Wie ernst meint es Strache mit dem EU-Austritt?

Noch ehe der Obmann der Freiheitlichen Partei seine Korporierten dem Anschein nach in Stich lassend sozusagen „Fahnenflucht“  beging, wie einer seiner Kameraden kritisiert, war er Gast eines Sonntagsgesprächs mit einem eher zahnlosen  ORF-Journalisten-Duo.  Ein herausragendes Thema dabei war ein möglicher Austritt aus der Europäischen Union, welcher bekanntlich gewiß schwierig, aber weder unmöglich noch verboten ist.                      Ein Schritt, der vielen angesichts der wahren –  von den Medien teils verschwiegenen –  Zustände und realen Machtverhältnisse in dieser EU, als dringlich erschiene.                                                                                                                                                               Das allgemeine politische Klima und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten lassen ohne Zweifel zunehmend mehr eine gewisse Austritts-Bereitschaft in Teilen der europäischen Gesellschaften erkennen. Des englischen Premiers EU-kritische Initiative  hat diesen Trend möglicherweise leicht befeuert, aber Mehrheiten ließen sich damit in unseren Breitengraden, trotz schwindender Mediengläubigkeit, aus den weiter unten angeführten Gründen wahrscheinlich noch nicht gewinnen.

Aus Straches Worten wollen nun einige seiner „Fans“ mehr als nur eine mögliche Alternative  in der nahen Zukunft herausgehört haben. Indes konnte ich in Straches aufgeregtem Wortschwall weder an diesem Sonntag noch in den Monaten zuvor eine wirklich ernst zunehmende  Absicht in dieser Hinsicht erkennen, nämlich diesbezüglich auf der Stelle aktiv zu werden.

Verräterisch könnte einigen eine unverkennbare conditio sine qua non  Straches hinsichtlich eines Austritts in den Ohren  geklungen haben. Da hieß es, für den Fall  „wo wir unsere Souveränität aufgeben müßten…“  Ja, dann, so sinngemäß, dann wäre man für einen Austritt bereit.

Die Sache hat nur einen Hacken: Der mit überspannten Vorgaben und tagesopportunen Ratschlägen ehemaliger Haider-Gehilfen reichlich bediente und daher  möglicherweise leicht überforderte  HC Strache sollte doch wissen, daß wir diese Souveränität längst aufgegeben haben, aufgeben mußten.  Er wird doch seine Wähler  diesbezüglich nicht  für dumm halten?                                                  

Davon abgesehen, dürfte eine  Initiative in Richtung Austritt aus verschiedenen Erwägungen und Abhängigkeiten wegen  ohnehin nicht so gleich in Frage kommen. Zum Beispiel auch aus dem einen Grund, da der in der Partei durchaus harte, aber im Hintergrund ausharrende  Kern an EU-„Fans“, der ja schon einmal unter Haider rührig war, daran unmittelbar kaum Interesse haben dürfte. Was sich auch in der mit zu wenig Engagement geführten Pro-Bundesheer-Kampagne niederschlagen mußte..                                                                                                                                                                            Von  daher auch verständlich,  die stets mit „Wenn“ und „Aber“ bespickten Absichtserklärungen von der Parteispitze, die zudem, wie einige andere Rechtspopulisten auch, ins Treffen führen kann, daß eine Mehrheit der Bürger noch nicht für einen Austritt zu gewinnen sei.                                                                                                                                    Mag sein, aber wohl nur deshalb, weil dieselben Politiker sich scheuen, ihrem Volk die ganze ernüchternde, brutale EU-Wahrheit auf den Tisch zu legen. Warum das nicht geschieht, darauf möge sich jeder seinen eigenen Reim machen.                                                                                                                                                                    Also vorerst ein endloses Hinauszögern eines höchst notwendigen Schrittes, den man  nicht selbst auf der Stelle setzen, sondern von einer eventuellen Ausnahmesituation diktieren lassen möchte. Daß diese bereits da ist und deshalb längst der nationale Notstand ausgerufen und radikale Schritte gesetzt werden müßten, scheint  nicht nur von Strache geflissentlich ignoriert zu werden.                                                                                                     Nur wenn die EU keine Reformen zuließe und Verbesserungen ganz allgemein keine Chance hätten, dann, wenn die Volksseele zu kochen anfinge, wäre, so vernimmt man, als erster Schritt eine Volksabstimmung denkbar.  So denkbar, wie dehnbar.

