Ein undemokratisches Projekt und viele Heuchler

Un projet antidémocratique et d’hypocrites                                                                       An undemocratic project and many hypocrites

Einen „zahnlosen Apparat“ nannte die Frontfrau des nicht zur EU-Wahl angetretenen Team Stronach das EU-Parlament. Sie hat recht. Dennoch sind die Illusionen, die man sich in weiten Kreisen bezüglich einer Entwicklung hin zu einer demokratischeren und weniger zentralistischen EU macht, immer noch ungeheuer. Die Politiker, die behaupten, dort Grundsätzliches verändern zu können, sind ein heuchlerischer Haufen. Denn, und das weiß man längst, selbst die erhabensten politischen Absichten werden automatisch von der EU-Jauchengrube infiziert, in der sie sich entwickeln müssen. Und zersetzen sich dort.

Also, was zum Teufel, reizt unzählige Berufspolitiker und Neulinge dann so sehr neuerlich oder erstmals einen Sitz im EU-Parlament zu ergattern? Ein Mysterium für viele. Immerhin eine Institution, die wenig bis gar keinen Einfluß auf die Gesetzgebung hat und von einer fremdbestimmten Kommission, eine Elite, die nicht vom Volk gewählt wurde, am Gängelband geführt wird. Sind es das fürstliche Gehalt und die vielen Privilegien die viele, vor allem Dampfplauderer, so stark anziehen? Für den einen oder anderen auch noch eine kleine Zuwendung von Lobby-Seite in Aussicht?

Oskar Lafontaine (Die Linke) und Nigel Farage (UKIP) sprechen Klartext: Die EU ist „ein undemokratisches Projekt der Eliten“.

Zum Lachen sind deshalb die ewig gleichen, einschläfernden Stehsätze der Wahlwerbung. Die Sozialdemokraten fordern einen „Kurswechsel“ und eine „gerechtere, demokratischere und sozialere Politik“. Auch die Volkspartei möchte Europa (ist für sie gleich EU) „noch besser“ machen. Warum haben die beiden Parteien, immerhin Mitglieder der stärksten Fraktionen im EU-Parlament, das denn bisher nicht geschafft? Wer hat sie daran gehindert, ja wie kommt es denn, daß in Wirklichkeit mit ihnen und durch sie alles viel schlechter geworden ist?

Europa „muß ein Gefühl werden“, sagt der wie sein SPÖ-Gegenüber gleichermaßen snobistische ÖVP- Spitzenkandidat. Und wie Herr Karas? Das weiß er natürlich nicht, was bei der um sich greifenden Bildungsmisere in Österreich nicht überrascht. Diese erfasst ja zusehends mehr das politische „Establishment“, links wie rechts. Dafür typisch der aktuelle Wahlknüller der austrittsheuchlerischen FPÖ-Führung: „Österreich denkt um, zu viel EU ist dumm“. Jetzt muß die Partei aber höllisch aufpassen, daß ihr die Villacher Faschingsgilde ihren erfolgreichen Stracheflüsterer nicht abwirbt.

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5 Antworten zu Ein undemokratisches Projekt und viele Heuchler

  1. werner kohl schreibt:

    Und wie sieht Ihre Alternative aus?

    Bekanntlich wurde die EU aus 2 Wirtschafts-Unionen „herausgegründet“! Und geht´s in der Wirtschaft demokratisch zu? Dort herrscht als einziges „Sozialprojekt“: „WER ZAHLT SCHAFFT AN!“

    Na also!

    • helmut mueller schreibt:

      Da liegt , in der Tat, der Hund begraben.Daher halte ich alle Reformwünsche und -vorhaben für ein unerfüllbares Wunschprogramm. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: die EU zerbricht an sich selbst oder es kommt zu einem Aufstand in ganz Europa. Dann werden die Karten neu gemischt.Im Übrigen sollte es heißen „unsere Alternative“, und an der arbeiten bereits unzählige Querdenker.In bescheidenem Maße auch ich. Ob es ausreicht, um einmal den Mächtigen Paroli zu bieten oder am Ende, wie so oft, jede echte Alternative an Egoismen und Haarspaltereien der Akteure scheitert? Alles ist möglich.

      • werner kohl schreibt:

        Ich bin nicht sicher, dass die EU zerbricht, denn jene, die Vermögen haben, werden alles versuchen, es zu behalten, denn wo gibt es denn „sichere“ Geld-Parkplätze. Nicht einmal in China!

        Ob Europa solidarisch ist, und einen gleichzeitigen Aufstand schafft, halte ich für utopisch. Welche Seite will den initiieren? Links? Rechts? Vielleicht wenn der Vatikan inhaltlich und monetär die Initiative ergreift. Hätte Sinn und Charme, da könnte sich ja das „Christentum“ beweisen!

  2. helmut schreibt:

    Die Politiker, die behaupten, dort Grundsätzliches verändern zu können, sind ein heuchlerischer Haufen. So ist es. Dasselbe, wenn Einer sagt, er will die Kirche reformieren.

  3. corinna schreibt:

    Gratulation zu Ihren beiden letzten Beiträgen. Meine Meinung, dass Politik die Kunst des Möglichen ist, impliziert, dass man sich Sachverhalten zuwenden sollte, wo zumindest Chance einer Veränderung besteht (bezüglich Weltpolitik sehe ich diese Möglichkeit nicht, sehr wohl jedoch bezüglich eines Halbwelt-Konglomerates, welches den Begriff „Freiheitlich“ mißbraucht. ) Die FPÖ betreibt weder fundierte Sach- noch wirkliche Oppositionspolitik (dies wäre vermutlich wirkliche Knochenarbeit, nicht so lustig wie Sprechblasen): In Wien wurde z.B. nicht einmal das sündteure „Fuzo-Projekt Mariahilferstraße“ verhindert, stattdessen treibt sich Stadtrat GUDENUS in der Ukraine und Rußland herum: DIES IST NICHT AUFGABE EINES WIENER STADTRATES; es ließen sich noch unzählige Beispiele anführen: IN DER REALPOLITIK VERSAGEN SIE TOTAL (entscheidend ist was geschieht, nicht was geplappert wird).
    P.S. Wo war die Aufregung als theoretisch zukünftiger Dreifach-Pensionist Mölzer seinen Sohn mit einem Nationalratsmandat versorgte und Steger sein Töchterchen? Nepotismus wird dies genannt; was passiert, wenn ein solches Polit-Konglomerat in die Regierung kommt, kann man sich nur mit Schaudern ausmalen…

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