Muß erst alles in Scherben fallen?

Ist Zypern die kleine Welt in der die große Finanzwelt ihre Probe hält? Man könnte es ohne weiteres so sehen. Überrascht hat mich der Coup auf der Mittelmeerinsel ja nicht, in vorherigen Beiträgen hatte ich eine  solche Möglichkeit, plötzlich vor geschlossenen Bankschaltern zu stehen, schon einmal angesprochen, dabei aber gar nicht an Zypern gedacht.

Wie von mir schon einmal erwähnt, soll vor einiger Zeit, im österreichischen Landesverteidigungsrat eine solche Möglichkeit ja bereits erörtert   worden sein. Und auch, daß deutsche Bundesbank und österreichische Nationalbank längst neue Banknotendruckmaschinen bestellt hätten.-                                                                                                                                                                           Dazu passend  wird auch Schäubles „Bankeinlagen sind eine sensible Sache, da muss man schnell handeln, daher macht man es am Wochenende“, verständlich.. Auf Zypern jedenfalls sollen zumindest bis nächsten Dienstag die Bankschalter geschlossen bleiben, das Nachher ist noch unbekannt.

Im Zusammenhang mit dem Vorgehen der zypriotischen Regierung wird gerne eine  bereits berüchtigte Aussage Jean-Claude Junckers, ehemals Chef der Euro-Gruppe, gebracht, die er, laut Spiegel (52/1999), so getätigt haben soll:  „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert“… Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Auf eine diesbezügliche Anfrage hin, versuchte ein Regierungssprecher Luxemburgs die Aussage dahingehend zu relativieren, daß Junckers dies nur auf das Vorgehen in den EU-Ratssitzungen bezogen habe. Ja bitte, selbst wenn es so eingeschränkt zu verstehen wäre, wer sagt, daß man nicht auch gegenüber den Mitgliedsländern so vorgehen würde? Wenn wir die Politiker weniger als Volks- denn als Bankenvertreter sehen wollen, dann ergibt sich  in Coups à la Zypern schon ein Sinn.

In Zypern hat es noch nicht reibungslose geklappt, aber die Katze läßt bekanntlich das Mausen nicht. Besonders verlockend für Raubzüge dieser Art wären natürlich Länder, wo die Ersparnisse bzw. das Geldvermögen der Bürger einer echten Goldmine gleichkommen. Die  Bundesrepublik Deutschland, zum Beispiel: Nach Schätzungen von Allianz Global Investors betrug im Jahre 2009 das Geldvermögen der Deutschen, dank Börsenhoch und 11,3 Prozent , Sparquote 4,67 Billionen Euro.

Da ließe sich schon was holen, und wie in Zypern, würde man schon darauf schauen, daß die kleinen Fische voran ins lange vorher ausgelegte Fangnetz schlüpften. Oligarchen und andere Großanleger werden sich entsprechend zu wehren wissen oder, falls rechtzeitig aus Regierungskreisen informiert, ihre Milliarden in ein anderes Steuerparadies verlagern.

Nun wurde der auch vom teutonischen Duo infernale geförderte  Raubzug gegen Zyperns Bürger vorerst also gestoppt, wenn auch von zypriotischer Seite mit einiger Sicherheit nur aufgeschoben. Daran werden weder ein Plan B noch Abkommen hinsichtlich vermuteter Gasvorkommen kurz- bis mittelfristig etwas ändern. Die Zyprioten werden trotz allem zur Kasse gebeten werden. Unklar ist noch, auf welchem Wege, daß aber Steuererhöhungen einer davon ist, darf stark angenommen werden.                                                                                                                                                           Aber da werden wahrscheinlich auch in Folge noch anderer unerledigter Baustellen (Griechenland, Spanien, Italien u.a.) selbst  die restlichen EU-Bürger nicht ganz ungeschoren davonkommen. Die Frage ist nur, wann die Schmerzgrenze insgesamt erreicht sein wird, denn dann müßten auf EU-Ebene jene Aufstände befürchtet werden, wie sie sich auf Zypern bereits unheilvoll ankündigten.

Auch hinsichtlich eins solchen Szenarios darf das Sprachrohr der EU-Zentrallisten, Jean-Claude Juncker, zitiert werden. Laut Spiegel meinte er hinsichtlich der EU-Krise, die Konflikte in Europa könnten sich gefährlich zuspitzen. Und:  „Wer glaubt, dass sich die Frage von Krieg und Frieden nie mehr stellt, könnte sich gewaltig irren“. Wie recht er doch hat.

Wenn man die Geschichte seit den alten Römern betrachtet, dann wird man sich gewahr, daß immer dann, wenn das Volk arg geschröpft wurde, Aufstände bis hin zu Revolutionen die Folge waren. Ich glaube aber nicht, daß das jene, die von der Gier beherrscht werden und ihrerseits die Politiker am Gängelband führen, sich davon beeindrucken lassen. Denn, wie immer das ausgeht, die Zeche bezahlen am Ende die kleinen Leute, selten  unfähige Politiker, aber kaum die Herren des Geldes.