Diese selektive EU-kritische Vorgehensweise geschieht möglicherweise nicht ganz ohne  mentale Schützenhilfe von  gewisser Seite, die wegen Brüssels inkonsequenter Nah-Ost-Politik verärgert ist und zudem die Haltung Brüssels gegenüber der massiven islamischen Einwanderung aus eigenem „inter-nationalem“ Interesse ablehnt. Nur, aus unterschiedlichen Beweggründen abgefeuerte verbale Warnschüsse der einen wie der anderen Seite vor den Bug des EU-Tankers, er möge doch, bitte, seinen Kurs ändern?                                                                                                                                                                    Wenn aber nun Brüssel dem einen oder anderen Begehren tatsächlich nachgeben sollte, hieße das dann nicht trotzdem, die EU bliebe in ihrem Innersten wer und wie sie ist, nur eben mit ein bißchen mehr Mitspracherecht für seine Bürger, die man umso mehr gar nicht so klammheimlich zu kontrollieren wünscht?

Machtpolitisch würde ja, mangels einer von einer breiten Bewegung getragenen europäischen  Revolution, die alle gesellschaftlichen Bereiche umfassen müßte, alles beim Alten bleiben. Nämlich bei internationalen Banken und Konzernen, der Hochfinanz schließlich. Dieselbe, die schon Hitler und Stalin finanzierte, und deren Vertreter als neue Feudalherren weiter das Sagen hätten.

Gesetzt den Fall aber, die EU würde früher oder später von selbst zerfallen, was käme dann an deren Stelle? Seit einiger Zeit geistert für den Fall der Fälle das rudimentäre, an neuen Inhalten eher arme Gerüst eines Modells einer Konföderation durch vorwiegend wertkonservative  Köpfe. Von einer solchen spricht auch der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer in seiner Zeitung „Zur Zeit“.                                                                                                                                                                  Das klingt ja aus sowohl einem nationalen wie auch aus einem demokratischen Blickwinkel heraus  gesehen durchaus nicht unsympathisch. Nur so viel ich auch da und dort lese und recherchiere, bin ich  noch immer nicht auf  den Schlüssel gestoßen, der den Europäern den gemeinsamen Zugang zu diesem Jahrhundertprojekt erleichtern, ja sie begeistern würde. Was wäre denn der Kitt, der ein solches Gebilde freiwillig zusammen und auch sozial und ökonomisch in einem solidarisch abgefederten  Gleichgewicht hielte?

Mit einiger Sicherheit wird der derzeit wieder in fernen Landen urlaubende  Österreich-Patriot Strache  von sich aus keine schlüssige Antwort darauf finden, und möglicherweise würde Andreas Mölzer zum x-ten Male das viel zitierte Abendland und dessen Werte strapazieren.                                                                                                                                      Eine schöne Reminiszenz, aber mehr nicht, ist doch dieses Abendland samt seinen Werten längst untergegangen und lebt eben nur mehr in einzelnen Geistern fort. Aber vielleicht hat der Europaabgeordnete  gar nicht dasselbe historische Gebilde gemeint, das seinem Obmann vorschwebt, denn dieser sprach an jenem Sonntag von einem „europäischen“ Abendland.

Was heißt denn das bloß, europäisches Abendland?  Meint  Strache damit ein ethnisch oder sonst wie gesäubertes und einst so genanntes oder hat bereits ein neues, also nicht christlich-germanisches Abendland, direkt an den Gestaden des Mittelmeeres das Licht der Reißbrett-Welt erblickt? Um, nach möglich scheinender Apokalypse dort und politisch korrekter Unterwerfung hier, ohne Umwege über Germanien Europas Bestimmung neu zu gewichten. Vielleicht mit Brüssel als Neu-Jerusalem?

