Deportierte im Todeszug nach Irgendwo

Wo er recht hat, da hat er recht. Denn, so der wackere Buchautor Thilo Sarrazin, es müsse doch überlegt werden, was wirtschaftlich leistbar und möglich sei. Er persönlich sei der Meinung, daß das älter werdende und geburtenarme Europa letztlich größere Einwanderungsströme von wirtschaftlich Bedürftigen nicht verkraften könne, ohne daß sein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell ernsthaft gefährdet werde.                                   Die Frage laute, so Sarrazin, was seien unsere Interessen und was könnten und wollten wir uns dauerhaft leisten, wir hätten schließlich  genügend ungelöste Probleme. Damit könnte Sarrazin unter Umständen schon mehr gemeint haben, als er öffentlich in die Debatte einzubringen getraut.                                                                                                                                                          Sollte aber Sarrazin damit nur  bestimmte, auch dem oberflächlichen Medienkonsumenten bekannte Probleme gemeint haben, dann wäre dies  allerdings zu wenig, um einem rebellischen oder gar revolutionären Geist auf die Sprünge zu helfen. Es ginge nicht in die Tiefe eines Problemkomplexes, in dessen auf das Ökonomische und Gesellschaftliche einwirkenden Kern sich nicht nur die Umwertung von Werten, sondern auch die Auflösung von Gemeinschaften und Völkern vollzieht.                                                                                 Es scheint  tragischerweise so, als sei  das Sinnverständnis besonders des deutschen Volkes für seine Geschichte bereits erloschen. Wobei Geschichte ja deutlich mehr ist als nur die in einschlägigen Büchern und TV-Serien abgehandelte, zuweilen  von gut bezahlten Schulmeistern verordnete Zeitgeschichte-„Show“.

Während unsere Vorfahren noch Anschluß an vorangegangene Generationen hatten, haben zu viele unter uns bereits den Kontakt zu ihren Vätern oder Großvätern verloren und, nicht unabhängig davon, den Glauben an die Zukunft nicht recht gefunden. Denn damit ursächlich zusammen, aber nicht nur, hängt ja auch die Gebärunlust auch in weiten Teilen Europas, weshalb einige bereits vom Niedergang der „weißen Rasse“ sprechen. Wenn sie diesen wenigstens dessen bewußt und aufrecht vollzöge.                                                        Das verweichlichte. sprich: verwestlichte Umerziehungs- und Manipulationsopfer erkennt nicht mehr den Sinn des Lebens, lebt, besonders in Städten,  nicht mehr in überschaubaren Tradierungsgemeinschaften, empfindet sich nicht als ein Geschöpf unter vielen im Kreislauf der Schöpfung,  und schon gar nicht mehr einbezogen und geborgen im Reich der Mythen und Bilder. Denn, so meinen jene, die uns schulmeistern: dann könnte  es schnell gefährlich werden. Und gar schnell ist man in Einzelfällen jetzt schon mit der NS-Keule zur Stelle. Mit Hilfe jener, die das Volk eigentlich objektiv informieren und aufklären sollten, den Medien. Dieselben heute unbegrenzte Macht über die Worte und Bilder ausüben, und diese Machtausübung unterscheidet sich in ihrer totalitären Ausrichtung kaum von jener, sei sie religiöser oder politischer Natur, vergangener Zeiten.

Wohin also soll die Reise gehen? Das möchten viele, vielleicht sogar die Mehrheit der betroffenen Zeitgenossen, gewiß gerne  wissen. Stellen wir uns das vor unseren Augen ablaufende Schurkenstück bildlich doch so vor: Nach 1945 wurden wir in einen neuen Zug verfrachtet, dessen Strecke, Fahrplan und weitere Zwischenstationen den meisten, auch neu zugestiegenen Mitreisenden nahezu noch unbekannt sind, wie erst recht der endgültige Zielbahnhof auch.                                                                                                          Aber immer mehr munter Gewordene scheinen zumindest eine Ahnung von dem zu Erwartendem zu bekommen, doch tragen zu viele einen Maulkorb oder  es sind ihnen die Hände gebunden. Und wo nicht, ist man blind und taub oder  einfach zu feige. Oder auch nur zu gutmütig und eingeschüchtert, um dem anscheinend Unausweichlichem, und sei es nur durch Gehorsamverweigerung, noch zu entrinnen. Ein oft eigensüchtiges, zumindest kurzsichtiges Verhalten, das einer früheren Kategorie von Deportierten gelegentlich vorgeworfen wurde und noch wird.

Ja, wir sind im Grunde auch Deportierte. Vertrieben aus unserer Geschichte, unseren Idealen und aus den uns vertrauten Denkmodellen, tradierten Sitten und Bräuchen, aus unserer geistig-kulturellen Heimat also. Bald aber auch, dank großzügigem Gebärstreik und ebenso großzügiger Aufnahme Fremder erzwungener Exodus vieler aus ihrer geographischen Heimat?                                                                                                         Sozusagen Deportierte der anderen Art, die (umerzogen und von den gleichgeschalteten Medien mit ablenkendem Zeug unterhalten)  an den Zwischenstationen von den wissenden politischen Fahrdienstleitern des wahrscheinlichen Todeszuges  psychotherapeutisch-propagandistisch behandelt, das heißt, mit endlosen Versprechungen und den immer gleichen Halbwahrheiten und Tricks abgespeist werden.                                                        Der an der Spitze des Zuges aufgepflanzte moralische Geßlerhut, dem  an jeder Station Reverenz erwiesen werden muß, sorgt noch für eine halbwegs disziplinierte Reise, die aber von Station zu Station immer beschwerlicher und bedrohlicher wird. Wer bloß könnte uns ein solches Deportierten-Schicksal an den Hals gewünscht haben? Und wo steht geschrieben, daß wir es hinnehmen müssen?

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3 Antworten zu Deportierte im Todeszug nach Irgendwo

  1. werner kohl schreibt:

    Gegenfrage zur klaren Analyse: Was tun?

    Abspringen? Wann? Wo?

    Die Schienen blockieren? Womit? Wer wird´s tun?

    Vor den Zug werfen? Ist das die Lösung?

    • helmut müller schreibt:

      Warum nicht auch kollektive Gehorsamverweigerung? Sie können uns ja nicht alle erschießen. Oder sind wir schon wieder so weit?
      Ich weiß, es ist nicht und es wird nicht einfach. Aber sicher gilt noch immer: Es muß schlechter werden, um besser zu werden. Die Masse ist träge und noch nicht an ihrer Leidensgrenze angelangt. Und in den vielen vorbildlichen außerparlamentarischen Gruppierungen herrscht noch zuviel Eigenbrötelei und kleinbürgerliche Abgrenzungsneigung. Aber irgendwann bedarf es mit vereinten („linken“ wie „rechten“) Kräften einer Kurskorrektur, sonst wird es eine Reise ohne Wiederkehr.

      • Gismene schreibt:

        Mit Widerstand haben „linke“ Gruppen wohl die meisten Erfahrungen. Also am besten dort „Anleihen“ holen. Aber man sollte auch immer dankbar sein, wenn man von anderen genommen hat! Sagt bitte euren Kollegen bei der Polizei, sie sollen nicht so brutal gegen „Linke“ vorgehen (bei Demonstrationen, bei Verhören etc. – ist ja schrecklich, mit welch roher, brutaler Gewalt mit Schlagstöcken u. anderen Methoden auf Menschen losgegangen wird!), sonst wird logischerweise das bekannte Sprüchlein Wirklichkeit: „Wer Gewalt sät, wird Gewalt ernten!“

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