Pflichtvergessene Politiker

Die Pflicht ist eine Schuld, die auch ein Politiker zu begleichen hat, will er nicht in den moralischen Bankrott schlittern. Zu den allgemeinen Pflichten eines jeden Menschen gehört es, ungeschriebenes Gesetz gewordene Gebote nicht gänzlich  zu ignorieren. Zu diesen gehört die überlieferte Empfehlung, über Tote nur Gutes zu sagen. Oder eben zu schweigen.

Dieser weise Rat scheint bei einigen Politikern noch nicht ganz angekommen zu sein. Unter diesen finden sich ausgerechnet solche, die zu Lebzeiten eines inzwischen verstorbenen Parteiführers  ausschließlich durch diesen und mit ihm hochgekommen sind.                         Ohne ihn bzw. seine Erfolge hätte so mancher seiner damaligen Apostel finanzielle, wenn nicht schon arge existenzielle Probleme bekommen.

Nennen wir die Dinge beim Namen: Über Jörg Haider wurde eigentlich schon genug Kritisches und Nachteiliges gesagt. Auch von mir. Aber jetzt sollte auch der Mensch Haider seine Ruhe haben.                                                                                                                           Was den Politiker Haider betrifft, so mögen jene die Wahrheit erkunden und Recht sprechen, die dazu befugt sind. Ehemalige Kameraden eignen sich weder als öffentliche Ankläger noch als Richter.                                                                                                            Nur um der Popularität wegen politisches Kleingeld auf dem Rücken eines Toten zu wechseln, wäre wenig ehrenhaft. Wie glaubwürdig ist man übrigens, wenn man jenen, den man verdammt, gleichzeitig von A bis Z nachahmt?

Adalbert Stifter bezeichnete als die erste und große Eigenschaft eines Politikers  die Rechtschaffenheit des Charakters und die feste Tugend seines Herzens. Außerdem sind, wie ich meine, Geduld und Beherrschung, vielleicht auch ein Schuß Selbstverleugung, einem leicht erregbaren Willen vorzuziehen.  Zuviel verlangt?                                            Noch eine abschließende Frage, dann gebe ich schon Ruhe: Was hinderte jene einstigen Gefährten Haiders, die jetzt als Ankläger auftreten, schon zu dessen Lebzeiten, wie es die Pflicht fordert, mit den ihnen längst bekannten Fakten an die Öffentlichkeit zu treten? Moralische Feigheit oder was?

 

 

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7 Antworten zu Pflichtvergessene Politiker

  1. Waltraut Kupf schreibt:

    In diesem Fall möchte ich widersprechen. Es war bekannt, daß Strache mit Haider nie konnte, was sich auch im Zuge der Abspaltung des BZÖ äußerte. Daß Haider, nur weil er tot ist, deswegen zur Lichtgestalt erklärt wird, wird den Fakten nicht gerecht, die übrigens größtenteils erst nach seinem Tode augenscheinlich wurden. Auch imitiert Strache Haider keineswegs, außer, daß er vielleicht gelegentlich „meine lieben Freunde“ sagt, was aber bald jemand tut. Im übrigen beschwert sich niemand über Harald Ofner, der in der ZIB24 sich in einem ganz ähnlichen Sinn äußerte, wenn auch sehr sachlich, und von der Aussage her Strache beipflichtete. Natürlich spielte es Strache ein wenig aus, daß er seinerzeit nicht korrumpierbar gewesen sei, das ist aber unter den gegebenen Umständen verständlich, ja beinahe nötig. Man schont ja auch andere Gestalten aus der Geschichte nicht, wenn sie sich unrühmlich verhalten haben auch wenn sie tot sind. Zur Forderung, mit Verfehlungen von ehemaligen Gefährten schon zu deren Lebzeiten an die Öffentlichkeit zu treten: Bedenken, einen zumindest zeitweiligen Parteifreund zu Lebzeiten in die Pfanne zu hauen, ist eine zwiespältige Sache. Vielleicht wäre das früher oder später erfolgt, mit Haiders Tod war aber nicht zu rechnen. Vielleicht spielte tatsächlich ein Quäntchen Feigheit mit, das aber angesichts der Netzwerke Haiders eher eine Sache der Klugheit war, weil nämlich die eigenen Gesinnungsfreunde nichts davon haben, wenn ein Hoffnungsträger vorzeitig ausgeschaltet wird. Der Tod sollte an sich noch nicht Grund für einen generellen Persilschein sein, Kritik sollte nicht unflätig, aber möglich sein.

