Freiheitliche Nächstenliebe

Das national-freiheitliche Lager stehe seit der Revolution von 1848 für Meinungs- und Gewissensfreiheit sowie den Schutz der Privatsphäre, hieß es in einer Aussendung der Freiheitlichen Partei. Seit kurzem steht man dort aber auch für Nächstenliebe. Auf Plakaten vorerst.                                                                                                                         Schon die alten Chinesen gaben Empfehlungen in dieser Hinsicht ab, nun scheint diese Tugend, spät aber doch, auch bei der derzeitigen freiheitlichen Parteiführung angekommen zu sein. Das ist fürs erste einmal erfreulich.

Nun mag es zwar unterschiedliche Auffassungen darüber geben, was unter Nächstenliebe zu verstehen sei. In früheren Zeiten dachte man diesbezüglich mehr in verwandtschaftlichen Kategorien, in China heute noch.                                                              Im aktuellen „Liebe Deinen Nächsten“-Gebot der Freiheitlichen besteht ebenfalls Klarheit darüber, was damit exklusiv gemeint sei, wer  ausschließlich von dieser edlen Einstellung profitieren soll. Was aber  doch ein wenig verwundert, da der Parteichef sich ja des öfteren schon  als unerschrockener Verteidiger christlicher Werte  erwiesen und gelegentlich schon alle Welt, auch exotische, umarmt hat.

Obwohl, in der Sache hat man zwar recht, will heißen: „Österreich zuerst“, aber in einem solchen politischen Kontext erscheint dieser normalerweise grenzüberschreitende Begriff der christlichen Nächstenliebe dann doch etwas irritierend.                                                    Aber wenn es schon so eingrenzend gemeint ist, erwartet man sich nicht auch da  deutliche und glaubwürdige Signale, etwa in Form von barmherzigen Taten der Parteiführung? Beim Wähler sollte man doch etwaige Zweifel über die Lauterkeit zumindest dieses Anliegens gar nicht aufkommen lassen.

Christliche Nächstenliebe –  und so widersprüchlich das auch sein mag: selbst auf österreichische Staatbürger begrenzte –  erfordert den unablässigen Einsatz für das Gemeinwohl unter Hintansetzung des Eigenwohls.                                                                        Darf nun angenommen werden, daß der  in Sachen Liebe auch sonst umtriebige Parteichef und der mutmaßliche Erfinder freiheitlicher Nächstenliebe, Herbert Kickl, wenigstens für die Dauer eines Jahres auf die Hälfte ihres Einkommens verzichten und die zur Verfügung stehende Summe einem karitativen Verein ihrer Wahl zur Verfügung stellen? Loslassen, Verzichten, ein Akt politischer Tugend!

Der Parteichef könnte seine Glaubwürdigkeit sogar noch wesentlich erhöhen, spendete er alle von  der Partei oder der  Partei nahestehenden  Freunden  erhaltenen Geschenke, die den Gegenwert von 1.000.-. Euro übersteigen, der Aktion „Licht ins Dunkel“. Das hätte auch den Vorteil, daß er der Abhängigkeit von Gebern entkäme.                                               Im Übrigen galten solche Geschenke („Belohnungen“) bei den Alten als ein Zeichen der Dekadenz, und dagegen hat ein echter Freiheitlicher doch sicher auch etwas.

Nicht zuletzt könnte sich Parteichef  Strache noch beliebter machen, erholte er sich künftighin nicht auf Party- und sonstigen Inseln  im Süden, sondern vornehmlich auf der „Insel der Seligen“, in seinem geliebten Österreich. Ein Akt der Solidarität mit der Heimat und seinen Menschen.!

Sinnvoll schiene schließlich auch eine von Nächstenliebe geleitete Geste des Parteivorstandes gegenüber allen wegen politischer Unkorrektheit in unwürdiger Weise aus der Partei ausgeschlossenen Mandataren oder Funktionären: Vergebt uns, kommt zurück, denn wir lieben Euch von nun an  wie uns selbst. Ein Akt moralischer Größe!

Damit aber eine derart  praktizierte und bei Politikern eher ungewöhnliche Nächstenliebe auch richtig Gestalt annehmen kann, müßte vorerst noch das Herz des Parteiobmannes, das er augenscheinlich  bei israelischen Siedlern an Ort und Stelle „verpfändet“  hat, ausgelöst bzw. von dort erst  einmal abgeholt werden. Ein (Befreiungs-) Akt, ganz im Sinne der eingangs erwähnten 1848er.

