Die Aktualität des Nationalen

Nicht alles ist wichtig, was aktuell ist. Dieses schon: In dem unaufhörlichen Bestreben, die einzelnen Völker für alle Zeiten zu entmachten, wird seit einiger Zeit eine umfassende und manchmal schon gehässige Kampagne gegen das Nationale geführt.                                       In solchen Zeiten heißt es auf der Hut zu sein,  sind doch die EU-Saatgutverordnung und die von der  EU-Kommission beabsichtigte Auslieferung des lebensnotwendigen Wassers an Konzerne mahnende Beispiele dafür, was einem freien oder auch nur leidlich freien Volk blühen könnte, wenn es sein nationales Schicksal, also praktisch auch seine Freiheit, vollends fremden Händen anvertrauen würde.

Nun  gibt es zum Leidwesen der maßgeblich bestimmenden EU-Eliten noch immer Länder, wie das von Identitätsdefiziten kaum geplagte Ungarn, die mutig Widerstand leisten. Oder wie auch das  selbstbewußte, von keinerlei Schuldgefühlen heimgesuchte Großbritannien, das an die Europäische Union abgetretene  Rechte sogar wieder zurückerobern möchte.  Kurz gesagt:  ein Gespenst geht um, das Nationale.  Aber schon Montesquieu befand ja, daß der Kraft der Tyrannis nur durch eine Gegenkraft zu begegnen sei. Also, aus heutiger Sicht, durch revolutionäre nationale Erhebung von unten, auch wenn diese in ihren Anfängen, wie zuletzt jenes nicht unbedingt als authentisch national wahrgenommene „Blockupy“ in Frankfurt, vorerst niedergeprügelt wird.

Einen nationalen, gar rebellischen Geist, komme er von links oder  rechts, fürchten die EU-Oligarchen mehr als die Übernahme Europas durch Migranten. Es ist daher kein Wunder, daß,  besonders im den deutschen Anteil seiner Geschichte verdrängenden Österreich und in der allgütigen zu außerordentlichen Selbstaufopferungen bereiten Bundesrepublik Deutschland  die Begriffe national, nationalistisch und Nationalismus nicht nur in den gleichgeschalteten Medien wie auf Kommando verteufelt werden.                          Unter anderem auch durch jene politisch Verirrten (oder Verwirrten?), die, sobald es sich um nationale Belange in einem fernen exotischen Land handelt,  diese vehement verteidigen. Und ausgesprochene Selbstankläger der deutschen Nation,  deklarierte Anti-Deutsche, begrüßen sogar nationalzionistische Exzesse des Judenstaates oder nehmen diese zumindest stillschweigend hin.                                                                                                                                                                               Geht es nun also um auch neues nationales Bewußtsein und kulturelle Identität in Mitteleuropa, dann ist, auch und vor allem aus Sicht der EU, Feuer am Dach. Dabei bedient man sich zur Abwehr eines einfachen, aber erfolgreichen Rezeptes: Man wählt aus den verschiedenen Nationalismen – vornehmlich der Vergangenheit – eine passende chauvinistische Variante und stellt diese, stellvertretend für alle anderen, an den Pranger. So kann dann  jeder, der sich in politisch bedeutsamer Zeit als Nationaler oder Nationalist zu erkennen gibt, und sei er noch so vernünftig und gesetzeskonform, unter dem Beifall unkritischer Zeitgenossen oder von ihre Identität verleugnenden  Dummköpfen  in die rechtsextreme  Ecke verbannt werden.

Es ist schon klar und schwer zu widerlegen: Die  in das  Extreme gesteigerten  deutschen und italienischen Nationalismen des 20. Jahrhunderts haben das Nationale in unseren Breitengraden ohne Zweifel diskreditiert. Ein neuer, von den Schlacken der Vergangenheit befreiter deutscher Nationalismus ist für die Allgemeinheit noch nicht in Sicht. Das könnte sich ändern, gelänge ihm wider alle Hindernisse und in Übereinstimmung und Solidarität  mit anderen europäischen Nationalismen doch noch der von derzeitigen Übeln  erlösende Durchbruch  als Befreiungsnationalismus.

