschen heute suhlen, geschaffen haben, einer politisch korrekten Meute Raffgieriger und Rachsüchtiger.

Wenn nun in diesen Tagen, trotz allem, viele Aufrechte, die in ihrer überwiegenden Mehrheit keine Alt- oder Neo-Nazis sind, ehrenvoll ihrer Toten gedenken, so werden dabei, anders als bei Zeitgeisttrunkenen, auch jene nicht vergessen, die zweimal Opfer, dieses Mal eben eines erbärmlichen Gesinnungsklüngels, geworden sind. Seien sie damals an der Front gefallen oder in der Gefangenschaft umgekommen, vor oder im Zuge der Vertreibung bestialisch gefoltert und ermordet worden oder später in der Heimat verstorben, ihnen allen gebührte die Erinnerung des ganzen Volkes. Was allen anderen Völkern, kleinen wie großen, ein hehres Anliegen ist, sollte uns allen nicht fremd (geworden) sein. Nicht so fremd, um als Volk im Buch der Geschichte der Schande und dem Spott preisgegeben zu werden. Das sollten wir verhindern.

Schließlich gehört es zu unseren Aufgaben als Menschen, einen Schritt weiter zu tun vom Kriechtier zum aufrecht gehenden Menschen. Was auch heißen soll, daß man sich dessen gewahr sein sollte, daß es nicht nur Pflichten gegenüber dem Äußeren, sondern auch gegenüber der eigenen Seele gibt, die nach althergebrachter Meinung Unrechtes und Unrecht nicht billigt, deshalb auch Ausgrenzungen nicht kennt. Sollten jedoch die Ökonomisierung des Menschen und dessen politisch korrekte Umerziehung weiter wie bisher voranschreiten, könnten alle Aufrufe zu Besinnung und Umkehr vergeblich bleiben und in Folge das Bestattungsgeschäft vielleicht einmal der Müllabfuhr überantwortet werden müssen. Ob der entsprechend ökonomischen und ideologischen Vorgaben vorbildlich entmenschte Mensch für ein „Recycling“ dann überhaupt noch geeignet ist?

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2 Antworten zu Und „unsere“ Toten: aus den Augen, aus dem Sinn?

  1. Corinna schreibt:

    Zum „Niemals vergessen!“ gehören die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen, egal welchen Alters, durch sowjetische Soldaten. Etwa zwei Millionen Frauen und Mädchen sollen Opfer dieser nicht selten unter grauenhaften Begleitumständen begangenen Vergewaltigungen geworden sein. Darüber spricht man nicht gerne, um so mehr aber und nicht enden wollend über Verbrechen von Deutschen.

  2. Fritz schreibt:

    Ein sehr guter Beitrag! Wer nicht ans ewige Leben glaubt, hat keine Zukunft. Ein Volk, das seine Gefallenen nicht ehrt, ist nicht wert, dass es lebt.

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