Alle Macht den Herren des Geldes?

Nicht alles, was Linke einst geschrieben haben, muß deshalb gleich falsch sein. So  im damaligen „Neuen Forum“: Die  Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) „ist das wesentliche Resultat“ des kapitalistischen „Konzentrations- und Zentralisationsprozesses“, der mit „der Verwirklichung einer Wirtschafts- und Währungsunion“ und dem „politischen Zusammenschluß zu den Vereinigten Staaten von Europa“ eine neue Weltmacht begründen werde. Solches konnte man vor gut drei Jahrzehnten in der Zeitschrift des  Günther Nenning lesen.                                                Allerdings sah man bereits in den Siebziger Jahren in der „unterschiedlichen ökonomischen Struktur“ der einzelnen EWG-Mitglieder eine „bedeutendes Hindernis“ auf dem Weg in die „europäische Integration“. Richtig vorausgesehen! Auch wenn nicht wenige dieser 68er-Generation sich mittlerweile im von ihnen einst bekämpften Kapitalismus bequem eingerichtet haben.

Doch weiter  in dem zitierten „Forum“ liest man: es sei die Entscheidung darüber, „ob der Zusammenschluß des westeuropäischen Kapitals Wirklichkeit werden wird“ oder ob sich nicht doch „die Gegensätze verschärfen“ werden und am Ende „die Rückkehr zum Nationalstaat“ stehe, noch nicht gefallen.                                                                                     Genau vor dieser Frage stehen wir mit jetzt insgesamt 27 EU-Mitgliedstaaten (und der Euro-Zone) umso mehr. Haben sich nicht die Integrations-Behinderungen geradezu vervielfacht und hat sich nicht der Druck des Kapitals, das ja längst nicht mehr ein bloß westeuropäisches ist, enorm erhöht?                                                                                                Aber weder von etablierter linker noch rechter Seite erfolgt eine zeitgemäße und konkrete Analyse der Politik und Bewegung des internationalen Kapitals, noch ist von den Regierungen eine auch nur in kleinsten Ansätzen strategische nationale Neuorientierung erkennbar.

Ja, es ist geradezu alarmierend, daß sämtliche etablierten Parteien, links wie rechts, sich anscheinend zu einem Kartell zusammengeschlossen haben, das, wahltaktisch motiviert, zwar einen scheinbaren oder teilweisen Widerstand gegen einen vom transatlantischen Finanzsystem orchestrierten europäischen Bundesstaat signalisiert, das aber sich hinter dem Rücken der Wähler  längst dafür entschieden hat, auch den Rest an Hoheitsrechten und nationalem Eigentum und Ressourcen aufzugeben.                                                      Daher die Ausflüchte und Ausreden, die Halbheiten und Lügen zum Tag. Daher auch die Verteufelung eines womöglich basisdemokratisch organisierten Nationalstaates, der,  als einziger den Herren des Geldes noch ins große Geschäft spucken könnte.

Ideologie und Ziele der Kapitalmächte lassen sich ja längst in verräterischer Weise an schleichend eingeführten Begriffen wie Mobilität (mobile Masse statt Volk) und Diversität (u. a. Begriffmaske für Multikulti) festmachen.                                                                     Vermischung von Waren und Menschen (auch Geschlechtern) sind nämlich unverzichtbar für das Funktionieren des heutigen globalen Marktes. Die früheren Hauptakteure, die Nationalstaaten, sind da nur mehr hinderlich. Nationale Wirtschaft soll und darf es nicht mehr geben.                                                                                                                                           Das ganze Projekt wird durch globale Machtnetzwerke gesteuert. Diesem neuen, gerade wieder einmal mit dem Säbel rasselnden Imperium stehen Waffen, Geld und moderne Kommunikationsmittel, auch Überwachungsdrohnen, zur Verfügung, die Kontrolle und Beherrschung garantieren.

Wenn jetzt ein Parteisekretär, wie jener der SPÖ, erklärt,  in Zukunft sei man als Staat „vor allem souverän“, wenn man die Schulden im Griff habe und auf Wachstum achte, dann steckt dahinter wohl  keine bloße Naivität, sondern mit einiger Sicherheit reine Manipulationsabsicht.  Geradezu lächerlich diese Aussage.                                                      Ob wir Politikergeschwätz folgen und uns letzten Endes dem globalen Markt und den Finanzmächten unterwerfen und deren Geld als Maß aller Dinge anbeten oder  in der Lage sein werden, einen nationalrevolutionären Gegenentwurf in Stellung zu bringen, hängt allein von uns ab. Die Bewußtwerdung (oder Renaissance) als Schicksalsgemeinschaft  und deren überzeugte, bewußte Wille auf ein gemeinsames anerkanntes Ziel hin wäre aber dazu eine Voraussetzung. Das bedeutete die Mobilisierung von Kräften, wie wir sie aus geschichtlichen Höhepunkten eines Volkes oder einer Nation kennen.

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3 Antworten zu Alle Macht den Herren des Geldes?

  1. sozrev schreibt:

    Diversität ist ein interessanter Begriff. Dieser stammt auf das Politische bezogen eigentlich von der „Neuen Rechten“ bzw. von ethnopluralistischen Nationalrevolutionären. Henning Eichbergs Libelingsbegriff war wohl die „Diversität der Völker“.

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