„Kreuzritter“ und muslimische Gotteskrieger

Croisés et djihadists                                                                                                                     Crusaders and jihadists

Es ist schon länger her und Gaddafi herrschte noch unangefochten als ich Libyen das erste Mal besuchte. In Erinnerung blieb mir so manch unübersehbare Übel, aber auch Erfreuliches, unter anderem die vielen fröhlichen, modisch gekleideten Studentinnen auf dem Universitätsgelände in Tripolis. Daß ihr Unterricht stark ideologisch geprägt war, dessen war ich mir damals wohl bewußt.

Heute frage ich mich, was bloß aus ihnen geworden sein mag, und erst recht, was aus ihren Töchtern. Sind sie alle nun glücklicher? Haben sie genug Geld für die täglichen Bedürfnisse ihrer Familien? Werden die Freiheiten, die ihnen Gadaffi gewährte, in Zukunft aufrecht erhalten werden können? Ungewiß ist vieles.

Gesichert aber ist, daß Gaddafi, wie Herrscher in anderen islamischen Ländern heute auch, autoritär und wenig zimperlich herrschte. Die nicht nur in arabischen Ländern übliche Korruption und Vetternwirtschaft war gang und gäbe. Aber, so sarkastisch es klingen mag, es herrschte im Vergleich zu heute eine gewisse, wenn auch nicht unseren Vorstellungen entsprechende Ordnung.

Von einer solchen Ordnung ist man seit der westlichen Intervention weit entfernt, und der arabische Frühling hat den Libyern tausendfaches Leid und unbeschreibliches Chaos beschert. So wie es aussieht, bereits um ein Vielfaches mehr als unter dem „Führer der Revolution“, und schon kündet sich neues Unheil an: ein möglicher großer Bürgerkrieg mit ungewissem Ausgang.

Übertroffen wird aber nun das Schicksal Libyens derzeit noch von dem des Iraks und Syriens. Auch dort mangelte bzw. mangelt es an Demokratie, doch beide Länder konnten in gewisser Hinsicht durchaus bemerkenswerte zivilisatorische Fortschritte vorweisen. Die Frauen hatten Rechte, wovon das weibliche Geschlecht etwa im vom Westen hofierten Saudi Arabien nur träumen kann.

Und wie in Libyen waren auch unter den Diktatoren Saddam und Assad das Gesundheits- und das Bildungswesen recht gut organisiert und für weite Teile der Bevölkerung erschwinglich oder gar kostenlos. Was aber jetzt speziell den Menschen im Irak noch in das Haus stehen könnte, läßt schlimmste Befürchtungen zu.

Die radikalen ISIS-Islamisten werden, falls sie sich gebietsweise festsetzen, sich auf ewig gewiß nicht halten können, aber bis zu ihrem Scheitern könnte auf deren Hoheitsgebiet ein größerer Schrecken herrschen als zu Zeiten Saddams. Mit entsprechenden Belastungen für Europa, weniger für die USA, mit Israel hauptverantwortlich für die heutige Situation in diesen Ländern.

Wie immer ist es auch im Falle eines gewaltbereiten Islamismus ratsam, die Motivation der verschiedenen Akteure vor dem Hintergrund ihrer Kultur und Geschichte zu verstehen versuchen. Gerade auch dann, wenn man den Islamismus ablehnt oder gar erbitterter Gegner des Islam ist. Die Grausamkeit muslimischer Extremisten sollte bei aller Abscheu die man empfindet, nicht ganz den Blick auf eines ihrer Hauptanliegen verstellen: die Vertreibung der westlichen „Kreuzritter“.

Norman Mailer sprach einmal im Zusammenhang mit der amerikanischen Interventionslust  vom Heiligen Krieg der USA. So gesehen könnte man jenem der Gotteskrieger durchaus ungeteilte Sympathien abgewinnen, stünde dahinter eben nicht das Bestreben, eine selbst in islamischen Ländern umstrittene, nicht selten menschenverachtende Interpretation des Koran Gesetz werden zu lassen.

