Problemfall USA

Wir stehen vor globalen Veränderungen, die noch in diesem Jahrzehnt nachhaltig wirksam werden dürften. Beinahe eine Binsenwahrheit, gewiß, aber nicht gerne zur Kenntnis genommen.                                                                                                                              Die Vereinigten Staaten versuchen dieser Entwicklung auf altbekannte Weise mit altbekannten Mitteln Rechnung zu tragen: Absicherung der bisherigen Einflußgebiete durch verstärkte militärische Präsenz (u.a. im Pazifik) sowie Abschluß neuer Handelsverträge bei gleichzeitigem Schüren von Unruhen in Staaten, deren Politik den US-Interessen zuwiderlaufen bzw. die einer gegnerischen Einflußsphäre zuzurechnen sind. Regime-Wechsel inklusive.

Eine trotz eingeleiteten wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen weiter schwächelnde Wirtschaft im eigenen Lande könnte wenig überraschenderweise dazu führen, daß der diplomatische wie auch militärische Druck der USA  in gewissen Regionen, etwa in Nahost oder in Zentralasien  noch zunimmt.                                            Daß man in seinem solchen Fall mit größeren militärischen Unternehmungen zu rechnen hätte, darauf lassen, Beobachtern zufolge,  Umgruppierungen von Truppen und schwerem Gerät, etwa im Mittleren Osten, schließen. Daß Israel dabei eine treibende Kraft ist, scheint offensichtlich.

Wenn es das Ziel ist, durch Chaos in der Welt eine neue Ordnung zu schaffen, dann fragt man sich natürlich schon, warum die USA nicht erst einmal im eigenen Lande damit anfangen. Denn, abgesehen von einem riesigen Schuldenberg, einem bedauernswerten Zustand der Infrastruktur in vielen US-Staaten u. v. m. gebe es für die Regierung eine Menge zu tun, um von einer gerechten und sauberen Ordnung im ganzen Lande sprechen zu können.                                                                                                                                             Auf  unglaubliche Zustände in Gottes gelobtem Land weisen, zum Beispiel, zwei Buchautoren, Chris Hedge  und Joe Sacco, in ihrem Buch „Days of Destruction, Days of Revolt“ (Nation Books, 2012) hin. Die beiden Autoren suchten das Elendsreservat Pine Ridge in South Dakota auf, wo nur ein paar tausend der etwa 40.000 Bewohner ihr Geld durch regelmäßige Arbeit verdienen. Viele der Nachfahren des Sioux-Häuptlings Crazy Horse sind Alkoholiker, will heißen, wurden dazu gemacht.  Jedes  vierte der im Reservat geborenen Kinder  leidet an dem Alkoholsyndrom.                                                                    Zwar gibt es im Reservat seit langem Alkoholverbot, doch gleich an seiner Außengrenze haben sich skrupellose Händler niedergelassen und verkaufen Bier und Schnäpse an die meist Arbeitslosen. Eine Schande.

Neben Pine Ridge war Camden in New Jersey ein weiteres Ziel von Hedge und Sacco. Laut einer FBI-Studie war Camden 2002 die drittgefährlichste Stadt in den USA. 2003 und 2004 erreichte die Stadt sogar den Spitzenplatz. 2005 gelang dann erstmals eine Eindämmung der Kriminalität. Die grassierende Armut weiter Bevölkerungsteile ist geblieben.                                                                                                                                          Infolge fehlenden Geldes in der Stadtkasse mußte die Gemeindeverwaltung sogar die Stadtpolizei um die Hälfte und die Feuerwehr um ein Drittel reduzieren. Für „Polizeidienste“ im Irak oder in Afghanistan gibt es aber genügend Geld.

Schlimm auch die Lage in Welch, West Virginia, wo die Menschen durch den Kohleabbau gesundheitliche Schäden davontragen. Tausende sollen jährlich direkt und indirekt dadurch zu Tode kommen. Ebenso hoch die Anzahl der Früh- und Totgeburten. Darüber spricht man nicht, aber über das World Trade Center hört man ständig etwas, beklagt ein Betroffener.                                                                                                                                              Der Kohlenstaub töte Jahr für Jahr, aber alleine der Profit zähle, heißt es dazu. Und ein Einwohner meint: „In den Städten haben sie strenge Auflagen für Raucher, aber hier leben Familien neben den Kohlefeldern und müssen den Staub einatmen“.                                                                                                                                                           Schließlich waren die beiden Autoren auch noch in Florida, wo billige Arbeitskräfte, darunter viele Illegale, bei der Tomatenernte eingesetzt werden und wo die Löhne in den letzten 30 Jahren gleich um die Hälfte gesunken sind.                                                                   Der Status der Arbeiter wird vielfach mit jenem der Sklaven des 19. Jahrhunderts verglichen. Einige meinen sogar, den „Sklaven“ von heute ginge es schlechter. Und Frauen, die nicht genügend oder gar keine Arbeit finden, würden in die Prostitution getrieben, beklagt man.                                                                                                                        Nun begannen aber die Farmarbeiter sich zu organisieren, was, neben Occupy Wallstreet, noch Schule machen könnte.

Die hier erwähnten Beispiele sind nur die Spitze eines Eisberges. Wenn sich nicht dramatisch zum Positiven hin etwas ändert, der kurzsichtige Eigennutz der herrschenden Klasse aufgegeben und das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit umgesetzt wird, werden sich die USA besser früher als zu spät  aus ihrem militärischen Übersee-Engagement zurückziehen müssen. Ansonsten  riskieren sie, daß in ihrem eigenen Land  eines Tages bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen.

Europa aber sollte sich endlich vom großen Beschützer und dessen „way of life“ abnabeln und seinen eigenen Weg gehen. US-Isolationismus und EU-Pleite wären, so gesehen, kein Malheur und in dieser Hinsicht  einem Zusammenrücken der europäischen Völker eher dienlich.

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2 Antworten zu Problemfall USA

  1. Pingback: Problemfall USA « Sache des Volkes

  2. Jaro Ruanza schreibt:

    Die soziale Lage in Europa ist aufgrund der historischen Entwicklung noch immer besser als in den USA.Abgesehen von der Masseneinwanderung und dem künstlich herbeigeführten maroden Finanzsystem,bildet sich aber eine weitere bedenkliche Situation,welche das europäische Sozialsystem schwächt,indem es dieses unterläuft.Ich meine damit die überhandnehmende LEIHARBEIT.
    Es ist eine Schande,daß nach hundert Jahren Arbeiterbewegung ein so unwürdiger Zustand für viele Arbeitnehmer entstanden ist.Meiner Meinung nach,ist dies eine Spielart der Sklaverei!
    Dabei werden nicht nur „niedere“Tätigkeiten als Leiharbeit angeboten,nein heutzutage sind auch schon akademische Berufe davon betroffen!

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