Elke und Frank – Alter Wein in neue Schläuche oder neuer Wein in alte Schläuche?

Auf unbestelltem Land wuchert, wenn der Boden nährstoffreich genug ist, gar manches auch giftiges Unkraut. Je nachdem wie und wofür ein solches Brachland genutzt wird, kann es den Menschen zum Segen gereichen oder diesen als Mülldeponie dienen.

So ist es auch mit unserem einst gehegten und gepflegten geistigen Kulturboden, der immer mehr zu einem Brachland verkommt. Eine Brache,  wo aber mittlerweile ordnungs- und ziellos allerlei Hirngespinste und Torheiten herumschwirren, sich aber vor allem gesellschaftspolitisch nutzlose und schädliche durchzusetzen scheinen. Welche ordnende und zielstrebige sichtbare „Hand“ wäre da noch in der Lage dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten? In Österreich, zum Beispiel.

Nun gibt es zwar einzelne vorbildliche Denkansätze und SOS-Reaktionen gesellschaftlicher Kräfte, erwartet wird aber doch eine daraus hervorgehende oder sich darauf stützende  politische Antwort die sowohl dem geschichtlichen Auftrag etwa einer Nation und den gestellten Herausforderungen des Tages gerecht wird. Interessanterweise gibt es dazu in letzter Zeit zwei nicht nur in politisch-programmatischer Hinsicht sehr gegensätzlich scheinende Angebote.

Die Zeit scheint jedenfalls mehr als reif für etwas anderes zu sein, wie auch Umfragen und zuletzt Wahlergebnisse zeigen. Damit meine ich konkret, einerseits, die kommunistische Alternative am Beispiel Graz, wo eine bekennendes  Mitglied einer Partei, die vor Jahrzehnten noch dem menschenverachtenden Stalinismus huldigte, für Furore sorgte, andererseits, das ungestüme Vorpreschen des angeblich ideologiefreien, dem Kapital sicher nicht ganz abholden Geschäftsmannes  mit anscheinender Sozialkompetenz Frank Stronach.

Zunächst: Wenn es so ist, daß die Grazer Kommunistin Elke Kahr über jeden Verdacht erhaben und tatsächlich so ist, wie sie sich darstellt, dann erhebt sich dennoch die einfache Frage: Wie glaubwürdig ist man, wenn man sich einer vielfach gescheiterten politischen Utopie verschreibt, in deren Namen bis zu hundert Millionen Menschen zwangsläufig ihr Leben lassen mußten?                                                                                                                Zwangsläufig auch deshalb, weil gut meinende Gleichmacherei (schöner Wunschtraum: klassenlose Gesellschaft usw.) seit Anbeginn immer mit Terror und Unterdrückung endete und auch später so enden würde.

Ist Frau Kahr vielleicht Utopistin, Engel der Armen, Naivling und berechnende Parteistrategin in einem? Können übrigens „gemeinschaftliche, selbstorganisierte und unentfremdete Problemlösungen“ (Ex-KPÖ-Chef Baier) oder  karitative Gesinnung denn nur von einer Kommunistin kommen? „Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit“ fordert u. a. auch ein bayrischer Erzbischof!

Nun kann der eine oder andere  Programmpunkt einer möglicherweise „gehäuteten“ Partei durchaus sympathisch sein, aber ist er deshalb auch gleich realistisch und umsetzbar, und was kommt danach? Außerdem: kann der „demokratische Kommunismus“ einem realistischen Menschenbild überhaupt gerecht werden?  Oder soll nicht wieder – unter den bewährten Schlachtrufen – der „neue Mensch“ oder die „neue Gesellschaft“ einem alten Wahnbild angepasst werden?                                                         Mit dem Erfolg, wie die Geschichte lehrt, daß die Menschen von einer Sklaverei (der kapitalistischen) in die nächste (die kommunistische) geführt werden. Gewiß nicht in Graz, das ist schon klar.

Einst hieß es, weder Kapitalismus noch Kommunismus, doch seit den Kommissaren in Brüssel scheint es mehr denn je, als seien beide Systeme nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille, die aufzupolieren, den Unterdrückten und Ausgebeuteten da wie dort aufgetragen ist. Noch immer nichts aus der Geschichte gelernt?

Fast möchte man meinen, auf den anderen Bewerber, das „Team Stronach“, treffe der Vorwurf des Unbelehrbaren nicht zu. Aber vielleicht hat man dort mangels tieferen Bohrens nur die falschen Schlüsse aus der Geschichte gezogen. Denn  Klubchef Robert Lugar tritt recht offensiv für eine ideologie- und anscheinend auch weltanschaulichfreie Politik ein. In der Politik sollten, meint er,  nur Fachleute tätig sein, also vor allem solche, die von Wirtschaft etwas verstehen, wie der gewiß verdienstvolle Frank Stronach eben. Ob eine so enge Festlegung auf Dauer aber genügt? Ich bezweifle es.

Nun habe ich mir das Grundsatzprogramm aus der Stronach-Werkstätte  noch nicht genauer angesehen, aber  einigen Überschriften, dazu die drei propagierten Grundwerte „Wahrheit, Transparenz, Fairness“ (immerhin ein deutsches Wort darunter) gehören, kann man ja – wie bei einigen der Kommunisten auch – getrost zustimmen.                      Manches ist sogar schon verdächtig kommunistischnahe, wenn es heißt,  es solle „keinen Klassenunterschied zwischen Arbeitern und Angestellten geben!“

Aber was heißt, „Österreich ist eine bedeutende Kulturnation, deren Wurzeln tief in die Vergangenheit zurückreichen.“? Wie weit zurück? Bis 1945?                                                       Und welche Sprache spricht diese  Kulturnation denn?  Stoasteirisches Denglisch? Das ist nicht der einzige Punkt, wo es sich im Hinblick auf die drei Grundwerte Frank Stronachs eines Tages noch spießen könnte.

Wenn nun Robert Lugar also meint, ganz ohne ideologische Markierungen ließe sich eine in die Zukunft gerichtete Politik machen, dann irrt er meines Erachtens. Zumindest  eine dem  sich festigenden Absolutheitsanspruch des Freien Marktes, sprich Europäische Union,  entgegenwirkende  solide und kompakte Weltanschauung, und sei es auch nur im Kleinformat, könnte sich noch einmal als notwendig erweisen.

Denn ohne einen solchen geistigen Kompaß arbeitet  jede Partei wieder nur jenen Geldmächten in die Hände, die  eine eigene Weltanschauung oder Ideologie bereits haben und mittels derer ungehindert jenes Instrument gerade in „ihre“ Ordnung bringen wollen, mit dessen Hilfe die ausbeuterische Zinswirtschaft fester  und solider denn je auf dem Rücken der Mehrheit weiter aufbauen kann.

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