Provokation in Budapest

Man ist versucht zu sagen, die Israel-Lobby habe ihr Ziel wieder einmal erreicht. Jetzt, wo sich die Lage im Nahen Osten gefährlich zuspitzt und Israel zuletzt an Sympathien eingebüßt hat, muß sich der Judenstaat der Solidarität der Europäer und Amerikaner wieder absolut sicher sein können. Jetzt,  wo sich, fragwürdigen Umfragen zufolge, die Europäer, besonders Ungarn, als gefährliche Antisemiten „geoutet“ haben sollen, sollte wohl verstärkt jeder, der sich zu Israel- oder allgemeiner Zionismus-Kritik hinreißen läßt, unter dem Motto „Nie wieder  Auschwitz“ als Antisemit oder Feind Israels wieder mundtot gemacht werden können.                                                                                                                   

Die  „provokative“ Tagung des Jüdischen Weltkongresses* in Budapest läßt sich ohne weiteres im Sinne der Erkenntnisse Norman Finkelsteins verstehen. „Antisemitismus als politische Waffe“  erfüllt ja zudem den Zweck, die  Tatsache der eigentlich unrechtmäßigen Landnahme in Palästina durch Zionisten, die darauf folgende ethnische Säuberung, fortgesetzten Landraub  und palästinensisches Flüchtlingselend nicht zu sehr in das Bewußtsein der Freunde Israels treten zu lassen.                                                                                                                                                                  Die den erwähnten zionistischen Interessen dienliche Vorführung eines angeblich gefährlichen ungarischen Antisemitismus im von Israelis begehrten und von internatioalen Interessen belagerten Ungarn, scheint also mit Hilfe  eines globalen Mediennetzwerkes gelungen. Vielleicht auch mit Hilfe des einen oder anderen eingeschleusten „rechten“ Provokateurs? Die Spendenmaschine dürfte damit (sicher zum Wohlgefallen der Herren Ronald Lauder, Abraham Foxman und Benjamin Netanjahu, die, abstammungsmäßig, mit den Juden der Bibel ungefähr so viel gemeinsam haben, wie Berlusconi mit der Königin von Saba)  schon wieder  auf Hochtouren laufen.                                                                                                                                                               Gewiß haben ungarische Rechte vornehmlich in diesen Tagen da und dort ein nötiges Maß an politischer Klugheit missen lassen, aber ganz so wie es einige Lohnschreiber schildern, dürfte es in Einzelfällen wohl  nicht immer gewesen sein. Wir kennen das aus früheren Ungarn-Berichten unserer gleichgeschalteten Medien. Man berichtet ja gerne, wie üblich, nur die halbe Wahrheit und  hat damit  dem erwünschtem oder  bestelltem Zustandsbild eben Genüge getan. Zur Lösung eines  Problems trägt eine solche Berichterstattung kaum bei. Aber das soll sie wahrscheinlich auch nicht.

Man sollte daher, im Hinblick auf eine bestimmte hochgespielte Empörung, wissen, daß nicht nur in der Verwaltung, sondern auch im ungarischen Parlament Doppelstaatsbürger sitzen. So weit die Fakten. Nun wird aber die Loyalität dieser Leute in bestimmten Fragen von nationalem Interesse von Jobbik-Vertretern angezweifelt.                                    Angebracht?  Vielleicht nicht. Ob das aber schon Antisemitismus ist, darf ruhig einmal hinterfragt werden, schließlich betrifft die Frage der Doppelstaatsbürgerschaft auch nichtjüdische Staatsangehörige im ungarischen Parlament. Natürlich ist das Problem in einem von bestimmter Seite aufgeheiztem innenpolitischem Klima ein sehr heikles.

Doch der  Irritationen auf rechter Seite nicht genug: Seit einiger Zeit führt der Umstand, daß, wie es heißt,  israelische Investoren in Budapest massiv Häuser erworben haben und auch ganze Wohnblöcke in der Provinz für unbekannte Zwecke  errichten lassen, zu rechtem Unbehagen. Und wenn es stimmt, daß in Israel schon einmal an Hand  einer Ungarn-Landkarte demonstriert wurde, wie  leicht der Zionistenstaat in der östlichen Puszta eigentlich maßstabgerecht Platz hätte, dann ist das natürlich weiteres Wasser auf die Mühlen ungarischer Patrioten.                                                                                             Dazu  erhebt sich die Frage, wozu Kinder  in Israel an einem, so wird kolportiert, Ungarisch-Unterricht teilnehmen. Wollen sich Israelis im Falle eines apokalyptischen Falles Ungarn als Zufluchtsort sichern, vermeintlichen oder tatsächlichen ungarischen Antisemitismus aber rechtzetig mittels sanftem internationalem Druck domestizieren? Spekulationen, gewiß.