    • helmut mueller schreibt:

      Liebe Frau Kupf! Dazu wäre einiges mehr zu sagen. Ich möchte aber zum jetzigen Zeitpunkt auf Ihre Einwendungen nicht näher eingehen. Die Sache sieht von meiner Warte doch etwas anders aus, und ich werde, wenn nötig, eines Tages dazu ausführlicher Stellung nehmen und auch Fakten auf den Tisch legen.
      Ich werde niemand den Vorwurf machen, weniger informiert zu sein, empfehle aber doch, in Zukunft auf gewisse Handlungen und Vorgänge besser hinzuschauen und die Ohren steif zu halten. Mit jahrelanger Rücksicht auf Führungspersönlichkeiten und aus Parteisolidarität hat sich so manche Bewegung als organisierte, aber gewinnträchtige Sterbebegleitung für ein System herausgestellt.
      Wenn jemandem wirklich daran gelegen sein sollte, eine echte Alternative zu den herrschenden Zuständen herbeiführen zu helfen, dann sollte er/sie sich schleunigst von falsch verstandener, von Parteiseite aber mißbrauchter Solidarität verabschieden. (Das gilt eigentlich für alle Parlamentsparteien. Dazu müßte ich allerdings schon wieder näher ausholen.) Ich bin übrigens seit Jahrzehnten parteilos.
      Herr Strache persönlich, auch wenn ihm Ehrgeiz und ein gewisses Talent nicht abgesprochen werden kann, ist nicht so interessant (und wäre mir eigentlich auch egal), aber er repräsentiert ein System im System, daß nicht wesentlich anders aufgebaut ist als das von ihm kritisierte.
      Aber wenn man ein solches kritisiert, kann man nicht den höchsten Verantwortungsträger desselben ungeschoren davon kommen lassen. Das habe ich bei Haider so getan, und das wird sich auch HC Strache in Zukunft gefallen lassen müssen. Selbst dann, wenn man mir indirekt wieder „Freundlichkeiten“ ausrichten sollte.

      • Waltraut Kupf schreibt:

        Sehr geehrter Herr Müller, es stimmt wohl, daß ich keinen oder zu wenig Einblick in die Interna der FPÖ habe, ich bin ja (wie schon mehrfach erwähnt) wegen Straches zu unklarer Haltung gegenüber der EU aus der Partei ausgetreten, was ich ihm auch zur Kenntnis gebracht habe. Die Fakten, die Sie auf den Tisch legen könnten, würden mich durchaus interessieren, nur bleibt die Frage offen, warum Sie diese nicht jetzt schon offen legen. Ich werde aus dem allen nicht recht klug. Wenn es da gravierende, rechtlich relevante Dinge gäbe, so hätte sich doch längst jemand gefunden, der das mit Genuß aufgezeigt hätte. Und: wer oder was wäre Ihre Alternative? Irgendwelche hehre Lichtgestalten, so es sie überhaupt gibt, gehen wahrscheinlich nicht in die Politik oder kämen dort nicht weit, sodaß sich nichts ändern wird. Die innere Emigration ist unter diesen Umständen das, was einem noch bleibt, vorher würde ich aber doch noch ein wenig neugierig sein auf das, was sich vielleicht noch ergibt.

      • helmut mueller schreibt:

        Sg. Frau Kupf! Wie ich schon sagte: „wenn nötig“, alles hat seine Zeit. Voerst sehe ich meine Aufgabe darin, zum Nachdenken anzuregen. auf Übel ganz allgemein hinzuweisen. Denn scheinen solche auch noch so klein, so kommen sie meist nicht allein. Eines folgt dem anderen, und so verketten sie sich am Ende und werden ein Ganzes, Unbeherrschbares.
        In meinen Kommentaren, die manchmal zu scharf oder überspitzt scheinen mögen, geht es mir zwar um „gravierende Dinge“, aber diese sind nicht unbedingt nur „rechtlich relevante“. Solche geistig-kultureller Natur scheinen mir bedeutender. Und bloß auf „hehre Lichtgestalten“ zu warten wäre, aus meiner Sicht, so falsch wie in die „innere Emigration“ zu gehen. Was kein Vorwurf sein soll.
        Gewiß fragen Sie sich noch, warum ich gerade dieser Partei einen Vorrang in meiner Parteien- und Gesellschaftskritik einräume.Darauf werde ich bei Gelegenheit ausführlicher eingehen.Vielleicht verstehen Sie mich dann besser.

  2. Siegfr. Eder schreibt:

    Der Hauptmann eines Landes fühlt sich wie ein Fürst, besonders wenn er mehrmals wiedergewählt ist, wie z. B. der Häuptling vom Stamme der Niederösterreicher-innen. Solche Menschen blicken immer freundlich in die Kamera, aber sonst sind sie manchmal sehr grantig, sodaß alle in ihrer Umgebung Angst haben. Ähnlich war es ja schon beim kaiserlichen Thronfolger Franz Ferdinand, wo einige sogar erleichtert gewesen sein sollen, als er 1914 in Sarajewo erschossen wurde. Und dieses System haben wir übernommen: Erst knien vor solchen Leuten, und nachher schimpfen über den Machtmißbrauch. – Wir müssen eine MACHTHEMMUNG in die Landesverfassungen einbauen (lassen). – Es genügt ein Regierungspräsidium, mit jährlicher (!) Neuwahl durch das Landesparlament, ohne Möglichkeit der (sofortigen) Wiederwahl. – Kollegial- statt Konkurrenz-Regierungen !

