Gedanken zum Jahresende

So mancher der auch nur die letzten hundert Jahre Revue passieren läßt, könnte dazu verleitet werden, nach dem Sinn der Geschichte zu fragen. Ja nach dem Sinn des Seins überhaupt. Aber da ergeht es so manchem wie dem Laien bei der Quadratur des Kreises. Oder man landet im religiös oder ideologisch begründeten Dogmatischen. Aber glücklich jene Frommen, die diesen Sinn für sich gefunden zu haben glauben und ihn daher  nicht mehr zu hinterfragen brauchen.                                                                                                      Nur Wenigen  fällt der rechte Sinn des Seins so einfach und endgültig zu. Für viele ist allein der Begriff des Seins, wie Heidegger sich ausdrückte, „vielmehr der dunkelste“. Ein Begriff, der sich auch nicht unbedingt im Konsum- oder Drogenrausch erhellt und uns wohl noch weiter Rätsel aufgeben wird.

Doch gibt es nicht auch ein Sein das für viele Heutige längst sinnstiftend ist? Dieses ist greifbar und gleichbedeutend mit Haben. Für  solche Sein-Besitzer scheint, trotz Wetterleuchten am Horizont, Krisen, auch moralischen, Katastrophen und Aufständen, allein das Hier und Jetzt, ausschließlich das ihnen gegenwärtig Nützliche zu zählen.               In diesem Götzen Heute liege, wird einen vorgemacht, der ganze Sinn und Zweck unseres So-Seins und Daseins, und das (ver)heißt ja bekanntlich jede Menge Konsum und Spaß bis unter die Gürtellinie. Und als Pausenprogramm: Endlos Schulden tilgen und, beinahe wie in Nordkorea, organisierte selektive Trauerarbeit.

Geschichte  ganz allgemein ist vielfach zwar ein Minenfeld, und geschichtliche Wahrheit streckenweise tabu, aber einzelne Elemente sind für die gegenwärtig Herrschenden doch von Nutzen. Daher  fliegen uns diese  täglich um die Ohren.                                                         Die Gegenwart ist aber, so heißt es bei Hegel, ein Ergebnis der Vergangenheit und schwanger mit der Zukunft. Also hätte dies, meine ich, in jeder Geschichts- und Weltbetrachtung ganzheitlich und vorurteilsfrei berücksichtigt zu werden. Scheuklappen sind dabei hinderlich.                                                                                                                                                                   Doch zu viel Wissen macht angeblich Kopfweh. Tand ist daher der tägliche Begleiter vieler, auch Politiker. Was man zu überliefern hat, ist morgen schon „out“ und wird späteren Generationen eher zur enormen Belastung werden.  Seit Jahrzehnten wurde nichts wirklich Bleibendes mehr erschaffen, auf geistiger wie kultureller Ebene zu wenig dafür getan, was von überzeitlichem Wert wäre.                                                                                       Man lebt heute einen Tag um den anderen, flüchtet, unter Beifall der Mächtigen, in die geistig anspruchslosesten Angebote des Tages. Der Genuß des Augenblicks triumphiert, man nimmt ichbezogener Weise sich nicht die Mühe, die von Schwaden der Umerzieher-Nebelgranaten umhüllte Wahrheit aufzuspüren.

So blicken vor allem die nicht selten wenig gelittenen tiefer und weiter Nachdenkenden in den Rückspiegel der Zeit, die selbstverständlich nicht mehr jene unserer Groß- und Urgroßeltern ist. Was erblicken wir darin?  Unter anderem bedeutende  historische Umbrüche  (in Osteuropa und in der islamischen Welt), die immer wieder  gleichen Fehler und Irrtümer der Herrschenden, den Wandel der Mode in allen Bereichen, Flüge ins All, medizinische Fortschritte, technische Errungenschaften, ökonomische und soziale Verwerfungen und schlimme Katastrophen.                                                                                                                                                                   Nicht zuletzt registrieren wir rückschauend auch jene Jahre, in denen das Bewußtsein, einer Gemeinschaft oder einem Volk anzugehören, sowie das Vertrauen auf eine festgefügte innere Ordnung, noch einigermaßen intakt war.                                                      In die jüngere Vergangenheit fällt zudem der Beginn einer falsch verstandenen und deshalb vorerst gescheiterten europäischen Einigung und jener einer länger andauernden gewaltigen ökonomischen und sozialpolitischen Krise.