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6 Antworten zu Wie ernst meint es Strache mit dem EU-Austritt?

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    Ein paar Bemerkungen zugunsten Straches: der FPÖ-Ball war als Akademikerball deklariert; wäre Strache hingegangen, hätten sich garantiert in den Medien Journalisten gefunden, die sich darüber mokiert hätten, daß er ja gar kein Akademiker sei und seine Laufbahn hämisch ausgewalzt. Außerdem begannen die Schulferien, was für den familiären Bereich durchaus eine Rolle spielt. Hinsichtlich des EU-Austritts hatte selbst Barbara Rosenkranz seinerzeit Bedenken, da ein Austritt zwar möglich, aber keineswegs gratis ist und man sämtliche Konsequenzen zuerst einmal gründlich durchspielen muß, um eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen zu können. Zerfällt die EU früher oder später von selbst (womit mittelfristig wohl zu rechnen ist), so wird man dann schon sehen, wie es weitergeht. Mölzers Worthülsen werden mit Sicherheit zu nichts führen. Er ist Strache ja übrigens schon gelegentlich in etwas verklausulierter Form in den Rücken gefallen. Von Strache ein ausgefeiltes Konzept verlangen sollten nur diejenigen, die selbst eines haben. Man muß im konkreten Fall (der sich erst zeigen wird) reagieren können. Alles andere ist heiße Luft, und ob man als Füllstoff ein paar Phrasen mehr oder weniger drischt, ist unerheblich, solange nicht die Situation „hic Rhodus, hic salta“ eingetreten ist.

    • Helmut Müller schreibt:

      Erstens: Mölzer ist auch kein Akademiker und war trotzdem dort, und die Familienferien sind in diesem Fall für mich kein stichhältiges Argument. Nein, das war kein Geistesblitz von Strache wie Pandi in der Krone schreibt, sondern eine von politischer Opportunität (man möchte evtl. Koalitionspartnern gefallen) diktierte schlechte Haltung.Was würde er denn in einer wirklich brenzligen Situation einmal machen?
      Zweitens: Sie haben schon recht, ein Austritt kostet uns etwas. Aber auch die EU. Tausende Beamte verdienen mehr als die deutsche Bundeskanzlerin. Und wie hoch kommen uns erst die Folgekosten der von Brüssel geförderten bzw. verordneten Einwanderung in Massen, die Kosten der Beteiligung an Rettungsschirmen, an internationalen Einsätzen in Afrika und Asien, inkl. zu erwartender Rückwirkungen (Terror, z.B.) usw? Wir werden noch staunen, was noch alles an Kosten auf uns zukommen wird. Da müßte uns der Preis der Freiheit doch etwas wert sein?
      Drittens: Nicht von Strache persönlich, aber von einer Partei, die angeblich einen Austritt in Erwägung zieht, ist so ein Konzept zu erwarten. „Im konkreten Fall“ könnte es zu spät sein. Man schafft sich ja auch keinen Feuerlöscher an, erst wenn es brennt.

    • Helmut Schramm schreibt:

      Der EU-Austritt kostet etwas? Und was kostet der Verbleib? Denken Sie mal drüber nach.
      Infos finden Sie z.B. auf http://www.eu-austritt.blogspot.com

      Strache spricht immer konkreter über den EU-Austritt, obwohl Wahlversprechen von wem auch immer nicht verbindlich sind. Er möchte auch ab 100.000 Unterschriften – also ein erfolgsreiches Volksverbehren – verbindliche Volksabstimmungen – auch über Euro und EU. Was kann man mehr versprechen?

      Den Parteien gehört die Macht gekürzt. Den Bürgern mehr direkte Demokratie, so wie in der Schweiz.

  2. Pingback: Wie ernst meint Strache es mit dem EU-Austritt? « Demokratisch

  3. Carlos schreibt:

    Daß Strache ein Dampfplauderer ist, käme spätestens zu Tage, wenn er Regierungsveranwortung übernehmen müßte.

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