Zorniger Islam

Eine bis in das Innerste erschütterte dekadente „westliche Zivilisation“  steht wieder einmal fassungslos vor den Gewaltausbrüchen in der islamischen Welt. Gewiß aber haben nicht Samuel Huntington und Freunde diese organisiert, um ihre Theorie vom „Clash of  Civilisation“ zu untermauern.

Wiewohl sich die Frage nach den Nutznießern solcher Protestwellen unweigerlich stellt und mit deren Beantwortung die  Frage nach den wahren Auftraggebern jenes Schmähvideos damit möglicherweise auch geklärt werden könnte.

Wenn nun dieser Islamzorn, der jederzeit abrufbar zu sein scheint, aus verschiedenen Quellen gespeist wird und vornehmlich von Islamisten befeuert und orchestriert werden kann, sollte doch der  dahinter  liegende vorerst noch vermehrt ideologische „Kriegsschauplatz“ von globaler Bedeutung nicht ignoriert werden.

Es stehen sich nämlich zwei Ordnungen gegenüber: die Pax Americana und eine von Islamisten verkündete Islamische Ordnung, die Nizam Islami. Und beide beanspruchen die Macht unter einem religiösen Aspekt.

Die  von einem christlichen Fundamentalismus geleiteten US-Amerikaner, sehen in ihrer globalen Rolle ja auch eine gottgewollte Missionsaufgabe, und welche die islamische Welt miteinschließt. Doch die Islamisten wollen von den „westlichen“ normativen Prinzipien wie Kapitalismus, freier Markt, Menschenrechte und liberale Demokratie  nichts wissen.

Sie  rüsten daher politisch auf, indem sie die Wiedererrichtung des Kalifats, ein Zurück zur Umma propagieren. Damit sagen sie sowohl den Nationalstaaten als auch dem „ausbeuterischen“ westlichen Modell den Kampf an, und wenn es ihrem Zweck und Ziel dient, gehen sie auch kurzfristige Bündnisse mit dem „Teufel“ USA ein. Zum Schaden letzterem.

Wenn es nun so ist, wie Huntington meint, daß der Westen, also die USA, die militärische und ökonomische Macht aufrechterhalten müsse, um seine Interessen auch gegenüber der islamischen Zivilisation wahren zu können, dann ist der Konflikt eigentlich vorprogrammiert. Hier anmaßender Kapitalismus bzw. westlicher Imperialismus, da vorwärts drängender, gedemütigter  Islam und kämpferischer Islamismus.

Doch selbst wenn es so ist, daß dieser „Clash“ als Zeichen einer Krise aller Zivilisationen zu deuten wäre, so ist dieser satte Westen dennoch in einer denkbar ungünstigeren Ausgangslage als eine leicht motivierbare hungrige und lendenstarke islamische Zivilisation. Langsam sollte man sich daher an den Gedanken gewöhnen, daß weltweiter Friede vorerst eine Utopie bleiben wird.

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3 Antworten zu Zorniger Islam

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  2. G. Reisegger schreibt:

    Anti-islamischer Hetzfilm

    Der Verdacht einer geheimdienstlichen Aktion erhärtet sich. Ziel: Destabi-lisierung der Lage in islamischen Ländern, um sich via Kanonenbootpolitik Ein-griffsrechte bei unbotmäßigen Ländern zu verschaffen.

    Wer hat denn den Film bezahlt (?) doch bestimmt nicht der Sträfling auf Be-währung Sam Bacile.

    Wer ist Sam Bacile ?

    Von Danijel Majic und Günter Marks

    Proteste im Iran gegen Sam Baciles Film.

    Frankfurter Rundschau, 15.09.2012 – Der Film „Die Unschuld der Muslime“ führt weltweit zur Gewalt. Was treibt Menschen an, einen solchen Film zu ma-chen, und wer ist der Regisseur ? Darsteller gehen mittlerweile auf Distanz zur Mohammed-Satire.
    Alle wurden getäuscht. Der Film „Die Unschuld der Muslime“ mutet nicht nur den Zuschauern eine viel zu ernst genommene, miserable Satire zu. Zudem wurden die Darsteller hinters Licht geführt. Es bleibt die Frage: Was treibt Menschen an, einen solchen Film zu machen, und wer ist der Regisseur ?

