Österreich wählt – was ich noch dazu sagen möchte

In meiner Heimat Österreich wird morgen gewählt. Damit wird eine Grundfunktion  eines mit Defiziten verschiedenster Art belasteten demokratischen Staates erfüllt. Wählen sei daher Pflicht, wer es nicht tue, sei „strohdumm“, schrieb einer.                                           Was aber wähle ich, wenn mir keine der etablierten Parteien zusagt, in ihnen gar die Ursache der meisten Übel dieser Tage erkenne und mich keine der neuen Kleinparteien überzeugen kann?

Ich finde es außerdem skandalös, daß* wir in dieser hochgelobten Demokratie ohnehin nur die Parteien wählen dürfen, die andere für uns ausgesucht oder  nach erfolgter Innenschau zugelassen haben. Es ist wie die Speisekarte eines Restaurants, man  muß die Speisen schlucken, die darauf stehen. Oder wieder gehen. Was wohl eine größere Anzahl von Frustrierten diesmal tun wird.

Was in diesem Wahlkampf geboten wurde, empfand ich als einen Anschlag auf den gesunden Menschenverstand und eine Beleidigung für den guten Geschmack. In dem einen Fall glaubte man, den nur Diktatoren und Popstars vorbehaltenen Personenkult  noch übertreffen zu müssen. Und pries dazu heuchlerisch die Weisheit, Tugend und Macht des Pöbels.

In den Fernsehdebatten wurden die großen, wichtigen Fragen der Zeit anscheinend absichtlich links und rechts liegen gelassen. Aber Zeit fand man für das Alter des einen und für die Badehose des anderen. Ein politisches „Entertainment“ in der die Inkompetenz des einen  politischen Hochstaplers diejenige des Gegenübers zu überholen versuchte.

Auch werden  nicht die besten Kräfte des Landes für eine leitende politische Funktion vorgeschlagen, sondern fast nur Parteimitglieder und Funktionäre. An  Begabung, Charakter und Kenntnissen reiche Frauen und Männer werden für die großen Entscheidungen kaum herangezogen. Oft nur  solche, die in ihrem Beruf oder Geschäft nicht zum Zuge gekommen oder gescheitert sind. Oder solche, die von Jugend an nur Parteiluft geatmet haben

Zudem sind zu dieser Wahl schon 16 Jährige, also praktisch Minderjährige, nach exotischem Vorbild zugelassen, womit zu den vielen erwachsenen politisch Unerfahrenen oder politisch Halbgebildeten noch weitere hinzu kommen.  Könnte nicht die Zahl derer, die zu keinem eigenen oder zumindest zu keinem von Propaganda unbeeinflußten politischen Urteil gelangen, bereits so groß sein, daß deren Stimmen die Stabilität etwa der Staatsführung  bedrohen?

So werden also morgen unendlich viele ihr Schicksal einschlägig bekannten Politfüchsen und unerprobten Dilettanten anvertrauen, die alle möglichen Interessen, nur nicht ihr Volk vertreten oder  die das Parlament dazu benutzen, um dort ihre Geschäfte zu machen, politische und andere. Man wird sich Politikern ausliefern, die Gesetze so machen, daß sie an der Macht und am Futtertrog bleiben. Zumindest bis zur Politikerpension.

Gewiß gibt es in allen Parteien auch viele anständige, aufrechte Politiker, aber diese  haben meist nicht das  Sagen und werden nicht nach vor gelassen. Wie immer ruhen deshalb die Hoffnungen, daß es einmal auch anders sein könnte, auf der jungen Generation. Ihr könnte noch einmal eine größere Aufgabe zufallen. Noch ist es  nicht sicher, ob sie sich bewähren wird, aber wenn sie sich nicht kämpferisch für Wahrheit und Freiheit einsetzt, wer sonst?

Ich hoffe daher, daß recht viele sehr bald zu der einzig richtigen Erkenntnis kommen: Damit dieses Land rechtlich-politisch, moralisch und ethisch wieder in Ordnung gebracht werden kann, muß etwas ganz Neues her. Und das sollte spätestens nach dem Wahltag an- oder weitergedacht werden.

*Man verzeihe mir meine Schwäche für das scharfe „s“

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2 Antworten zu Österreich wählt – was ich noch dazu sagen möchte

  1. Marie Salmhofer schreibt:

    Soweit vertraue ich auf die Jugend und auf die nächsten neuen Generationen.

    Besser als „wir Alten“ werden sie es hoffentlich schon machen und auch verstehen, da „sie“ in vielen Dingen ja schon um so vieles VIELES mehr aufgeklärter sind als wir es waren, dank Medien und Fortschritt Internet!

    Schritt für Schritt (step by step) kann es in der Menschheitsgeschichte nur voran gehen. wir Ungeduldigen brauchen Geduld, was für manchen ja sehr schwer zu ertragen ist: DIE Geduld😉

    Auf jeden Fall sind wir, die wir uns die Finger wund schreiben, für ein „schnelleres Besseres“,zumindest ein teilhabendes Rädchen in der Geschichte – und das ist ja immerhin auch schon etwas!

  2. werner kohl schreibt:

    Sie haben aufs erste Hinsehen leider recht.

    Auf den zweiten Blick: es regieren in Wirklichkeit die großen internationalen Finanzhäuser wie Goldman-Sachs und Konsorten oder die div. EZB´s, Weltbank, Währungsfonds.

    Die div. nationalen Politiker wie zB Berlusconi, Steinmaier, Stronach uva sind dafür ohnehin nicht zum Regieren zu gebrauchen.

    Komme soeben aus den USA zurück: dort regieren weder Senat, noch das Repräsentantenhaus, sondern die Wall Street. Demnächst werden weitere Greenbacks rund um die Uhr gedruckt, um die vielen Scheinwelten am Leben zu erhalten. Die Casinos sind zum Brechen voll, es wird durchgezockt und Schulden gemacht. Bald müssen alle US-Amerikaner mit Stäbchen essen, was bei diesem Fraß eine zusätzliche Erschwernis ist – so lange, bis chinesische Gar-Küchen den Markt erobern. Das ist wenigstens ein gastronomischer Lichtblick.

    Wenn nun ab 1.10.das größte chinesische Finanz-Unternehmen seine Aktien auf der Wall Street handeln darf, dann beginnt ohnehin ein neues Finanz-Zeitalter…

    Im Spätherbst erwarten uns weltweit gewaltige Arbeitslosen-Heere und es gibt dazu keine vernünftigen Lösungen. Bis von dort ein mächtiger Knall zu hören sein wird…

    Ein spannender, heißer Herbst steht uns bevor – egal wie die morgigen Wahlen ausgehen.

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