Worüber man vor Wahlen nicht gerne spricht

Vor wenigen Tagen erhielt ich im Ausland Einblick in ein erst kürzlich in England erschienenes Buch*, das sich mit einem der größten Finanzskandale der letzten Jahrzehnte befasst. Da ich keine Gelegenheit hatte, es Zeile für Zeile zu lesen, möchte ich hier erst nur einmal einige wenige daraus entnommene wichtige Fakten mit Österreich-Bezug zu dem bekannten Fall Madoff erwähnen. Was mir angesichts der  ablenkenden Hypo-Alpe Adria-Fokussierung  und der bevorstehen Wahlen irgendwie notwendig erscheint.

Im Dezember 2008 wurde offenbar, daß der  Finanzspekulant  Bernard Madoff  ihm anvertrautes Geld  in der Höhe von 65 Milliarden Dollar veruntreut haben soll. Unter den Geschädigten sollen ja nicht nur österreichische Anleger sein, sondern dem ganzen Betrugssystem des Mister Madoff sollen auch österreichische Banken und Bankmanager „zugearbeitet“ haben.                                                                                                                      Mit Ausnahme einiger prominenter meist SPÖ-naher Bankmanager laufen, anders als in den USA, in Österreich nur gegen die übrigen namentlich bekannten Personen seit Jahren Strafermittlungsverfahren wegen schweren Betrugs, Untreue und Verfehlungen. Es sieht aber so aus, daß die Justizbehörden in diesem Fall sich äußerste Zurückhaltung auferlegen. Das mag mehrere Gründe haben.

Zum einen ist gerade in einem Wahljahr nicht mit der  restlosen Aufklärung eines solchen Mega-Skandals zu rechnen. Auch wird der schwarze Koalitionspartner der SPÖ kein großes Interesse an einer lückenlosen Aufklärung haben, will man doch gerne wieder koalieren und soll doch ein ehemaliger VP-Minister wissentlich oder unwissentlich seinen guten Namen für die Mister Madoff nahestehende Bank Medici  hergegeben haben.               Anfang Dezember 2008 kam eben die Privatbank Medici  in die Schlagzeilen, weil sie die auf einem Schneeballsystem aufgebauten Fonds des Bernard Madoff  in Milliardenhöhe verkauft haben soll.

Diese Bank, seit 1984 mit Sonja Kohn der Spitze, soll besonders die guten Dienste ranghoher SP-Politiker in Form von begleitenden Worten in den Werbebroschüren ihrer Bank in Anspruch genommen haben. Was im Gegenzug mit einer Beratungstätigkeit der Frau Kohn für die Regierung gefruchtet haben soll.                                                                     Nicht zuletzt  saßen ehemalige Minister der beiden großen Parteien im Aufsichtsrat der Bank und verhalfen dieser zu ihrem vermeintlich guten Ruf. Ein Vitamin „B“-Mangel kann Sonja Kohn nicht gerade nachgesagt werden. So war es dieser möglich, das von Madoff aufgebaute und ausgeklügelte Betrugssystem am Laufen zu halten. Zum Schaden unzähliger Anleger. Inzwischen mußte die Medici-Bank ihre Bank-Konzession zurücklegen.

Daß SP-Politiker und SP-nahe Bankmanager in einen der größten Finanzskandale verwickelt sein könnten, überrascht keineswegs. Irgendwie scheint man in der Welt derGenossen großen Appetit auf zwielichtige Dienste und Geschäfte gefunden zu haben. Wobei zwei rote Ex-Kanzler sich inzwischen inmitten der Großen des „big business“ recht ertragreich eingerichtet haben dürften. Auch die guten Kontakte der Frau Kohn könnten da durchaus hilfreich gewesen sein.

Aber all das ist, wie gesagt, so überraschend nicht. Einigen wird vielleicht noch die Affäre mit der Bank Burgenland in Erinnerung sein, die zum Rücktritt des damaligen SP-Landeshauptmannes geführt hat. Und daß heute ein verurteilter ehemaliger Top-Manager einer einstigen Gewerkschaftsbank  „gesundheitsbedingt“ freie Luft atmen darf, läßt nur den Schluß zu, daß im Hintergrund Mächtigere in seine Geschäfte involviert waren oder davon wußten  und daher für ein „happy end“ des Falles E… gesorgt haben.     

Besonders aber auch die Spekulationsverluste des von einer SP-Mehrheit geführten Landes Salzburg können als exemplarisches Beispiel für heutige sozialdemokratische Scheinmoral angeführt werden. Das alles soll natürlich nicht heißen, daß andere Parteien, etwa die ÖVP, nichts vor ihren Wählern zu verbergen hätten.                                              Aber im Vergleich zu den hier besprochenen Fällen wären, im Falle eines Falles, etwa die Immobilien-Investitionen eines freiheitlichen Urgesteins in Kroatien ebenso (noch) „Peanuts“ wie jene in einem Hafen von Istrien gesichtete ca. 850.000 Euro-Yacht, die angeblich HC Strache gehören soll.

 

*Michael Leidig: „Pyramid Games“, Medusa Publishing, 2013

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Worüber man vor Wahlen nicht gerne spricht

  1. Maxim schreibt:

    Wie immer las ich mit großem Interesse und Vergnügen auch diesen Beitrag. Läßt das Buch Schlüsse auf Namen zu? Wenn ja, sollte das nicht in der Schlußphase des Wahlkampfes zum Thema gemacht werden?

    • helmut mueller schreibt:

      Natürlich habe ich mir einige Namen notiert, so u.a. Gerhard Randa, Stefan Zapotocky, Werner Kretschmer, Peter Fischer, Ursula Radel-Leszczynski,Andreas Pirkner, Helmut Frey, Manfred Kastner, Erich Hampel,Wilhelm Hemetsberger und Christian Hausmaninger. Ob und wie weit diese Personen in der Causa Medici bzw. Madoff verwickelt sind, sollte eigentlich die Staatsanwaltschaft klären. Daß die Bank Austria in der Bank Medici- Angelegenheit stark betroffen ist, dürfte aber schon bekannt sein. Über diese Schiene dürften auch Frau Kohns Kontakte zur Regierung ermöglicht worden sein. Im Übrigen saßen die ehemaligen Minister Farnleitner (ÖVP) und Lacina (SPÖ) im Aufsichtsrat der Bank auf.
      Ob eine Oppositionspartei dies noch zu einem Wahlkampfthema machte? Wahrscheinlich nicht, denn alle drängen in die Regierung und da will es sich wohl niemand mit den möglichen Wahlsiegern ÖVP und SPÖ ganz verscherzen. Wohl auch einige Top-Journalisten.

  2. Jaro Ruanza schreibt:

    Also diese 850.000 € Jacht,welche angeblich dem Strache gehören soll,scheint mir doch wirklich an den Haaren herbeigezogen zu sein! Sie sind eigentlich als gut recherchierender Journalist geschätzt,um so mehr verwundert es ,von Ihnen solche abenteuerlichen Vermutungen zu vernehmen.

    • helmut müller schreibt:

      Ich habe nur ein aus Kroatien zugespieltes Gerücht angeführt, in der Sache also nichts behauptet. Selbstverständlich gehe ich dieser abenteuerlich anmutenden Angelegenheit, so weit ich dazu in der Lage bin, noch nach. Aber überrascht wäre ich – in Kenntnis gewisser anderer Fakten – durchaus nicht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s