Gefälliges Lohnschreiben und Kopfnicken lohnen sich

Ecrire complaisamment et hocher la tête: ca vaut la peine
Accommodating writing and head nodding: it pays

Die politischen Ereignisse überschlagen sich beinahe täglich, und eigentlich forderte bald jedes zweite eine Stellungnahme heraus. Geht nicht immer, aber Putin in Wien, das  schon. Da ging es in den Medien zu wie in einem Hühnerstall in den der Fuchs einbricht. Also schrieb man sich für „demokratische Werte“ und „Menschenrechte“, wieder einmal die Finger wund. Zum Gefallen der Schutzmacht USA, denn „die haben uns jahrzehntelang vor sowjetischen Drohungen und Interventionen beschützt“ (Hans Rauscher im Standard). Stimmt, aber mit kleinem Schönheitsfehler: Erst nachdem Washington vorher die bolschewistische Elite  finanziert und unterstützt hatte, wie später die Taliban, Al Kaida, ISIS oder die Maidan-Nazis, um sich  als Beschützer hehrer Werte aufspielen zu können.

Doch Rauscher, gelernter Überzeugungstäter, schreibt leicht süffisant weiter: „… heute gilt wohl die Mehrheitsmeinung, dass die USA mit ihrem Abhören, ihren missglückten Interventionen in Afghanistan und Irak, mit ihren nackten wirtschaftlichen Interessen so schlimm sind wie Putins Russland“. Ja, ja die schreckliche Mehrheit mit ihrem gesunden Hausverstand. Ist unser Standard-Mann nicht ein vorbildlicher Vertreter der westlichen Journaille?                                                                                                                                          Durch die US-Politik verursachtes Leid und Elend in den Ländern des Arabischen Frühlings, die Unterstützung von Landräubern in Nahost, die Drohnenangriffe gegen Zivilisten, die Unterstützung gewalttätiger Regime und frühere völkerrechtswidrige militärische Interventionen rund um die Welt nimmt der lachsfarbene Scherzkeks gewiß als friedenssichernde Kollateralschäden zur Kenntnis. Sicher nicht zu seinem Nachteil.

Ein zweites, zwar auch nicht weltbewegendes, aber dennoch von den Medien beachtetes Ereignis sei hier noch erwähnt: die gescheiterte „Rechtsfraktion“. Von Genugtuung und Häme konnte man in den Blättern und Internetseiten nicht genug kriegen. Nach Mölzers gescheiterter Initiative 2007 jetzt wieder eine mißglückte. Das spricht, in der Tat, nicht unbedingt für ein vom Glück begünstigtes Management. Obwohl man sich fragt, ist es denn der ganze Aufwand überhaupt wert?                                                                                            Er muß es wohl sein, denn immerhin hatte man es von der freiheitlichen Führung notwendig erachtet, für die nötigen Verhandlungen einen entsprechend talentierten Mann mit internationalen Kontakten „anzuheuern“. Der sicher noch einiges vor hat und in seinen Erwartungen gewiß nicht enttäuscht werden möchte.

Dieser, Chaim Mühlstein, weltgewandter israelischer Geschäftsmann und Vertreter dreist-fröhlicher Landbesetzer, soll inoffiziell an der Spitze des blauen Verhandlungsteams gestanden haben. Es ist derselbe, der die Reise von Strache und Co. nach Israel mit eingefädelt haben soll. Ob nun diese zionistische Geheimwaffe (oder wer immer) dem polnischen Kandidaten die rote Karte gezeigt hat, ist eigentlich schon unerheblich.            Doch kam bei diesen Verhandlungen erneut ein weit verbreitetes Phänomen in den abseits der Etablierten wirkenden politischen Kräfte zum Vorschein: Nicht nur unterscheiden sich diese untereinander wie auch ihre Motive sehr stark, sondern es scheint jede einzelne Gruppe oder Partei in sich nicht wirklich gefestigt. Man ist sozusagen in der Lernphase.

Aber, wie  von mir bereits hinterfragt, wozu der ganze Aufwand, ist denn dieses Europäische Parlament, wie man so schön sagt, nicht ohnehin für die Katz? So schreibt der Chefredakteur der Schweizerzeit, Ulrich Schlüer, dazu: „Tatsächlich bestimmt in der EU ein sehr enger Kreis von Elite-Funktionären das wesentliche Geschehen weitestgehend allein. Die Entscheidungen dazu treffen ausschließlich Exekutivpolitiker und Funktionäre der höchsten EU-Ebene… Die Parlamente – das EU-Parlament wie die nationalen Parlamente der EU -Mitglieder – werden zu wirkungslosen Kopfnicker-Gremien erniedrigt.“                                                                                                                                         Ja und? wird es dazu aus Brüssel und Straßburg schallen. Immerhin wird nicht nur gefälliges Lohnschreiben für Banken und Konzerne, sondern auch parlamentarisches Kopfnicken vergoldet. Selbst bei dessen Verweigerung! Im Übrigen bin ich der Meinung, mit einem trinkfreudigen Gaukler bekommt die EU endlich den Kommissionspräsidenten den sie verdient.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Gefälliges Lohnschreiben und Kopfnicken lohnen sich

  1. Jaro Ruanza schreibt:

    Interessant! Möchte gerne wissen wieviele FPÖ-Wähler wissen wer Chaim Mühlstein ist und was der mit der Blauen Partei zu tun hat.Abgründe tun sich auf……

  2. Bravo schreibt:

    Politiker und Journalisten dürfen sich nicht wundern über ihren schlechten Ruf. Da wird doch gelogen und geschleimt, dass einen schlecht werden könnte. Warum sollte die freiheitliche Führung anders sein, es sind doch alle von diesem Opportunismus infiziert. Da muß einmal ganz was anderes her.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s