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  4. GAUCK STEHT IM WEGE

    „Wo Ihr auftretet, werden wir Euch im Wege stehen,“ rief der große Ausgrenzer Gauck auf der zentralen Gedenkfeier, die man zum 20. Jahrestag der unrühmlichen Ausschreitungen einer aufgebrachten, ausländerfeindlichen Menschenmenge zelebrierte.
    Die Ausschreitungen waren widerwärtig und noch dazu töricht, soweit weiß ich mich einig mit jedem anständigen Menschen der klar bei Verstand ist. Der tobende Mob war es damals nicht. Der Mob war von Sinnen. Ich möchte nicht wissen, wie viel Liter Bier und Schnaps an jenem denkwürdigen Tag durch die Kehlen der Rowdies geflossen sind. Interessant wäre auch zu wissen, welche Systemparteien von den Krawallmachern und ihren Unterstützern gewählt wurden? Ganz Lichtenhagen schien damals auf den Beinen zu sein, um die Schandtat teils offen zu unterstützen, teils mit klammheimlicher Freude zu begrüßen. Aber ganz Lichtenhagen hat nicht etwa die NPD gewählt. Soviel ist sicher.
    Es waren nicht nur „Rechtsradikale“ sondern es war wie so oft, der unterste Bodensatz des Volkes den jede Nation mit sich herumschleppt. Der Pöbel hat seinen kollektiven Frust gewalttätig zur Entladung gebracht. Es war eine schreckliche Demonstration des „hässlichen Deutschen“ vor den Augen der Welt.
    Protest gegen die Überschwemmung mit Fremden ist legitim, aber er darf nicht an der falschen Stelle vorgetragen werden. Man hätte massenhaft, aber gesittet, vor staatlichen Einrichtungen demonstrieren sollen. Dort wo die unerwünschten Entscheidungen getroffen werden, nicht vor den Unterkünften der unglücklichen Menschen, die einfach nur irgendwie überleben wollen.
    Gauck räumte ein: „Der Staat hat versagt!“ Na, wenigstens das hat er richtig erkannt. Wenngleich er das anders meint als ich.
    Der große Ausgrenzer will sich jedem in den Weg stellen, der die Demokratie verachtet.
    Es wird wohl allgemein weniger die Staatsform der Demokratie verachtet, als vielmehr das, was die „staatstragenden“ Politiker daraus gemacht haben.
    Schuldenkrise und Kriegseinsätze im hintersten Winkel der Erde. Die staatliche Führung ist ein Wohlstandsvernichtungsapparat. Die Obrigkeit missachtet ihre eigenen Gesetze. Unschuldige werden von der Justiz verfolgt und den Medien „zur weiteren Veranlassung“ ausgeliefert. Wer soll der Demokratie unter solchen Vorrausetzungen Wertschätzung entgegen bringen? Gauck scheint das nicht zu bemerken. Sobald er gesellschaftspolitisch Position bezieht, fällt ihm selten etwas anderes ein, als zum Hass auf diejenigen aufzurufen, die von der Abhängigkeit der Bundesregierung vom internationalen Hochkapital und den daraus resultierenden Folgen für das deutsche Volk angewidert sind. Wenn der große Ausgrenzer auftritt, gießt er Öl ins Feuer, anstatt zu beruhigen.
    Gauck ist nicht der Mann des Volkes, er ist der Auserwählte des politischen Establishments.
    Wen wundert es, dass er sich entsprechend verhält?
    Zum Bild des ehemaligen Pfarrers will das nicht so recht passen. Was hat er wohl damals den Leuten in der Kirche erzählt? Hat er von alttestamentarischem Hass, oder von Geduld und Versöhnung im Sinne des Heilands gepredigt?
    Als Hassprediger würde ich ihn dennoch nicht bezeichnen, dazu müsste man ihn ernst nehmen können.
    Ein Mann der Kirche mag er ja sein, aber ein Verfechter der Lehre Christi scheint er jedenfalls nicht zu sein. Dazu fehlt ihm die Friedfertigkeit.
    Gauck droht mit schärferen Polizeieinsätzen. Wer die Demokratie verachtet, wird niedergeknüppelt? Ist es das, was er mit „im Wege stehen“ meint?
    Gauck hätte vielleicht einen guten Polizeipräsidenten abgegeben, aber als oberster Hirte der Nation steht er sich selbst im Wege.
    Jesus Christus empfahl den Menschen, ihre Feinde zu lieben. Zugegeben, das ist nicht leicht. Ich mag es auch nicht, wenn sich mir jemand in den Weg stellt, aber ich würde wenigstens versuchen, erst mit ihm zu reden bevor ich „Knüppel aus dem Sack“ rufe.

    Karl-Heinz Hoffmann
    Ermreuth 23.08.2012

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