    Die Crew des Films hat sich inzwischen distanziert. Die Dialoge seien nachträglich synchronisiert worden. Der Film habe nun eine völlig andere Aussage. Die Schauspie-lerin Cindy Lee Garcia aus Kalifornien sagte dem New Yorker Internet-Blog „Gaw-ker“, dass der Titel des Skriptes ursprünglich „Wüstenkrieger“ lautete. Über den ei-gentlichen Zweck des Films seien die Darsteller völlig im Dunkeln gelassen worden.

    Veränderte Dialoge

    Die Geschichte hätte laut Garcia in Ägypten vor 2 000 Jahren spielen sollen. Weder Handlung noch Dialoge seien auf einen religiösen Hintergrund gemünzt gewesen. Der als Mohammed dargestellte Charakter hätte während der Dreharbeiten den Namen „Master George“ getragen. Sie selber habe die Rolle einer Frau gespielt, deren Ehe-mann ihre Tochter Master George als Gespielin übergeben wollte. In der ursprüngli-chen Version habe sie gesagt: „Ist dein Gott ein Kinderschänder ?“ Daraus wurde: „Ist dein Mohammed ein Kinderschänder ?“

    Dieser Dialog ist einer von vielen, der verändert wurde. Keines der Crew-Mitglieder weiß von wem. Ebenso wenig wissen sie über den Regisseur, der den Namen Sam Ba-cile tragen soll. In den vergangenen Tagen hieß es oft, Bacile sei ein in Amerika le-bender israel-stämmiger Filmemacher. Das bestätigte sich jedoch nicht. Der Name „Nakoula Basseley Nakoula“ wurde ins Spiel gebracht. Tatsächlich lebt ein 55-jähriger koptischer Christ mit diesem Namen in Kalifornien. Der hat bestätigt, die Logistik für den Film organisiert zu haben. Er verneinte, Sam Bacile zu sein. Zuletzt stellte sich aber heraus, dass die Telefonnummern von Sam Bacile und Nakoula iden-tisch sind.

    Ermittlungen der Bewährungsaufsicht

    Eine US-Behörde soll nun gegen den Regisseur ermitteln. Eine Gerichtssprecherin teilte am Freitag mit, dass die Bewährungsaufsicht den Fall überprüfe. Bacile soll we-gen Bankbetrugs eine Gefängnisstrafe abgesessen haben. Daran habe sich eine fünf-jährige Bewährungsstrafe angeschlossen. Während dieser Zeit sei es ihm untersagt gewesen, das Internet zu nutzen oder seinen Namen zu ändern. Mit einem Verstoß ge-gen die Bewährungsauflagen könnte er sich Gerichtsdokumenten zufolge eine erneute Haftstraße einhandeln.

    Das angebliche Filmbudget von fünf Millionen Dollar sieht man dem 13-minütigen Internet-Trailer nicht an. Kulissen sind kaum vorhanden. Der Wider-hall verrät, dass auf eine Ton-Nachbearbeitung verzichtet wurde. Die Macher gaben sich lieber alle Mühe, dem Propheten Mohammed jedwedes in der islami-schen Welt verpönte Verhalten anzuhängen.

    Artikel URL: http://www.fr-online.de/politik/anti-islamischer-hetzfilm-wer-ist-sam-bacile-,1472596,17255702.html

