Heinz Fischer und der historische Kontext

Ist es sinnvoll, heutzutage etwas aufs Tapet zu bringen, das nicht  nur der so genannte „Mainstream“ bewußt ignoriert? Ich meine ja, es ist mehr als sinnvoll, es ist ein Muß wo, zum Beispiel, volkliche wie auch nationale Solidarität erwartet werden darf und Gerechtigkeit einzufordern ist. Eine selbstverständliche Aufgabe für viele, die Hirn und Rückgrat noch nicht dem Zeitgeist geopfert und noch in heimatlicher Erde Wurzeln geschlagen haben.

Keineswegs Eindruck machen wollend, glaube ich, mich zu jenen halbwegs Gebildeten rechnen zu dürfen, denen Volk und Nation noch mehr sind als bloße Floskeln oder gar Unwörter. Als ethnisch Deutscher, genauer: Deutsch-Österreicher, noch genauer: deutscher Steirer, ist mir daher das Schicksal meines Volkes (wie das  anderer Völker übrigens auch) keineswegs egal, und somit natürlich auch nicht das Los jener Volksdeutschen bzw. Altösterreicher, die,  soweit nicht ermordet, aus Ost- und Südost-Europa vertrieben wurden oder in kleiner Anzahl dort verblieben sind  und,  in exemplarischen Fällen, bis heute der Gerechtigkeit harren.

So möchte ich anläßlich des in Kürze stattfindenden Sudetendeutschen Heimattages 2013*  dazu  passend an eine Aussage des österreichischen Bundespräsidenten erinnern, die so ganz typisch ist für den Umgang der Politik mit der Frage der Vertreibung der Deutschen. Als ihm, Fischer, im November 2012 der damalige tschechische Präsident Vaclav Klaus einen Besuch abstattete, äußerte sich der Herr in der Wiener Hofburg zum Völkermord an den Sudetendeutschen und deren Vertreibung folgendermaßen: „Wir müssen mit gleichen Maßstäben jedes Verbrechen als Verbrechen bezeichnen, aber gleichzeitig müsse auf den historischen Kontext geachtet werden.“  Fischer ließ so „der Tschechei die Gnade des historischen Kontextes zuteil werden“, schrieb dazu Manfred Maurer in der Sudetenpost (Folge 12/2012).

Derselbe kommt schließlich zu folgender Einschätzung:„Es ist nicht nur ebenso zynisch wie menschenverachtend, einen Völkermord durch den Hinweis auf die Vorgeschichte gleichsam zu rechtfertigen. Wer sich diesem Denken unterwirft, handelt auch unverantwortlich gegenüber potentiellen Opfern in vielen Konflikten mit Völkermordrisiko. Die Täter brauchen ihre Verbrechen nur in einen „historischen Kontext“  zu stellen – und schon ist das Ganze nur noch halb so schlimm. Vielleicht wird es – so wie inzwischen auch die Vertreibung – als Verbrechen bezeichnet, aber eben als ein zumindest teilweise entschuldbares…“                                                                                       Manfred Maurer spricht es nicht aus, aber die Frage ergibt sich automatisch: Was geschähe, käme jemand auf die Idee, den Holocaust mit dem Hinweis auf den historischen Kontext zu relativieren?

Natürlich kann und muß man jedes epochale Ereignis, dem auch ein Völkermord oder ein anderes Menschheitsverbrechen zuzurechnen sind, in einem historischen Zusammenhang sehen. Etwas verstehen zu versuchen, heißt selbstverständlich nicht, wie schon Hannah Arendt bemerkte, daß man es ganz oder auch nur teilweise gutheißt, rechtfertigt oder auch nur den Anschein dafür liefert. Insofern ließe aber Heinz Fischers eine ein Menschheitsverbrechen realtivierende Bemerkung einige Deutungen zu, die ausblieben, hätte er mit Herrn Klaus energisch genug Klartext gesprochen.

Etwa in der Art: „Herr Präsident, die Verbrechen an den Sudetendeutschen sind durch nichts zu rechtfertigen, und im Übrigen erwarte ich, der österreichisch-tschechischen Freundschaft zuliebe, unter Ihrer Amtsführung  die Aufhebung der Benesch-Dekrete“.   Das hat er natürlich nicht gesagt. Nicht weil Heinz Fischer ohnehin nie ein Anwärter auf eine Tapferkeitsmedaille war, sondern weil eine einer menschenverachtenden Ideologie geschuldete selektive Sichtweise zum berühmten antifaschistischen Konsens der österreichischen und besonders auch der BRD-Elite gehört.

Und während ich nun diese Zeilen schreibe (Sonntag, 1. September, 10h30), begibt sich der österreichische Bundespräsident anläßlich seines Slowenien-Besuchs gerade in die  dezimierte deutsche Sprachinsel Gottschee um dort ein paar von kommunistischen Häschern verschont gebliebene  altösterreichische Hände zu schütteln. Möglicherweise wird er auch da den ideologisch entsprechend gefilterten historischen Kontext bemühen. Mehr wird bei seinem Besuch in Slowenien  nicht zu erwarten sein, zumal die Kommunisten innenpolitisch weiter den Ton anzugeben scheinen. So erschien die gesamte slowenische politische Elite im April dieses Jahres zur Verleihung des Goldenen Verdienstordens an den Partisanenchor, um mit diesem gemeinsam kommunistische bzw. Partisanenlieder in den Festsaal zu schmettern. Ein offizielles Hoch also jenen, die für zig-Tausende Morde an Slowenen und Deutschen wie auch für die Vertreibung Letzterer verantwortlich zeichnen,

Natürlich wird sich Fischer nicht in die heute slowenische Untersteiermark begeben – wo zwei tatkräftige deutsch-slowenische Vereine kulturpolitisch überaus verdienstvoll Brücken zwischen den beiden Kulturen schlagen – und dort deutliche Worte an die slowenische Adresse abliefern. Das hätte nämlich eine viel größere symbolische wie auch politische Bedeutung, aber soviel kann er ewiggestrigen Slowenen, die die deutsche bzw. altösterreichische Minderheit bis heute offiziell nicht als solche anerkennen wollen, nicht zumuten. Da kann sich die alte Garde Sloweniens auf Genosse Fischer verlassen.

 *SUDETENDEUTSCHER HEIMATTAG 2013 –  „Brücke der Gemeinsamkeit suchen“. WIEN UND KLOSTERNEUBURG 14.-15.9.2013                                                       Die Festrede in der Klosterneuburger Babenbergerhalle hält  Pavel Kamas, Buchverleger in Brünn/Brno. Grußworte von Bürgermeister Mag. Stefan Schmuckenschlager und den Vertriebenensprechern. Nähere Informationen: Tel. 0!/718 59 19 oder E-Post:pressedienst@sudeten.at

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Eine Antwort zu Heinz Fischer und der historische Kontext

  1. Jaro Ruanza schreibt:

    Was will man von einem Menschen verlangen,welcher das kommunistische Nordkorea sympathisch findet,und der Verträge unterzeichnet,welche für die Österreicher nachteilig sind.

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