Im Westen geht die Sonne unter

Dans l´ouest le soleil se couche. Pas de doute, le soleil se couche à l’ouest, ainsi notre culture, et si la majorité est content du fait que la désintégration de l´un  soit la naissance de l´autre, alors continuons comme ça. Mais qui veut que le soleil de culture brille un jour à nouveau pour l´Europe et les Européens, à celui-ci attendents des heures de la connaisance de soi.                                                                                                                         In the west the sun goes down. No doubt, the sun sets in the west, so our culture, and if the majority is content with the fact that the decay of one is the birth of another, then keep it up. But who wants that his culture sun will shine again for Europe and the Europeans, for those of us are waiting hours of self-recognition.                                                                                                                                                                                                                                                                                     ***   

Seit Oswald Spengler mehren sich die Stimmen, die dem Abendland, also dem Westen, seinen Untergang voraussagen. Verantwortlich gemacht für den Untergang werden unter anderem die einstige Trennung von Geist und Leben und, so meint man, die daraus resultierende bis heute vergötterte  Fortschrittsidee, die am besten die Wurzellosigkeit und Entfremdung des westlichen Menschen kennzeichne.                                                            Zu vieles von dem, was als Fortschritt beurteilt werde, bedeute in Wahrheit Liquidierung, schrieb Graf Hermann Keyserling einmal. Geistige Liquidierung insofern, als der Kulturwille nur auf eines aus sei: „es sich leicht zu machen“. Man kann sagen, dies war schon im alten Rom so.

Eingedenk dessen sind mir, neben den Studien bedeutender Historiker, auch die klugen Gedanken eines Marc Aurel oder jene Baltasar Graciáns seit Jahrzehnten mahnende Wegbegleiter. Von so mancher Dummheit konnten mich letztere dennoch nicht abhalten. Was vielleicht auch damit zu tun, hat, daß man Weisheit nicht wie Wissen lehren kann. Sonst liefen ja nur mehr neunmalkluge Leute herum.                                                                So erstaunte mich die Aussage eines vielzitierten Erziehungs- und Bildungsfachmannes, der nun den Jesuitenpater Gracián entdeckt haben will, die Menschen seien klüger geworden. Womöglich auch noch gebildeter und wohlerzogener?

Doch wo ließen sich denn Menschen in Führungspositionen finden, deren Handlungen erstmals so etwas wie einen Fortschritt in Sachen Klugheit, Moral und Ethik erkennen lassen würden?  Ich wüßte nicht wo. Eher regiert die Torheit, und die führt  zu folgendem Ergebnis: Mehr Wachstum, mehr Konsum, mehr Profit, mehr Technik-Abhängigkeit, mehr Unmoral,  mehr Anormales, mehr Schund, mehr Gewalt, mehr Wohlstandverwahrlosung, mehr Umweltzerstörung, mehr Armut – geht eigentlich noch mehr?                                                                                                                                                                 Politik und Wirtschaft scheinen damit jedenfalls kein Problem zu haben. Sie laden die Verderben bringenden Früchte ihrer Politik einfach auf den Schultern der nächsten Generationen ab. Politik scheint, so wie Kultur und Kulturschaffen, nicht weiter von einer höheren, überzeitlichen Idee oder einem gemeinschaftlichen Ideal geleitet oder beeinflußt, sondern nur mehr ident mit Geldgier und hemmungsloser Machtausübung zu sein. Kultur wird, so sieht es zumindest aus, von den Offiziellen des Landes  kaum oder  nur als Mittel zum Zweck wahrgenommen.

Es überrascht daher nicht, wenn in der Rangliste einer Tageszeitung ein nennenswerter Kulturschaffender an 11. Stelle, ein bedeutender Schriftsteller erst an 90. und ein nicht ganz unbekannter Philosoph gar erst an 99.Stelle der wichtigsten Österreicher gereiht wird.An erster Stelle findet sich, dem materialistischen Trend entsprechend,  ein Milliardär als Vermarkter eines bedenklichen Getränkes, an zweiter, ein Fußballer und an dritter,  ein nichtssagender Politiker. Soviel zur Stellung Österreichs als selbsternannte Kulturgroßmacht.

Die Annahme, daß der Mensch die Krone der Schöpfung sei, wird mit soviel Flachgeistigem kaum aufrechtzuerhalten sein. Erst recht nicht, wenn man sich am allgemeinen Kultur-Niveau unserer gesamten westlichen Zivilisation orientiert. Das erschreckend Oberflächliche in diesen Tagen Europas spricht dafür, daß, wie der Kulturschaffende und Herausgeber eines beachtenswerten „Kulturblattes gegen kulturelle Einebnung“ (BravDa), Gottfried Fellerer, schreibt, „die alten Bräuche Europas, Anstand, Aufrichtigkeit, Würde, durch US-Halloween …ersetzt werden“.  

