Signale aus Fernost – Erwacht ein neuer „Riese“?

Das neue Jahr begann mit einem fernöstlichen Paukenschlag. Nordkoreas Kim Jong Un kündigte „ein Jahr großer Schöpfungen und Veränderungen“ an. Er möchte, daß sich Nord- und Südkorea vereinigen und gemeinsam ein „wirtschaftlicher Riese“ werden.                                                                                                                                                     Da wurden natürlich auch westliche Wirtschaftsbosse hellhörig. Man wittert bereits das große  Geschäft. Deutsche Wirtschaftsfachleute  sollen bereits in den großen koreanischen Sprung nach Vorne eingebunden sein. Google-Chef Eric Schmidt will das Land sogar demnächst besuchen. Vielleicht auch bald eine österreichische Wirtschaftsdelegation mit Bundespräsident Fischer an der Spitze?

Unabhängig davon,  was von Kims Auftreten  zu halten ist und was ihn dazu bewogen haben mag, ist ja schon die bloße Ankündigung eine Sensation. Und doch  gar nicht so überraschend für jene, die die Entwicklung in diesem abgeschotteten Land bisher aufmerksam verfolgt haben.                                                                                                        Gab es denn nicht in der Sowjetunion Glasnost und Perestroika? Auch die  hatten die wenigsten erwartet. Nun ist Kim kein Gorbatschow und Pjöngjang nicht Moskau, aber irgendwie müssen wohl auch in dem Land des „Steinzeitkommunismus“ einige erkannt haben, daß es so nicht ewig weitergehen kann. Man darf auf die Fortsetzung gespannt sein, schließlich hat das privilegierte Militär ein Stück mitzureden.

Wenn nun der internationale Fokus vermehrt nach Fernost gerichtet wird, so darf daran erinnert werden, daß zwar Ostasien im allgemeinen, aber auch Korea, schon bedeutend früher  das Interesse europäischer, vornehmlich auch deutscher  Intellektueller in seinen Bann gezogen hatte. Nicht immer, sieht man von Goethe und einigen anderen ab, fielen die Beurteilungen aus der Ferne positiv aus. Geringschätzig bei Hegel etwa.                         Nicht nur dem großen Publikum aber blieb stets verborgen, auf welchem wirtschaftlichen, sozialen und technischen Niveaus die Halbinsel Korea bereits im ausgehenden Mittelalter gewesen ist. So ist das laut UNESCO „älteste Buch“ der Welt, Jikji, bereits im Juli des Jahres 1377 in Korea erschienen. Damals mit beweglichen Metalllettern gedruckt, also acht Jahrzehnte vor Gutenberg.

Die goldene Zeit Koreas wird stets mit dem Herrscher Sejong der Große, bekannt auch als Yi Do, in Zusammenhang gebracht. Dieser bedeutendste Regent in der fünftausendjährigen Geschichte Koreas war als Pionier auf vielen Gebieten (Musik, Astronomie, Drucktechnik u.a.m.) und als Förderer von Kunst und Kultur in der Tat eine Ausnahmeerscheinung wie es in Europas Geschichte nur wenige gegeben hat.                                                                      Der im heutigen Seoul geborene Sejong bestieg  als 4.König der Choson-Dynastie 1418 den Thron und regierte mehr als 32 Jahre. In dieser Zeit führte er mit weiser Hand das Land. Er verbesserte die Gesetze und das Gesundheitswesen, förderte die Wissenschaften (schuf das koreanische Alphabet, gründete 1420 ein königliches Forschungsinstitut), steigerte die landwirtschaftliche Produktivität  und achtete sorgsam darauf, daß niemand, auch kein Gefangener,  ungerecht behandelt wurde.

Sejongs Regierungsmaxime kann am besten mit einem von ihm stammenden Ausspruch benannt werden. Diese lautet: „Wenn das Volk im Wohlstand lebt, wie könnte der König nicht im Wohlstand leben? Und wenn das Volk nicht im Wohlstand lebt, wie könnte  dann der König im Wohlstand leben?“ Aber auch folgenden Ausspruch könnten sich einige im Westen hinter ihre Ohren schreiben: „Die Wertschätzung des Guten sollte lange anhalten, der Haß für das Böse nicht.“                                                                                                              Wenn man also von westlicher Seite lange Zeit etwas geringschätzig auch gegen den Fernen Osten blickte, dann ist es höchste Zeit sich zu vergegenwärtigen, daß in diesen Breitengraden nicht nur Autos (nach)gebaut werden, sondern daß dort, wie schon im 15. Jahrhundert, wieder große Leistungen und Erfindungen zu erwarten sind.                          Zu jenen die diesem Raum, vornehmlich China, mehr Beachtung schenkten und dessen Kulturen zu schätzen wußten,  gehörte ein vor nicht ganz einem Jahr  verstorbener relativ unbekannter Publizist über den kürzlich eine Schrift erschien, auf die im Folgenden eingegangen wird:

Gerd Klaus Kaltenbrunner – ein konservativer Vordenker

Intellektuelle Redlichkeit und loyales Gewissen verdienen Anerkennung und Respekt. Und das unabhängig von der ideologischen oder sonstigen Herkunft eines Menschen. Ganz bestimmt darf in diesem Zusammenhang der im April des vergangenen Jahres verstorbene konservative Publizist Gerd Klaus Kaltenbrunner genannt werden.                    Dieser wenig beachtete bewahrende Denker  ist es wohl wert neben einer publizistischen und geistesverwandten Größe wie Reinhold Schneider  in einem Atemzug genannt zu werden. Auch wenn der sensible und daher vielleicht auch schwierige Publizist Kaltenbrunner  Zeit seines Lebens nicht dessen Reputation erreichte (erreichen durfte?).

