Neuer Kalter Krieg? Nein danke!

Nouvelle guerre froide? Non merci!                                                                                      New Cold War? Thanks!

Der Verlust der Stellung als Supermacht war für Moskau gewiß nur schwer zu verschmerzen. Der Wind der Reformer wehte nur kurz, Gorbatschow und Jelzin scheiterten, mußten scheitern. Schon glaubte man Rußland als Beute in das westliche System überführen zu können. Doch plötzlich war Putin da. Und mit ihm, aus der Sicht des Westens, das „Gespenst“ des russischen Nationalismus. Dieser, nicht ganz frei von imperialen Ansätzen, hat sich angesichts der westlichen Provokationen dennoch einigermaßen maßvoll verhalten. Davon abgesehen gilt für den einzelnen Russen wie für dessen Vaterland „das Bestreben nach Selbsterhaltung als die erste und einzige Grundlage der Tugend“ (Spinoza). Aus westlicher Sicht eine politische Todsünde, die, wie im Falle des Iraks, Lybiens oder Syriens, von Washington streng geahndet wird.

In Anbetracht der Last der Geschichte, der internen Schwierigkeiten und der aggressiven Vorgehensweise der NATO – als Rache für Washingtons gescheiterten Plan, Rußland zu unterwerfen – ist es ohne Zweifel beeindruckend mit welchem Geschick sich Moskau zu behaupten weiß, also Haltung bewahrt. Während von Obama bis zu Merkel alle mehr oder weniger ihr Gesicht und auch Macht verlieren, bleibt Putin standhaft. Er hat die Unterstützung der überwiegenden Mehrheit seiner Landsleute, indes westliche Politiker kaum großes Ansehen genießen und um ihre Wiederwahl bangen müssen, ja sogar verdächtigt werden, auf der Lohnliste der Banken und Konzerne zu stehen.                      Und während man Putin vorwirft, er schränke die Meinungsfreiheit ein, wird eben diese innerhalb der EU zunehmend mehr in ein Korsett gezwängt. Gar nicht ausgeschlossen, daß sich Putin, nach Konsolidierung der gegenwärtigen Probleme Rußlands, noch einmal – Ironie der Geschichte – zum Anwalt der Freiheit in Europa macht. Dessen Sicherheit nicht losgelöst von jenen Vorgängen an Rußlands Grenzen zu sehen ist, die, unabhängig von der Ukraine-Frage, die russische Führung besorgt erscheinen lassen.

Tatsächlich sieht sich Rußland noch mit großen Problemen konfrontiert. Nicht alle sind hausgemacht. Etwa der durch die US-Außenpolitik befeuerte islamistische Terror, dem sich Moskau nicht nur im Kaukasus gegenübersieht. Darüber referierte Nikolaj Bordjusha, Generalsekretär der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS), im russischen Kulturinstitut in Wien. Die Gewährleistung der Sicherheit, der Souveränität und der territorialen Integrität der GUS werde durch islamistische Aktionen mehr und mehr zu einem ernsthaften Problem, von dem auch die europäischen Staaten kaum unberührt bleiben werden, so Nikolaj Bordjusha, der durch maßvolles und seriöses Auftreten überzeugte. Er forderte den Westen auf, die durch die Ukraine-Krise unterbrochene Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Sicherheit wieder aufzunehmen bzw. die Antiterrorkoalition und das System des internationalen Krisenmanagements wieder herzustellen.

Moskau streckt also im eigenen wie im Interesse der Europäer seine Hand aus, aber die NATO antwortet vorerst noch mit einer Verstärkung ihrer militärischen Drohkulisse an Rußlands Westgrenze. Zudem hetzt die westliche mediale Güllepumpe auch die Moskau zusehends feindlich gesinnten Westukrainer weiter gegen Rußland auf, was die konturenlosen Erfüllungsgehilfen in der EU nicht davon abhält, weiter von ihrem Friedensprojekt Europa zu schwadronieren.                                                                                      Es könnte aber vielleicht doch noch Bewegung in die festgefahrenen Positionen kommen, denn infolge der zunehmend prekären globalen Sicherheitslage werden die Strategen in Washington und Brüssel ihren aggressiven Stil im ureigenen Interesse einen Gang zurückschalten und auf Putin zugehen müssen. Wenn nicht, müßte Moskau zu weitergehenden Gegenmaßnahmen greifen, womit durchaus die Phase eines neuen Kalten Krieges eingeleitet werden könnte.

