Sie wollen die Freiheit!

Als der treudeutsche jüdische Schriftsteller und Theaterkritiker Alfred Kerr Anfang der 20er Jahre  Südtirol bereiste, da erfasste ihn angesichts faschistischer Willkür „pazifistische Wut“. Seine Eindrücke sind in Anlehnung an Goethes Worte in dem 1.Kapitel seines Buches*  „Es sei wie es wolle, Es war doch so schön“ zusammengefaßt.                                                                                                                                Gleich zu Beginn heißt es in dem Alfred Kerr eigenem „Telegrammstil“: „Das schönste Deutschland liegt am Brennerhang. Uns genommen durch Kriegsrecht; uns geblieben durch Menschenrecht. Keiner darf es entfremden; keiner darf es enteignen. Dies deutsche Sprachland; dies deutsche Weinland; dies deutsche Blumenland; dies deutsche Lichtland. Ein Ruf soll ergehen:“Heraus damit!“ – solange noch unsereins Worte hat; und eine Feder; und eine Sehnsucht; und einen Willen. Das schönste Deutschland liegt am Brennerhang.“

Dieser von Kerr angesprochene Wille ist in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung Südtirols trotz jahrzehntelanger Unterdrückung und einer von Tagesopportunität bestimmten Politik so stark wie ehedem. Trotz  halbherzigen Zugeständnissen von römischer Seite blieb Südtirol zuletzt doch  enteignet und den Launen Roms ausgeliefert. Und bleibt es bis aus weiteres.                                                                                                         Selbst der vielgelobte Kreisky hielt, anders als im Falle der Palästinenser, wenig von einem Selbstbestimmungsrecht der Südtiroler. Man wollte sich wohl keine Zores mit „besten Freunden“, sprich NATO  bzw. USA,  einhandeln.                                                                        Zwar wurde dem Land an Etsch und Eisack seither ein beachtliches Autonomiestatut gewährt, doch dieses ist längst wieder „massiv in Gefahr“ (SVP-Abgeordneter Karl Zeller), und Besatzungstruppen sowie faschistische Relikte im Alltag sind weiter allgegenwärtig

Aus diesen und keinen anderen Gründen hatten die heimattreuen Südtiroler Schützen am 14. April zu einem Friedensmarsch aufgerufen, dem mehr als 6.000 Süd- und Nordtiroler Schützen und deren Freunde Folge leisteten.                                                                             Südtirols Spitzenpolitiker konnten, von rühmlichen Ausnahmen (z.B. LAbg. Dr. Eva Klotz) abgesehen, der Veranstaltung nichts abgewinnen.  Wunschdenken ist nicht ihre Sache, sie betreiben „Realpolitik“, und die  richtet sich nach den Wünschen und Sorgen von Rom und Brüssel, vielleicht auch nach den Interessen des Kapitals.                                                      Wie schon zu Zeiten Kreiskys dürfte auch dieses Mal „Nur niemand verprellen“ die Devise der Mehrheitspartei gewesen sein. Jene der Schützen lautete etwas anders, und zwar: „Ohne Rom in die Zukunft“. Dazu stellte der Kommandant der Schützen, Mjr. Elmar Thaler, ein „Unabhängigkeitsmanifest“ vor.

In diesem Manifest heißt es: „ 93 Jahre nach der gewaltsamen Abtrennung unserer Heimat vom Vaterland Österreich wollen wir uns die Forderung unserer Vorfahren zu eigen machen und der Welt zurufen: Es ist unser Wunsch und Wille, dass unser Heimatland Südtirol, das aus sprachlichen, kulturellen und historischen Gesichtspunkten nicht dem italienischem Kulturraum angehört, über seine Zukunft selbst entscheidet. Durch einen internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, (…) ist das Recht auf Selbstbestimmung eindeutig festgeschrieben. (…) Wir fordern deshalb die Unabhängigkeit und Freiheit und den Südtiroler Landtag dazu auf, alles Notwendige in die Wege zu leiten“. Und unmißverständlich nach allen Seiten: „Wir wollen die Freiheit!“                                     Ein Wunsch gewiß, aber getragen von edlen Gefühlen wie sie nach Freiheit strebenden Menschen rund um den Erdball eigen sind.  Und wo ein Wille ist, ist schließlich auch ein Weg!

*Alfred Kerr: „Es sei wie es wolle. Es war doch so schön“, S. Fischer, Berlin, 1928.