    Die »neue Weltordnung« – ein Angriff auf den Islam

    Von Pierre Hillard, 27.03.2011
    d.a. Bereits 2006 war in der amerikanischen Militärzeitschrift »Armed Forces Journal« (AFJ) über Pläne zur Dekomposition des Nahen und Mittleren Ostens berichtet wor-den; diese nahm »German Foreign Policy« zum Anlass, um mit Pierre Hillard ein In-terview zu führen. Auf die Frage, ob die ethnizistischen Umsturzversuche im Nahen und Mittleren Osten ernst zu nehmen seien, antwortete dieser: »Diese Versuche müs-sen selbstverständlich ernst genommen werden. Im Grunde genommen sind sie der Reflex einer sehr umfassenden Politik, die darin besteht, dieses gesamte Gebiet nach ethnischen und religiösen Kriterien umzugestalten – gemäß dem bekannten Prinzip ›teile und herrsche‹.« Hillard legte in diesem Interview schon damals u. a. folgendes dar: Betroffen sind sämtliche Staaten des Großen Mittleren Ostens. Man muss wissen, dass auch die Staaten Nordafrikas zu Objekten der Zerschlagung gemacht werden. Die Führungsspitzen in Washington und Brüssel begünstigen das Zerbrechen der Staa-ten im Mittleren Osten, aber auch in Europa.
    Sie handeln im Geist der sogenannten Globalisierung und ihrer Philosophie angeblich universeller Werte. Die deutsche Politik spielt bei der Propagierung der ethnizistischen Aggression eine große Rolle, so zum Beispiel die Bertelsmann-Stiftung, die im Rah-men der Kronberger Gespräche ganze Maßnahmenbündel ausarbeitet, um den Mitt-leren Osten umzugestalten. Der davon ausgehende Einfluss ist bedeutend, unabhängig davon, welche Regierung in Berlin gerade an der Macht ist. Die Berichte der Stiftung aus den Jahren 2002 und 2003 sind sehr lesenswert: »Europe, The Mediterranean and The Middle East, Strengthening Responsibility for Stability and Development« (7. Kronberger Gespräche) sowie »Die Zukunft der europäischen Politik im Nahen Osten nach dem Irakkrieg« (8. Kronberger Gespräche). In diesen Ausführungen ist zu erken-nen, dass man eine voll-ständige Umgestaltung der politischen, wirtschaftlichen und religiösen Institutionen der Länder des Großen Mittleren Ostens will, um sie fest an die euro-atlantische Achse zu schweißen. Diese Dekomposition zielt auch auf religiöse Werte. Man sieht es an der Idee, einen ›Heiligen Islamischen Staat‹ zu schaffen und dessen Territorium von der herrschenden wahabitischen Saoud-Familie zu trennen. Es geht darum, religiöse Prinzipien zu debattieren, um in der Lage zu sein, sie zu modifizie-ren. Erklärtes Ziel ist, die Denkweisen der Muslime zu verändern, damit diese die politi-schen, ökonomischen und philosophischen Prinzipien übernehmen, die den Westen be-herrschen. Ethnische Umstrukturierung und Umstrukturierung des religiösen Denkens der Bewohner des Nahen und Mittleren Ostens – das sind die beiden Waffen, die von den Führungsspitzen in Washington und Brüssel benutzt werden, um die gesamte Re-gion umzustürzen. 1
    Nachfolgend den die neue Weltordnung skizzierenden Artikel; diese, obwohl von den Regierenden ganz offiziell im Munde geführt, beschäftigt offenbar so gut wie keinen unserer Parlamentarier, geschweige denn, dass sie auf breiter Ebene zum Nachdenken anregen würde.
    http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=1708
    Die »neue Weltordnung« – ein Angriff auf den Islam
    Von Pierre Hillard