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, unsere gewohnte Welt wird bewußt der Zerstörung preisgegeben. Man fragt sich unwillkürlich, ist denn diese, unsere Gesellschaft mit ihren Zerstreuungs“events“ und ihrer „Shopping“-Philosophie, historisch und universell gesehen, nicht eigentlich unnütz?  Wozu soll diese denn noch nützlich sein, wo doch ihr einziges Trachten nur mehr auf  Selbstverstümmelung und Selbstzerstörung hinauszulaufen scheint und Fundamentalisten des Todeskults bis in höchste Ämter vorstoßen? Wie ist das nur möglich?

Nun sind historische Überlegungen zwar hilfreich, aber auch ohne diese müßte ein halbwegs gebildeter Zeitgenosse zu einer richtigen Einschätzung seiner hochgelobten Westlichen Wertegemeinschaft gelangen und diese anderen, weniger Informierten kundtun. Der Stein des Anstoßes müßte ins Rollen gebracht werden.                                        Was nicht ganz ungefährlich ist, denn „der öffentliche Gebrauch der Vernunft“ (Kant) fordert ja bekanntlich jene heraus, die für Menschenanbetung, Denaturierung desselben, Kulturverfall und nationale Zerfallsprozesse verantwortlich oder auch nur Nutznießer dieser Entwicklung sind. „Volksvertreter“, zum Beispiel, auch.

Daß  die Symptome des Niedergangs vielfach jenen ähneln, die zum Verschwinden vergangener Reiche führten, ist doch kein unzugängliches Geheimnis mehr. Zieht  man höheren Orts daraus Konsequenzen? Mitnichten, in Abwandlung eines bekannten Zitats kann man sagen, die Verblendeten in ihrem Lauf  halten weder Ochs noch Esel auf.           In Verkennung der Lage vermeinen viele im Dekadenzsumpf  steckende oder vom Fortschrittswahn gepeinigte  Zeitgenossen, unbedingt zur Prüfung einer „Nonsens“-Befähigung antreten zu müssen.

Zwar funktionieren bei vielen nur mehr nichtarterhaltende sexuelle Begierden und konsumatorische Reflexe reibungslos, aber es reicht, um von einer absurden Hamlet-Premiere im Wiener Burgtheater, die anspruchsvolle Theaterbesucher als einen qualvollen Sechs-Stunden-Spuk ertragen dürfen, vollauf begeistert zu sein. Was man natürlich auch von einem schwer zu beschreibendem so genannten „Kunstwerk“ irgend eines Scharlatans ist. Inmitten von Ignoranten wird so manch halbgebildeter, aber vielleicht zahlungskräftiger „Hofnarr“ des Kunstspekulationsgeschäfts  selbst zum Bewunderten.

Bewundert werden, dahin führen ja viele Wege, die aber gleichzeitig oft weg vom Leben führen. So entfaltet der Narzissmus, der in erster Linie für sich selbst leben will, inzwischen auch eine rücksichtslose Destruktivität besonders gegen die eigenen Nachkommen. Nach älteren Maßstäben ein Menschheitsverbrechen, das absolut nichts mit dem Experten-Befund „Die Menschen werden klüger“ gemeinsam hat. Da aber viele – nicht nur in eigener Sache – das Wort Schande  gar nicht mehr kennen, fällt diese heute nicht übermäßig auf.

Der „moderne“ Mensch, beraubt der Mythen und Legenden seines Volkes und  in egoistischer Weise abseits stehend von der  Gemeinschaft der Gewesenen, Seienden und Künftigen, verweigert ja längst Realsolidarität, die konstitutiv für ihn und seine Gemeinschaft sein sollte. In diese Haltung fügt sich auch, daß das Tradierungswissen verkümmert oder überhaupt denunziert wird, was dazu beiträgt, daß  in deutschen Landen auch gegenüber dem Kriegsopfergedenken unglaubliche Pietätlosigkeit und Pflichtverweigerung Platz greift.  Es ist interessant in diesem Zusammenhang, daß der Verfall der griechisch-römischen Eliten nach dem Zusammenbruch des Ahnenkults begann.