Noch sind, wenn wir einmal davon absehen, daß wir in finanzieller Hinsicht gehörig zur Ader gelassen werden, die endgültigen Auswirkungen der derzeitigen Krise sowie jene internationaler Erschütterungen nicht abzusehen.                                                                         So könnten wir, abgesehen von einem Zerfall der EU, in deutschen Landen noch mit einer hausgemachten Immobilienblase belästigt werden, könnte wegen Chinas riesigem Schuldenberg eine weitere Sturmfront sich aufbauen und das deflationäre, auch hoch verschuldete Japan in eine Finanzkrise taumeln. Mit entsprechenden Folgen auch für uns.

So wie wir  im Rückblick nur einen Ausschnitt vergangener Zeiten und Ereignisse erfassen können, ist es mit dem Überblicken der Gegenwart auch, die in ihrer Komplexität vielen wohl wie ein Labyrinth erscheinen muß. Doch da erweist sich gerade das Vergangene  als hilfreich.                                                                                                                                             Indem wir das, was geschah zu begreifen und das, was unsere Vorfahren bewegte und umtrieb, zu verstehen versuchen. Auf diese Weise wird uns zumindest das, was uns heute umgibt, Sorgen und Hoffnungen bereitet, verständlicher. Und in verborgen scheinender Weise die Zukunft etwas vertrauter.

Nein, wir werden immer noch nicht in einem Paradiese leben. Die Mehrheit wird in absehbarer Zeit schlimmstenfalls ein beschwerliches, vielleicht vorübergehend sogar armseliges und gefährliches Leben führen müssen. Das müßte dann noch nicht das Ende sein, denn einem solchen zu entfliehen, wird auch weiterhin zu den vornehmsten Begierden des Menschen zählen.                                                                                                      Doch der vollständige Rückzug in das Innere oder in Vergangenes, wie es viele versuchen, ist ganz gewiß der falsche Ansatz, und er ist egoistisch. Er kommt einer Desertion gleich und löst in keiner Weise heutige Probleme.

Also fragt man sich: muß man denn  immer erst warten, bis es so ordentlich kracht? Könnte man nicht auch einmal den Versuch wagen, rechtzeitig aus dem „goldenen“ Käfig zu entkommen?  Dazu wird es noch einen gehörigen Anstoß brauchen.                                   Spätestens aber wenn die Mehrheit den organisierten „Spaß“ sich nicht mehr leisten kann und auch nicht mehr „mitspielen“ will, kommt die alles entscheidende  Frage ohnehin von selbst auf den Tisch jener Gegenwart, die uns jetzt noch als Zukunft erscheinen mag. Sein oder Nichtsein, heißt dann hier die Frage, und darin liegt auch ein Teil der Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Seins.

Allen Blogbesuchern ein herzliches Prosit 2011!

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4 Antworten zu Gedanken zum Jahresende

  1. nora schreibt:

    30. Dezember 2011

    Darum, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung.
    2. Korinther 5,17

    Könnte ich doch noch einmal neu anfangen!

