Mehr Glaubwürdigkeit, bitte!

Die Landtagswahlen in Kärnten und Niederösterreich haben ein beinahe Ritual veranschaulicht, daß sich bei solchen Anlässen stets wiederholt. Die einen werden mit dem üblichen Vertrauensvorschuß bedacht, die anderen werden für ihre Schwächen oder ihren Übermut abgestraft.                                                                                                                            Das ganze läuft unter dem Stichwort Demokratie, in der nach einem Urnengang bekanntlich alles beim alten System bleibt. Sonst wären Wahlen ja, wie es so schön heißt, verboten.

Man wird bei diesem déjà vu  an das alte Rom erinnert, wo, besonders nach Sulla,  jeder Putsch ausschließlich gegen die Tyrannen aber nicht gegen das System der Tyrannei selbst erfolgt ist. Und so werden heutzutage eben auch nur Politiker bzw. Parteien, aber nie ein pseudodemokratisches, korruptes  System als Ganzes abgewählt. Wird das jemals der Fall sein? Dabei wäre es höchste Eisenbahn.

Etwas konkreter dürfte es immerhin nach den nächsten Parlamentswahlen werden. Zumindest in Österreich auch. Bis dahin kann zwar noch einiges unterdrückt, an Unannehmlichkeiten uns vorenthalten werden, doch dann könnte, vielleicht sogar  „plötzlich“, bedenkliche Instabilität selbst unser  geschätztes Vaterland heimsuchen.

Wir sind, es sei hier wiederholt, eben längst keine Insel der Seligen mehr und leben hauptsächlich von den Früchten der Schaffenskraft vieler Generationen. Ein Reichtum, den wir wohl zu gering schätzen  und mit anderen, die zu diesem Österreich nichts Wesentliches beigetragen haben, jetzt teilen sollen. Für Spannung wird daher einmal gesorgt sein. Ob dies  radikalere Kräfte  auf den Plan rufen wird?

Einen österreichischen Chavez dürften wir aus mehreren Gründen dennoch nicht so schnell bekommen. Da müßte es zudem schon ordentlich drunter und drüber gehen. Was allerdings nie ganz auszuschließen ist.                                                                                             Aber einer, der nicht nur die Machtfrage stellt, sondern diese auch gegenüber den finanziellen Herren der Welt in Stellung bringt, das wäre schon etwas. Aber ohne internationale Verbündete wäre ein solcher Anlauf  von Vorneherein zum Scheitern verurteilt.

In der BRD  wurde zuletzt  eine „Alternative für Deutschland “ ins Leben gerufen. Noch keine politische Partei, aber vielleicht eine Vorstufe dazu. Die Gründungsmitglieder und Förderer sind honorige Persönlichkeiten, denen vor allem Euro und Rettungsschirme ein Dorn im bürgerlichen Auge sind.                                                                                                     Eine schlanke EU und die Rückverlagerung von Kompetenzen gehören auch zu ihren Zielen. Sehr ehrenwert an sich, aber ohne Infragestellung von System und Nachkriegsordnung bliebe es da nicht ein politischer Torso?

Wenn man rundum schaut und die Vielfalt an Parteineugründungen und Initiativen Revue passieren läßt, so fällt eben doch auf, daß  eigentlich die meisten Alternativen in zentralen Fragen (Nationale Identität und Souveränität, genossenschaftliche Selbstorganisation usw.) einen Eiertanz aufführen oder dazu überhaupt schweigen.                                            Daher wäre ja auch mit einem Raus aus EU und Euro  noch nichts gewonnen, wenn nicht auch schon Klarheit über eine neu zu schaffende  Ordnung bestünde.

Wie man aus der Umklammerung von Vormächten und Finanzmärkten herauskommen könnte, darüber  wird anscheinend nur in einigen „extremen“ Gruppierungen tiefer geschürft. Grundlegende Systemkritik kommt anderswo  nicht vor, zumindest ist mir nichts bekannt.                                                                                                                                Und so bleibt es dabei, daß  man auch als vom System geduldete außerparlamentarische Opposition nur in diesem  selbst Veränderungen anzustreben bereit ist (und auch gelegentlich bewirkt) insgesamt aber an den realen Machtverhältnissen nichts ändern kann (oder will). Könnte es sein, daß das Sinn und Zweck der ganzen Übungs ist? Wie glaubwürdig ist man aber dann?

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5 Antworten zu Mehr Glaubwürdigkeit, bitte!

  1. aon schreibt:

    gratulier zu klugen Kommentaren auly bitte neue e- adresse verwenden, alte lösch ich

  2. Pingback: Mehr Glaubwürdigkeit, bitte! | Demokratisch

  3. Helmut Schramm schreibt:

    Zitat: „Daher wäre ja auch mit einem Raus aus EU und Euro noch nichts gewonnen, wenn nicht auch schon Klarheit über eine neu zu schaffende Ordnung bestünde“.

    Nach einem Austritt aus der EU hat Österreich wieder die Chance eine glaubwürdige demokratische und neutrale Republik zu werden. Man sollte sich an Bayern und überhaupt am Schweizer System orientieren.

  4. Zunächst wäre ein Austritt aus Eurozone und/oder der EU mit empfindlichen Einbußen verbunden. Danach könnte es durchaús besser gehen. Aber hätte der Staat, die Gesellschaft, den langen Atem, um die Durststrecke (von voraussichtlich ein bis drei Jahren) auszusitzen?

  5. Jaro Ruanza schreibt:

    Wie soll denn dieses „pseudodemokratische“System abgewählt werden und von wem? Stehen doch in der niederösterreichischen Landschaft auf einem künstlich geschaffenen Hügel,zwei Rolltreppen mitten in der Landschaft,völlig sinnlos zwar,aber vom Land Niederösterreich als „Kunstobjekt“finanziell gefördert.Auch dem genialen Schüttkünstler Herman Nitsch,wurde um mehrere Millionen Euro eine Spielwiese finanziert. Dies alles und noch mehr,hat die Wählerschaft nicht abgehalten,den selbstherrlich agierenden Landeshaupmann zu wählen.Den Leuten ist nicht zu helfen.Noch dazu,wo doch manche von ihnen in der neuen Stronach-Partei,ohne Programm,ihr Heil gesucht haben!

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