Wenn österreichische Politiker grinsen

Jetzt grinsen sie wieder vermehrt von einschläfernden Plakaten. Gerne auch in die Kameras. Wahlen kündigen sich an. Und immer noch glauben viele Wahlberechtigte, sie, „ihre“ Politiker, würden es in ihrem Sinne schon  richten.                                                            Daß es dann meistens anders kommt als erhofft. wird nicht selten durch den  nächsten Politikerlächeln-Wettbewerb schon wieder kompensiert. Bei uns in Österreich.

Es gibt natürlich Ausnahmen unter den Politikern. Solche die den Ernst der Lage erkannt haben, aber ihrer besorgten Miene wegen ungern nach vorne gelassen werden. Freundliche Masken sind gefragt.                                                                                             Grundsätze, wie man sie u. a. auch der unschön „gemobbten“ freiheitlichen Politikerin Barbara Rosenkranz*  nachsagt, bremsen eher den Elan einer dem Opportunismus frönenden  Politik. Und die hat Methode.

Folglich  mehren sich auf Seite der verhinderten Gipfelstürmer die Déjà-vus, was nicht verwundern sollte, wenn ein bestimmtes politisches Modell mit Ablaufdatum kopiert wird. Da dürfen schon Wetten abgeschlossen werden, ob der  jetzt propagierte „Zukunftsweg“ ein holpriger oder ein gespaltener sein wird. Farce am Ende oder nicht, das ist jetzt erst recht die Frage.

Einst wurden Politiker angebetet oder gehaßt. Zumindest angebetet wird keiner mehr. Und nur noch das Heer der Leichtgläubigen und Gleichgültigen mag annehmen, daß  das anlaßbezogene, aufgewärmte Lächeln eines politischen Emporkömmlings irgendein Versprechen halten oder gar die bestehende Unordnung ändern könne.

Wie heißt es so schön: Wenn Menschen lügen, versuchen sie es mit einem Lächeln zu verbergen. Erst recht gewisse Politiker. Da biegen sich heute dementsprechend die Balken. Daß nach all den Erfahrungen vom Politiker nicht ernsthaft und mit Nachdruck verlangt wird,  daß er keine Lügen erzählen soll, daß er sagt, was er denkt und fühlt, prolongiert gerade dessen Hinweglächeln. Die Maske ist der Weg, der mit Doppelmoral gepflastert ist.

Ich behaupte, für die meisten Spitzenpolitiker ist Verantwortung ein Fremdwort. Und weil das so ist, nehmen dieselben ihre eigenen Worte auf die leichte Schulter und pfeifen auch auf Glaubwürdigkeit. Daß diese aber von unschätzbarem Wert ist, wollen einige nicht einsehen, ehe sie nicht abgewählt und, gar nicht selten, durch den Medien-Kakao gezogen wurden.

Das ist es vielleicht, was der Essayist Joseph Wechsberg** einmal gemeint haben mag: Kann denn  jemand, von einem ethisch-moralischen Standpunkt aus gesehen, intelligent sein, der  verhängnisvollen politischen Paradigmen folgt und, wie es heute vielfach der Fall ist, dabei auch noch ungeniert in die Kamera grinst? Es mag sich in Einzelfällen ja echt auszahlen, aber der Ruf ist danach meist ruiniert. Also intelligent?

 *Das schlechte Abschneiden der Freiheitlichen in Niederösterreich hat, anders als die Bundesparteiführung es darstellt, mehrere Väter. Es war aber für diese ein willkommener Anlaß, vom eigenen Versagen abzulenken und sich darüberhinaus eines weiteren deutschnationalen „Urgesteins“ zu entledigen.                                                              Wie Christdemokraten und Sozialdemokraten haben, ähnlich wie Haider, offensichtlich auch die Strache-Freiheitlichen eine ideologische Kernschmelze einzuleiten begonnen. Auf Grund einer kritischen Masse ein unkalkulierbares Risiko.

 **Helmut Müllers Klartext:„Gehören unsere Politiker entmündigt?“, 7. Jänner 2011

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8 Antworten zu Wenn österreichische Politiker grinsen

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  2. Jaro Ruanza schreibt:

    Mit der Ablösung von Barbara Rosenkranz als NÖ-Landesparteichefin hat der gute Strache keinen guten Griff getan! Frau Rosenkranz war am Wahldebakel nicht schuld.Viel eher scheint es so zu sein,daß dem Strache die aufrechte Haltung der ehemaligen Landesparteichefin nicht passt.Mir aber passt die Haltung des Herrn Strache in dieser Angelegenheit nicht.Es ist anzunehmen,daß ich mit dieser Meinung nicht allein dastehe.Jedenfalls werde ich bei der kommenden Nationalratswahl wahrscheinlich lieber die EU-Austrittpartei wählen,die haben wenigstens eine klare Aussage!