Noch aber regieren, eben besonders in deutschen Landen, politische Korrektheit (ist gleich politische Schwäche) und die von den Herrschenden ausgerufene  Begriffshoheit über demütigem, feigem Duckmäusertum. Daher sehen wir, einer manipulativen Absicht der Globalisierer folgend,  viele Zeitgenossen ihren „Befreiern“ noch immer auf den Leim gehen, ohne daß sie sich intensiver und sachlich mit Begriff und Geschichte des Nationalismus auseinandergesetzt hätten. Dann wüßten sie ja auch, daß es ohne ihn und die „Nationalisten“ des 19.Jahrhunderts keine moderne Demokratie geben würde.                                                                                                                                                                Aber noch etwas lehrt die Geschichte: daß auf ein Extrem wie das heutige, ein anderes folgen muß, wenn nicht rechtzeitig das Steuer herumgerissen wird. Aber bekanntlich gehören Politiker zu jenen, die am wenigsten aus den Fehlern der Vergangenheit lernen wollen. Wer aber den Geist der Nation verkennt oder gar verleugnet, darf daher nicht verwundert sein, wenn das Nationale auf regionaler oder staatlicher Ebene sich zurückmeldet und seine angestammten Rechte einfordert.

Die Umstände und Bedingungen sind zwar nicht in jedem Land, jeder Region dieselben, weshalb auch eine daraus abgeleitete allgemeingültige Typologie nur ungenau ausfallen kann. Aber klar ist, worum es geht. Was sollte denn das  deutsche oder das ungarische Nationale anderes erstreben als Erlangung der vollen Souveränität in dem einen, Bewahrung derselben in dem anderen Fall? Und der katalanische wie der etwas anders gelagerte baskische Nationalismus: was denn anderes als das Recht auf   Selbstbestimmung? Sie alle möchten ganz einfach  bei-sich-zuhause  sein.                                                                                                                                                                                    Wir nehmen also zur Kenntnis: Periphere und regionale Nationalismen, kleine Völker wie auch ganze Staaten ringen somit entweder um vorerst mehr regionale Autonomie oder schon um volle staatliche Souveränität. Und ein Volk wie die Kurden kämpft nicht mehr ganz aussichtlos für seinen Nationalstaat.                                                                                    Nun aber möchte die EU die alten Nationen Europas und das ihnen jeweils typische Nationale als konstitutives Element der Gesellschaft. ganz allgemein aus der Welt schaffen und durch einen autoritären Zentralstaat samt  künstlichem, blutleerem Identitätskonstrukt ersetzen. Die Absicht die dahinter steck  ist unschwer zu erraten und muß hier wohl nicht extra noch einmal erörtert werden.

Daß  nun unter Rot-Grünen oder einzelnen Liberalen einfältige bis gerissene Befürworter eines einheitlichen und zentralistischen Europas zu finden sind,  überrascht keineswegs, wenn man neben deren überraschender Anpassungsfähigkeit auch deren in Einzelfällen durchaus nicht gemeinsamen ideologischen Hintergrund kennt.                                      Allerdings:  nicht nur ehemaligen freiheitlichen Spitzenpolitikern, auch einer ebenfalls  ins EU-Korsett geschlüpften grünen Frontfrau gefällt ein solcher Zentralstaat, und selbst ein hoher österreichischer Vertreter der  römischen Kirche scheint Gefallen daran zu finden.

Sie alle können nicht genug vor dem  Wiedererstarken nationaler Kräfte warnen. Erst recht, wenn diese sich auch noch als kulturdeutsch zu erkennen geben.                                Sind etwa die Ziele der  Befreiungstheologie oder das doch auch von nationalem Geist erfüllte Begehren einiger von Grünen umworbenen und von Teilen des Klerus unterstützten Vertreter der österreichischen Slowenen von besserer Güte als basisdemokratische, kulturdeutschorientierte nationale Bestrebungen?

Ich denke nicht, daher möchte ich zu den das Geistige und Kulturelle einer Nation oder eines Volkes repräsentierenden und bewahrenden nationalen Kräften selbstverständlich auch Südtiroler Patrioten zählen, wohl ahnend, daß  nicht alle ihre Landsleute  dies aus den erwähnten begriffshoheitlichen und anderen  Gründen  – z. B. in dem italienischer Chauvinismus* mit emanzipatorischem Nationalismus, etwa eines Giuseppe Mazzini, verwechselt wird –  so sehen werden können (oder wollen).

Gewiß, der Nationalismus kann, wie andere gesellschaftliche Phänomene oder Doktrinen mit der Endsilbe -ismus, in maßlos übersteigerter Form, also als Chauvinismus in ideologisch unterschiedlicher Ausführung, anmaßend und unterdrückend auftreten, jedoch unter entsprechenden  Bedingungen und auf festem historischem Grund auch  moderat, liberal und doch patriotisch sein. Er kann, zu bestimmten Zeiten, aktiv, ja sogar revolutionär in Erscheinung treten. Oder, wie der deutsche, im Wachkomma verharren.