    Die Babylonische Konstruktion der Blockbildung2 : Sie ist wesentlich mehr als eine Ideologie, sie ist eine totalitäre Mystik. Die muslimische Welt, die Ende 2010 erbebte und seit 2011 brodelt, erfährt Umwälzungen, die die diplomatischen Kreise aller Kon-tinente überrascht haben. Massendemonstrationen erschüttern die aus dem Zweiten Weltkrieg oder der Entkolonialisierung ererbten politischen Strukturen. Auf dem Bo-den von allgemeiner Armut und Korruption fordern die sunnitischen und schiitischen Massen radikale Veränderungen. Demokratie, freie Wahlen, eine größere Medienfrei-heit und weitere Elemente, die dazu angetan sind, die Entfaltung des Menschen zu för-dern, sollen künftig die politischen muslimischen Strukturen bestimmen. Diese Forde-rungen können den Regierungen und der öffentlichen Meinung in den europäischen und amerikanischen Ländern nur gefallen. Diese idyllische Vorstellung muss jedoch aus dem Blickwinkel der politischen Realität untersucht werden. Denn »die mensch-liche Komödie«, die Honoré de Balzac in seinen Romanen vielschichtig beschreibt, hat uns gelehrt, dass die großen Ereignisse immer die Frucht der Handlungen einer Elite sind. Die Massen sind immer als Instrument zugunsten einer wohldefinierten Politik benutzt worden. »Schüttelt das Volk, bevor ihr davon Gebrauch macht«, be-liebte der Diplomat Charles-Maurice de Talleyrand zu sagen, der sich in dieser Domä-ne sehr gut auskannte.
    Vorbereitungen für die grundlegenden Strukturen der neuen Weltord-nung
    Um die Umwälzungen, die in den muslimischen Ländern im Gange sind, besser zu verstehen, müssen wir vom Allgemeinen zum Speziellen gehen. Die entscheidende Grundlage, die all diesen Ereignissen zugrunde liegt, ist die Entwicklung der neuen Weltordnung (NWO), die wesentlich mehr ist als nur eine Ideologie: sie ist eine ›Mys-tik‹. Es geht darum, überall die Entstehung verschiedener Kontinentalblöcke (Europa, Afrika, Nordamerika, Südamerika), die politisch vereint sind und von den gleichen Gesetzen bestimmt werden, zu bilden. Die Gesamtheit dieser Blocks soll die grundle-genden Strukturen einer Weltregierung bilden, die eine gleichförmige und nomaden-hafte Menschheit vereint. Diese Politik nimmt mit der Schaffung einer parlamentari-schen Versammlung bei den Vereinten Nationen (United Nations Parliamentary As-sembly UNPA) unter der Führung des Deutschen Andreas Bummel schon Form an. Eine Weltwährung soll das Ganze strukturieren. Der IWF hat dies bereits im April 2010 verkündet, als er sich für eine von einer Welt-Zentralbank herausgegeben Welt-währung [den Bancor] ausgesprochen hat [vgl. Bericht IWF vom 13. 4. 2010: »Reser-ve Accumulation und International Monetary Stability«]. Das bedingt die Aufgabe des Dollars und eine komplette Reform des weltweiten Finanzsystems. Diese babyloni-sche Konstruktion kann jedoch nur unter der Bedingung errichtet werden, dass die Denkweisen vereinheitlicht werden. Neben der Einheit des Denkens müssen die ge-meinsamen psychologischen Reflexe, ein Konsumgeist und ein entfesselter Hedonis-mus in die tiefen Bereiche der menschlichen Seele eingraviert werden. Nun aber fügt sich der Islam in dieses System nicht ein. Dies wird durch einen grundsätzlichen unter-schiedlichen Wesenszug des Islams im Vergleich zur westlichen Welt verstärkt. Die Länder, die der christlichen Kultur entstammen, machen eine klare Trennung zwischen dem Weltlichen und dem Religiösen. Der Islam hingegen kennt diese Unterscheidung nicht, da in ihm das Weltliche und das Religiöse eng verbunden sind. Der Islam ist gleichzeitig Glaube und Gesetz. Aus diesem Grund hat sich auf islamischem Boden auch nie eine Zivilgesellschaft herausgebildet. Diese auf Fakten beruhende Darstellung muss unbedingt berücksichtigt werden, da sie verständlich macht, dass die westlichen und islamischen Länder sich in zwei Parallelwelten befinden.