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10 Antworten zu Freiheitliche Nächstenliebe

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Hier wird, anscheinend wegen mangelnder a-priori-Sympathie zu Strache, der Begriff der Nächstenliebe sehr diffus gehandhabt. Die katholische Kirche, mit der man diesen Begriff meist in Zusammenhang bringt, kennt den Ordo Caritatis, der die Verpflichtung zu Handlungen der tätigen Nächstenliebe in einer Rangordnung gemäß dem Grad der Nähe bringt. Die verläuft gewissermaßen in konzentrischen Kreisen von der eigenen Person mach außen. Niemand kann sich um jeden und alles in der Welt kümmern, das ist unmöglich. Es wäre unsinnig zu verlangen, daß man für das Wohl aller x-beliebigen Leute Verantwortung übernehmen muß, wenn man darüber die eigenen Kinder vernachlässigen muß. Die Welt würde funktionieren, wenn jeder in seinem überschaubaren Bereich seine Pflichten erfüllte, was in weiterer Folge auch die Verantwortung jedes Staates für die eigenen Bürger impliziert. So weit, so gut. Das nun damit zu vermischen, daß Strache sich in Israel anscheinend höflich und respektvoll verhalten hat (was in den Bereich der Diplomatie gehört) , daß er nicht in Österreich Urlaub macht (was vielerlei Gründe haben kann, z.B. den, daß er nicht überall erkannt und angesprochen werden möchte und der zumindest einen über Österreich hinausgehenden freundlichen Akt bedeutet, gegen den nur dann etwas spräche, wenn der heimische Tourismus notleidend wäre), weiters daß er erhaltene Geschenke nicht sofort weitergibt und quasi sein G´wand verkauft bzw. zum Verkauf freigibt, scheint mir doch ein etwas schmalspuriger Vorwurf zu sein. Etwas mehr Konsequenz und Unerschrockenheit, wie z.B. bei Orban zu beobachten, könnte man von Strache einmahnen. Der Einsatz des Begriffs der Nächstenliebe im Wahlkampf ist Geschmackssache, im Zweifelsfall für mich aber eher gut.

    • helmut mueller schreibt:

      In aller Kürze:

      1.) Sie haben vollkommen recht, meine Sympathien für Herrn Strache halten sich in Grenzen. Jahrelange Beobachtungen (Politikstil, gewisse Aktivitäten des Genannten, persönliche Haltung) sowie vertrauliche Informationen aus dem Umkreis der Partei, nicht zuletzt das Schauen in Zusammenhängen, sind dafür verantwortlich.
      2.) Wenn Sie Solidarisierung mit Landräubern höfliche und respektvolle Diplomatie nennen, dann sind wir schon bei Orwell.
      3.) Mit den konzentrischen Kreisen bin ich ganz bei Ihnen.
      4.) Daß er, eitel wie er ist, nicht überall erkannt und angesprochen werden möchte, wäre neu. Wenn überhaupt, dann nur aus Sicherheitsgründen. Wäre er da in Österreich gefährdeter? Auch das wäre neu.
      5.) Über Geschenkannahmen durch einen Politiker kann man verschiedener Meinung sein. Ich stehe zu meiner.
      6.) Ansonsten schätze ich Ihre Kommentare immer wieder.

      • Waltraut Kupf schreibt:

        Danke für die gute Meinung, die mit gewissen Einschränkungen auf Gegenseitigkeit beruht. Ich möchte nun aber doch teilweise auf Ihre oben angeführten Punkte eingehen. Ad 1: Es wundert mich eigentlich, daß der möglicherweise kompromittierende Inhalt der erwähnten vertraulichen Mitteilungen bisher nicht auf einer anderen Schiene an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Ad 2: Was das Rauben betrifft, so sagt die Geschichte meistens „einmal der Gigl, einmal der Gogl“. So betrachtet dürfte man mit überhaupt fast niemandem mehr einen freundlichen Umgangston pflegen. Ad 4: Es scheint mir sogar offensichtlich, daß Strache in Österreich mehr gefährdet ist als im Ausland, wo er ja nicht als politischer Konkurrent auftritt. Wenn ich an mediale Ausritte denke wie „ein Baum ein Strick, brecht Strache das Genick“ oder Bilder mit Strache im Fadenkreuz und Ähnliches, so könnte einen das schon das Fürchten lehren. Ad 5; Bei Geschenken kommt es hauptsächlich auf das Motiv des Schenkenden an und die Art bzw. den Wert des Geschenks. Gäbe es hier gröbere Verfehlungen, so hätten das die Medien schon ausgeschlachtet. Ich habe zwar auch meine Einwände gegen Strache, nämlich einen Mangel an Festigkeit und Konsequenz in Sachen EU mit verbesserungswürdigen Kenntnissen auf relevanten Gebieten, andererseits macht der Vergleich mit den anderen Kandidaten absolut sicher.

