Zeitgeschichte, die nicht vergeht

Als der mutige und redliche deutsche Historiker Ernst Nolte vor gut dreißig Jahren die  Einzigartigkeit von Auschwitz hinterfragte, löste er den berühmten „Historikerstreit“ aus.  Etwas zu hinterfragen, das die herrschende Meinung, besonders auch Herr Habermas für ausgemacht hält, war schon damals keine ungefährliche Sache, wie selbst Nolte erfahren mußte.                                                                                                                                                Seither ist es etwas ruhiger geworden, wenn auch das Thema nicht vom Tisch ist, denn die ganz bestimmte Vergangenheit darf  halt noch immer nicht vergehen. Auch weil, nach Ansicht einer „Mainstream“-Journalistin, „…in unserer deutschen Geschichte das Böse (nebenan) ja ständig  präsent sei. Was sie unterschlägt: nicht nur in der deutschen. Es sollte doch auch an dieser Spätgeborenen nicht spurlos vorübergegangen sein, wo das Böse sonst noch zu Hause ist. Nachhilfe erwünscht?                                                                        Dank einer neuen Historikergeneration werden es die Wächter der veröffentlichten Zeitgeschichte  in Zukunft doch schwieriger haben, eine  zwar langsame, aber beharrliche Zerstörung von Geschichtslegenden und Geschichtsmythen noch weiter verhindern  zu können, und Fragen werden auch anderswo gestellt.

So-hat nun die Litauische Historikerin Eglė Wittig-Marcinkevičiūtė im Internet-Portal Balsas die Frage , ob die Verbrechen des Kommunismus den Nazi-Verbrechen gleichgesetzt werden dürfen, von sich aus aufgeworfen. Konkret:  Warum eigentlich sollen die Massenmorde der Kommunisten keinen Völkermord darstellen? Worin unterscheidet sich die Vernichtung von Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit von der Vernichtung aufgrund von Klassenzugehörigkeit, sozialer Herkunft  oder politischer Überzeugung? Weil man z. B. letztere wechseln kann? Warum ist dann Religion ein Teil des Genozid-Begriffs? Die könne man ja auch wechseln!                                                                     Und warum sollte die Vernichtung von Menschen schlimmer sein, wenn die Auswahl durch Merkmale bestimmt wird, die ein Individuum nicht ändern kann? so die Historikerin. Ein neuer Historikerstreit mit moralischer Dimension, der sicher nicht an den Grenzen Litauens halt machen würde, könnte noch für  Überraschungen sorgen.

Ein anderes, aber immerhin verwandtes Kapitel, das des armenischen Völkermordes und dessen Leugnung, könnte  jetzt in Frankreich geschlossen worden sein. Vorerst jedenfalls. Das Gesetz, das die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellt, sei verfassungswidrig, es verstoße gegen das Gebot der Meinungsfreiheit, urteilte der Verfassungsrat in Paris. Nach  diesem Urteil kann das umstrittene Gesetz, gegen das die Türkei scharf protestiert hatte, nicht in Kraft treten. Mit dieser Entscheidung dürfte  aber Paris eine Verlängerung des Armenier-Problems ins Haus stehen, und Sarkozy hat schon eine Neuauflage des Gesetzes angekündigt.                                                                                     In dem aktuellen Fall zwar ein Sieg für die Meinungsfreiheit, der aber dennoch Gelegenheit zu weiteren Überlegungen bietet: Wie sieht es im Lichte dieses obersten Richterspruchs jetzt eigentlich mit der Meinungsfreiheit hinsichtlich des Tatbestandes  der so genannten Auschwitzlüge aus?  Wird der  französische Verfassungsrat diesen nun – ganz im Sinne der allen Franzosen heiligen Gleichheit – auch als verfassungswidrig erklären ?                          Er wird es nicht, denn man hat schon eine Hintertür gefunden.: Dieser Tatbestand sei ja ein internationaler, heißt es. Aha!

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5 Antworten zu Zeitgeschichte, die nicht vergeht

  1. Pingback: Zeitgeschichte die nicht vergeht « Bedenklich

  2. Pingback: Zeitgeschichte, die nicht vergeht « Der Honigmann sagt…

  3. jurijbelow schreibt:

    Werter Herr Müller,
    zuerst haben Sie vielen Dank für Ihren guten Artikel. Allerdings wäre es besser, wenn Sie das Dokument, welches ich für das wichtigsten Dokument der Nachkriegsgeschichte nicht nur angesprochen, sondern auch zufügen. Prof. Dr. Ernst Nolte hat 1986 „Die Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte“ verfasst in dem er als erster in dem Abendland erlaubte sich den Holocaust nicht aus dem Kontext der Geschichte auszureißen:
    „War nicht der „Archipel GULag“ ursprünglicher als „Auschwitz“? War nicht der „Klassenmord“ der Bolschewiki das logische und faktische Prius des „Rassenmords“ der Nationalsozialisten? Sind Hitlers geheimste Handlungen nicht gerade auch dadurch zu erklären, daß er den „Rattenkäfig“ nicht vergessen hatte? Rührte Auschwitz vielleicht in seinen Ursprüngen aus einer Vergangenheit her, die nicht vergehen wollte?

    Das ist eine Schlüsselfrage um die sog. „Vergangenheit“ über die Juden pausenlos sprechen erst richtig zu verstehen. Hier ist der Volltext diese Rede: http://www.jubelkron.de/index-Dateien/nolte.htm – es wäre gut, wenn Sie diesen Text Ihren Artikel durch Verweis zufügen.
    Mit Dank im Voraus
    Jurij Below, Frankfurt

    Mehr zum Thema Vergangenheit können Sie in meiner Webseite: http://www.jubelkron.de lesen, insbesondere bei meinen „Meldungen“ bei news4press und „Holocaust & Gulag“.

  4. Pingback: Zeitgeschichte, die nicht vergeht « Sache des Volkes

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