Todesstrafe für „Berufskiller“?

Einem FBI-Bericht zufolge werden US-amerikanische Soldaten gezielt von mexikanischen Drogenkartellen als Auftragsmörder angeheuert. Für einige Tausend Dollar führen diese Auftragsmorde durch. Vor den Augen Obamas, der außenpolitisch durchaus zu ähnlichen Betätigungen neigt. In wessen Auftrag bloß?                                                                              Etwas weiter südlich, in Brasilien, geht, nach einer Reportage des Portal amerika 21, ein gewisser Julio Santana, der als „Killer“ 402 Menschen im Auftrag getötet haben soll, unbehelligt spazieren. Angeblich nichts Ungewöhnliches in diesem Land.                      Jenseits der  mexikanischen Grenze, im einst so genannten Land der unbegrenzten Möglichkeiten, heuerte, laut bild.de  eine junge US-Amerikanerin einen „Auftragskiller“ an, der ihren Mann töten sollte. Zu ihrem Pech war dieser  vermeintliche „Killer“ ein verdeckt arbeitender Polizist.                                                                                                                             Ja, und kaltblütige Auftragsmörder sind auch in Österreich unterwegs, wie man weiß. Zum Beispiel aus jenen Ländern, in denen nicht nur sozialdemokratische Politiker gerne willkommen geheißen werden.                                                                                                          An etwas Ähnliches mag der passionierte Hobbypolitiker  Frank Stronach gedacht haben, als ihm der „Ausrutscher“ mit der Todesstrafe passierte.

Was nun mich betrifft, so bin ich nach reiflicher Überlegung und aus mehreren mir einsichtsvollen Gründen längst ein Gegner der Todesstrafe, kann aber verstehen, daß Menschen in gewissen Situationen und unter besonderen Umständen nach der Todesstrafe rufen.                                                                                                                                                     Ich denke nicht, daß ein normalsterblicher Gegner der Todesstrafe heute mit absoluter Gewißheit sagen kann, daß er nicht doch auch einmal von Relativitätsmüdigkeit überwältigt einer solchen Forderung zustimmen würde. Ehrlicherweise, auch ich nicht, das wäre vermessen. Psychoanalytisch oder  ethologisch ist ein solch menschliches Verhalten aber erklärbar.

Einigermaßen klar ist daß,  aus unterschiedlichen Gründen,  nicht in jeder Kultur derselbe Zugang zu diesem Menschheitsthema gegeben, und daher unterschiedlich zu bewerten und das Ergebnis für westliche Schöndenker nicht selten trotzdem enttäuschend ist. Aber es stimmt natürlich nicht, daß die Menschen in Europa deshalb besser wären und die Todesstrafe völlig aus den Köpfen der Europäer verschwunden wäre, keineswegs.        Frank Stronach ist ja nur einer von vielen, die ähnlich denken und die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten. Und so scheint er mir – auch wenn ich, wie in diesem Fall, zumindest  aus heutiger Sicht, nicht  seine Meinung teile –  deshalb nicht unglaubwürdiger als die Heuchler unter den Politikern und Journalisten mit ihrem Humanismus-Geplapper. 

Da schrieb nach dem Stronach-Sager der Kommentator einer einst für viele vorbildlichen  Zeitung, in unserer „europäischen Zivilisation“ habe ein solcher „Unfug“ (die Todesstrafe) nichts verloren. Anderer aber vielleicht schon: Steht nicht die massenhafte Tötung ungeborenen Lebens für den angeblich unübertrefflichen Ethik-Standard dieser Zivilisation? Und genießen Menschen aus derselben nicht lustvoll und genießerisch ihren Urlaub in Ländern, wo von Staats wegen ständig gefoltert und getötet wird?                     Besuchen nicht unsere Politiker oft und gerne bestimmte Länder, um, wie auch Stronach bemerkte, dort lächelnd ein paar Mörderhände zu schütteln? Haben nicht unzählige heute angesehene linke Spitzenfunktionäre, auch rot-grüne, die Sowjetunion bereist, um dort nicht nur Kolchose-Bäuerinnen zu schaukeln, während im Gulag und in den Staatsgefängnissen Menschen verreckten oder gezielt getötet wurden? Was damals immerhin zum Allgemeinwissen gehörte.

Der erwähnte Kommentator, dem übrigens sonst wo keine Menschenrechtsverletzung entgeht, gehört vielleicht auch zur oben erwähnten Spezies der Gutmenschen, die bei Stronach aufheulen, denen  aber  speziell zu den  gezielten Tötungen in Israel nichts Empörungswertes einzufallen scheint.  Aber besonders auch den USA  und dessen „way of  life“ fühlen sich unglaublich viele unserer Politiker und Meinungsmacher heute verpflichtet. Nicht selten gut bezahlter Honorare wegen.                                                     Doch  kommt es nicht in den Vereinigten Staaten regelmäßig zu Exekutionen, auch von Kindern und Behinderten, außerdem laufend zu Fehlurteilen? Aktueller Fall: eine gebürtige Deutsche, die 20 Jahre in einer Todeszelle sitzen mußte.                                           Die Todesstrafe genießt in diesem „freien“ Land eine sehr hohe Zustimmung unter der Bevölkerung. Was möglicherweise nicht einmal im von den USA bedrängten Iran der Fall sein dürfte, was aber im Falle USA vielleicht damit zu tun haben könnte, daß immer mehr US-Amerikaner den Eindruck bekommen, in einer Welt des Verbrechens zu leben.