    Kennen Sie diesen Gedanken: Ganz von vorn anfangen, eine zweite Chance
    bekommen – das wär’s! Kennen Sie dieses Grübeln: »Hätte ich doch
    damals die Gelegenheit wahrgenommen!«
    So bleibt nach vielen Begegnungen ein schaler Nachgeschmack, weil wir
    an anderen schuldig geworden sind, indem wir mit unseren Worten zu
    weit gegangen sind oder weil wir nicht ganz die Wahrheit gesagt haben.
    Oder weil wir Gerüchte weiter getratscht haben und lieblos urteilten,
    anstatt einen Mangel mit dem Mantel der Liebe zuzudecken.
    Nach vielen Entscheidungen würden wir am liebsten das Rad zurückdrehen
    und alles anders machen.
    Warum tun wir das eigentlich nicht? Warum gehen wir nicht zu dem
    Gesprächspartner von letzter Woche und korrigieren unsere Worte oder
    klären die Halbwahrheiten? Manchmal ist es leider zu spät, um etwas
    zurückzunehmen, weil aufgrund unserer Worte Geschäftsabschlüsse
    getätigt oder Entlassungen ausgesprochen wurden; aber durch unser
    Bekenntnis wäre unser Gewissen entlastet. Doch oft klären wir Dinge
    nicht, weil wir Angst haben, vor anderen nicht mehr so gut dazustehen.
    Was wird der andere von uns denken? Wird unser Verhältnis jemals
    wieder so gut wie vorher werden? Wir schämen uns und können uns nicht
    vorstellen, dass uns jemand eine zweite Chance gibt!
    Der »Befreiungsschlag« kann aber nur durch ein ehrliches Bekenntnis
    eingeleitet werden – und zwar zunächst vor Gott, der Leben in
    Beziehungen überhaupt erdacht und ermöglicht hat. Er ist der Gott des
    Neuanfangs! Er gibt die zweite Chance! Er vergibt und hilft,
    Beziehungen zu erneuern und zu gestalten. Er hilft uns auch, in
    Gespräche und Wiedergutmachung mit solchen Menschen zu investieren,
    die durch uns geschädigt oder traurig gemacht wurden.

    KS

    Wo gibt es Lebensbereiche, in denen Sie Dinge in Ordnung bringen müssen?

    Fangen Sie heute neu an – mit Gott haben Sie eine zweite Chance!

    Prediger 3,9-15
    ———————-

    1 Alles hat seine Zeit und jegliches Vornehmen unter dem Himmel seine Stunde.
    2 Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; Pflanzen
    hat seine Zeit, und Gepflanztes ausreuten hat seine Zeit;
    3 Töten hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit; Zerstören hat seine
    Zeit, und Bauen hat seine Zeit;
    4 Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine
    Zeit, und Tanzen hat seine Zeit;
    5 Steine schleudern hat seine Zeit, und Steine sammeln hat seine Zeit;
    Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine
    Zeit;
    6 Suchen hat seine Zeit, und Verlieren hat seine Zeit; Aufbewahren hat
    seine Zeit, und Wegwerfen hat seine Zeit;
    7 Zerreißen hat seine Zeit, und Flicken hat seine Zeit; Schweigen hat
    seine Zeit, und Reden hat seine Zeit;
    8 Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine
    Zeit, und Friede hat seine Zeit.
    9 Was hat nun der, welcher solches tut, für einen Gewinn bei dem,
    womit er sich abmüht?
    10 Ich habe die Plage gesehen, welche Gott den Menschenkindern gegeben
    hat, sich damit abzuplagen.
    11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er
    in ihr Herz gelegt, da sonst der Mensch das Werk, welches Gott getan
    hat, nicht von Anfang bis zu Ende herausfinden könnte.
    12 Ich habe erkannt, daß es nichts Besseres gibt unter ihnen, als sich
    zu freuen und Gutes zu tun in seinem Leben;
    13 und wenn irgend ein Mensch ißt und trinkt und Gutes genießt bei all
    seiner Mühe, so ist das auch eine Gabe Gottes.
    14 Ich habe erkannt, daß alles, was Gott tut, für ewig ist; es ist
    nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen; und Gott hat es so
    gemacht, daß man sich vor ihm fürchte.
    15 Was ist geschehen? Was längst schon war! Und was geschehen soll,
    das ist längst gewesen; und Gott sucht das Vergangene wieder hervor.

    in IHM
    nb

  2. Pingback: Gedanken zum Jahresende « Sache des Volkes

  3. ferdi schreibt:

    Wenn dieser christliche Gott so allmächtig und gütig ist, warum schafft er dann nicht endlich Ordnung, Frieden und Gerechtigkeit?

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