Der reale Iran und die fiktive Atombombe

„The Iranian Nuclear Crisis“ (erschienen bei Carnegie Endowment for International Peace) nennt sich ein Buch von Seyed Hossein Moussavian, derzeit Gastprofessor an der Princeton’s Woodrow Wilson School (USA). In diesem Buch  nennt der ehemalige Sprecher des iranischen Atomprogramms mehrere Gründe, warum der Iran keine A-Bombe wünscht.  So führt er u. a. an:

Ein islamisches Rechtsgutachten: Abgesehen vom internationalen Abkommen über das Verbot der Weiterverbreitung von A-Waffen gelte im Iran eine Fatwa des religiösen Führers Ayatollah Khamenei, die A-Waffen und andere Massenvernichtungswaffen verbiete.                                                                                                                                                 Aus den selben religiösen Gründen sei schon  im irakisch-iranischen Krieg der Einsatz chemischer Waffen, wie sie Saddam Hussein eingesetzt hatte, auf iranischer Seite untersagt gewesen.

Kurzfristiger Vorteil: Der Besitz von Kernwaffen würde dem Iran nur kurze Zeit zum Vorteil gereichen, da damit ein nukleares Wettrennen in der Region Staaten wie die Türkei, Saudi Arabien oder Ägypten ebenfalls nach dem Besitz solcher Waffen streben ließe.

Wahl der Technik: Die vom Iran eingesetzte Technik sei vielmehr auf Anreicherung des Urans denn auf eine baldige nukleare Schlagkraftmöglichkeit ausgerichtet. Man arbeite daher intensiv an einer verbesserten Technologie und weniger  an der Fabrikation von Massenvernichtungsmitteln.                                                                         Der im November 2011 von der Internationalen Atomenergiekommission veröffentlichte Bericht, gebe keinen Hinweis auf ein A-Waffenprogramm. Er sei von bestimmten kriegslüsternen „Hardlinern“ im Westen falsch interpretiert worden.

 Gefahr der Isolation: Der Iran sei sich bewußt, daß bei Erlangung einer nuklearen Kapazität Rußland und China sich auf die Seite des Westens schlagen würden, was nicht nur verheerende Sanktionen für den Iran bedeuten, sondern Israel den Vorwand für einen Angriff liefern würde.

Wahre Bestrebungen des Iran: Irans einziges Ziel sei es, eine moderne Nation zu werden, um mit dem Westen auf technologischer Ebene gleichzuziehen. Irans politische Klasse sei überzeugt, daß ein Streben nach einer Nuklearwaffe dieses Ziel beeinträchtigen würde.

Iranisches  Entgegenkommen: Während der Verhandlungen mit der EU in den Jahren 2003 bis 2005 unterbreitete der  Iran Vorschläge eine 5 Prozent- Uran-Anreicherung sowie den Export schwach angereicherten Urans betreffend. Dies und ein Zusatzprotokoll zu dem mit der IAEA vereinbarten Sicherheitsabkommen, das größtmögliche Transparenz und spontane Kontrollen ermöglichen sollte, sei vom Westen (USA und EU) ebenso zurückgewiesen worden wie der Vorschlag angereichertes Uran in anderen Ländern für Brennstäbe zu verarbeiten.

Unterstellung:  Iran werde beschuldigt, angereichertes Uran für den Bombenbau zu horten. Tatsächlich benötige man allein für das einzige AKW  (in Bushehr) 27 Tonnen des zu 3,5 Prozent angereicherten Urans, man habe aber erst 7 Tonnen erzeugt.

Ein iranisches Angebot: 2010 und 2011 bot der Iran an, sein Programm für eine 20 Prozent-Anreicherung im Austausch gegen Brennstäbe zu stoppen. Auch dieses Angebot und spätere ähnlicher Art lehnte der Westen ab und antwortete mit weiteren Sanktionen.

 Zum Thema Abschreckung:  Eines der meist vorgenbrachten Argumente gegen das iranische A-Programm sei, daß der Iran, habe er erst einmal eine Atombombe, diese gegen Israel oder die USA einsetzen würde. Das ist ein völlig irrationales Argument, da, angesichts tausender Atombomben der USA und Israels, dies im Gegenzug eine Ausradierung des Iran bedeuten würde.                                                                                        Was der Westen anstrebe, sei ein Regime-Wechsel in Teheran und die Installierung einer ihm genehmen Regierung. Das werde nicht funktionieren, daher sollten das Recht des Iran auf Urananreicherung anerkannt und die Sanktionen aufgehoben werden, sollte es dem Westen mit dem Frieden ernst sein.

Nun mein Kommentar dazu: Natürlich muß man sich immer zwei Seiten anhören. Wenn es aber so ist, wie Moussavian behauptet, dann wird man den Verdacht nicht los, dem Westen geht es gar nicht um die Atombombe. Man benützt  sie, die fiktive, nur als Mittel zum Zweck, etwa um einen Krieg oder Sanktionen zu rechtfertigen. So wie man Saddam Ähnliches (Massenvernichtungswaffen und ihren möglichen Einsatz) unterjubelte, ganz aktuell jetzt übrigens auch dem Assad-Regime..                                                                                                                                                                         In Wirklichkeit wird es wohl darum gehen, den Einfluß der USA und die ökonomischen Interessen des Westens  in dieser Region nicht zu schmälern, was mit einem auch wirtschaftlich stärkeren Iran eintreten  könnte.  Auch soll die israelische Vorherrschaft in derselben  Region, vor allem auch auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Technik, nicht gefährdet werden.

Es scheinen zwar  in erster Linie ökonomische Interessen ausschlaggebend zu sein im Streit mit dem Iran, doch sind für den Westen neben den regionalen vor allem auch die geopolitischen Folgen und geostrategischen Folgen eines unabhängigen und starken Iran zu berücksichtigen. Nimmt man weitere Entwicklungen im islamischen Raum und in Asien hinzu, bieten sich insgesamt schlechte Aussichten für die Neue Weltordnung „Made in USA“.

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