Die Selbstbestimmung und ihre Feinde

L´auto-détermination et leurs ennemis                                                                               The self-determination and their enemies

Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung, Selbstverwaltung, waren das nicht einmal hehre 68er-Träume? Ja, aber der Junglinken marxistisch unterfütterter Sturm und Drang kam ins Stocken, und als man schließlich den Marsch durch die Institutionen angetreten hatte, begann nach und nach die opportunistische Häutung. Karriere durch Anpassung war fortan für viele angesagt, und inzwischen haben sich dieselben derart den von ihnen einst bekämpften kapitalistischen Ausbeutern unterworfen und sich dem einstigen Feindbild USA angenähert, daß sie inzwischen als deren ergebenste Diener und Propagandisten gesehen werden können.

Als typischer Vertreter dieser opportunistisch gehäuteten Linken könnte der an einer dem Spekulanten Soros nahestehenden Universität wirkende Politologe Anton Pelinka* angesehen werden. Die „Emanzipation der Politik vom Nationalstaat“ ist ihm – den man schon einmal (1994) an der Seite einer RAF-Aktivistin gesichtet haben will und in dessen Institutsräumen Linksextremisten sich einst die Hand gegeben haben sollen – ein dringliches Anliegen. Dafür biete, seiner Meinung nach, die Europäische Union das ideale institutionelle Gefüge. Gewiß, gewiß, und die Emanzipation des Bürgers vom Bei-sich-sein folgt auf dem Fuße

Aus diesem Blickwinkel muß Anton Pelinka das Selbstbestimmungsrecht, etwa der Südtiroler, tatsächlich als „gefährlicher Unfug“ erscheinen. So nämlich äußerte er sich am 5. September in der Tageszeitung online. Nach Pelinkas Auffassung ist es schon deshalb ein Unfug, weil ja, wie er betont, nicht klar ist, was ein Volk sei und, seiner Meinung nach, in Europa ja bereits eine „multikulturelle Gemengelage“ herrsche. Das heißt, Schotten, Katalanen, Südtiroler, Oberschlesier und viele andere hätten sich der Globalisierung zu fügen (und den ermordeten und gefolterten Südtiroler Freiheitskämpfern wäre demnach recht geschehen?)

Wozu noch Widerstand, da wir doch, wie der unabkömmliche Ezzesgeber Pelinka meint, ohnehin bereits auf dem Wege seien, Amerikaner zu werden. Dieser Logik folgend ergibt sich natürlich in der EU die Notwendigkeit eines Staatsvolkes à la USA. Daß für Pelinka die Vereinigten Staaten den Sinn der Geschichte verkörpern, darf daher stark vermutet werden. Nebenbei bemerkt wurde er in einem Beitrag der Hermann-Klahr-Gesellschaft schon als Propagandist des Imperialismus ausgewiesen, und es muß ja nicht alles falsch sein, was Kommunisten sagen.

Pelinka und Konsorten im Geiste scheint also nicht klar zu sein, was ein Volk ist, den Vereinten Nationen schon: „Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.“ ** Dasselbe Recht aber ist, wie auch das Heimatrecht, dazu das Recht auf eigene Identität gehört, für der Amerikanisierung zuneigende Intellektuelle in Staat und Gesellschaft natürlich Makulatur.

Selbst wenn der gelegentlich als Gutachter auftretende Herr Professor aus katholischem Elternhaus noch immer „von einer eindeutig marxistisch geprägten Geschichtsinterpretation geprägt“ sein mag, wie vor Gericht einmal festgestellt wurde, so ist dies dennoch mit seinem Faible für den ehemaligen Klassenfeind vereinbar. Gibt es doch zwischen dem (liberal-) kapitalistischen und dem kommunistischen System durchaus einige Gemeinsamkeiten, wobei eine davon, der Gleichheitswahn, sehr maßgeblich hervorsticht. Derselbe sich bei gewissen Menschen mit Verhaltensauffälligkeit, psychologisch durchaus verständlich, großer Beliebtheit erweist. Links, aber, so paradox es einigen klingen mag, auch rechts der Mitte. Wobei natürlich der Wahn auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck kommt und auf unterschiedlichen Wegen zum jeweils erwünschten Ziele führen kann.

*Anton Pelinka ist seit September 2006 Professor für Politikwissenschaft und Nationalismusstudien an der englischsprachigen Central European University in Budapest. Davor wirkte er an der Universität Innsbruck.                                                 **Menschenrechtspakte von 1966 (Pakt I über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, Pakt II über bürgerliche und politische Rechte, Artikel 1, Absatz 1.)

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2 Antworten zu Die Selbstbestimmung und ihre Feinde

  1. Carolus schreibt:

    Interessanter, informativer Artikel. Danke!

    Hinweis: „Hermann-Klahr-Gesellschaft“: wohl Alfred-Klahr-G
    https://startpage.com/deu/advanced-search.html?&cat=web&query=pelinka%20site%3Aklahrgesellschaft.at

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