Und jetzt frage ich ganz bescheiden, ist es bei uns oder in der Bundesrepublik Deutschland etwa nicht auch schon bald so? Da also wäre auch das berühmte „Wehret den Anfängen!“ angebracht, gäbe es nicht soviele Einfältige und Einäugige in unserem Land.                            Und so läßt eine korrupte Politik es einfach so weiter treiben, unterstützt auch von jenen, die schon vor Jahrzehnten begannen mit dem vorhin zitierten Spruch auf den Lippen gegen Andersdenkende mobil zu machen. Es sind dieselben, die sich heute als Vertreter und Mitgestalter einer „humanen Gesellschaft“ aufführen, die in einigen Bereichen inhumaner nicht sein könnte.                                                                                                      Wundern wir uns dann nicht, wenn eines Tages in der Bevölkerung die Stimmung in eine völlig andere Richtung kippt und Raum zur Entfaltung eines neuen Absolutheitsanspruches und damit auch für eine wenig liberale Justiz gibt. Nicht  ganz ausgeschlossen, daß es Frank Stronach noch erlebt.

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10 Antworten zu Todesstrafe für „Berufskiller“?

  1. Marie Salmhofer schreibt:

    „Berufskiller“ ist vorrangig für mich der ganz normale Soldat, der per Gesetz sich einberufen und im Namen der Regierung zum „Menschentöten“ ausbilden lässt bzw. auch darauf spezialisiert wird, ohne Hinterfragen der Ethik Killerbefehle von oben auszuführen. LEGAL auszuführen wohlgemerkt, n i c h t illegal, sondern wie gesagt völlig legal und offiziell und vom Strafrecht ungeahndet … weil Kriegs-Mörderrecht ist ja etwas anderes als Strafrecht … so ähnlich würde ich für mich einen Berufskiller definieren, den wohlgemerkt LEGALEN PROTOTYP eines Berufskillers … lg Marie

  2. Waltraut Kupf schreibt:

    Müllers Artikel stimme ich vollinhaltlich zu, während ich bei Frau Salmhofer den Eindruck habe, daß hier Äpfel mit Birnen verwechselt werden, weil ein Soldat ja doch etwas anderes ist als ein Berufskiller, der gezielt und gegen Geld tötet. Andererseits hat allgemein der Grundsatz zu gelten, daß der Mensch nicht befugt ist, menschliches Leben zu beenden (lt. Katechismus auch nicht das eigene), was dann auch für Euthanasie und Abtreibung zu gelten hat, wobei die Berufspazifisten ja in diesen Bereichen weniger zimperlich sind.

  3. wolfgang caspart schreibt:

    Wer das Recht anderer bricht, hat sich das Recht erworben, bestraft zu werden. Wer Andere ums Leben bringt und mordet, hat nicht auch das Recht erworben sein Leben zu verlieren? Mildernde Umstände immer vorausgesetzt.

  4. Marie Salmhofer schreibt:

    Waltraud, erfasse, dass die Nato-Soldaten bezahlte Berufskiller sind, Obama erwartet von uns allen ein „go“ …

  5. corinna schreibt:

    Der „ganz normale Soldat“ wie etwa der schweizerische oder österreichische Präsenzdiener ist kein „Berufskiller“. Auch nicht der Berufssoldat, sofern er nur zur Verteidigung seines Landes innerhalb desselben oder zur Friedenssicherung im Rahmen der UNO eingesetzt wird, Würde man das anders sehen, verniedlichte man damit den echten „Berufskiller“, der berechnend und kaltblütig jemand umlegt.

  6. Waltraut Kupf schreibt:

    Um das Thema zu diskutieren, müßten die Begriffe erst einmal säuberlich definiert werden ,sonst spricht jeder von etwas anderem. Da Amerika ja die Kriegführung bereits teilweise ausgegliedert hat an Gesellschaften, die dem Kriegsrecht nicht unterliegen oder sich ihm entziehen können, mögen die Begriffe „Soldat“ und „Killer“ teilweise verschwimmen. Andererseits hat m.E. Corinna recht damit, daß der Begriff des Berufskillers verniedlicht wird, wenn man z.B. Soldaten, die ihr Land verteidigen, mit Berufskillern in einen Topf wirft. Ich würde allerdings zu der Ansicht neigen, daß Schreibtischtäter wie z.B. Obama und seine Hintermänner schon weit eher mit Killern vergleichbar sind. Der Friedensnobelpreis ist damit vergleichbar, daß man die Erynnien als Eumeniden, „die Wohlmeinenden“ bezeichnete.

  7. alexander schreibt:

    Sie sagen es sehr richtig in ihrem Beitrag „Wehret den Anfängen!“.
    Da fällt mir die Sache mit Otto Schily wieder ein. Dieser hatte damals im Bundestag allen Ernstes gefordert dass nationale Menschen kastriert werden sollten.

  8. Atanas schreibt:

    Schily ist doch deshalb kein Berufskiller. Ein unpassendes Beispiel.

    • Jaro Ruanza schreibt:

      Schily ist mit seiner Meinung jedenfalls ein perverser Verbrecher.So etwas ist noch schlimmer als ein wirklicher Auftragsmörder,es handelt sich dabei um einen Schreibtischtätar.

  9. Jaro Ruanza schreibt:

    Abgesehen von der vielfältigen Problematik in dieser Sache,bin ich der Ansicht, daß das wikliche Urteil LEBENSLÄNGLICH viel schlimmer als die Todesstrafe selbst ist! Was den Stronach betrifft,hat er sich mit den Lostreten dieser in Österreich nicht relevanten Frage,keinen guten Dienst erwiesen

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