Was uns der Fall Mölzer lehrt

Ce que nous apprenons de l´affaire Mölzer                                                                         What wie learn from the case Mölzer

Andreas Mölzer hat es endlich geschafft, den Erwartungen seiner innerparteilichen Gegner wie auch der von ihm so genannten linken Jagdgesellschaft vollends gerecht zu werden. Nicht zuletzt natürlich seinem Naturell. Was der sichtlich in die Jahre gekommene Parteifuchs nicht geschafft hat: Die Taktik der auf ihn angesetzten Journalisten mit Ausweichmanövern zu unterlaufen und das Gespräch auf ein seinen Anliegen entsprechendes Nebengleis zu führen. Möglich, daß er der Sache nicht mehr gewachsen ist.

„Pechrabenschwarz“ endete denn auch sein semantischer Ausflug in Dritte diskriminierende Niederungen. Ihm sei bei dieser Gelegenheit eine Mahnung seines Landsmannes Peter Rosegger in Erinnerung gerufen, die da lautet, man solle nicht andere heruntersetzen, sondern das Eigene erheben durch persönliche Opfer. Materielle besonders auch. Dies entspräche übrigens der Einstellung der von Mölzer und Kameraden verehrten Geistesheroen der deutschen Geschichte.

Der nicht gerade mit einem sensiblen Gemütskostüm ausgestattete Mölzer hat aber doch noch etwas geschafft. Wie nie zuvor seit Haiders Scheitern wurden durch diese Affäre die Schwächen der Partei so offenkundig, und die der Führung im Besonderen. Und das nicht nur im Krisenmanagement. Denn weder kann die Partei eine geistige Grundströmung vorweisen mit der sich eine Mehrheit der Österreicher identifizieren könnte, noch scheint der Parteichef psychisch und ideologisch sattelfest.

Zuletzt wurde Strache von einem ORF-Journalisten wie ein kleiner Schuljunge, der beim Schummeln ertappt wurde, vorgeführt. Was, auch seines Ehrgeizes und seiner Eitelkeit wegen, dazu führen könnte, daß er, vor allem mit seinen Mentoren im Rücken, in Zukunft noch systemkonformer auftritt. Doch da mögen noch soviele Prozentpunkte mehr locken, bei einem kräftigeren Windstoß könnte das ganze für Augenblickserfolge adaptierte populistische Kartenhaus (wieder) in sich zusammenfallen. Ist es nicht so, wer Haiders Stil kopiert, nimmt auch dessen Erfolglosigkeit am Ende in Kauf?

Übrigens: Warum hat die Parteiführung Mölzers Ausrutscher nicht zum Anlaß genommen und das darin Angesprochene in zeitgemäßer Form auf die Tagesordnung gesetzt? Unter anderem auch eine Behandlung dessen, was zur Klärung von Identität und Kultur und damit zusammenhängenden Fragen aus freiheitlicher Sicht beitragen hätte können. Wenn nicht vor einer Wahl, wann dann? Wäre man intellektuell überfordert gewesen? Fürchtete man den medialen Aufschrei?

Ach ja, man möchte doch aalglatt in die EU um sie grundlegend verändern zu können. Es gelte die nationale Souveränität zurückzuerobern, meint der neue Spitzenkandidat allen Ernstes. Was sollen diese Sprechblasen? Hat ihm Mölzer noch nicht verraten, daß das so nicht möglich ist? Und wenn schon, dann müßte die Partei überhaupt erst einmal den Austritt aus der Europäischen Union „offen und ehrlich“, wie Strache ununterbrochen zu sagen pflegt, anstreben. Dazu bedürfte es allerdings keines freiheitlichen Vertreters mehr im an sich ohnmächtigen EU-Parlament.

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2 Antworten zu Was uns der Fall Mölzer lehrt

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Ich glaube nicht, daß Mölzer seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen wäre, wenn er das nur gewollt hätte. Er hat nachweislich im Sinne der EU und mithin Amerikas agiert, indem er ein gemeinsames Heer und gemeinsame europäische Ministerien forderte. Die Rechtsfraktion, die während seiner Amtszeit nicht zustande kam, wird nun möglicherweise (wenn wir Glück haben) einiges zuwege bringen. Was den Inhalt von Mölzers Aussagen betrifft: die Reaktionen darauf waren wie Amen im Gebet zu erwarten. Er hat entweder keinerlei politischen Instinkt, oder er hat diese Provokationen absichtlich gesetzt, aus welchen Gründen auch immer. Man kann Inhalte so transportieren, daß niemand Anstoß nimmt oder persönlich beleidigt wird. Auch war die Art, wie er Gesagtes abstritt oder gewaltsam uminterpretierte, nicht besonders ehrenwert. Weshalb ich glaube, daß auch die Burschenschafter sich nicht mit ihm identifizieren können. Obgleich die linken Medien sich über eine Spaltung der FPÖ riesig freuen würden; sie werden sich aber wohl zu früh gefreut haben. Strache müßte sich jetzt auch etwas dezidierter aussprechen und Gesagtes nicht gleich wieder relativieren. Er dürfte im Zweifelsfall dazugelernt haben und wird hoffentlich zur Einbremsung der EU (die Auflösung wäre zu schön, um wahr zu werden) beitragen, was auch von Vilimsky zu hoffen ist.

  2. Jaro Ruanza schreibt:

    Die pointierten Aussagen in diversen Medien haben den ambitionierten Israel – Pilger Mölzer schon öffters in Bedrängnis gebracht,so zum Beispiel seine Aussage in der Kronenzeitung über die Waffen SS vor ca.zehn Jahren,welche er als „die blutbefleckte Prätorianergarde eines verbrecherischen Systems“,bezeichnete.Für einen angeblichen Ultrarechten eine wahrhaft seltsame Formulierung!
    Dazu jetzt völlig konträr seine Aussagen über die EU als „Negerkonglomerat“. Herr Mölzer wird sich entscheiden müssen,was er denn eigentlich will,außer vielleicht EU-Parlamentsabgeordneter zu bleiben.

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