Sotschi liegt nicht am Persischen Golf. Leider.

Der deutsche Bundespräsident hat in seiner Eröffnungsrede auf der Münchner Sicherheitskonferenz mehr Entschlossenheit in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik gefordert. Militärstrategisch ist dies  nicht wirklich eine Wende. Herr Fischer, vulgo Joschka, Mitfahrer  der US-Außenpolitik, hatte schon mit seinem Kosovo-Engagement verdeutlicht, wohin die Reise gehen soll. Daß aber deutsche Soldaten (schon wieder) auch in die Ukraine einmarschierten, ist dann doch eher nicht denkbar.               Der aktuelle Stand der Dinge lautet dennoch: Berlin wird im Eigeninteresse seines Vormundes USA nun etwas mehr von der Leine gelassen, aber gleichzeitig noch mehr eingebunden. Das Imperium möchte „die Welt übernehmen“, wie Normal Mailer sich einmal ausdrückte, und dazu benötigt man verlässliche Vasallen, mit Vorliebe erpressbare.

Wenn nun die Ukraine vom Westen mit wirtschaftlichen, sozialen und politischen Heilsversprechen geködert werden soll, dann stehen dahinter gewiß keine ethischen oder moralischen Beweggründe. Und wenn sittliche Normen, dann sind die mit Sicherheit längst erstarrt und können den gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten so wenig gerecht werden wie jene in der ehemaligen Sowjetunion, deren Geschäftsmodell (minus Gulag) die EU anscheinend übernehmen möchte.                                                                                         Legte man in der Beurteilung der Ukraine-Politik des Westens den Maßstab an, der bei der Neuordnung des Nahen Ostens benützt wird, dann müßte man eigentlich zu dem Schluß kommen, die politische Intervention Brüssels, eigentlich Washingtons, werde das gleiche Resultat bringen wie im Nahen Osten: Destabilisierung. Ist dies das eigentliche Ziel, dann ist man schon ein Stück weitergekommen. Auch in der Eindämmung Rußlands.

Vor diesem Hintergrund wären eigentlich auch die Wortmeldungen und Entschlüsse zum Thema Sotschi zu sehen. Wenn vom Herrn Gauck abwärts deutsche Politiker deshalb nicht dorthin fahren, weil Putin kein lupenreiner Demokrat sei, dann ist das reine Heuchelei. Dieselben würden gewiß nach Katar fahren, obwohl dort Gastarbeiter wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden – in Israel übrigens auch – und bereits mehr als 300 Nepalesen Opfer unzureichender Sicherheitsbedingungen geworden sind.                             Auch stört es hier im Westen keinen einzigen moralinsauren Spitzenpolitiker, daß der Emir von Katar gewaltbereite Islamisten sponsert und auch  mit Waffen versorgt. Derselben Politik die Saudis mit ihrem Steinzeit-Islam um nichts nachstehen. Aber anders als das Regime in Kiew, kaufen die  Autokraten da unten eben deutsche Panzer und  erwerben Aktien eines deutschen Automobilkonzerns..

Wie die Al Kaida-Islamisten, führt auch das US-Imperium einen Heiligen Krieg, allerdings nicht für Gott oder eine Religion. Das nicht. Es geht eher um strategische Vorteile bei der Sicherung von Ressourcen, um Absatzmärkte und Einflußsphären, bei gleichzeitiger Neutralisierung oder Ausschaltung möglicher oder tatsächlicher Konkurrenten.                Daß im Zuge dessen auch an den Rändern des Imperiums die Ökonomisierung und Materialisierung der Politik eingezogen ist und voranschreitet, geht am Wertekostüm unserer Politiker nicht spurlos vorüber. Das heißt, daß die für eine politische Ethik notwendige Kultur des Gewissens durch eine Kultur des selektiven Wegschauens ersetzt wird, in der die zum jeweiligen Tag oder Ereignis passende Wahrheit politisch dekretiert und, wenn nötig,Schurkenstaaten aus der Taufe gehoben werden.                                          Im Übrigen meine ich, wer aus moralischen oder ethischen Gründen nicht nach Sotschi fährt, der sollte auch nicht nach Israel fahren oder  aus der Politik ausscheiden.

PS. Mit welchem Maßstab im Gepäck reiste Bundespräsident Gauck eigentlich nach Äthiopien? Wird dort nicht die Opposition massiv unterdrückt?

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2 Antworten zu Sotschi liegt nicht am Persischen Golf. Leider.

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Wenn Gauck von den Menschenrechten herumphantasiert, so könnte ihm z.B. empfohlen werden, in seiner Eigenschaft als evangelischer Pastor über das Menschenrecht seiner Ehefrau nachzudenken.

  2. ifoe.amtmann schreibt:

    Die EU (der verlängerte Arm der USA) lässt keine Gelegenheit aus, dem einzigen Land, das nicht abhängig von den USA ist, wenigstens als Diktatur zu verachten! Es ist ja auch echt eine Frechheit, da lässt sich „Einer“ nicht alles gefallen – und hat auch noch die Macht sich gegen diese Mafia zu wehren! Die USA haben ihren Staat auf dem Land der ausgerotteten Indianer aufgebaut – und genau die wollen allen anderen erklären, wie moralisch sie sind!
    Die EU ist nur eine gute Gelegenheit, wie die USA auch Europa ausnehmen kann!
    Genau genommen ist diese EU nur eine vergrößerte Mafia-Organisation – aber natürlich nennt man das schöner „Wertegemeinschaft“! Wie bei der echten Mafia, bestimmen einige sehr einflussreiche Personen! Anders ist nur – die Mafia muss sich vor Justiz und Polizei verstecken – die EU beschließt einfach Gesetze, die die Verbrechen der Mafia legalisieren. Jetzt ist es sogar umgekehrt – Polizei und Justiz sichern den Politikern und ihren Auftraggebern ihre Macht – gegen das eigene Volk!

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