  2. Anregung für die Freiheitliche Partei: Nehmt Euch in Österreich des ländlichen Raumes an, der Dörfer! Die Stadtgebiete wachsen, das Land verkümmert – und niemanden scheint das besonders zu kümmern, auch die ÖVP nicht. Wie wäre es, für den Endspurt des Wahlkampfes, mit einschlägigen Initiativen?

  3. werner Kohl schreibt:

    Sie sind mit Ihrem Beitrag sehr bemüht, die opportunistischen politischen Bemühungen des H. C. Strache in ein harmonisches Licht zu rücken. Das kann aber nicht gelingen, denn Strache hat schon wieder oder noch immer die falschen, weil unbedarften Berater. Was da gemacht wird ist schlicht und einfach eine dumme Ausgrenzungspolitik auf Kosten von Immigranten. Bewusst billig, blöd.

    In dieser Partei lernt man nicht dazu, weil man weder mit seinen vielfältigen Wurzeln, und schon gar nicht mit seinen vielfältigen Ansprüchen fertig wird. Ein Fall für Psycho-Analytiker und nicht mehr.

  4. Peter schreibt:

    Ich schätze und teile Ihren Standpunkt, frage mich aber mehr denn je, was TUN, um diese Entwicklungen national und international aufzuhalten und umzukehren ?

    • helmut mueller schreibt:

      Eine globale Entwicklung kann man als Einzelner nicht aufhalten, und daher, auf Grund der Verflechtungen, auch nicht so schnell eine nationale. Aber der Krug geht bekanntlich zum Brunnen bis er bricht. Und das mag u. U. noch innerhalb dieses Jahrzehnts geschehen.
      Staatliche wie auch gesellschaftliche Umwälzungen lassen sich in der Regel ja erst im Notfall vornehmen, und dann sollten sie von dazu Berufenen vorgenommen werden. Diese müssen rechtzeitig darauf vorbereitet sein. Es mangelt inzwischen nicht an Menschen, die bereit wären, zu neuen Ufern aufzubrechen. Man darf aber nicht untätig verharren, sondern soll dem Neuen entgegengehen. Sollte sich einmal eine Führung mit Autorität und Charakterstärke zu erkennen geben, kann, in Opposition zum herrschenden Zeitgeist, grundlegend Anderes in Angriff genommen und weiteres Unheil vermieden werden.
      Mit meinen Beiträgen versuche ich in die Gesellschaft hineinzuwirken. Immer wieder erfahre ich, wie desinformiert und halbgebildet viele ansonsten intelligente Menschen sind. Und wie hartnäckig manche, gewiß manchmal aus Eigeninteresse oder Bequemlichkeit, verbreiteten Halbwahrheiten und Lügen anhängen. Oder bei bestimmten Themen, aus welchen Gründen auch immer, gereizt auf meine kritische Herangehensweise reagieren.
      Seit ich mich politisch intensiver beschäftige und mich außerhalb der Parteien diesbezüglich betätige, tu ich es ohne irgendeine materielle Absicht dahinter. Ich habe nie einen Cent von einer Partei genommen, auch eine politische Karriere in jungen Jahren ausgeschlagen und meine privaten politischen“ Aktivitäten (u. a. Herausgeber von Schriften im Eigenverlag) in idealistischer Weise stets mit bescheidenen zur Verfügung stehenden Mitteln selbst finanziert. Das aber versetzte und versetzt mich weiterhin in die angenehme Lage, keiner Partei, keiner Lobby, keiner sonstigen Organisation dankbar oder gar dienlich sein zu müssen. Ich kann also, mit gewisser Einschränkung natürlich, relativ frei meine Meinung äußern. Noch. In gewisser Weise eine privilegierte Position, allerdings mit materiellen Nachteilen. Doch, ich gestehe, gelegentlicher Zuspruch erfreut mich sehr.

  5. corinna schreibt:

    Straches Nächstenliebe gilt jetzt auch dem Nicht-Österreicher und Rechtspopulisten Gert Wilders. Dieser Niederländer, ein fanatischer Unterstützer Israels und wahrscheinlich deshalb auch extremer Islam-Hasser, will die Freiheitlichen in sein schwankendes Boot holen. Na vielleicht kentern sie doch noch. Aber untergehen werden die beiden schon nicht. Dafür würden zionistische Rettungsringe sorgen.

  6. hans gamlich schreibt:

    Die Solidarität in der EU besteht aus unzähligen Hilfspaketen für nicht leistungsfähige/-willige „Brudervölker“

  7. HS schreibt:

    Stimmt. Nächstenliebe ist komisch. Lieber wäre mir gewesen: Gegen ESM, Euro und EU!

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