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12 Antworten zu Sie wollen die Freiheit!

  1. Husar schreibt:

    Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern,
    in keiner Not uns trennen und Gefahr,
    wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
    lieber den Tod als in der Knechtschaft leben,
    wir wollen trauen auf den höchsten Gott
    und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen !
    Mein Herz schlägt für jedes Volk, das seine angestammte Freiheit fordert und bereit ist das unter Einsatz des eigenen Lebens einzufordern !

    • helmut mueller schreibt:

      In einer Zeit, in der deutsche Politiker nicht mehr vom Volk reden und schon gar nicht an dieses denken, wird ein solcher Vers zu vielen Deutschen wie aus einer fernen, fremden Welt klingen. Aber, ohne es bewußt wahrzunehmen, auch in ihrem innersten Wesen wird damit eine schlummernde Saite erreicht und könnte diese einmal wieder zum Klingen bringen.

  2. kulissenschieber schreibt:

    Geil.
    Ich hab heute wieder auf dem Flohmarkt geketztert.!!!!!!!!!!!!!!!!

    Auf einmal waren wir in einer ganzen Gruppe die „alles“ wußten.
    Teilweise war ich noch ein Waisenknabe, obschon ich mich als „infiomiert“
    ansehen wollte. Es waren Menschen in Bous, Saarland, die hatten den
    vollen Durchblick. Wer das sagen auf dem Kontinent hat und wo die meisten Schiffe
    versichert sind. Wer der Herr der EZB ist und daß die BIZ exterrritorial in Basel
    die „Gesamt“ Notenbank ist. Alles gewusst. Also. Das Wissen ist im Volk. Geil.
    Und Wenn die Weisen des Geldes meinen sie müßten die Schlinge zuziehen (ESM)
    Dann werden sie wach. Dann wird es spannend. Hoffentlich hast Du Deine Vorrärte
    aufgefüllt. Denn sonst hat Deine Familie für Monate nichts zu beissen.
    Geil.
    Karten auf den Tisch. Schluß mit Verarschung……………
    Endlich kommt Bewegung in die Sache.Millionen von Deutschen dämmern vor sich hin.
    Von Kauflust zu Kauflust. Ohne Ahnung daß es nur Vieh ist.
    DiePost macht das Monatsgeldfür-Flat-Rate auf 19,00Euro (Beispiel)
    Die Kabel-Deutschlandauf 17euro55.
    Also istklar,daß am Montag Morgen Millionen von Rentnern und Schmalgeld Leuten
    zu Kabel wechseln. Das ist alles so sicher wie das Amen in der Kirche.
    Also. Wie bekommen wir wieder unser „Rückrat“ zurück??????????????
    Indem wir das ganze Casino-Kapitalistische Pack auf dem Marktplatz zusammentreiben
    und an den Pranger stellen.
    Wer hat deutsches „Allgemein-Wasser“ an Hedges-Fonts verkauft ???????????????
    Kopf ab.
    Wer hat zugelassen daß hier auf den Ackerflächen „GEN-Kartoffeln“ angepflanzt werden die
    bei Kindern Übelkeit verursachen?????????????
    Kopf ab.
    Wer hat sich ständig als „Finazminister“ bei privaten Bankstern verschuldet und damit den
    Ruin der Gesamtheit verursacht??????????
    Kopf ab.
    Wer hat deutsche um deren Lebensersparnisse gebracht????????????
    Kopf ab.
    Ich denke. Wenn diese „Natürlichen Forderungen“ die runde machen, werden die „Abgeordneten“
    die die Verträge die sie abnicken sollen wenigstens vorher lesen. Auch wenn sie von den
    Machern (Besatzern) extra unverständlich geschrieben wurden. Und das auch noch in englisch.
    Also Deutsche. Den Schnorchel hoch. Wenn wir so Viele sindhaben „DIE“ keine Chanche.
    Denn wir sind DEUTSCHE. Die haben das schon immer gepackt…………….