Und welche Lehren ziehen wir aus dem ganzen? Erstens, daß unter den bekannten Voraussetzungen die Aufgabe der Souveränität ein politischer Fehler war, der eigentlich Hoch-und Landesverrat gleichkommt. Zweitens, es ein weiterer politischer Fehler war, unterschiedliche Kulturen, ökonomische und Sozialsysteme in eine einzige Währung zu zwängen. Drittens, daß eine Reparatur dieses politischen Systems nichts mehr bringt, sondern nur verschlimmbessert und daher ein neues an seine Stelle treten sollte. Aber muß immer erst alles vorher in Scherben fallen?

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7 Antworten zu Muß erst alles in Scherben fallen?

  1. Jaro Ruanza schreibt:

    Ja !

  2. heinz schreibt:

    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | 19.03.13 – Die Banken Zwangs-Abgabe in Zypern war kein Betriebsunfall. Sie ist der erste Baustein in dem Plan, wie Europa künftig regiert werden soll.
    Autoritär, ideologisch und undemokratisch. Das Vorbild für den finanz-technischen Teil zur Lösung der Schuldenkrise ist die deutsche Wiedervereinigung. Der Architekt des Plans: Wolfgang Schäuble. Das verheißt nichts Gutes.

  3. franz schreibt:

    …der letzte Absatz lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig

  4. Karl Halmann schreibt:

    Raus aus dem EU-Schlamassel

    Auf was warten die Politiker/innen Österreichs noch? Der Euro ist nichts mehr wert. Die EU ist gescheitert! ÖVP, SPÖ, FPÖ, BZÖ, Grüne und auch Team Stronach sind EU-hörig und wollen nicht aus der EU austreten.

    Was muss noch alles passieren? Die Krisen in der EU mit Irland, Portugal, Griechenland und Spanien verursachten einen Schuldenberg, der nicht mehr rückzahlbar ist. Italien ist mit 2 Billionen Euro verschuldet und steht politisch vor dem Kollaps. Jetzt ist Zypern dran. Die Banken sind im Inselstaat bis auf unbestimmte Zeit geschlossen. Es gibt kein Geld von der Bank und auch die kleinen Sparer sollen mit einer bis zu 10 prozentigen Abgabe den Staat retten. So sieht Demokratie in der EU aus. Am Ende müssen immer die Unschuldigen(das gemeine Volk) für die Verursacher(Banken, Großkonzerne, usw.) zahlen. Weiters hat die EU uns den ESM, Euratom, Euro-Rettungsschirm, EU-Fiskalpakt, Maastricht-Vertrag und Beitragszahlungen(Netto-Zahlung mit 1 Milliarde Euro jährlich) an die EU beschert.

    Raus aus der EU-Geiselhaft. Raus aus der Euro-Währung. Raus aus der EU-Schuldenpolitik!

    Österreich braucht wieder seine Freiheit, kontrollierte Grenzen, Souveränität und wieder seine Selbstbestimmung. Mit einem Austritt Österreichs aus der EU sind wir trotzdem weiter ein Teil von Europa.

    Nehmen wir uns ein Beispiel am französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. Der vor 400 Jahren lebte. Er verbot Importe ins eigene Land. Dadurch sicherte er für seine Untertanen ein Einkommen durch eigene Produktion und Arbeit.

    So weitsichtig ist die Politik der EU und unserer Regierung nicht. Österreich braucht wieder Politikerinnen und Politiker mit Herz, Hirn und Verstand.

    Im Herbst sind Nationalratswahlen in Österreich. Heuer haben die Wählerinnen und Wähler erstmals die Gelegenheit, die nicht die EU und den Euro wollen, einer neuen Partei „Forum Austritt Österreichs aus der EU“, kurz „AUS EU“, ihre Stimme zu geben.

    Karl Halmann

    Fischauer Gasse 171/94
    2700 Wiener Neustadt
    Tel. 0043 699 101 344 66
    E-Mail: karl.halmann@chello.at

  5. hans schreibt:

    JA, erst muß alles kaputt werden, damit ein Neuaufbau möglich wird.

    • Siegfr. Eder schreibt:

      Richtig, Hans ! – Leute an der Macht sind trotzig wie Kinder, die ihre Spielzeuge kaputt schlagen. – Darum dürfen wir ihnen nicht mehr so viel Macht geben, wie bisher !

  6. Carola Sarrasin schreibt:

    Vielen herzlichen Dank für die schöne Zusammenfassung.
    Die Menschen entwickeln sich – und zwar vertikal.
    Während sich sonst alles auf diesem Planeten horizontal entwickelt, womit sämtliche Macht- und Kontrollsysteme ein logisches Ende finden, erhebt sich die Menschliche Zivilisation bewusst, geistig und physisch über die Versklavung und kann die Systeme und ihre Erfüllungsgehilfen somit friedlich und ohne Scherbenhaufen zurückweisen. Denn der Mensch hat einen starken Vorteil: Er kann mit Liebe kreieren. Und das macht er beeindruckend toll!

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