Niedertracht ist fast überall

Karel Schwarzenberg ist nun also an der sudetendeutschen  Frage und, in diesem Zusammenhang, an einer geschichtsbeladenen Schmutzkübelkampagne gescheitert. Das ist zwar eine politische Niederlage für Schwarzenberg, aber stellt keinesfalls ein  menschliches Versagen desselben dar.                                                                                                                      Im Gegenteil, mit seiner Aussage, den Sudetendeutschen sei Unrecht* geschehen und Edvard Benes´ wäre, aus heutiger Sicht, ein  Fall für Den Haag, hat er vor der Weltöffentlichkeit Haltung bewiesen. Mehr konnte von ihm in seiner Situation nicht erwartet werden.

In ganz anderer Hinsicht auch nicht von Milos Zeman, der sein primitives chauvinistisches Ego in diesem Wahlkampf vollends zur Geltung bringen konnte, was in der Wiener Presse durchaus richtig mit einer niederträchtigen Gesinnung gleichgesetzt wird.                               Nach Klaus also ein weiterer Chef-Verteidiger der tschechischen Nachkriegsverbrechen, die aber, glaubt man dem Chefredakteur derselben Zeitung, weniger schwer wiegen würden als jene der Nazis „in und an der Tschechoslowakei“.

Dieser Befund überrascht keineswegs, wurde doch zuvor in dem Presse-Beitrag dem Schicksal und dem Leid der Sudetendeutschen gebührende Beachtung geschenkt. Und da muß einfach eine Relativierung folgen:  Denn deutsche Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges haben bekanntlich immer größer und bedeutender zu sein als andere.               Ein deutsches  Opfer, und sei es als lebende Fackel oder abgeschlachtete Schwangere, hat ganz einfach  weniger gelitten zu haben als ein anderes. Mit welchem Maßstab wird da gemessen, mit welcher Waage gewogen?

Nun sind Klaus und Zeman  beileibe nicht die einzigen Ewiggestrigen, die in der Sache der sudetendeutschen Opfer sich auf die Seite der Täter gestellt haben. Und nicht nur in Tschechien. Man findet sie quer durch den politischen Irrgarten der EU, der mehrheitlich von  politisch korrekter oder pseudomenschlicher Gesinnung geschwängert ist und in dem einige sich versteckt antideutsch oder offen, aber vielfach unangebracht, antifaschistisch gebärden.

So bezeichnete, zum Beispiel, eine linke österreichische Gruppierung mit ansonsten durchaus lobenswerten  Ansätzen die mörderischen Benes´-Dekrete auf gut antifaschistisch als eine „bürgerliche aber konsequente Entnazifizierung der Tschechoslowakei“. Punkt.                                                                                                                 Und auch hier die übliche von den Umerziehern eingeimpfte Vorgangsweise: Ein Vergleich etwa palästinensischen Schicksals mit sudetendeutschem, wie ich es mir einmal erlaubte, sei unstatthaft. Ein solcher wird von denselben linken Freunden  empört zurückgewiesen.

Man könnte es damit abtun, daß  auf diese Weise am leichtesten von den Verbrechen des eigenen antifaschistischen Lagers oder jenen der westlichen Alliierten abgelenkt und einer eigenen Aufarbeitung entgegenwirkt werden kann, und das geschieht ja zur Genüge.          Es wird aber kaum gelingen, die Vertreibung von und den Massenmord an Deutschen aus dem Gedächtnis einer Kulturnation zu wischen.

Und  man kann die Vertreibungsverbrechen deshalb auch nicht politisch und völkerrechtlich ad acta legen. Das sollte man in Wien und Berlin endlich begreifen. Denn der Schmerz und die Verzweiflung Hunderttausender haben sich in dieses kollektive Gedächtnis eingebrannt. Auch kann man diesen anderen Holocaust der Geschichte  nicht durch Pseudovergoldung in Museen und Ausstellungen erträglicher erscheinen lassen.

Es ist schon klar, daß auch die Vertreibung eine Vorgeschichte hat, aber auch diese beruht wieder auf einer Vorgeschichte. Wer also, wie Ralph Giordano es einmal tat, eine solche im Falle der Vertreibung der Deutschen geltend macht, könnte ganz schön ins Schwitzen kommen, akzeptierte man bloß eine ehrliche und unvoreingenommene Aufarbeitung der Geschichte des Ersten und Zweiten Weltkrieges.

Aber davor hütet man sich allerorts wie der Teufel das Weihwasser, sei es aus Opportunismus, Feigheit  oder auch zufolge ideologischer Borniertheit, und versteckt sich hinter den völkerrechtswidrigen Beschlüssen der Alliierten, dem stalinistischen Antifaschismus oder schweigt dem ach so guten nachbarschaftlichen Klima zuliebe. Die Niedertracht ist in unterschiedlichen Graden leider nicht nur in der Prager Burg zuhause.

Zur großen Schande auch unserer Politiker muß man feststellen, daß längst eine von Minderwertigkeitskomplexen befreite jüngere Generation von Tschechen, die  weiß, was ihr Land dem Sudetendeutschtum an kulturellem und ökonomischem Reichtum zu verdanken hat, ein besseres Tschechien repräsentiert.                                                                 Eine Generation, die die Dinge ohne Umschweife beim rechten Namen nennt und in einem verstehendem und versöhnendem  Sinne aktiv ist. Leider noch zu wenige, aber auf jeden Fall  mutiger als die Regierenden in Wien und Berlin.

Zum Schluß stellt sich die Frage: wartet man in deutschen Landen etwa darauf, bis irgendwann auch in Tschechien, so wie jüngst diesbezüglich im vorbildlichen Ungarn, ein Vertriebenen-Gedenktag eingeführt wird, um zu einem solchen im eigenen Land angestoßen zu werden?                                                                                                              Tiefer könnte eine politische Elite dann wohl nicht mehr fallen, und die ganze deutsche Nation müßte sich ihrer erst recht vor aller Welt bis in das Bodenlose schämen.

*Ein Hinweis: Sudetendeutsches Gedenken am Samstag, 2.März 2013, um 15 Uhr, im Haus der Begegnung in Wien VII, Königseggasse 10.

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