    Euer Kulissenschieber

  3. Burkhard Koehler schreibt:

    Sehr geehrter Herr Müller,

    auf ihrer Seite https://helmutmueller.wordpress.com/
    befindet sich ein guter Leserbeitrag mit der Überschrift:
    Wo Grass sich noch nützlich machen könnte
    (Veröffentlicht am April 10, 2012)
    Jedoch ist der weiterführende Link:
    http://openpetition.de/petition/online/zum-schutz-der-deutschensprache.
    Fehlerhaft angegeben
    Richtig lauten müsste es:
    http://openpetition.de/petition/kontakt/zum-schutz-der-deutschen-sprache
    (d. h. es wurde nur hinten ein Bindestrich vergessen, so dass viele aber die Petitionsseite nicht finden werden).
    Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie dies berichtigen könnten.

    Als Dank ein kleines Gedicht aus meiner großen Sammlung:
    ***
    Hab Brüder und Schwestern in aller Welt,
    Jesus sucht zur Nachfolge nicht den Held,
    er wird in Gemeinschaft unter euch weilen,
    drum habe den Mut mit anderen zu teilen.

    Fülle dein Leben mit seiner Liebe Macht,
    so wird es in deinem Herze niemals Nacht,
    denn wer Jesus einmal hat gefunden
    wird bis in Ewigkeit mit ihm sein verbunden.
    (© Burkhard Köhler)
    Paderborn, Samstag, 17. März 2012

    ***

    Mit freundlichen Grüßen

    Burkhard Köhler
    Paderborn, Montag, 16. April 2012

  4. Hans Sillberger schreibt:

    Eine Umfrage vor 2 Jahren hat ergeben, dass nur 6% der Südtiroler von „Unabhängigkeit“ träumen. Ferner hat Oestreich eher ablehnend reagiert auf die Idee eines „Anschlusses.“ Die Südtiroler werden von der italienischen Regierung verwöhnt. Die besten deutschen Gymnasien befinden sich in Südtirol, so das Gymnasium Walther von der Vogelweide in Bolzano (hat eine Webseite).

    • helmut mueller schreibt:

      Eine aktuelle Umfrage der wenig selbstbestimmungsgeneigten Südtiroler Illustrierten „FF“ unter allen drei Südtiroler Sprachgruppen hat ergeben, daß eine Mehrheit von 58 Prozent sich für einen Freistaat ausspricht. Das bedeutet, dass eine deutliche Mehrheit südlich des Brenners für eine Zukunft ohne Italien ist. Ungefähr gleich viel Prozent haben sich in einer anderen Umfrage für die Doppelstaatsbürgerschaft ausgesprochen.

      • Husar schreibt:

        Wer wie ich am Andreas Hofer Gedenkmarsch in Innsbruck 2009 dabei war, an dem 33 000 Schützen aus ganz Tirol teilnahmen, dazu Gäste aus nahezu ganz Europa, kann sich ein Bild machen, wie es um den Freiheitswillen dieses deutschen Volksstammes steht. Nicht umsonst habe ich den Rütli zitiert, dort ist dieser Wille vorhanden. Warum funktioniert das in Deutschland nicht ? Auch hier in Ungarn wären deutsche Verhältnisse undenkbar. Die ungarische Garde hat seit der letzten Vereidigung mehr Mitglieder, als die ungarische Armee, und das sind magere 30 000 Soldaten.

      • peter vogel schreibt:

        @ husar: Träumen Sie weiter. Ungarn wird genauso aufgerieben wie der Rest Europas. Die Südtiroler Schützen oder die Ungarische Garde wissen doch selbst, dass Sie nur noch Sterbebegleitung für das eigene Volk leisten können. Eine makabre Gemengelage aus Kostümierung, Selbstbetrug und Realitätsverweigerung wird hier wie dort praktiziert. Das ist Zeitverschwendung mit folkloristischer Dekoration, sonst gar nix!

  5. Pingback: Sie wollen die Freiheit! « Sache des Volkes

  6. Husar schreibt:

    Lieber Herr Vogel,
    für Sie ist es träumen, für uns harte Realität. Träumer haben viel geschafft und Zeitläufe verändert. Als Gneisenau seinem König eine Gedenkschrift vorlegte, die die Reorganisation des preußischen Heeres zum Inhalt hatte, schrieb der König eine Randnotitz, “ als Poesie gut „, und doch hat diese Träumerei den Lauf der Zeit verändert. Gestern wie heute, grade Träumer haben die Welt herumgerissen, wer keine Träume hat, hat keine Visionen, weder für sich noch für sein Volk. Und aufgerieben wird nur der, der sich aufreiben läßt. Wir sind keine Sterbebegleitung sondern die Wiedergeburt, an dem Tag, wo die Stunde schlägt !

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