    Nach dem Fall der Berliner Mauer haben die angelsächsischen Eliten den Rhythmus beschleunigt, indem sie in Kooperation mit Deutschland die Errichtung einer ihren Interessen unterworfenen Europäischen Union vorangetrieben haben. Diese Europäi-sche Union soll theoretisch bis 2015 eine komplette transatlantische Partnerschaft mit der Neuen Welt bilden, die ihrerseits dazu aufgerufen ist, sich im Rahmen einer Nord-amerikanischen Union gemäß den Wünschen des Council on Foreign Relations zu vereinigen. Angesichts des Machtzuwachses der asiatischen, insbesondere der chinesi-schen Welt wollen sich London und Washington die vollständige Kontrolle des Erdöls der Länder des südlichen Mittelmeerraums und des Nahen Ostens sichern. Die mit ei-gennütziger angelsächsischer Unterstützung erreichte Unabhängigkeit des Südsudans liegt in den reichen Öl-Reserven begründet, die Peking fortan entzogen sind. Diese Politik in Richtung Nord-Afrika und Naher Osten wurde seit 1995 durch die EU, die den ›Barcelona-Prozess‹ lancierte, unterstützt. Das offizielle Ziel war erstens die Fest-legung eines gemeinsamen Raumes für Frieden und Stabilität; zweitens die Errichtung einer gemeinsamen Zone des Wohlstands mit einer stetigen Entwicklung einer Frei-handelszone und drittens die Annäherung zwischen den Völkern.
    Auf Grund wenig überzeugender Resultate beschleunigte die Europäische Kommissi-on im Jahr 2003 durch die Schaffung der ›Europäischen Nachbarschaftspolitik‹ (ENP) das Tempo. Diese besteht darin, den Ländern des Mittelmeerraums das euro-atlantische Modell aufzuzwingen, indem man ihnen eine ganze Reihe von Normen vorlegt, die zu übernehmen sind: z. B. Marktwirtschaft, Achtung der Menschenrechte [wo? Anmerk. politonline] oder Förderung des Rechtsstaats. Im Geiste der ›Europä-isten‹ sollen gemeinsame Normen alle Länder des nördlichen und südlichen Mittel-meerraums lenken. Eine vollständige Integration soll zu einer Vereinigung des ›zivili-sierten‹ Westens mit dem ›komplizierten‹ Osten führen. Was uns da vorgeschlagen wird, ist der Versuch einer Wiederherstellung des Römischen Imperiums, nun aber mit einer geographischen Ausstülpung in Richtung Nordamerika. Was die Integration an-geht, sind die Texte der ENP unmissverständlich: »Das Konzept, das in der europäi-schen Nachbarschaftspolitik verankert ist, ist das eines Kreises von Ländern, die die grundlegenden Werte und Ziele der EU teilen und die sich für eine immer enger wer-dende Beziehung einsetzen, die über die Kooperation hinausgeht, was ein bedeutendes wirtschaftliches und politisches Integrationsniveau impliziert.« Auf Grund dieser Dy-namik wurde im Jahr 2007 auf Anregung von Präsident Sarkozy hin die Schaffung einer Mittelmeerunion beschlossen. Das offizielle Ziel war die Verstärkung und Be-schleunigung des Integrationsprozesses der nördlichen und südlichen Mittelmeer-Anrainerstaaten. Dieses Projekt wurde jedoch auf Druck von Bundeskanzlerin Merkel – und durch die Bertelsmann-Stiftung unterstützt – grundlegend überarbeitet. Auf Grund des wachsenden Gewichts von Deutschland in Zentral- und Ost-Europa haben die französischen Behörden versucht, dieser Tendenz entgegenzuwirken, indem sie ein weiteres ›Mitteleuropa‹ im südlichen Mittelmeerraum unter ihrer alleinigen Führung schaffen wollten. Beim ersten Entwurf der Mittelmeer-Union sollten lediglich die An-rainerstaaten daran beteiligt werden. Da Berlin witterte, dass dort ein französischer Einflussbereich geschaffen werden könnte, der ihren Interessen zuwiderläuft, forderte und erreichte es Berlin, dass alle EU-Länder in die Mittelmeer-Union integriert wur-den. Angela Merkel formulierte dies folgendermaßen: »Wenn wir jetzt aber zum Bei-spiel eine Mittelmeerunion aufbauen, an der nur die Mittelmeer-Anrainerstaaten teil-nehmen, die sich aber zum Beispiel finanzieller Instrumente der Europäischen Union bedient, dann sage ich voraus, dass dann andere sagen werden: Dann müssen wir auch eine Osteuropa-Union, beispielsweise mit der Ukraine, ins Leben rufen. […] Dann wird etwas passieren, was ich für sehr gefährlich halte. Dann könnte es nämlich sein, dass sich Deutschland mehr von der mittel- und osteuropäischen Seite und Frankreich mehr von der Mittelmeerseite tangiert fühlt. Das würde Spannungskräfte innerhalb Europas wachrufen, die ich nicht möchte. Deshalb muss klar sein: Die Mittelmeerver-antwortlichkeit ist auch für einen Nordeuropäer vorhanden, genauso wie die Zukunft der Grenzen zu Russland und zur Ukraine auch Sache derer ist, die am Mittelmeer be-heimatet sind. Wenn wir diese Kraft nicht mehr aufbringen, dann verfällt aus meiner Sicht die Europäische Union in ihrem Kernbereich.