Wie auch immer, der ungarische Premier hat sich vor dem Plenum des Jüdischen Weltkongresses, dessen Tagung von israelischen(!) Soldaten abgesichert worden sein soll,  jedenfalls als entschiedener Gegner des Antisemitismus präsentiert. So weit, so gut. Manchem Tagungsteilnehmer schien das zu wenig, aber auch ein ausgesprochener Machtmensch und ehemaliger Soros-Stipendiat wie Orban, in dessen Adern angeblich auch „jüdisches“ Blut fliessen soll, kann innenpolitisch nicht schalten und walten wie er möchte. Auch wenn unsere Medien es gerne so darstellen.                                                                                                                                                                  Nicht zuletzt sollte man beim Studium der ungarischen Probleme, zumindest so wie sie sich für natioanle Rechte in Ungarn darzustellen scheinen, eines nicht außer acht gelassen werden: Ungarns Judentum hat ja nicht nur große Wissenschaftler und begnadete Künstler hervorgebracht. Oder Ausnahme-Journalisten wie Pulitzer.                               Zwei rote Diktaturen, von Bela Kun bis Janos Kadar, haben unzählige ungarische Opfer gefordert und Leid über die Nation gebracht. Daß dabei, wie in der Sowjetunion, jüdische Kommunisten federführend waren, ist also zu berücksichtigen, will man die „rechten“ Vorgänge im heutigen Ungarn richtig verstehen..             

So viel oder so wenig vielleicht zum besseren Verständnis der freiheitsliebenden ungarischen Seele, die, bei Einmischung von außen (ob durch EU, JWC oder Israel) leicht gereizt werden kann. Ist ja auch verständlich. Übrigens: etwas mehr Patriotismus würde so manchem anderen Volk auch gut anstehen.                                                                       Aber Antisemitismus als politische Waffe in der Hand ungarischer Aktivisten oder Politiker wäre keine gute Idee und eher kontraproduktiv. Da ist eine solche Waffe bei Vertretern der Holocaust-Industrie oder Israels bei weitem besser aufgehoben. Und diese Waffe wird, das weiß nicht nur Norman Finkelstein, zwischen New York und Tel Aviv auch enstprechend geschätzt.

*Zu der Tagung in Budapest schreibt die antizionistische Online-Zeitung „Der Israelit“ unter anderem:

„Nun, wer sich mit der Geschichte dieses Weltkongresses nur etwas auskennt, weiß, daß diese zionistische Kampf- und Progagandaorganisation in ihrer Geschichte kaum eine Gelegenheit ausließ, um sich gegen die Völker in Stellung zu bringen und das Leben des religiösen Judentums in seinen jeweiligen Heimatländern durch gezielte Provokationen zu gefährden…
Das religiöse und nicht-zionistische ungarische Judentum lehnt in entschiedenster Weise irgendwelche Einmischung von außer-ungarischer Seite in die inneren Angelegenheiten des Landes ab. Es betrachtet jeden äußeren Druck auf die nationale ungarische Regierung oder national gesinnte ungarische Parteien als einen dauernden Schaden für sich selbst…
 Das authentische Judentum unterstützt die Bestrebungen der nationalen ungarischen Bewegung gegen den wirtschaftlichen und politischen Ausverkauf ihres Landes und erklärt sich insbesondere mit den Zielen und Erklärungen der Proteste einer am 4. Mai in Budapest stattgefundenen antizionistischen Demonstration vollkommen solidarisch…“   

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3 Antworten zu Provokation in Budapest

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Das erinnert mich daran, daß vor vielen Jahren die Orthodoxen jüdischen Gemeinden in der New York Times ein Inserat schalteten, in dem sie sich von ungerechtfertigten Restitutionsansprüchen distanzierten. Meiner Erinnerung nach wurde das auch von Moishe Friedman unterstützt, dessen Kinder in Wien die Schule nicht besuchen konnten, dessen Türschlösser auf dem Kolonitzplatz verklebt wurden usw. usw. Jede Religion, soferne sie richtig aufgefaßt wird, hat Sinn für menschlichen Anstand und Gerechtigkeit. Was man von diversen „liberalen“ oder säkularen Organisationen nicht behaupten kann.

  2. Jaro Ruanza schreibt:

    In diesem Zusammenhang möchte ich an einen OFFENEN BRIEF AN DIE BÜRGER EUROPAS hinweisen,welcher von zahlreichen Intellektuellen ungarischen Persönlichkeiten unterzeichnet wurde und in der Monatsschrift FAKTEN
    erschienen ist.Hieraus ein wesentlicher Auszug:
    „Ihr müßt aber wissen,daß sich dieser Feldzug nicht gegen Ungarn richtet.In Wirklichkeit verbirgt sich hinter ihm eine Reaktion der die internationalen Medien dominierenden linken und liberalen Intelligenz auf die,ihren ungarischen Gesinnungsgenossendurch die ungarischen Wähler zugefügte,vernichtende Niederlage,eine Reaktion auf die ungarische konservative Revolution.Die Linken und Liberalen haben Angst vor einer eventuell stattfindenden europäischen konservativen Wende,deswegen wollen sie die Ergebnisse der ungarischen Veränderungen rückgängig machen und deswegen haben sie gegen uns einen Diffamierungsfeldzug sondergleichen begonnen.“

    Im Übrigen habe ich vom ungarischen Volk die größte Hochachtung,hat sich dieses doch schon zur Zeit der K&K-Monarchie als auch in der kommunistischen Diktatur mit dem Mut der Verzweiflung gewehrt. In Österreich würde manches anders verlaufen,hätten wir hier die gleiche Mentalität!

  3. consuela schreibt:

    Kein Mensch müsste Hunger leiden seit 1988
    Die Wahrheit – 1988 Eine wissenschaftliche Sensation
    Die folgende Sendung ist offiziell nicht mehr verfügbar, weder im Archiv des Fernsehsenders noch woanders. Sie behandelt ein äußerst brisantes Thema, welches die heutige Genforschung und Technik über den Haufen wirft.
    Dieses Video wurde von einer alten VHS-Kassette überspielt, deswegen die schlechte Qualität.

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