Ein Gesetz, das für die Masse der Muslime in den betroffenen Ländern nur eine neue Knechtschaft einleiten würde. Ich denke aber, früher oder später wird sich, wenn auch der Preis dafür hoch gewesen sein wird, eine allgemeingültige, dem 21. Jahrhundert angemessene Neuinterpretation des Koran durchsetzen. Was übrigens die Befreiung des Islam aus der Geiselhaft reaktionärer Scheichs und Prediger bewirken und eine Rückführung der in Europa eingewanderten Masse von Muslimen in ihre alte Heimat erleichtern sollte. Zukunftsmusik, natürlich.

Aber hätte denn die US-geführte westliche Politik überhaupt ein mittelfristiges Interesse an einer solchen Entwicklung? Geht es den US-Strategen und ihrer zionistischen Lobby, was den Nahen und Mittleren Osten betrifft, nicht doch eher um die Schaffung vieler kleiner, unstabiler Libanons (z. B. ein dreigeteilter Irak) und auch um die Desintegration eines Europas, das dann nur mehr zur Bereitstellung von modernen Landsknechten und, mit Blick nach Osten, als zukünftiges NATO-Schlachtfeld taugte?

Was aber, so meine andere Überlegung, wenn Muslime sich einmal mehrheitlich hinter einem charismatischen und fähigen Führer scharen, um im Namen des Propheten ein durch Uneinigkeit und Geburtendefizit geschwächtes Europa endgültig zu übernehmen? Was nicht einmal mit Waffengewalt erforderlich sein wird, da ihnen dieses selbstvergessene Europa ohnehin bereits wie ein reifer Apfel in den Schoß zu fallen scheint.

Wie auch immer. Die tölpelhafte und arrogante westliche Politik, die im islamischen Raum außer Chaos nachweislich auch den kometenhaften Aufstieg der extremistischen Gotteskrieger, Taliban, Al Kaida und selbst ISIS etwa, erst ermöglicht hat, könnte jedenfalls dereinst noch als Geburtshelfer eines neuen, dem Westen feindlich gesinnten, mit womöglich pakistanischen Atomwaffen bestückten Kalifats in die Geschichte eingehen.

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5 Antworten zu „Kreuzritter“ und muslimische Gotteskrieger

  1. almutrosebrock schreibt:

    Ich habe den Text auf Facebook geteilt. Sehr klar und deutlich kritisch geschrieben.
    Eindeutige und „einfache“ Lösungen gibt es nicht.
    Sind positive „Lösungsansätze“ in Sicht? Wohl eher weniger.
    Die Situation ist hochgefährlich!
    Gefreut habe ich mich über Papst Franziskus in Palästina und in Israel –
    und über das Friedensgebet zu Pfingsten.
    Wenn man dann jedoch liest, was der islamische Prediger gebetet haben soll,
    wird einem wieder ganz anders.
    http://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2014/streit-um-islamisches-gebet-im-vatikan/
    Genauere Hintergründe, von einem Islamwissenschaftler erläutert:
    http://www.pi-news.net/2014/06/friedensgebet-unter-mohammeds-schwert/

    HERR, Vater von Jesus Christus, segne und behüte uns und unsere Welt!

  2. Corinna schreibt:

    Die Amerikaner verraten den Geist ihrer Verfassung, die Islamisten mißbrauchen den Koran. Wir haben es auf beiden Seiten mit Ursupatoren zu tun, denen das Gemeinwohl im Grunde egal ist.Hauptsache ihr Irrsinn setzt sich durch.

  3. Sowieso schreibt:

    Armes Europa. Leichte Beute für die einen und die anderen.Unsere Politiker sind zum Kotzen.

  4. cashca schreibt:

    Wenn wir übernommen werden, sind wir alle selber schuld.
    Schaut aut man die Geburtenzahlen an, dann ist es fast eine logische Folge, dass die Mehrheit der nachwachsenden Generation bald muslimisch ist.
    Dann wird übrnommen, weil es deren Ziel ist, egal wieviele das nicht sehen wollen.
    Nach unserer staatlichen Ordnung entscheidet die Mehrheit.
    Also, vorbereiten , vorsorgen, stellen wir uns darauf ein, es wird kommen.
    Es sei den andere Ereignisse verhindern das noch.

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