Dresden 1945 – „das größte Massaker“

In diesen Tagen gedenken aufrechte Menschen in den Nachfolgestaaten des Deutschen Reichs der Opfer des Bombenholocausts von Dresden. Ob sich zu dieser Stunde auch etablierte Politiker dieses grauenvollen Ereignisses der deutschen Geschichte erinnern, ist mir nicht bekannt. Einige wenige werden es schon sein.

Nachdem ein eher unglaubwürdiger Historiker die Opferzahlen auf lächerliche 25.000 geschätzt haben will, scheinen die heute politisch Verantwortlichen in Berlin und Wien ruhigen Gewissens und ungestört ihren Geschäften nachgehen zu können.

Wie es allerdings bei hunderttausenden Spreng- und Brandbomben und der dabei angewandten skrupellosen Vorgangsweise der alliierten Bomber-Strategen so wenige Opfer in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt hätte geben sollen, ist nicht nur unabhängigen Fachleuten ein Rätsel.

Aber so ist damit, zumindest von britischer und US-amerikanischer, also Siegerseite, kein unangenehmer Rülpser zu erwarten, und das ist sicher der Zweck der  akrobatischen  Zahlenspiele, die in anderer Hinsicht längst den Staatsanwalt  und die ganze Journaille auf den Plan gerufen hätten.

Dabei war alles einmal anders, aber da herrschte in deutschen Landen noch nicht diese Kriecherei, sondern der Mut zur Wahrheit. Noch am 31.Juli 1992 beantwortete, zum Beispiel,  die Stadtverwaltung in Dresden, sich dabei auf Dokumente der ehemaligen Dresdner Ordnungspolizei stützend,  eine diesbezügliche Anfrage wie folgt:

Gesicherten Angaben der Dresdner Ordnungspolizei zufolge wurden bis zum 20. 3.1945 202.040 Tote, überwiegend Frauen und Kinder geborgen. Davon konnten nur etwa 30% identifiziert werden. Einschließlich der Vermißten  dürfte eine Zahl von 250.000 bis 300.000 Opfern realistisch sein. Entsprechende neue Forschungen sind noch nicht abgeschlossen.

Das Internationale Rote Kreuz sprach kurz nach dem Krieg von 275.000 Opfern, und der deutschamerikanische Geistliche Ludwig A. Fritsch  schien 1948 diese Zahlen in seinem Buch „Amerikas Verantwortung für das Verbrechen am deutschen Volk“ mit den Worten „…daß die Zivilbevölkerung dabei über 200.000 Tote zu beklagen hatte“ annähernd zu bestätigen.

Ein Augenzeuge des furchtbaren alliierten Bombenterrors, der  US-amerikanische Schriftsteller Kurt Vonnegut jr., damals Kriegsgefangener, nannte die Zerstörung Dresdens „das größte Massaker der europäischen Geschichte“ (Spiegel 6/2005). Und selbst die RAF-Aktivistin Ulrike Meinhof schrieb 1965 in Konkret: „In Dresden ist der Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch bekämpft hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung gibt“.

Es stimmt schon, die Hauptverantwortung für dieses Verbrechen am deutschen Volk liegt bei Briten und US-Amerikanern, aber eine lakaienhafte Politik, die dieses Verbrechen kleinreden läßt, macht sich mitschuldig und schmäht das Leid und den Tod unzähliger Opfer.

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2 Antworten zu Dresden 1945 – „das größte Massaker“

  1. Lore schreibt:

    Was haben Sie gegen Ulrike Meinhof? Weil Sie schreiben: „Und selbst die RAF-Aktivistin…“ Ulrike war Millionaerin und hat sich trotzdem „sozial“ engagiert. Sie hatte sehr viel zu verlieren und hat trotzdem alles aufgegeben. Schuld war auch ihr „Ehemann“, der sie betrogen und schlecht behandelt hat. Er mutierte ja spaeter von „links“ nach „rechts“ und schimpft heute mit einer Tochter gemeinsam ueber die Mutter und alle „Linken“. Als ehemaliger Ultralinker muss er ja wissen, ueber was er schimpft…
    Ulrike wurde zum Suendenbock fuer ein ganzes Land, nur weil sie ein Treffen mit einem Haeftling vereinbart hat und dann mit ihm gefluechtet ist. Nur deshalb wurde sie wie eine Schwerverbrecherin auf Plakaten gesucht und spaeter in der Haft abscheulich und brutal behandelt! Man sollte Ulrike nicht zum Vorwurf machen, dass sie in „schlechte Gesellschaft“ geraten ist und das grausame Spiel des BRD-Geheimdienstes und der Konservativen (die immer so „anstaendig“ tun) nicht durchschaut hat. Sie war eine erstaunliche Frau, die bis zu ihrer Ermordung – durch staatlich beauftragte Moerder im Gefaengnis! – viel zu leiden hatte! Was fuer ein grausames Spiel der „Staat“ sowohl in Deutschland als auch in Oesterreich mit den Menschen treibt!

  2. Lore schreibt:

    Ende der 80er Jahre (in meiner „wilden“ Spätjugend und als ich noch nicht, wie seit Beginn der 90er Jahre, von Geheimdiensten überwacht wurde) habe ich in Westdeutschland einen nahen Verwandten von Ulrike Meinhof kennengelernt. Wir sprachen natürlich über Ulrike. Er erzählte mir, daß der Staat (!) kurz nach ihrem Tod (der offiziell als „Selbstmord“ dargestellt wurde) der Familie eine „Abfindung“ für Ulrikes Leben angeboten hat. Die Familie hat aus „moralischen“ Gründen abgelehnt. Er war der einzige in der Familie, der dafür gewesen ist, denn er dachte, der Staat sei zumindest das der Familie schuldig. Er meinte, diese angebotene „Abfindung“ sei der sichere Beweis dafür, daß Ulrike vom Staat ermordet wurde. Ich war derselben Ansicht und bestätigte ihn.
    Ich denke oft an Ulrike und an das, was man ihr angetan hat!

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