Die Türkei ist anders. Wir auch.

Anders als in deutschen Landen folgt die Politik der  machtbewußten Türkei bis heute den Geboten des Raumes, doch ihr  moralisch und  nun verstärkt religiös geprägter Raumimperativ wirkt selbstverständlich bis in die durch Soldaten des Glaubens „eroberten“ europäischen Stadtteile,  jetzt de facto islamische Zonen, hinein.                       In diesem Zusammenhang wird man an jene vielzitierte Aussage erinnert, die Erdogan zugeschrieben wird: „Die Minarette sind unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme, die Moscheen unsere Kasernen und die Gläubigen unsere Soldaten“.                                           Tatsächlich hat der in der Syrienkrise vielleicht ungeschickt taktierende, von vielen dennoch unterschätzte türkische Ministerpräsident diese Aussage getätigt, nur, er hat diese von jemandem anderen übernommen. Dieser andere, Mehmed Ziya alias Ziya Cökalp, Politiker und  fanatischen Jungtürken nahestehender Theoretiker, forderte einst ein pantürkisches Reich von Albanien bis Zentralasien in dem es für Christen und Juden keinen den Türken ebenbürtigen Platz geben sollte. Doch Cökalp mußte um 1920 wegen angeblicher Verwicklung in Verbrechen der Jungtürken ins Exil. Erdogan wußte also, wen er da zitierte, und man darf annehmen, daß seine Pläne nicht weniger ambitioniert sind als jene Cökalps.

Könnte es sein, daß dieser Hintergrund wie auch die Leugnung Ankaras jener scheußlichen Verbrechen die im 20.Jahrhundert von fanatischen Türken begangen wurden,  dem etwas aus der Norm gefallenen außenpolitischen Sprachrohr der deutschen Atlantiker und Türkei-Beitrittsbefürworter,  Guido Westerwelle, glatt entgangen sind? Helfen wir seinem Gedächtnis doch etwas auf die Sprünge:                                                                                           1,5  bis zwei Millionen Armenier (hauptsächlich um 1915), zwischen 600.000 und 800.000 syrisch-chaldäische Christen (ab 1909), 600.000 weitere Bürger syrischer Nationalität (ab 1939)  und, nicht zuletzt, mehrere hunderttausend osmanische Griechen (hauptsächlich 1922), wurden Opfer  der damaligen und, vereinzelt noch, auch der späteren türkischen Politik.  Vergessen werden sollen auch nicht die  kurdischen Opfer.                                    Nun kann und darf man, zumindest hier, über Zahlen straffrei streiten, aber die Verbrechen als solche haben nachweislich stattgefunden und harren bis heute eines glaubwürdigen Bedauerns seitens Ankaras. Wie weit in diesen Fällen auch eine Wiedergutmachung angebracht wäre, ist eine andere Frage. Herr Westerwelle wird doch gegenüber der Türkei nicht einen anderen Maßstab anlegen  wollen als gegenüber seinem eigenen Volk?

Historische oder zeitgeschichtliche Hypotheken  sind aber nur ein Aspekt, wenn auch ein sehr wichtiger unter einigen anderen, die es im Falle eines Türkei-Beitritts zu beachten gibt. So dürften wir doch auch bei nachstehenden Punkten genügend Grund zur Skepsis haben:                                                                                                                                                     Unter anderem wird gerne auf Ostthrakien (europäische Türkei) hingewiesen, das die Türkei angeblich europatauglich  mache. Aber, bitte sehr, Frankreich kann ja auch nicht Mitglied einer lateinamerikanischen politisch-ökonomischen Wertegemeinschaft werden, nur weil es einen Teil Guyanas zu seinem Besitz zählt.                                                                Ein Umstand der ganz und gar gegen einen Beitritt spricht ist der kulturelle und linguistische Aspekt: Die Türkei ist, trotz aller Modernisierung, in dieser Hinsicht ein asiatisches Land geblieben und geistig-kulturell mehrheitlich mehr nach Osten orientiert..   Nicht unterschätzt werden soll auch die weit verbreitete Gewaltbereitschaft in der türkischen Gesellschaft.  Und Zankapfel ist nach wie vor auch das türkische Rechtssystem, daß trotz vieler Verbesserungen weiterhin an alten Mißständen leidet. Vergessen wir auch nicht die völkerrechtswidrige Besetzung Nordzyperns.                                                              Nicht zuletzt sind aber die Reislamisierung und die in diesem Zusammenhang zu beachtende Mehrkinder-Kampagne Erdogans (drei bis fünf Kinder erwünscht) im Kontext zu beachten. Die Türkei würde in wenigen Jahrzehnten ein hundert Millionen Volk sein und  dann in der EU mehr Gewicht haben als, zum Beispiel, die demographisch schrumpfenden deutschsprachigen Länder insgesamt.