« Präsident Sarkozy gab nach und erlaubte Deutschland, dem größten europäischen Beitragszahler, zwei Fliegen mit ei-ner Klappe zu schlagen: Aufrechterhaltung seines Einflusses in Ost-Europa unter Ausweitung und Verstärkung seiner Verbindungen zum südlichen Mittelmeerraum. Dieser deutsche Sieg, der von nun an ›Barcelona-Prozess: Mittelmeer-Union‹ heisst, wurde zu einer schwerwiegenden Niederlage für die französische Diplomatie.
    Die geplante Vernichtung
    Der 7. Februar 2004 kann als offizieller Startschuss für die staatliche und zivilisatori-sche Umstrukturierungspolitik in den muslimischen Ländern von Marokko bis Af-ghanistan bezeichnet werden. Anlässlich der 40. Münchner Sicherheitskonferenz unter der Ägide der NATO, präsentierte Joschka Fischer, damals Außenminister von Bun-deskanzler Schröder, ein wahrhaft politisches Programm, das in Absprache mit der USA auf die muslimischen Länder anzuwenden sei. Als Berichterstatter über die Tä-tigkeiten der amerikanischen [namentlich Rand Corporation, Carnergie Endowment for International Peace, National Endowment for Democracy] resp. der deutschen Think tanks [namentlich Bertelsmann-Stiftung], erinnert Fischer an die Notwendigkeit der Schaffung einer gemeinsamen europäisch-amerikanischen Strategie:
    Erstens: Beginn eines gemeinsamen Mittelmeer-Prozesses zwischen NATO und Eu-ro-päischer Union,
    zweitens Lancierung einer ›Erklärung für eine gemeinsame Zukunft‹ für alle Länder des Nahen und Mittleren Ostens.
    Neben der Auferlegung von Reformen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Militär nach dem Vorbild der NATO, schlug der deutsche Außenminister eine vollständige Neufassung der Rechtsordnung, des Bildungs- und Sozialbereichs, die Schaffung von NGOs, die Entwicklung von Zivilgesellschaften, die Förderung der Menschenrechte im allgemeinen und die Gleichstellung der Geschlechter im speziellen vor, und dies in der Gesamtheit der muslimischen Länder. All diese Maßnahmen sollen nach den Wor-ten von Fischer »die Integration ihrer Volkswirtschaften« fördern, alles »auf der Über-zeugung basierend, dass die Modernisierung des erweiterten Nahen Ostens für unsere gemeinsame Sicherheit im 21. Jahrhundert entscheidend sein wird. Der Einbezug der Bevölkerungen des Nahen und Mittleren Ostens bei den ›Errungenschaften‹ der Glo-balisierung hat daher für uns größte Bedeutung.«
    Diese revolutionären Maßnahmen, die das Ziel verfolgen, die muslimische Welt in die euro-atlantischen und globalisierenden Grundsätze einzubetten, wurden am 27. Febru-ar 2004 durch die Unterzeichnung des ›Deutsch-amerikanischen Bündnisses für das 21. Jahrhundert‹ durch Bundeskanzler Schröder und Präsident Bush in Washington bestätigt. Neben der Bestätigung der in München beschlossenen Maßnahmen wird in diesem Abkommen folgendes festgehalten: »Wir müssen eine echte Partnerschaft auf-bauen, die Europa und Amerika mit den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens ver-bindet, um mit den Staaten und Völkern dieser Region in einem Rahmen zusammen-arbeiten zu können, der die Erfüllung bestimmter Ziele und ein friedliches Nebenein-anderleben ermöglicht […].