Besonders auf dem Gebiet des subventionierten Kulturlebens äußert sich der Niedergang sehr deutlich und wirkt,  ideologisch unterfuttert, nachhaltig in die Gesellschaft hinein. Aber nicht nur da, wovon Boulevardblätter und Privatsender, in denen der ungebildete Bodensatz der Gesellschaft sich in jeder Beziehung entblößen kann, ein Zeugnis dafür ablegen.  Zuletzt hatte sich sogar Rußlands Putin, dem man von westlicher Seite erhobenen Zeigefingers laufend Benimm-Vorschriften macht, in sehr deutlichen Worten zum Kulturverfall im Westen geäußert. Ob dazu befähigt oder nicht, recht hat er allemal.

Desgleichen der peruanische Schriftsteller und Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der in seinen Essays den westlichen Kulturverfall überzeugend und klar anspricht. Im Klappentext seines Buches „Alles Boulevard“ heißt es:“… die Zerstörung der Erotik, die frivole Banalisierung nahezu aller Lebensbereiche – Kultur wird heute systematisch verramscht“. Die Ideen, die treibende Kraft des kulturellen Lebens würden immer mehr verarmen, so Llosa.  Nun, die Ideen verarmen nicht nur, sie verlassen das Lebensnahe  und das Naturhafte.  .

Das wirft die Frage auf, worin liegt denn eigentlich der Sinn westlichen Daseins? In den Lebensentwürfen vieler Menschen ist der Sinn des Lebens kaum noch wiederzufinden, und wenn, dann als hohle Fortschrittsidee. Doch eine Kultur, die sich dem technischen Fortschritt, ein anderer ist ja in Wirklichkeit nicht auszumachen, unterwirft, hört auf, eine lebendige Kultur zu sein. Sie ist so gut wie  tot und wird früher oder später aus der Geschichte vertrieben. Nicht ohne zuvor bereits aus dem Natürlichen vertrieben worden zu sein, womit das Übernatürliche  klarerweise auch nicht mehr aufzufinden ist.

Wenn aber dieses allen Menschen zugängliche und doch rätselhafte große Mysterium – nenne man es Gott, Schöpfer, Weltgeist oder Weltenlenker –  das unsere Vorfahren noch in ihrer Begegnung mit der Natur verehrten,  in unseren Zukunftsprojektionen keine Rolle mehr spielt, dann werden wir aufhören den Namen Mensch zu verdienen, wir werden zu „Unmenschen“ (Putin) und das Schicksal einer Blume erleiden, die verwelkt, wenn der Stengel nicht mehr Wurzel faßt. Alsosollten wir uns nicht schleunigst ändern?

Ein Bewußtseinswandel  jedoch wird nicht von heute auf morgen vollzogen, denn um ein eingeprägtes Denk- und Verhaltensmuster zu überwinden, bedarf es Jahre, oft Jahrzehnte, sowie sich ja auch der Verfall bereits über Generationen erstreckt.                                  Ideen, neue Werte, neues Verhalten bedürfen daher eines oft mühevollen Lernprozesses, es sei denn sie werden, durch die ganz große, von vielen sogar schon erhoffte  Katastrophe beschleunigt zur Reife und Entfaltung gebracht.

Kein Zweifel, die Sonne geht im Westen unter, und wenn man sich, sei es als Privater, Politiker oder Manager, damit begnügte, daß des einen Verfall, des anderen Geburt sei, ja, dann weiter so wie bisher. Wem aber daran gelegen sein sollte, daß seine Kultursonne wieder über Europa aufgehe und den Europäern ihr Licht spende, auf den warten erst einmal Stunden der Selbsterkennung.                                                                                          Da lohnt sich möglicherweise dann doch ein Blick in die Aufzeichnungen weiser Männer, auch Frauen. Aber mehr als ein Denkanstoß kann es natürlich nicht sein. Das jeweils inhaltlich Kluge selbst umzusetzen, in dem empfohlenen Sinne leben zu versuchen, bleibt keinem erspart, der einen Heilungsprozeß in Gang setzen möchte.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Im Westen geht die Sonne unter

  1. peter schreibt:

    Die meisten son uns, wollen nur mehr Brot und Spiele. Tag und Nacht wird über Wirtschaft gesprochen und wie man diese vermehren kann. Auch bei Wahlkämpfen wird immer nur das Wohergehen des Menschen hevorgehoben. Auf den Zerfall unserer Sprache und Kultur weist kaum ein Politiker hin.
    Aber die Leute müßten schon auch ein bißchen selber denken, und nicht alles nachmachen, nachplappern, wie tote Fische mit dem Strom schwimmen.

    Nun, die genwärtige Lage kennen wir mehr oder weniger; wie können wir dem Zerfall entgegentreten, gibt es Kräfte, die wirkungsvoll auftreten könnten, den Niedergang schrittweise aufzuhalen?

    Wenn wir etwas ändern wollen, müßen wir irgendwo beginnen, anfangen das Blatt zu wenden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s