    • Waltraut Kupf schreibt:

      Sie haben recht. Barbara Rosenkranz grinst nicht, das paßt einigen Leuten nicht. Die Austrittspartei würde ich von der Überzeugung her sofort wählen, allerdings wird die voraussichtlich mangels medialer Präsenz nicht erfolgreich sein. Wenn sich hier ein Sponsor fände (was nicht der Fall sein wird, denn die geldkräftigen Leute haben daran kein Interesse), so wäre das etwas anderes. Da ist guter Rat teuer.

      • Jaro Ruanza schreibt:

        Wenn die Eu-Austrittspartei an mangelnder medialer Präsenz leidet,so scheint es angebracht,das jeder Bürger eben auf seine bescheidene Weise,dafür Werbung betreibt.
        Natürlich sind die Chancen dieser Bewegung nicht sehr hoch,aber deshalb schon vorher die Flinte in`s Korn zu werfen,bringt uns auch nicht weiter.

  3. amtmann franz schreibt:

    Bei dem Gehalt unserer Volksverräter, und der Vergesslichkeit ihrer Wähler können sie leicht lachen! Ein Volk das seine Volksverräter nicht bestraft – das verdient Freiheit nicht! Wie kann jemand nur eine Partei wählen die dem EMS zugestimmt hat??? Jeder kann seine eigene Meinung zur EU haben – es ist aber traurig wie wenige EU-Gegner bereit sind aktiv gegen diesen Wahnsinn (meine Meinung!) mit zu arbeiten. Jammern ja, mithelfen aber nicht! Genau deshalb können Volksverräter an der Macht bleiben! http://www.euaus.at informiert – das Volk muss den Umschwung verlangen! ifoe,amtmann

  4. Karl schreibt:

    Die Herrschaften haben leicht grinsen. Sie sind ohne Ausnahme nur am Zaster interessiert, inklusive einer fetten Pension. Und das alles durch Lug und Trug und die Blödheit ihrer Wähler. Nach uns die Sintflut, ist ihr Motto.

  5. Lisa schreibt:

    Gut, Barbara Rosenkranz hat ein paar Prozente verloren. Das haben rote und schwarze Granden auch, und sie mußten nicht zurücktreten. Was hat Frau Rosenkranz also falsch gemacht?
    Hat sie ein gegebenes Ehrenwort nicht gehalten?
    Hat sich von Parteikameraden oder der Partei mit Luxusgütern beglücken lassen?
    Genießt sie ihren Urlaub in einem Luxusressort in der Südsee oder auf einer Partyinsel der Reichen und Schönen im Mittelmeer?
    Flirtet sie mit Vertretern des anderen Geschlechts während ihr Lebensgefährte arbeitet oder die Kinder hütet?
    Mit einiger Sicherheit nicht, aber mir fiele da schon jemand ein, auf den das alles zutreffen würde.
    Wahrscheinlich hat sie einfach „altmodische“ Grundsätze, die jungen, ideologiefreien Karrieristen nicht schmecken.

    • helmut mueller schreibt:

      Sehr wahrscheinlich haben wir es da mit einem Generationenproblem zu tun. Da: eine, wie es heißt, aufrichtige, zwar einen gewiß wenig zeitgeistigen und wenig flexiblen Politikstil praktizierende Volkstumspolitikerin auf festem ideologischem Fundament,die zuletzt viel Kritik, vielleicht die eine oder andere auch berechtigt, einstecken mußte. Dort: eine junge im Überfluß groß gewordene Facebook-Generation, zwar in einem gewissen Sinne konservativ bis liberal, aber mit einem völlig anderem Politikverständnis, von denen einige nicht erst morgen, sondern am liebsten schon heute an den Schalthebeln der Macht, sprich Futtertrögen, sitzen möchte.
      Mehrheitlich aber vielleicht doch eine junge Generation , die im markenbewußten Spaß-Zeitalter keine Berührungsängste mit Statussymbolen und mit dem Parteiobmann gemeinsam durchzechten Nächten hat. Es wäre aber wohl die Aufgabe einer Parteiführung, als quasi Mediator und Kitt, eine Verständigung auf der Basis einer vernünftigen nationalen Weltanschauung und eines realistischen Menschenbildes herbeizuführen bzw. verschiedene Parteilager eben im Interesse des Ganzen geschickt zu bündeln. Das wurde anscheinend verabsäumt, leider schon unter Haider, der zumindest vom Intellekt her dazu in der Lage gewesen wäre.

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