« Diese Aussagen passen sehr genau zu den Zielen der un-ter der Bush-Regierung lancierten Politik des ›Großen Mittleren Ostens‹, die im Jahre 2006 in der Zeitschrift Foreign Affairs in einem Artikel von Richard Haass, dem Prä-sidenten des Council on Foreign Relations, in ›Neuer Mittlerer Osten‹ [New Middle East] umgetauft worden ist. Diese europäisch-amerikanische Zusammenarbeit ist um so bedeutungsvoller, als sie in den Arbeiten der Bertelsmann-Stiftung, die eine zwei-spurige Politik gegenüber Israel und der muslimischen Welt entwickelt hat, wieder aufgenommen worden ist. In einem ersten Schritt handelt es sich darum, im Rahmen des ›Deutsch-jüdischen Dialogs‹ Israel in die politische, wirtschaftliche und militäri-sche euro-atlantische Konstruktion zu integrieren. Der jüdische Staat muss eine Säule des Judentums in Verbindung mit zwei anderen Säulen bilden: derjenigen des euro-päischen und derjenigen des amerikanischen Judentums. In einem zweiten Schritt kann diese Politik nur dann umgesetzt werden, wenn es gelingt, die muslimische Welt an die beschriebene geopolitische Konstruktion anzubinden. Das ist die wirkliche Be-deutung der Kronberger Gespräche, die seit 1995 die Plattform für Gespräche zwi-schen Euro-Amerikanern und muslimischen Eliten bilden, um letztere dazu zu bewe-gen, die euro-atlantischen politisch-philosophischen Grundsätze auf die internen Strukturen der nordafrikanischen und nahöstlichen Länder anzuwenden. Allerdings stoßen diese Diskussionen wegen der Unzertrennbarkeit der weltlichen und religiösen Regeln im Islam auf große Schwierigkeiten. An diesem Punkt hat nun die amerikani-sche Regierung begonnen, offen Stellung zu nehmen.
    Zweites Vatikanisches Konzil des Islams
    Im Juni 2006 erschien in einem von Ralph Peters gezeichneten und in der amerikani-schen ›Militärzeitung Armed Forces Journal‹ (AFJ) veröffentlichten Artikel mit dem Titel ›Blood Borders‹ eine Karte, die die Neuordnung des Nahen Ostens auf Grund ethnischer und religiöser Kriterien aufzeigt. Alle Länder dieser Region haben total veränderte Grenzen. Der Autor orientiert sich sehr stark an den Arbeiten des britischen Islam-Wissenschafters Bernard Lewis, der dem Obama-Berater Zbigniew Brzezinski nahesteht. Lewis ist der Schöpfer des Begriffs ›Clash of Civilisations‹, den Samuel Huntington mit Erfolg aufgriff. Für Bernard Lewis geht es darum, die islamische Welt zu ›balkanisieren‹, um dann Mini-Ölstaaten zu gründen, die leichter zu kontrollieren sind. Ein entsprechendes Umstrukturierungsmodell wurde unter dem Namen ›Crescent of Crisis‹ im Time Magazine im Januar 1979 vorgestellt. Diese komplette Umstruktu-rierung beruht auf dem Prinzip von ›teile und herrsche‹. Doch neben dem politisch-ökonomischen Bereich wird die muslimische Welt von den Globalisierungskräften auch in ihrem, in unseren materialistisch geprägten Ländern kaum bekannten, zentrals-ten Bereich angegriffen: die neue Karte zeigt eine revolutionäre Umgestaltung, näm-lich einen die Städte Mekka und Medina umfassenden ›heiligen islamischen Staat‹ inmitten eines auseinandergerissenen Saudi-Arabiens, dessen Zerstörung fatale Auswirkungen auf die Weltwirtschaft (Versorgung mit Erdöl) und auf die Stabilität des Dollars haben könnte.
    Ralf Peters beschreibt diese grundlegenden Veränderungen folgendermaßen: »Die Haupt-ursache für die fehlenden Veränderungen in der muslimischen Welt liegt in der Behandlung von Mekka und Medina, die von der saudischen Familie als ihre Hoch-burg betrachtet werden. Die heiligen Stätten des Islams, die sich unter der Kontrolle der Staatspolizei eines der bigottesten und repressivsten Regimes der Welt befindet, haben es der saudischen Herrscherdynastie ermöglicht, ihren intoleranten und gleich-zeitig disziplinierten wahhabitischen Glauben weit über ihre Grenzen hinaus zu verbreiten. […] Stellen Sie sich vor, wieviel besser sich die muslimische Welt fühlen würde, wenn Mekka und Medina von einem wechselnden Repräsentativrat, der sich aus Vertretern der verschiedenen islamischen Schulen und Bewegungen der Welt zu-sammensetzte, in einem heiligen islamischen Staat, einer Art muslimischem Super-Vatikan, regiert würden, einem Staat, in dem die Zukunft des islamischen Glaubens diskutiert statt willkürlich festgelegt würde.