Das Nationale ist also ein vielschichtiger Komplex, so daß  in bestimmten Fällen eine kritische Herangehensweise durchaus nützlich sein kann. Allgemeingültige Schnellurteile sind daher wenig zielführend, auch wenn herausragende Ereignisse eines Jahrhunderts dazu Anlaß geben könnten. Womit nicht nur die NS-Zeit gemeint ist.                                        So entwickelten die Nationalismen beim Zerfall der UdSSR und Jugoslawiens eine gewisse Sprengkraft, wobei die Mobilisierung nationalistischer Energien, auch negativer, durch ökonomisches Versagen und politische Fehlentscheidungen auf nationaler wie internationaler Ebene wesentlich erleichtert wurde.                                                                                                                                                          Nationalismus ist, man muß es wiederholen, an sich  nichts Schlechtes, so lange er als Ordnungsprinzip das Gemeinwohl einer meist durch gemeinsame Sprache, Kultur  und gemeinsames Schicksal herangereiften Nation gewährleistet und nicht der organisierten Selbstsucht von Politikern und Militärs oder der Gier der Hochfinanz  anheimfällt.                Anders als der  wurzel- und vaterlandslose Individualismus kann ein gesundes nationales Bewußtsein  der Politik eines Landes oder einer Region Sinn und Orientierung geben. Was ja heute nötiger denn je erschiene.                                                                                                Gegen nationale Identität und Souveränität scheint aber das US-Protektorat EU** mächtig viel zu haben, doch am Ende wird sich das Nationale neu bestimmt und in europäischer Verfassung  durchsetzen. Wann und wie, darüber wird sehr wesentlich eine von Schuldkomplexen befreite Generation zu befinden haben.

*Dieser an Überheblichkeit nicht zu überbietende Chauvinismus gipfelt nicht nur in faschistischen Denkmälern auf südtiroler Boden, sondern u. a. auch in unverschämten Aussagen italienischer Politiker, wie jene des Jungpolitikers Alessandro Bertoldi aus Bozen, der erst kürzlich die Deutschen „ein barbarisches und minderwertiges Volk…lausige Emporkömmlinge“ genannt haben soll. Ein Grund mehr für ein „Los von Rom“!   Nicht auszudenken, hätte dies ein junger deutscher Politiker über Italiener oder Türken gesagt.                                                                                                                           **Daß nun der US-Konzern  Monsanto seinen Kampf für den Anbau gentechnisch veränderter Lebensmittel in Europa (vorerst?) aufgegeben hat, kann immerhin auch als ein Sieg  europäisch orientierter nationaler Lebensschützer gesehen werden.

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3 Antworten zu Die Aktualität des Nationalen

  1. FRANTA Ing. Wilmont schreibt:

    Werter Herr Müller, lieber Freund, Ihr hervorragender Artikel kam zur rechten Zeit und möge für Viele aufklärend, wie auch identitätsstiftend wirken. Auch wenn Sie es in Ihrem Artikel nicht „aussprechen“, sondern nur andeuten, so paradox ist es, dass gerade selbsternannte Gut-Menschen (und Befürworter einer privaten Entwaffnung), meist grüner oder roter Färbung stets mit einer Keule, namens „Nazi-Keule“ alles „umzuholzen“ versuchen, was nicht in ihr per se faschistoides Konzept aus Gängelung, Verboten, Heimat-Vergesindelung und Gesinnungsschnüffelei, reinpasst.
    Und so schreibt Heleno Sana in seinem bereits 1993 erschienen Buch „Die Lüge Europa – Ein Kontinent bangt um seine Zukunft“ u.a.:
    „Irgendwann wird das heutige Europa ein ähnliches Schicksal erleiden wie das Imperium Romanum. Es wird durch innere Zerrissenheit oder durch eine neue Barbareninvasion zugrunde gehen“ . Was hierzu expressis verbis zu erwähnen ist: Heleno Sana´s Buch und zitierter Satz ist bereits 20 Jahre alt und steht wohl als Menetekel zu Buche.
    Ing. Wilmont Franta – Wien

  2. Tyrannosaurus schreibt:

    Das „Nationale“ ist der Todfeind des linken Bessermenschen! Denn es bedeutet „Identität“ = Zugehörigkeit! Das Gegenteil ist „Vereinzellung“ = Isolierung = Entwurzelung! Ein Mensch ohne Wurzeln ist leicht zu formen,zu beeinflussen, umzuerziehen und letzlich zu beherrschen! Es geht um die Schaffung der perfecten sozialistischen Kreatur, dem „Guten Menschen“, nach dem Vorbild des Dr. Moreau!

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