Hinweis: Am 22.11.2014 findet in Berlin unter dem Titel „Frieden mit Russland – Für ein souveränes Europa“ die 3. Compact-Konferenz statt. Näheres: Konferenz.Compact-online.de

Siehe:                                                                                                                               https://www.youtube.com/watch?v=LgfQfKiOsK0&feature=player_detailpage#t=17

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6 Antworten zu Neuer Kalter Krieg? Nein danke!

  1. Pjotre schreibt:

    Putin hat die USA längst durchschaut. Vor einem Expertenfroum in Sorschi bezeichnete er das System der globalen Sicherheit als „ernsthaft geschwächt“. Er warf den USA vor, immer neue „Zentren des Bösen“ in der Welt zu finden.. „Wir sehen heute Versuche, die Welt zu zertrümmern, Teilungslinien zu ziehen und Koalitionen nach dem Schwarz-Weiß-Prinzip zu schmieden.Die USA schafften so ein neues Feindbild wie in den Zeiten des Kalten Krieges“, meinte Putin. Genau so ist es!

  2. Walkupf schreibt:

    Der Kalte Krieg hat längst begonnen, es ist nur noch die Frage, ob bzw. wann er in den “heißen” Krieg übergehen wird. Das würde allerdings nicht an Rußland liegen. Der Westen läßt nichts unversucht, um Putin zu provozieren und ihm in unüberbietbarer Heuchelei den schwarzen Peter zuspielen zu können. Amerika braucht dringend die wirtschaftliche Sanierung durch die Rüstungsindustrie die trotz Kampfes gegen di IS noch steigerungsfähig wäre, die NATO möchte ihre Daseinsberechtigung endlich wieder unter Beweis stellen und gleichzeitig die Einbindung Europas in den angestrebten Konflikt bewerksteliigen.Wir wollen hoffen, daß diese Pläne schiefgehen.

  3. Peter schreibt:

    Der Spekulant George Soros meint in der FAZ ein Zusammenbruch der Ukraine wäre ein enormer Verlust für die Nato, die EU und die Vereinigten Staaten. Der Spekulant spricht von Verlust, wo die Ukraine doch angeblich ein souveränes Land ist und die EU bestenfalls für deren Schulden aufkommen darf. NATO und USA haben sich schlimmstenfalls verspekuliert. Und Herr Soros vielleicht auch, und das könnte ihn natürlich besonders schmerzen. Kein Wunder, daß er jetzt auf den unfolgsamen Putin böse ist.

  4. Dr. Rader schreibt:

    Sehr geehrter Herr Müller, 1945 waren die Russen die mordenden, vergewaltigenden und plündernden Bestien, heute aber sind sie unsere ‘dicken Freunde’.
    Stalin und Putin so grundverschieden? Da stimmt doch etwas nicht, entweder irrten wir in der damaligen Beurteilung oder irren wir in der heutigen, erlaubt sich Franz Rader skeptisch anzumerken.

  5. Helmut Müller schreibt:

    .

    Mein Einwand: Bei den „Russen“ handelte es sich erst einmal um aufgehetzte sowjetische Truppen, das heißt, neben den Russen waren da auch noch Tschetschenen, Kirgisen, Tartaren usw. Die ungefähr die selbe, nicht selten unrühmliche Rolle spielten wie die Marokkaner oder Senegalesen in der französischen Armee. Nicht zuletzt waren unsere Einsatzkräfte im Osten auch nicht gerade rücksichtsvoll. Und gerade deshalb rechne ich es den Russen hoch an, daß sie, anders als ihre damaligen Alliierten oder die Gegner des Deutschen Reichs , sich mit dem deutschen Volk so weit ausgesöhnt haben, daß von einem Schlußstrich längst gesprochen werden kann. Was im Zuge der Ukraine-Krise natürlich wieder ein Fragezeichen verdient. Jedenfalls: wenn das heutige Deutschland noch immer dann und wann in NS-Nähe gerückt wird, dann von Engländern, Italienern, Griechen oder Polen, nicht von Russen, soweit mir bekannt ist. Und, in der Tat, Stalin und Putin sind grundverschieden, eine Gleichsetzung wäre, bei allen Schwächen und Fehlern Putins, wirklich unstatthaft.

    • Dr. Rader schreibt:

      Ja, da haben Sie in vielem auch wieder recht. Und während etlicher Zeitabschnitte haben Deutsche und Russen einander sehr gut verstanden. Dazu kommt, dass die russische Kultur und Sprache erstaunlich viel von der deutschen übernommen hat. In diesem Sinne, “gute Verrichtung”!

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