« Wenn man davon spricht, die muslimi-sche Welt in die euro-atlantische Achse und die Grundsätze der neuen Weltordnung zu integrieren, so wäre dies nur mit einer radikalen Veränderung der religiösen Bezüge möglich, was automatisch auch massive Umwälzungen im politischen, wirtschaft-lichen, sozialen und psychologischen Bereich nach sich ziehen würde. Die Globalisie-rungskräfte wollen diese Taufe erzwingen, um die Herausbildung eines Pantheis-mus zu ermöglichen. Die Schaffung eines ›heiligen islamischen Staates‹ und eines ›wechselnden Repräsentativrates‹, der in der Lage wäre, die Religion von innen her-aus zu verändern, entspricht der Einrichtung eines zweiten Vatikanischen Konzils des Islams. Zur Erinnerung: Da die Lehre der katholischen Kirche mit der Doktrin der Globalisierung unvereinbar war, wurde es nötig, eine umfassende Neubearbeitung (›aggiornamento‹) durch das zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) in Angriff zu nehmen, um den Nachfolgern des heiligen Petrus zu ermöglichen, die katholische Leh-re im Rahmen einer im Tempel der Vereinten Nationen gefeierten umgekehrten Agape der Globalisierungsideologie unterzuordnen. Dies wurde von Johannes XXIII. eindeu-tig bestätigt, der in seiner Enzyklika «Pacem in Terris» von 1963 an die Notwendigkeit einer «supranationalen oder globalen Macht» erinnerte, die ohne Gewalt errichtet ›die Schaffung einer juristisch-politischen Organisation der Welt-gemeinschaft‹ erlaube. Diese Aussage griff Papst Benedikt XVI. in seiner Weihnachts-botschaft 2005 wieder auf, indem er die Menschheit ermutigte, sich am ›Aufbau einer neuen Weltordnung‹ zu beteiligen. Dieser Papst bekräftigte sein Engagement in seiner Enzyklika ›Veritas in Caritate‹ im Jahr 2009, indem er zur Schaffung einer ›weltpolitischen Behörde‹ in Verbindung mit der UNO aufrief. Es ist der gleiche Vorgang, der nun die islamischen Länder erwartet, wenn die Pläne zur vollständigen Umstrukturierung der geographi-schen Zone von Marokko bis Afghanistan umgesetzt werden. Diese Politik des ›solve et coagula‹ – auflösen und neu formen – wird zwangsläufig zu Kämpfen zwischen Sunniten und Schiiten, zwischen Muslimen und Christen und zu einer brutalen Auseinandersetzung mit dem Zionismus führen. Aus diesem in Fusion begriffenen Mag-ma, aus diesem durch die Globalisierungskräfte verursachten Chaos soll in der Theorie ein ›aufgeklärter Islam‹ hervorgehen, der dann in die Dogmen der Global Go-vernance integriert werden kann.
    Die Stunde der Wahrheit ist gekommen.
    Die Urheber dieses Dramas mit unabsehbaren Folgen für Politik, Wirtschaft, Res-sourcen und Menschenleben folgen buchstäblich den berühmten Versen in Goethes Gedicht ›Der Zauberlehrling‹, in dem dieser ausruft: »Die Geister, die ich rief, werd’ ich nun nicht los.«
    1 Quelle: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/56503 8. 9. 2006 Inter-view mit Dr. Pierre Hillard: Es ist zu befürchten, dass auf dem jetzt eingeschlagenen Weg sehr viel Blut fließen wird; auszugsweise. Dr. Pierre Hillard – docteur en science politique – ist Spezialist für die deutsch-französischen Beziehungen und Autor mehre-rer Publikationen über die Zerschlagung von Staaten nach ethnischen Kriterien. Zu-letzt erschien 2010 »La décomposition des nations européennes. De l’Union euro-Atlantique à l’État mondial«, Éditions François-Xavier de Guibert, Paris; Hervorhe-bungen durch politonline
    2 Quelle: http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=48 Zeit-Fragen Nr. 11 vom 25. 3. 11 Übersetzung durch Zeit-Fragen

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