Syrien-Strategie des Westens: Chaos und Zerstörung

Erst diverse Spezialisten und bewaffnete Provokateure einschleusen, dann die Opposition organisatorisch und materiell unterstützen, zuletzt  militärisch intervenieren. Was in Lybien einigermaßen funktionierte, spießt sich noch in Syrien. Jetzt aber glaubt US-Präsident Obama, gedrängt von innenpolitischen Schwierigkeiten und einer Pro-Interventionslobby (Senatoren McCain, Graham, Casey  und Neokonservative) den Durchbruch schaffen und vorerst einmal  den syrischen Rebellen leichte Waffen liefern zu können. Eine Flugverbotsszene aber wird  weiterhin kaum realisierbar sein.                           Doch jetzt muß der  bisher zaudernde US-Präsident einmal den skeptischen Russen, Verbündete Assads, die Beweise zu dem angeblichen Einsatz chemischer Waffen  – erinnert stark an Bush´s Lügen –  durch die syrische Armee vorlegen. Dazu hat er  jetzt beim G8-Gipfel in Nordirland Gelegenheit, und Moskau wird diese, da kann man sicher sein, genau prüfen.

Der Vormarsch der Assad-Truppen und der libanesischen Hisbollah hatte die Strategen in Washington und Tel Aviv, aber auch Paris und London*  auf dem falschen Fuß erwischt. Nicht zuletzt im Gefolge von Fehleinschätzungen und wenig hilfreichen Aktionen.         Schon der vor Wochen erfolgte israelische Luftangriff auf vermutete Waffentransporte war ja nicht unbedingt ein Geniestreich, da dieser eher Assad in die Hände spielte. Kein arabisches Land kann einen israelischen Angriff auf ein anderes dulden.                                   Vor allem aber haben nicht zuletzt Greueltaten der Rebellen, wie jene in der Kleinstadt Hattah, wo erst kürzlich dutzende Frauen und Kinder nachweislich von Islamisten massakriert wurden, sowie die  jüngst erfolgte öffentliche Exekution eines unbescholtenen und den Demonstranten nahestehenden Jugendlichen in Aleppo den Gegnern Assads eher geschadet.

Der Westen möchte nun also der etwas veränderten Lage im Bürgerkriegsgebiet damit gerecht werden, in dem man Assad der völkerrechtswidrigen Kriegsführung überführt, was aus US-Sicht  Waffenlieferungen an die Rebellen erzwinge.                                               In diesem Zusammenhang ist ja interessant, daß die Washington Post darüber berichtete, daß der Beschluß über die Waffenlieferungen schon lange vorher gereift war und daß der von Obama behauptete Einsatz chemischer Waffen durch Assad daher nur eine Rechtfertigung sei, um die Rebellen, nach ihrem Abgleiten in die Defensive,  massiver unterstützen zu können.                                                                                                                      Doch längst sind deren Reihen nicht mehr so geschlossen wie erwünscht. Besonders belastet die Szene der Assad-Gegner der zunehmende politische und militärische Druck der radikalen Islamisten von al Kaida und al Nusra. Und die werden erobertes Terrain kaum freiwillig wieder aufgeben. Außerdem  könnten sie als Handlanger der CIA  noch weiter gebraucht werden.

Wie wird es in Syrien also weitergehen? Bei weitgehender Umsetzung der US-Pläne ist auf jeden Fall mit einer Eskalation zu rechnen. Daß der für das auch in Syrien geschaffene Chaos und die bereits 100.000 syrischen Opfer hauptverantwortliche Westen zu Weitreichenderem entschlossen ist, hat auch damit zu tun, daß,  einerseits, die zunehmend politisch-militärische Profilierung der  radikalen Gotteskrieger westliche Kreise einigermaßen irritiert, andererseits,  Washington vor allem wegen des wachsenden regionalen Einflußes  des Irans (Afghanistan, Libanon, Irak) äußerst beunruhigt ist.         Was nicht nur einige Senatoren und militärische Experten in den USA zu der Forderung veranlaßt haben soll, noch vor Sommerende eine militärische Entscheidung in Syrien herbeizuführen.

Wozu immer und auf welche Weise man sich durchringen wird, die vom Westen verfolgte Strategie  bzw. Politik in dieser Region könnte für diese, mit den Völkern als Hauptleidtragende,  am Ende des Tages Folgen haben, die derzeit für die meisten noch unvorstellbar sind.                                                                                                                           So könnte sich eines Tages der gesamte  Nahe Osten – wie nach einem geopolitischen Tsunami – in völlig veränderten geographischen und politischen Bedingungen wiederfinden. Ob nach Geschmack des  US-geführten Westens, dem, auch zum Vorteil Israels,  innenpolitische Spannungen, innerislamische Frontstellungen  oder regionale Sezessionsbestrebungen in gewissen arabischen Staaten ein Anliegen sein dürfte oder ob zuletzt daraus nicht doch  der Islam gestärkt hervorgehen wird, darüber kann zum derzeitigen Zeitpunkt wohl keine verlässliche Antwort gegeben werden.                                 Sicher ist nur: das US-Protektorat Europa kann dabei nur als Verlierer hervorgehen, an ihm werden sich Freund und Feind wie bisher schadlos halten können.

*In den Berichterstattungen westlicher Medien geht meist unter, daß im Hintergrund  des Syrien-Konfliktes Paris und London, besonders vehement für eine militärische Intervention eintreten. Was den in London lebenden israelischen Journalisten Gilad Atzmon wenig überrascht. Schließlich, so meint er, seien die Regierungen in London und Paris fest in den Händen der Zionisten. Allein von den britischen Konservativen Abgeordneten seien 80 Prozent Mitglieder der mächtigen Israel-Lobby „Conservative Friends of Israel“ (CFI). Ärger ist es nur in Frankreich, dort sei, laut Atzmon, das ganze politische System in Geiselhaft des „Conseil Réprésentatif des Juives de France“ (CRIF), also der wichtigsten Vertretung der französischen Juden, die traditionell immer stark in linken wie rechten Regierungen vertreten sind.

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Eine Antwort zu Syrien-Strategie des Westens: Chaos und Zerstörung

  1. gustavstrasser schreibt:

    Sehr gut, denke in ihrem Sinne! LG.,

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