Wie Schneider war der 1939  in Wien geborene und bekennende Deutsch-Österreicher ein tiefgläubiger Katholik. Ein solcher wurde er zu meinem Erstaunen und dem vieler seiner Bewunderer jedoch  erst in späteren Jahren. Was der ihm bis dahin  entgegengebrachten Wertschätzung als national-konservativer Publizist gewiß keinen Abbruch tun sollte.        In einer  erst kürzlich erschienenen Eckartschrift* werden uns nun dieser redliche Rechtsintellektuelle  und sein Werk in sehr sympathischer und einfühlsamer Weise von der Lyrikerin und Essayistin Magdalena S. Gmehling vorgestellt.

Sich in „gegensätzlichen Welten mit unnachahmlicher geistiger Freiheit“ bewegen, zeichnete, so die Autorin, Gerd Klaus Kaltenbrunner aus. Insofern ähnelte er wohl ein wenig dem einstigen sozialdemokratischen Querdenker Günther Nenning, ebenfalls bekennender Deutsch-Österreicher und „bekehrter“ Katholik. Aber letztlich doch aus ganz anderem Holz geschnitzt.                                                                                                               Der „rechte“ Kaltenbrunner wie der „linke“ Publizist Nenning werden zwar als Vordenker für eine ihnen jeweils nahestehende politisch-weltanschauliche Strömung gesehen. Einem metaphysischen Konservatismus als „zeitlos gültiges System universaler Werte“ hätte aber auch der konservative Linke  Nenning zugestimmt.

Kaltenbrunners schriftstellerische Arbeit  umfaßt  weite Bereiche eines abendländischen Denkens, das zu früheren Zeiten durchaus auch Anknüpfungspunkte bei  Ostasiens Denkern und Kulturen suchte. Vorrangig und geschichts- wie auch naturbewußt verankert aber war der gebürtige Wiener in Europa und seiner engeren Wahlheimat Lörrach im Schwarzwald.                                                                                                                                   Als geschichtlich orientierter progressiver Publizist versuchte Kaltenbrunner zwar vor Jahrzehnten  im Rahmen seiner verdienstvollen Herder-Reihe „Initiative“ rechte Parteien und Politiker in deutschen Landen mit seinem Gedankengut zu beeinflussen, was aber aufgrund seiner etwas elitär und mystisch anmutenden  Haltung diesen zu weltfremd erschienen haben mag.  Kaltenbrunner war kein politischer Theoretiker im klassischen Sinne, er war eher ein  (politischer) Philosoph und die letzten zwei Jahrzehnte nur mehr letzteres.

Wohl hatte er in den siebziger Jahren versucht, eine politische „Tendenzwende“ publizistisch herbeizuführen, danach eine Theorie eines schöpferischen Konservatismus zu entwickeln, doch fielen alle seine Bestrebungen einem unumschränkt herrschenden Zeitgeist und den geopolitischen Umständen zum Opfer.  Vielleicht erklärt das zum Teil seine Hinwendung zu einem eher mystischen Katholizismus.                                                    Das deutsche wie das europäische Erbe waren ihm neben der Schöpfung jedenfalls ein heiliges Anliegen, aktuelle Krisen, wie jene der Familie, machten ihn ebenso besorgt wie die Dekadenzerscheinungen im Politischen. Schließlich kam er zu der Ansicht, daß  die konservative Sache nur dann eine Zukunft habe, wenn sie sich mit einer Idee verbünde, die auch Nichtchristen oder religiös Indifferenten anzusprechen vermöge“ Ein frommer, aber vielleicht nicht aussichtsloser Wunsch.                                                                         Kaltenbrunner mag aus den erwähnten und anderen  Gründen im öffentlichen Bewußtsein nicht die Resonanz gefunden haben, die er und seine Sache verdient hätten, doch kann nicht ausgeschlossen werden, daß einige seiner konservativen Denkansätze dereinst größere Beachtung erlangen.                                                                                                                                                            Die Autorin hat versucht das Leben und das Werk Gerd Klaus Kaltenbrunners so anschaulich wie möglich darzustellen. Es ist ihr im Wesentlichen gelungen, und die kleine Schrift wird neben anderen Publikationen dazu beitragen, daß das Wirken dieses vorbildlichen Deutsch-Österreichers nicht ganz  der Vergessenheit anheimfällt.                    Ob es zu einer Renaissance eines neuen, zeitgemäßen und gesellschaftspolitisch tauglichen konservativen Denkens kommen und dieses zu einer „Tendenzwende“ doch noch beitragen wird können? Wir werden sehen. Das Konservative selbst wird jedenfalls überleben. Ist es doch das Bewahrende. Wir Heutigen aber sollten uns schon jetzt im Klaren sein, was des Bewahrens wert ist.

*Magdalena S. Gmehling: Gerd Klaus Kaltenbrunner – Konservativer Vordenker, wortmächtiger Essayist, Bewahrer der Tradition, Eckartschrift 209, 112 Seiten, ISBN 978-3902350-45-9,  Preis  Euro 8,80. Bezug: Eckartschriften, Fuhrmannsgasse 18A, A-1080 Wien oder info@oelm.at

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4 Antworten zu Signale aus Fernost – Erwacht ein neuer „Riese“?

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  3. aon schreibt:

    habe v Rh. Schneider 25 Bücher, wo soll ich anfangen? was raten Sie? Auly

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