Wie sähe es übrigens nach einem Beitritt der Türkei mit der fortschreitenden „Bereicherung“ durch solche Einwanderer aus? Abgesehen von einem steigenden  demographischen und politischen Druck stünden ja wahrscheinlich gröbere weitverzweigte Probleme ins Haus, nähme man den heutigen sozialen und gesellschaftlichen status quo der  Türken in Deutschland als Ausgangspunkt unserer Überlegungen.                               Als zweitgrößte Immigrations-Gruppe schneiden die Türken in der Bundesrepublik Deutschland, obwohl sie am längsten dort  leben, in Sachen Integration am schlechtesten ab. Ein Drittel hat keinen Schulabschluss, und wie Daten aus Nordrhein-Westfalen belegen, ist die Ausbildung der dritten Generation schlechter als die der zweiten, außerdem die der jungen Frauen deutlich geringer; dazu eklatante Mängel an Deutschkenntnissen. Vielen fehlt der Bildungs- und Aufstiegswille. Sie verharren in einem von einem militanten Islam geprägten Milieu, in dem nicht selten Gewalt und Intoleranz akzeptiert werden.  40 Prozent der türkischstämmigen Bevölkerung bezeichnen sich übrigens als streng religiös, bei den unter 30-Jährigen ist der Anteil noch höher. Diese Gruppe der streng Religiösen, also Fundamentalisten, dürfte weiter wachsen. Also, was jetzt Herr Westerwelle?

Als der Arzt und Schriftsteller Peter Bamm nach dem Krieg die Türkei besuchte, berichtete er von einem „vorzüglichen anatolischen Bauernburschen“ und von diesen „alten asiatischen Völkern mit den guten Manieren“. Diese Seite der Türkei gibt es gewiß auch, aber hier in deutschen Landen scheinen wir mit ihr, von Einzelfällen abgesehen, noch nicht so richtig umfassend Bekanntschaft gemacht zu haben.                                                  Zwar  geht es hier nicht um eine Wertung im Sinne eines Besseren oder Schlechteren, aber wie jede Medaille hat eben die türkische auch eine Kehrseite, und mit dieser haben wir direkt oder über Medien sehr wohl schon ausreichend Bekanntschaft gemacht. Was, in Kenntnis der jahrzehntelangen Einwanderungskriterien, selbst gebildete Türken kaum verwundert.                                                                                                                                     Wie ich ja schon in meinem letzten Beitrag verdeutlichte,  verursachen Entwurzelung und Entfremdung so wie das Zusammenpferchen unterschiedlicher Kulturen auf engstem Raum böses Blut. Besonders bei Ungebildeten und islamistischen Glücksrittern. Hier auf Einzelheiten einzugehen hieße Eulen nach Athen tragen, wo man über osmanische Expansionslust etwas mehr Erfahrung gesammelt hat.                                                        Unabhängig davon aber hat jedes Volk, selbstverständlich auch das türkische, seine Würde und verdient natürlich Respekt. Was aber nicht so weit gehen soll, daß wir unsere eigene Würde und am Ende uns selbst aufgeben. Und andere ihren Respekt vor uns daher verlieren. Was über weite Strecken  längst der Fall ist.

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