„Wonderful Killers“

Kaum zwei Stunden nach dem bedauerlichen Attentat von Burgas in Bulgarien wollte Israels Ministerpräsident Netanjahu die Auftraggeber des Anschlages  bereits gekannt  haben. Der Iran, wer sonst? Ausgeführt von der Hezbollah. Von wem sonst?

Derart überzeugt, forderte Israels Außenminister L. Brüssel auch gleich auf, die Hezbollah auf die Liste terroristischer  Organisationen zu setzen.                                                           Vielleicht war es die Hezbollah, möglich, aber, bitte, erst einmal Beweise vorlegen. Und was ist überhaupt mit dem israelischen Auslandsgeheimdienst, gehörte nicht der schon längst auf diese Liste.

In ihrem Buch „Spies against Armageddon – Inside Israels Secret Wars“ (Levant books) zeichnen die beiden jüdischen Autoren, der CBS-Korrespondent Dan Raviy und der israelische Journalist Yossi Melman, ein ziemlich offenherziges,  wenn auch nicht ganz überraschendes Bild von der Arbeit des Mossad.

Eigentlich geht es da um die  „Kidon“-Elite-Killers, eine Art „kleiner Mossad im Mossad“, eine weltweit einzigartige und global agierende  mörderische Organisation, deren Mitglieder entweder in Israel oder  in dem betreffenden Einsatzgebiet, zum Beispiel im Iran,  rekrutiert werden.

Ein Iraner, der für 120.000 Dollar  Professor Massoud Ali-Mohammadi von der Uni Teheran  in die Luft jagte, in dem er zwei vom Mossad präparierte Bomben in Kartons auf seinem Motorrad verstaute und dieses dann vor dem Wohnsitz des Professors parkte, ehe es per Fernzündung explodierte, ist vorher über Aserbeidschan, wo ihm Papiere ausgehändigt wurden, nach Israel eingereist, wo er vom Mossad  für diesen „Job“  trainiert wurde. Er ist nur einer von vielen.

In der Regel besteht so ein „Kidon“-Team aus einem, der das Ziel auskundschaftet, einem anderen, der für den Transport verantwortlich ist, sodann einem Helfer, der, z. B., ein Motorrad lenkt, und schließlich, in diesem Fall, dem am Rücksitz mitfahrenden „Killer“, der exekutiert. Etwa, wenn nötig,  während der Fahrt mit einer Handfeuerwaffe.

Bei weiteren Opfern wie den Professoren Ahmadi Roshan, Majid Shariari und Fereydoun Abbasi verwendete man mit einem Magnet versehene Bomben, die an den Fahrzeugen der Betreffenden fixiert wurden. Die Wissenschaftler zahlten einen Preis für eine politische Entwicklung in dieser Region, die die USA wie auch Israel nachweislich mit zu verantworten haben.

Dabei soll, nach Teheraner Angaben, bei der Organisation vieler Attentate auf iranischem Boden, Aserbeidschan, das Land mit menschenrechtlicher Schieflage, eine wichtige Rolle spielen. Das Land sei logistischer Helfer und zugleich sicherer Hafen und Trainingsgebiet  für israelische und US-Spione, heißt es.

Weitere Schützenhilfe bekommt der  Mossad von der mit ihm verbündeten linken Volksmudschahidin-Organisation Khalq (MKO), die seit langem für die Ermordung iranischer Persönlichkeiten verantwortlich zeichnet. Auch da wird nicht wenig Kopfgeld fließen. Nach Meinung des US-Kommentators Richard Silverstein sei dies eine der  Haupteinnahmequellen für diese Organisation.

Der ausgeschiedene Kandidat für das Rennen um das Weiße Haus, Rick Santorum, nannte  die Ermordung iranischer Wissenschaftler ganz euphorisch „ …a wonderful  thing“. Auch UN-Botschafter John Bolton und der Politiker Newt Gingrich begrüßen ganz offen diese mörderischen Aktionen, die im Falle des CIA ja, global gesehen, schon jahrzehntelange Tradition haben.

In Zusammenarbeit mit dem Mossad erreicht man natürlich eine besondere Qualität und Durchschlagskraft bei der Liquidierung unliebsamer Personen oder der Inszenierung terroristischer Anschläge.                                                                                                             Was aber, bitte sehr, unterscheidet dann  den US- oder israelischen Auslandsgeheimdienst von irgendeiner so bezeichneten Terrorgruppierung im Nahen Osten? Und was, in dieser Hinsicht,  die USA oder Israel von einem so genannten Schurkenstaat?

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2 Antworten zu „Wonderful Killers“

  1. Siegfr. Eder schreibt:

    Nichts unterscheidet sie, der Staub liegt hier gleich hoch auf allen Tischen. – Besten Dank im übrigen für diesen Bericht.

  2. Pingback: “Wonderful Killers” « Sache des Volkes

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